Zum Inhalt springen

Eine Decke aus Süddithmarschen aus der Nähe von Dingen

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Eine Decke aus Süddithmarschen aus der Nähe von Dingen, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/f053b751-33cd-472c-b5fe-ffc1c93bb283

Inventarnummer: cbdd20037

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im Landesmuseum Schleswig-Holstein hat sich in Schloss Gottorf eine translozierte Deckenmalerei aus der Nähe von Dingen erhalten. Sie zeigt vier alttestamentliche Szenen: Ezechiels Vision vom Tal der Toten, Hagar in der Wüste, David und Bathseba sowie die Opferung Isaaks.

Die Decke aus der Nähe von Dingen

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die konkrete Herkunft der Malerei ist unbekannt. Sie wurde bereits im Kieler Thaulow-Museum vor 1945 im Raum 47 zusammen mit den Wänden einer Döns aus dem Dornschen Hof in Dingen gezeigt. Die Decke soll gemäß Inventarkarte aus einem anderen Zimmer in derselben Gegend stammen. Sie ist stilistisch früher als die Wand (um 1800) zu datieren und wurde vermutlich in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts gefertigt.[1]

Beschreibung und Ikonographie

Die annähernd quadratische Decke wird durch einen Unterzug in zwei Hälften geteilt. In jeder Hälfte sind zwei Medaillons mit alttestamentlichen Historien zu sehen. Im Gegensatz zur bisherigen Bestimmung der Szenen handelt es sich nicht um eine Darstellung des Moses vor dem brennenden Dornbusch, sondern um die Vision des Ezechiel vom Tal der dürren Gebeine – nicht um eine Verkündigung der Geburt Christi, sondern um Hagar in der Wüste – und auch nicht um das Weib des Potiphar und Joseph, sondern um David und Bathseba. Lediglich das Opfer Abrahams wurde bislang richtig erkannt.[1]

Die farbigen Medaillons stehen auf dunkelrotem Grund und sind mit dünnen weißen Linien umrahmt. Im oberen Feld werden die beiden Medaillons durch ein kleines weiteres Medaillon miteinander verbunden, in das mit weißen Linien ein Spiegelmonogramm geschrieben ist. Zwischen den beiden unteren Medaillons fehlen die originalen Bretter. Das ergänzte Medaillon ist leer.

Programm

Da die Szenen ausschließlich dem Alten Testament entstammen, könnte es sein, dass sie im Verständnis der Zeit auf das Neue Testament verweisen sollten. Die Vision des Ezechiel etwa stünde dann für die Auferstehung und damit für das Jüngste Gericht. Die Opferung Isaaks würde auf den Opfertod Jesu Christi hinweisen. Prinzipiell haben alle Szenen die Erlösung des Gläubigen durch Gott zum Inhalt. Während bei Hagar und Abraham aber die Hilfe selbst gezeigt wird, ist bei David die Sünde (der Verstoß gegen das sechste Gebot) dargestellt. Doch auch David wurde ja verziehen, nachdem er seine Sünde bekannt und bereut hatte. Auch er musste das Jüngste Gericht nicht fürchten.

Die Vision des Ezechiel vom Tal der Toten

Beschreibung und Ikonographie

Der Prophet Ezechiel wird von Gott in einer Wolke, die aus ihrem Inneren heraus von einem Feuer erleuchtet wird, in ein Tal entrückt. Dort liegen verstreut die ausgetrockneten Knochen unzähliger Toter. Gott zeigt ihm seine Macht und lässt durch Ezechiel die Toten auferstehen.

Die Malerei zeigt in der Mitte den aufgerichteten Ezechiel. Hinter ihm ist die feuerrote Wolke zu sehen. Er blickt nach oben zum strahlenden Auge Gottes. Zu seinen Füßen liegen Schädel und Knochen, aus denen sich im Hintergrund sowie links bereits Menschen erheben.

Gestalterische Mittel

Die bestimmende Farbe der Darstellung ist Rot bzw. Rotgelb. Formal teilen der rotgewandete Ezechiel und die rote Wolke das Bild vertikal in zwei Hälften. Die linke Hälfte wird vom göttlichen Licht rotgelb erleuchtet, die reche ist dunkler (und zeigt sogar blaue Wolken). Diese Zweiteilung erinnert an Darstellungen des Jüngsten Gerichts, auf der links die Seligen in den Himmel kommen und rechts die Verdammten in die Hölle geführt werden.

Hagar in der Wüste

Beschreibung und Ikonographie

Hagar war die zweite Frau Abrahams und zugleich Sklavin von dessen erster Frau Sara. Hagar war zudem die Mutter des erstgeborenen Sohns von Abraham. Als aber auch Sara einen Sohn gebar, kam es zu Konflikten zwischen den Frauen und Hagar wurde zusammen mit ihrem Sohn Ismael fortgeschickt. In der Wüste gingen ihr bald Nahrung und Wasser aus. Sie legte ihren verdurstenden Ismael unter einen Strauch in der Wüste und weinte über den bevorstehenden Tod des Sohnes. Daraufhin zeigte ihr ein Engel Gottes einen Brunnen.

Der Maler hat die Szene in einen lichten Wald verlegt. Links liegt der kleine Ismael auf dem Rücken, rechts sitzt die trauernde Hagar mit zwei leeren Wasserflaschen vor sich auf dem Boden. In der Mitte naht von hinten der Engel.

Gestalterische Mittel

Auch hier ist die dominierende Farbe ein braunes Rot. Es findet sich im Boden, den Baumstämmen und der Kleidung wieder. Das dunkle Blau des Himmels bildet dazu den Kontrast.

David und Bathseba

Beschreibung und Ikonographie

König David erblickte eines Tages vom Balkon seines Palastes Bathseba beim Baden. Sie war die Frau eines seiner fähigsten Krieger, Uria. Er schickte einen Diener zu ihr und das Paar beging Ehebruch. Als Bathseba schwanger wurde und der Ehebruch offenbar zu werden drohte, ließ David Uria im Kampf in eine aussichtslose Position beordern, wo er erwartungsgemäß fiel. Daraufhin nahm David die Witwe zur Frau.

Gezeigt wird der Palast Davids mit dem Balkon. Im Vordergrund ist die fast nackte Bathseba auf einem Thron unter einem Baldachin zu sehen, wie sie den Diener Davids empfängt. Vorne rechts ist ein Hund dargestellt (der für die eheliche Treue steht).

Gestalterische Mittel

Wieder ist die dominierende Farbe Rotbraun — sie finde sich in der Architektur. Die Mäntel des Dieners und der Bathseba sind rot, der Baldachin ist als Kontrast in Blau gehalten.

Die Opferung Isaaks

Beschreibung und Ikonographie

Gott befahl Abraham, ihm seinen einzigen Sohn Isaak zu opfern. Abraham befolgte diesen Befehl. Erst als er im Begriff stand, den auf dem Opferaltar gebundenen Isaak zu töten, hielt ihn ein Engel Gottes davon ab und verwies ihn auf einen Widder, der anstelle Isaaks geopfert werden sollte.

Auf dem Gemälde ist der entscheidende Moment dargestellt, in dem der Engel Abraham Einhalt gebietet. Er hält das Messer in seiner Rechten und blickt zurück zum Engel, der ihm ein auf einer roten Wolke erscheint. Links liegt der gebundene Isaak, hinter dem man den Widder ausmachen kann. Die rechte Bildhälfte wird von einer Landschaft mit Brücke eingenommen.

Gestalterische Mittel

Wieder ist die dominierende Farbe Rotbraun. Es findet sich in der Landschaft, dem Wald und der Wolke mit dem Engel. Abraham trägt einen roten Mantel und als Kontrast ein blaues Gewand. Auch der Himmel rechts ist blau.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Bd. 1, Lüdinghausen 1984.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1010.