Ellingen, Weißenburger Straße 17, sogenannter Gasthof Römischer Kaiser
Inventarnummer: cbdd20107
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
Der Gebäude Weißenburger Straße 17 beherbergt Deckenmalereien, die im Auftrag des jüdischen Geschäftsmannes Löw Amson nach 1721 entstanden sind. Der als Betsaal genutzte Festsaal ist mit Themen aus dem alten Testament ausgemalt worden.

Baugeschichte
Das 1536 erstmals urkundlich belegte Gebäude Weißenburger Straße 17 wurde 1595 vom Jurist Johann Jacob Herold erworben. Vermutlich nach dem Dreißigjährigen Krieg bis 1741 war es im Besitz des jüdischen Geschäftsmannes Löw Amson und seiner Nachkommen. Das Gebäude wurde 1724 vermutlich nach Plänen des Deutschordensbaumeisters Franz Joseph Roth erweitert. Die Nutzung als Haussynagoge ist ab dem zweitem Drittel des 18. Jahrhundert nachgewiesen. Das Treppenhaus ist mit zwei Löwen geschmückt, eine Anspielung auf den Namen des Auftraggebers. 1741 erwarb der jüdischer Hoffaktor Samel Landauer den Bau. Dieser verkaufte ihn 1776 an den Gastwirt Ferdinand Kugler.
Der Festsaal
Der Festsaal, der auch als jüdischer Betsaal genutzt wurde, liegt im ersten Stock zur Straße mit drei Fensteröffnung. Die Decke ist durch sieben altestamentarische Szenen verziert. Diese wurden 2001 restauriert. In der Deckenmitte ist die Opferung Isaaks, die Bindung Isaaks, die Akela, dargestellt. Weitere Motive in ringsum angeordneten Kartouschen zeigen die Begegnung Jakobs mit Rachel am Brunnen, Potiphars Frau und Joseph, die Gottesoffenbarung Abrahams, die drei Engel bei Abraham, der Traum Jakobs von der Himmelsleiter und die Segnung Isaaks anstelle von Esau. Alle Bildthemen beziehen sich auf das Alte Testament und sind in Zusammenhang mit dem Auftrag durch einen jüdischen Geschäftsmann zu sehen wie auch mit der Nutzung als Betsaal.
Der Maler der Deckenfresken galt bisher als unbekannt. Der Stil der Malerei, vor allem die charakteristische Gesichtsbildung, erlaubt eine Zuschreibung an Jakob Anton Pink, der ebenfalls in der Landkomturei des Deutschen Ordens gewirkt hat. Durch die Zuschreibung kann auch die Datierung auf den Beginn der 20er Jahre des 18. Jahrhunderts eingegrenzt werden. Deckenmalerei im Auftrag von jüdischen Auftraggebern ist kaum bekannt und erhalten; dieses ist eines der wenigen gut erhaltenen Beispiele. Die Auswahl von alttestamentarischen, für das Judentum bedeutenden Themen zeichnet die Ausmalung in Ellingen aus.
Bibliographie
- Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hgg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band II Mittelfranken, Lindenberg 2010, S. 180-189.