Erlangen, Haus Buck, heute Besoldsches Haus
Inventarnummer: cbdd20111
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Der hohe bauliche und gesellschaftliche Anspruch von Hofkammerrat Zacharias Buck gipfelte im gänzlich ausstuckierten Saal, in dem Christian Leinberger an der Decke eine Allegorie der Ewigen und der öffentlichen Glückseligkeit malte. Das Reliefmedaillon über dem Kamin huldigt Markgraf Friedrich III.

Haus Hofkammerrat Zacharias Buck
Bauherr und heutiger Name
Das Gebäude, bei dem es sich dem baulichen Anspruch zufolge um ein Palais handelt, wurde 1733–1734 durch den späteren Hofkammerrat Zacharias Buck (1699–1747) in Erlangen errichtet. [1] Sein heutiger Name Besoldsches Haus geht auf den 1873 als Käufer auftretenden Buchhändler Eduard Besold zurück. [2]
Das Haus ist Teil der 1687 von Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth (1644–1712) für geflüchtete Hugenotten errichteten Planstadt. Es stammt jedoch nicht aus der Gründungsphase der Gewerbe- und Handelsstadt, sondern repräsentiert das höfische Erlangen, das sich herausbildete, nachdem die Stadt 1708 zur sechsten „Haupt- und Residenzstadt des Fürstentums Brandenburg-Bayreuth“ erhoben worden war. [3]
Bevor sich Zacharias Buck in Erlangen niederließ, war er Bürger der Freien Reichsstadt Nürnberg. Er beantragte dort 1732 seine „Abzugsfreÿheit oder Bürger-Rechts Loslassung“, wozu sich ein von Buck in Nürnberg am 8. Mai 1733 datiertes Schreiben erhalten hat. [4] Die umfänglichen juristischen Einsprengsel in lateinischer Sprache weisen den Verfasser als studierten Juristen aus. Neben Bucks selbstbewusst großer, schwungvoll gesetzter Unterschrift prangt ein Siegel.
Den Forschungen Bernd Nürmbergers zufolge war Zacharias Buck seit 1722 mit der Witwe des Nürnberger Kaufmanns und Bankiers Otto Schmidt (1689–1720) verheiratet. [5] Über Otto Schmidt wiederum, an den der Vorbesitzer des Erlanger Hauses, der Erlanger Bürgermeister Thimothée Mollié, markgräfliche Obligationen abtreten musste, dürfte Buck in den Besitz des Vorgängergebäudes gekommen sein. [6]
Während der Errichtung des Erlanger Hauses starb Bucks Ehefrau Regina Catharina (geb. 1691) am 13. März 1734. [7] Sie wurde in der Familiengruft in der evangelisch-lutherischen Sophienkirche beigesetzt. [8] Ihre Tochter aus der 1711 geschlossenen Ehe mit Otto Schmidt, Catharina Regina (1712–1745), heiratete am 18. November 1733 in Erlangen Neustadt Justizrat August Göckel (1710–1774). Göckel, der 1774 das Haus seines Schwiegervaters Buck in der Hauptstraße erbte, besaß in der Friedichstraße 9 ein Haus ebenfalls mit einem Deckengemälde von Christian Leinberger. [9]
Mit dem für Erlanger Verhältnisse überdurchschnittlich ambitionierten Palais an der Hauptstraße empfahl sich Zacharias Buck bei den Markgrafen von Bayreuth für zukünftige Ämter. Als Hofkammerrat, als der er 1733 noch nicht firmierte, ist davon auszugehen, dass er wenig später zur markgräflichen Verwaltung gehörte. Die Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth war in sechs Hauptmannschaften mit den Hauptstädten Bayreuth, Kulmbach, Hof, Wunsiedel, Neustadt an der Aisch und seit 1708 auch Erlangen gegliedert. [10]
Lage an der Hauptstraße und Nähe zum Schloss
Die wichtigste und zugleich breiteste Straße der barocken Planstadt, an der Zacharias Buck sein Haus in der Art eines Adelspalais errichtete, war die Hauptstraße. Sie bildete die Mittelachse, die sich vom Tor zur „Stadt Alt-Erlang“ im Norden zum Nürnberger Tor im Süden erstreckte. [11] Außerdem verband sie die beiden Plätze der Planstadt, nämlich den Marktplatz im Zentrum mit dem im Südwesten gelegenen Hugenottenplatz. [12] Nachdem an der Ostflanke des Marktplatzes seit 1700 das markgräfliche Schloss emporwuchs, gewann die Hauptstraße zusätzlich an Prominenz.
Haus Buck lag im Abschnitt zwischen Marktplatz und Hugenottenplatz, also nahe am Schloss. Innerhalb des Straßenzugs nahm es die mittlere Position ein, was dem Gebäude besonderes Gewicht verlieh. [13] Seine dreigeschossige Fassade aus Haustein überragte die verputzten Nachbarhäuser deutlich, verband es jedoch vor allem mit der Bebauung des Marktplatzes. Nach den Vorgaben des Architekten der Planstadt, Johann Moritz Richter d. J. (1647–1705), sollte der Marktplatz mit zehn Steinhäusern ausgezeichnet werden, wohingegen die umgebenden Straßenzüge lediglich verputzte Fachwerkhäuser säumten. [14]
Eine Annährung speziell an das markgräfliche Schloss brachte nicht zuletzt der Umstand, dass Haus Buck analog zum Schloss mit der Fassade nach Westen ausgerichtet war. Das sechs Fensterachsen einnehmende Anwesen erstreckte sich, wie auch noch heute, nach Osten bis zur Halbmondstraße, wo es ebenfalls eine mehrgeschossige, architektonisch allerdings kaum gegliederte Hausteinfassade ausbildete. [15]
Vorgängergebäude, Daten zur Baugeschichte, mutmaßlicher Architekt
Das Vorgängergebäude des Bürgermeisters Thimothée Mollié entstand 1688, also während der ersten Bauphase der Planstadt. [16] Obwohl gemäß den Bauvorschriften die Hauptstraße dreigeschossig bebaut werden sollte, besaß es nur zwei Geschosse. [17] Aus dem Grundzinsbuch des Jahres 1745 geht hervor, dass das „vom Seel. Bürgermeister Molie Ao. 1688“ erbaute Haus „als zweygädig“ nur 10 Gulden jährlichen Zins abgeworfen hatte, wohingegen das aktuelle Gebäude mit seinen drei Geschossen 15 Gulden und viereinhalb Kreuzer einbrachte. [18]
Den Neubau von Zacharias Buck überliefert ebenfalls das Grundzinsbuch des Jahres 1745: „Ao. 1733 aber von mer gedachten H. Buck von Grund auf abgetragen und dreygädig hergestellet“. [19] Das Datum der Fertigstellung 1734 basiert auf einem ehemals vorhandenen Schlussstein im Hof des rückwärtigen Gebäudeteils (Halbmondstraße 5) mit der Bezeichnung „1734 aed.“. [20]
Als Architekt gilt der Bayreuther Landbaumeister Johann Georg Weiß, da dieser in Erlangen zur gleichen Zeit das ähnlich gestaltete Altstädter Rathaus entwarf. [21] Allerdings besitzt die Fassade des Altstädter Rathauses ein weniger ambitioniertes Relief als die von Haus Buck, obwohl sie mit größerer Präzision in der Hausteintechnik realisiert wurde. Hingegen greift ein nicht realisierter Entwurf für das Neustädter Rathaus, der durch eine Planzeichnung des Maurermeisters Georg Christoph Brückner aus der Zeit um 1740 überliefert ist, dasselbe Motiv der beiden von einem Dreiecksgiebel überfangenen Rundbogenfenster im ersten Obergeschoss auf, wie Haus Buck. [22]
Beschreibung des Außenbaus
Das sechs Fensterachsen breite Haus von Zacharias Buck erhebt sich dreigeschossig unter einem hohen, mit Gauben besetzten Mansarddach. Die Gliederung, die im Erdgeschoss aus gebänderten Lisenen, in den oberen Geschossen aus glatten Kolossalpilastern ionischer Ordnung besteht, fasst je zwei Achsen zusammen. Im Erdgeschoss entsprechen den beiden mittleren Achsen ein großes Rundbogenportal. Die einstigen seitlichen Rechteckfenster mit geohrten Rahmen überliefert eine Zeichnung der Zeit um 1780/90. [23] Sie wurden später als Schaufenster geöffnet. Das Rundbogenportal flankieren zwei ionische Vollsäulen, die den Austritt vor den beiden Rundbogenfenstern des ersten Obergeschosses tragen.
Zwischen Erd- und den beiden Obergeschossen verläuft ein Gesims, das über den gebänderten Lisenen als Verkröpfung vortritt. Die Kolossalpilaster beginnen auf hohen Postamenten, denen im ersten Obergeschoss in den Fensterachsen gemauerte Parapetfelder entsprechen. Sie tragen ein voll ausgebildetes Gebälk mit Architrav, glattem Fries und mehrfach profiliertem Gesims. Die geohrten Fenster besitzen im ersten Obergeschoss gerade Verdachungen. Die beiden mittleren, rundbogigen Fenster wurden unter einem ornamentierten Dreiecksgiebel zu einer Einheit zusammengefasst.
Entgegen der mehrfachen Auszeichnung des ersten Obergeschosses an der Fassade als Piano nobile befindet sich im Inneren das repräsentative Hauptgeschoss im zweiten Obergeschoss. Dies verwundert, da die Fenster des zweiten Obergeschosses etwas kleiner sind und sich zudem der Aufstieg ins zweite Obergeschoss länger und beschwerlicher gestaltet als der ins erste.
Die sorgfältig zugehauenen Steinquader beschränkten sich nicht auf die Fassade. Zusammen mit einem Eckpilaster wurden sie an den Schmalseiten – soweit aufgrund der unmittelbar anschließenden Nachbarbebauung sichtbar – weitergeführt. Mit Hilfe des Steinschnitts betonte der Architekt die Wandstreifen zwischen den Kolossalpilastern.
[1] Erlanger Stadtlexikon, 2002, S. 156. AK Markgrafenzeit, 2010, S. 48. Die zugehörigen Quellen bei Nürmberger, Veränderungen, 1995, S. 319–320. Das Sterbedatum von Zacharias Buck am 31. Juli 1746 im Alter von 47 Jahren ebenfalls bei Nürmberger, Veränderungen, 1995, S. 320.
[2] Erlanger Stadtlexikon, 2002, S. 156.
[3] Einen guten Überblick über die Stadtentwicklung von Erlangen gibt KDM Erlangen, 1962, S. 11–16. Ausführlich: Jakob, Erlangen, 1986.
[4] Staatsarchiv Nürnberg (StAN), Reichsstadt Nürnberg, Losungamt, 7-farbiges Alphabet, Urkunden 4184. Die Archivalie ist online abrufbar: urn:nbn:de:stab-81801727-8ae5-4398-90f4-0212d6207b453
[5] Nürmberger, Veränderungen, 1995, S. 320. Siehe auch Jemiller, Leinberger, 2006, S. 17 mit Anm. 26.
[6] Nürmberger, Veränderungen, 1995, S. 320. Eine der von Nürmberger herangezogenen Quellen: Findmitteldatenbank (bayern.de), urn:nbn:de:stab-95aa3a29-f47b-436f-8418-393ed40903a76
[7] Nürmberger, Veränderungen, 1995, S. 320. Siehe auch Jemiller, Leinberger, 2006, S. 17 sowie AK Leinberger, 2006, S. 106, Kat.-Nr. 11 (Werner Heunoske).
[8] Nürmberger, Neustädter Kirche, 1996, S. 276.
[9] Alle Daten zur Familie bei Nürmberger, Veränderungen, 1995, S. 320. Siehe auch Erlanger Stadtlexikon, 2002, S. 156. Zu Hofrat Göckel: Deutsche Biographie - Müller, Friedrich von (deutsche-biographie.de). Zum Haus Göckel, heute Leimbergerhaus siehe den Eintrag auf CbDD.
[10] AK Markgrafenzeit, 2010, S. 36.
[11] Jakob, Erlangen, 1986, S. 25–30.
[12] Jakob, Erlangen, 1986, S. 25–30.
[13] KDM Erlangen, 1962, S. 63. Vgl. die Bildunterschrift von Jakob, Erlangen, 1986, S. 35, Abb. 20. Außerdem Jakob, Erlangen, 1986, S. 93.
[14] Jakob, Erlangen, 1986, S. 35.
[15] Siehe die Luftaufnahme in Jakob, Erlangen, 1986, S. 121, Abb. 59.
[16] KDM Erlangen, 1962, S. 62; AK Markgrafenzeit, 2010, S. 48. Die Quelle und ihre wortgetreue Transkription bei Nürmberger, Veränderungen, 1995, S. 319–320.
[17] Jakob, Erlangen, 1986, S. 34.
[18] Nürmberger, Veränderungen, 1995, S. 319–320.
[19] Nürmberger, Veränderungen, 1995, S. 319–320. Siehe außerdem die Einträge in: KDM Erlangen, 1962, S. 62; Jakob, Erlangen, 1986, S. 93; AK Markgrafenzeit, 2010, S. 48.
[20] KDM Erlangen, 1962, S. 63. Nürmberger, Veränderungen, 1995, S. 320.
[21] Erlanger Stadtlexikon, 2002, S. 156–157 (Andreas Jakob). Zum Altstädter Rathaus: KDM Erlangen, 1962, S. 46–47 sowie AK Stadtansichten, 2003, Kat.-Nr. 3.23, S. 153. Die Zuweisung des Altstädter Rathauses an Weiß bei Nürmberger, Veränderungen, 1995, S. 317.
[22] AK Stadtansichten, 2003, Kat.-Nr. 3.25, S. 154.
[23] Die Zeichnung befindet sich im Stadtarchiv Erlangen, Sammlung Singer Nr. 25. Siehe hierzu: AK Stadtansichten, 2003, Kat.-Nr. 3.41 mit Farbabbildung S. 162 und AK Markgrafenzeit, 2010, S. 48, ebenfalls mit Farbabbildung.
Erschließung und Treppenhaus
Das große Rundbogenportal in der Mitte der Fassade führt in eine breite Durchfahrt, an deren rechter Seite sich am hofseitigen Ende des Vorderhauses das Treppenhaus öffnet. Es handelt sich um eine hölzerne Podesttreppe mit zwei parallel geführten Läufen. Im zweiten Obergeschoss, in dem sich im Saal das Deckengemälde befindet, präsentiert es sich als dreibogige Arkadenstellung, die sich auf das dortige Vestibül öffnet. Zwei der Arkaden dienen den Treppenläufen. Die dritte, der Symmetrie halber eingerichtete Arkade nimmt eine Tür zu einem Verbindungsgang auf. [1]
Die Treppenhaus-Arkaden bestehen aus Holz, doch werden sie von aufwendig stuckierten Scheitelsteinen bekrönt, von denen der mittlere in die Stuckdecke des Vestibüls hineinragt. Bemerkenswert ist im Vestibül außerdem der original erhaltene Steinboden mit einem raffinierten Muster aus weißen und grauen ineinander verschlungenen Bändern, die einen großen weißen Stern auf grauem Grund einfassen.
Dreiräumiges Empfangsappartement
Der durch das Deckengemälde ausgezeichnete Saal des Hofkammerrats Zacharias Buck ist Teil eines drei Räume umfassenden Empfangsappartements. [1] Das Appartement beginnt im Anschluss an Treppenhaus und Vestibül mit einem quadratischen Vorzimmer, das Licht aus dem Innenhof zwischen Vorder- und Hinterhaus erhält. Der Bandelwerkstuck der Decke gruppiert sich locker um ein großes Mittelfeld mit geschweift ein- und ausbuchtendem Rahmen.
Entlang der Fassade betritt man zuerst den vierachsigen Saal mit dem Deckengemälde. Er besitzt an seinen beiden Schmalseiten jeweils in der Mitte zweiflügelige Türen, von denen jedoch nur die vom Vorraum weiter entfernte Tür in ein quadratisches Kabinett mit zwei Fensterachsen führt. Die andere Tür ist eine Scheintür, die die Enfilade entlang der Fassade länger erscheinen lässt, als sie in dem sechsachsigen Gebäude angelegt werden konnte.
Der Saal
Beschreibung des Stuckdekors der Wände
Der zehn Meter lange und viereinhalb Meter tiefe Saal mit seinem weiß-grau ornamentierten Steinboden, dem rot- und schwarzmarmornen Lambris, dem Kaminjoch mit Porträtmedaillon, dem Stuckdekor an allen vier Wänden sowie der Stuckdecke samt Deckengemälde hat sich vorzüglich erhalten. Von den insgesamt vier Türen befinden sich zwei in der Mitte der Schmalseiten, wobei eine, wie erwähnt, nur als Scheintür ausgebildet ist. Zwei weitere flankieren das Kaminjoch an der Innenwand mit einem Porträtmedaillon des Markgrafen Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth (reg. 1735–1763).
Über einem profilierten Lambris aus rotem Marmor mit eingelegten schwarzen Feldern werden die Wände von stuckierten Bandelwerkbändern in breite Abschnitte ebenfalls mit Bandelwerkdekor unterteilt. Das Bandelwerk der breiten Abschnitte ist etwas lockerer gesetzt als das der dichter gewobenen Bänder. Ebenfalls aus Bandelwerkstuck bestehen die vier Supraporten. Hier rahmen die Bänder eine stuckierte Blumenschale. Die weißen Stuckbänder heben sich von einem gelb getönten Grund ab. Einige Felder sind zart rosa getönt. Nach Angaben des Stadtarchivs wurde bei der jüngsten Renovierung des Saales 1987–1989 die farbliche Fassung von 1906 wiederhergestellt. [1]
Das Kaminjoch
Blickfang des Raumes ist das Kaminjoch, dessen Abzug in den Vorraum des dreiräumigen Empfangsappartements hineinreicht. Die weich geschwungene Einfassung besteht aus rotem Marmor. Darüber wurde unter einem geschweiften Giebel mit Lambrequins ein Vorhang stuckiert. Er hinterfängt mit rotem Innenfutter und goldenen Fransen nebst Troddeln das golden gefasste Porträtmedaillon des Markgrafen Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth. Das Gegenüber des Kaminjochs bildet ein stuckiertes Zwischenfensterstück, an dem ursprünglich ein Spiegel angebracht gewesen sein dürfte.
Die Stuckdecke
Der Plafond beginnt über einem grau gefassten, mehrfach profilierten Gesims mit Kanneluren. In den vier Ecken sitzen unter geschweiften Giebelstücken jeweils zwei Putten, die ein Bandelwerkgespinst mit Lambrequin und Vase halten. Auf den Anfangsstücken der Giebel haben sich Vögel niedergelassen. Sie erinnern an Pfauen, doch könnte es sich auch um zierliche Adler handeln, durch die eine Anspielung auf das Wappentier der Brandenburg-Bayreuther Dynastie gegeben wäre. Das Zusammentreffen der Giebel markieren Büsten, die an männliche und weiblich Gottheiten gemahnen, ohne dass sie durch Attribute näher bezeichnet wären.
Die Mitten der langen Strecken werden von weiteren Giebelstücken mit Rosengitter und Putti über dem Gesims akzentuiert. Das mittlere Feld der Stuckdecke, das das oval gerahmte Deckengemälde einfasst, weist rein ornamentalen Bandelwerkstuck auf.
Namentlich nicht bekannter Stuckateur
Der Stuckateur des Saals ist namentlich nicht bekannt. Er müsste stilkritisch von einem Kenner der Bayreuther Hofkunst ermittelt werden. Der steinerne Fußboden, der 1988 ausgebaut und nach Begradigung des Untergrunds neu verlegt wurde, [2] findet sich in genau der gleichen Art ein weiteres Mal im Flur von Schloss Schillingsfürst in Hohenlohe.
[1] Stadtarchiv Erlangen (iserver-online2.de). Zur Restaurierung auch: Nürmberger, Veränderungen, 1989, S. 209–210.
[2] Nürmberger, Veränderungen, 1989, S. 209–210.
Deckengemälde mit Allegorie der Ewigen und der öffentlichen Glückseligkeit
Allegorie der Ewigen und der öffentlichen Glückseligkeit nach Cesare Ripa
Bis zu den Forschungen von Werner Heunoske anlässlich der monographischen Ausstellung zu Christian Leinberger im Erlanger Stadtmuseum im Jahre 2006, galt das Sujet des Deckengemäldes als eine Allegorie des Friedens. Auf der Grundlage von Cesare Ripas Handbuch der Iconologia, konnte Heunoske als Thema die Ewige Glückseligkeit herausarbeiten. [2]
Der aufgrund stilistischer Kriterien für das Leinwandgemälde an der Decke ermittelte Erlanger Maler Christian Leinberger (1706–1770) [3] wählte für das schlanke Hochoval einen dreizonigen Aufbau. In der Mitte sitzen auf Wolken mehrere weibliche Personifikationen, die das Hauptsujet der Ewigen und der öffentlichen Glückseligkeit abgeben. Darunter stürzen in einigem Abstand Zwietracht und Neid. Über der Frauengruppe fliegen, wiederum in einigem Abstand, vier Putten mit Blumen, Lorbeerkranz und dem Schlangenring der Ewigkeit vor einer den Himmel überstrahlenden Sonne.
Im Zentrum der mittleren Frauengruppe sitzt die Personifikation der Ewigen Glückseligkeit, die sich aufgrund ihrer Beschreibung bei Cesare Ripa als „Felicità eterna“ eindeutig identifizieren lässt.[4] Ripa schilderte sie weiblich, jung, spärlich bekleidet mit blonden Zöpfen und einem Lorbeerkranz, den bei Leinberger einer der umherfliegenden Putten ereignishaft herbeiträgt. In der Linken hält die „Felicità eterna“ einen Palmzweig, der für die Mühsal steht, die Ewige Glückseligkeit zu erreichen. Die Flamme in ihrer Rechten symbolisiert die Liebe Gottes. Das blonde Haar, ihre Nacktheit und Jugend wählte Ripa wegen den sanften Gedanken, der Schönheit und der jugendlichen Unbeschwertheit der Glückseligkeit.
Die Assistenzfiguren der Ewigen Glückseligkeit verkörpern zusammen die öffentliche Glückseligkeit oder auch das Gemeinwohl, das Ripa als „Felicità publica“ benannte. [5] Der Merkurstab, den eine Frau zur Linken der Ewigen Glückseligkeit reicht, steht für Frieden, Versöhnung und Bildung. Das Buch in ihrer linken Hand, mit dem Leinberger über Ripa hinausgeht, dürfte den Aspekt der Bildung verstärken. Das Füllhorn als gängiges Symbol des Überflusses hat Leinberger nicht dargestellt, sondern die daraus traditionell hervorquellenden Früchte und den Schmuck zu Füßen seiner Figuren verteilt. Die beiden Frauen zur Rechten der Ewigen Glückseligkeit tragen im Einklang mit Ripas „Felicità publica“ Blumen im Haar.
Etwas unvermittelt schwebt zwischen den Brüsten der Hauptfigur und der Flamme in ihrer rechten Hand ein aufgebrochener Granatapfel an einem Zweig. Der Granatapfel gilt allgemein als Symbol der Ehe und der Fruchtbarkeit. [6] Ripa verwendete ihn zusammen mit Myrte und Zepter als Attribut der Concordia, also der Eintracht. [7] Ebenfalls auffallend exponiert liegt neben den Weintrauben und einem Pfirsich zu Füßen der Ewigen Glückseligkeit ein großes Feigenblatt.
Von den herabstürzenden Lastern ist vor allem die Personifikation der Zwietracht (Discordia) an den Schlangen im Haar zu erkennen. [8] Die männliche, sich die Haare raufende Figur könnte mit der Schlange an der Brust einen Aspekt des Neides (Invidia) verkörpern, den Cesare Ripa allerdings als magere alte Frau mit Schlange an der freiliegenden linken Brust beschrieben hat.[9] Eine weibliche Rückenfigur hat eine abgerissene Handfessel, hinter der Heunoske die zerrissene Eintracht vermutet. [2]
Innerhalb der von Ripa vorgegebenen Attribute und Körperhaltungen hat Leinberger eigene Akzente gesetzt. Auffällig ist beispielsweise, dass die Personifikation der Ewigen Glückseligkeit nicht nach oben zum Himmel blickt, sondern zu ihrer Assistenzfigur mit Merkurstab. Sie scheint ihre Kraft also weniger vom Himmel als vielmehr vom Gemeinwohl zu beziehen, das über Ripas Vorgaben hinaus mit einem Buch, also gelehrt dargestellt ist.
Heunoske deutete den Sachverhalt, dass die Ewige Glückseligkeit die Flamme vor den beiden blumenbekränzen Frauen der öffentlichen Glückseligkeit hält, als Symbol der Eintracht. Außerdem interpretierte er die von Leinberger gewählte Farbigkeit der Gewänder der Hauptfigur als Zeichen der Liebe (rotes Obergewand) und als Paradies (grünes Innenfutter).
Heunoske bezog das Sujet des Deckengemäldes auf die Ehe des Auftraggebers im Sinne immerwährender liebender Eintracht und Gottesliebe. [2] Der frühe Tod von Bucks Ehefrau Regina Catharina (geb. 1691) am 13. März 1734 könnte seiner Meinung nach das Thema der Ewigen Glückseligkeit angeregt haben. [10]
Im Hinblick auf das im Deckengemälde ebenfalls stark thematisierte Allgemeinwohl, zu dem die Ewige Glückseligkeit blickt, und auf das Medaillon des jungen, erst 1735 an die Regierung gelangten Markgrafen Friedrich III. könnte man das Sujet auch als Hommage an den von da an regierenden Landesherrn interpretieren. Markgraf Friedrich galt als aufgeklärter Fürst, der sich um das Gemeinwohl seiner Untertanen kümmerte. Die Ewige Glückseligkeit, die sich der Bauherr offenbar wünschte, bezog ihre Kraft von der öffentlichen Glückseligkeit, die der Markgraf und er unterstützten würden.
Zum Maler Christian Leinberger
Der 1706 in Erlangen geborene Maler Christian Leinberger, dem das Deckengemälde im Besoldschen Haus seit seiner Restaurierung 1988 zugeschrieben wird, [11] hat ein reiches und stilistisch vielfältiges Œuvre hinterlassen. Die stilistische Vielfalt ist zum einen mit seiner steten Weiterbildung durch Reisen und das Studium berühmter Vorbilder zu erklären, zum anderen dadurch, dass sein stilkritisch noch weniger gut einzuschätzender jüngerer Bruder Georg Carl gemeinsam mit ihm Aufträge wahrnahm. [12]
Beispielsweise geht mit dem Deckengemälde im Saal von Hofkammerrat Zacharias Buck zeitlich die Ausmalung der Neustädter Pfarrkirche in Erlangen einher. [13] Dort arbeitete Leinberger in Mischtechnik auf Putz, auch war eine viel größere Fläche auszumalen und eine andere Entfernung zum Betrachter zu bedenken, doch sind beispielsweise die in der Pfarrkirche als Dreiergruppe um das Auge Gottes fliegenden Putten stilistisch deutlich anders geartet als die Putten über der Ewigen Glückseligkeit. Im Saal hat Leinberger seine venezianischen Erfahrungen zur Schau gestellt, die er für die evangelisch-lutherische Pfarrkirche möglicherweise für ungeeignet hielt.
Leinberger konnte seine Malweise gleich zwei Mal in Venedig schulen. Eine erste Studienreise fand in den Jahren 1729 bis 1731/1732 statt. [14] Die zweite Reise trat er 1739 nach Fertigstellung der Neustädter Pfarrkirche an. [15] Auf beiden Reisen begleitete ihn sein Bruder Georg Carl. Leinbergers intime Kenntnis der venezianischen Tafelmalerei zeigt sich unter anderem an den verschatteten Gesichtern oder auch nur Augenpartien sowie dem stellenweise rot unterlegten Inkarnat.
Anhaltspunkte zur Datierung
Die Datierung 1735/37 [2] basiert zum einen auf dem Sachverhalt, dass das Medaillon über dem Kamin den Terminus post quem 1735 vorgibt. Hinzu kommt die Überlegung, dass die Figurenkomposition weniger versatzstückhaft und damit ausgereifter wirkt als in Leinbergers Deckengemälde bei Hofrat August Göckel (heute Leimbergerhaus) [16]. Auch der glatte hochovale Rahmen wirkt moderner als der geschweift ausgestellte bei Hofrat Göckel, was das Gemälde für Zacharias Buck als das spätere erscheinen lässt.
Betrachterstandpunkt
Der Betrachterstandpunkt des Deckengemäldes liegt mit dem Rücken zum Kabinett. Für den Betrachter erschien also der Kamin mit dem Porträtmedaillon rechts des Gemäldes. Dies war zugleich die Seite, der sich die Allegorie der Ewigen Glückseligkeit zuwendet.
Restaurierung
Das Gemälde wurde 1988 restauriert. In diesem Zuge entstand die Zuschreibung an Leinberger. [3]
Das Kabinett
Das quadratische Kabinett, dessen eingelegter Holzboden einen wohnlichen Rückzugscharakter vermittelt, besitzt einen Plafond mit Bandelwerkgespinsten und leerem Mittelfeld. Ähnlich wie im Saal zieren die Ecken zwei männliche und zwei weibliche Büsten, doch ist der Stuck im Kabinett insgesamt sparsamer als im Saal. Ein mittleres Feld ist zwar ausgewiesen, wurde jedoch nicht mit einem Deckengemälde versehen.
Programm und Synthese
Das in der Art eines adligen Stadtpalais erbaute Haus von Hofkammerrat Zacharias Buck gipfelt mit seinem Anspruch im gänzlich ausstuckierten Saal im zweiten Obergeschoss. Blickfang der Wände ist das vergoldete Medaillon seines jungen Dienstherrn Markgraf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth über dem Kamin. Zacharias Buck, der sein Bürgerrecht in der Freien Reichsstadt Nürnberg 1732 zurückgegeben hatte, um in das räumlich zwar nahegelegene, rechtlich jedoch zur Markgrafschaft Bayreuth gehörende Erlangen zu übersiedeln, stellte sich mit der repräsentativen Ausgestaltung seines Palais als potentieller, oder vielleicht auch schon junger Angehöriger des markgräflichen Hofes vor. Mit seinem Palais empfahl er sich für hochrangige Ämter, die eine den Markgrafen würdig vertretende Gastgeberfunktion erfordern würden.
An der Decke malte Christian Leinberger eine Allegorie der Ewigen und der öffentlichen Glückseligkeit. Der in Erlangen gebürtige, nach einer Italienreise in seiner Heimatstadt lebende Leinberger zeigt sich darin als versierter Kenner sowohl des damaligen Standardwerks der Iconologia von Cesare Ripa als auch der venezianischen Malerei. Vermutlich hat man auch das Gemälde, analog zum Kaminmedaillon, auf die Herrschaft des jungen, als aufgeklärt geltenden Markgrafen Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth zu beziehen, dem sich Zacharias Buck damit einmal mehr andiente.
Bibliographie
- AK Leinberger, 2006 - Christian Leinberger (1706–1770). Maler, Zeichner, Geometer, Ausst.-Kat. hg. von Thomas Engelhardt (Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen, 56), Erlangen 2006.
- AK Markgrafenzeit, 2010 - Erlangen im Barock. Glanz und Elend der Markgrafenzeit. Bilder, Dokumente, Objekte, Interpretationen, hg. von Thomas Engelhardt (Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen, 59), Erlangen 2010.
- AK Stadtansichten, 2003 - Erlanger Stadtansichten. Zeichnungen, Gemälde und Graphiken aus sieben Jahrhunderten, hg. von Andreas Jakob und Christina Hofmann-Randall (Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen, 1), Erlangen 2003.
- Erlanger Stadtlexikon, 2002 - Erlanger Stadtlexikon, hg. von Christoph Friedrich Berthold Freiherr von Haller und Andreas Jakob, Nürnberg 2002.
- Jakob, Erlangen, 1986 - Andreas Jakob, Die Neustadt Erlangen. Planung und Entstehung (Erlanger Bausteine zur Fränkischen Heimatforschung, 33. Sonderband), hg. Heimatverein Erlangen und Umgebung. E. V. und Stadtarchiv Erlangen, Erlangen 1986.
- Jemiller, Leinberger, 2006 - Elfi Jemiller, Christian Leinberger (17106–1770). Leben und Werk eines Erlanger Künstlers, in: Christian Leinberger (1706–1770). Maler, Zeichner, Geometer, Ausst.-Kat. hg. von Thomas Engelhardt (Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen, 56), Erlangen 2006, S. 11–28.
- KDM Erlangen, 1962 - August Gebessler, Stadt und Landkreis Erlangen. Kurzinventar (Bayerische Kunstdenkmale, Bd. 14), München 1962, S. 62f.
- Nürmberger, Veränderungen, 1989 - Bernd Nürmberger, Veränderungen an historischen Bauten und Plätzen in Erlangen 1988 mit einem Anhang zur Baugeschichte des Altstädter Rathauses und des Hauses Hauptstraße 26, in: Erlanger Bausteine zur fränkischen Heimatforschung, hg. Heimat- und Geschichtsverein Erlangen e. V., 37 (1989), S. 207–212.
- Nürmberger, Veränderungen, 1995 - Bernd Nürmberger, Veränderungen an historischen Bauten und Plätzen in Erlangen 1994 mit einem Anhang zur Baugeschichte des Altstädter Rathauses und des Hauses Hauptstraße 26, in: Erlanger Bausteine zur fränkischen Heimatforschung, hg. Heimat- und Geschichtsverein Erlangen e. V., 43 (1995), S. 231–292.
- Nürmberger, Neustädter Kirche, 1996 - Bernd Nürmberger, Der Bau der Neustädter Kirche zu Erlangen, in: Erlanger Bausteine zur fränkischen Heimatforschung, hg. Heimat- und Geschichtsverein Erlangen e. V., 44 (1996), S. 307–322.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Siehe hierzu den Grundriss bei KDM Erlangen, 1962, S. 62.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 AK Leinberger, 2006, S. 106, Kat.-Nr. 11 (Werner Heunoske).
- ↑ 3,0 3,1 Nürmberger, Veränderungen, 1989, S. 209–210.
- ↑ Ripa, Iconologia, 1645, S. 203–204. Vgl. AK Leinberger, 2006, S. 105, Kat.-Nr. 11 (Werner Heunoske).
- ↑ Ripa, Iconologia, 1645, S. 203–204.
- ↑ Vgl. auch AK Leinberger, 2006, S. 106, Kat.-Nr. 11 (Werner Heunoske).
- ↑ Ripa, Iconologia, 1645, S. 97.
- ↑ Ripa, Iconologia, 1645, S. 156–157. Vgl. auch AK Leinberger, 2006, S. 106, Kat.-Nr. 11 (Werner Heunoske).
- ↑ Ripa, Iconologia, 1645, S. 298–299.
- ↑ AK Leinberger, 2006, S. 106, Kat.-Nr. 11 (Werner Heunoske). Die Daten zur Ehefrau bei Nürmberger, Veränderungen, 1995, S. 320.
- ↑ Nürmberger, Veränderungen, 1089, S. 209–210.
- ↑ Zu Leinberger: AK Leinberger, 2006.
- ↑ KDM Erlangen, 1962, S. 18; AK Leinberger, 2006, Kat.-Nr. 3. Die Ausmalung wird 1734–1737 datiert. Die Quellen bei Nürmberger, Neustädter Kirche, 1996, S. 252–253.
- ↑ Jemiller, Leinberger, 2006, S. 14.
- ↑ Jemiller, Leinberger, 2006, S. 18.
- ↑ Seeger, Ulrike: Erlangen, Haus Göckel, heute Leimbergerhaus (cbdd20112), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/bb0de3f0-d27c-4d78-b6d9-89e1eab311f4, letzter Zugriff: 2024-05-30