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Eichstätt, Benediktinerabtei St. Walburg, Obere Gruftkapelle

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 99–100, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Obere Gruftkapelle

Auf gleichem Niveau wie das Presbyterium hinter dem Hochaltar der Kirche gelegen

Zum Bauwerk: Der Raum der oberen Gruftkapelle bildet einen Teil der 1629-31 erbauten Kirche, und zwar den nach Osten auf das Presbyterium folgenden einfachen rechteckigen Raum (12,00 × 8,90), der in den Ecken Pilasterstellungen hat. Der Akanthusstuck stammt aus der Zeit der Kirchenstuckierung 1706. Die Westwand wird durch die Hochaltar-Rückwand gebildet, die anderen Wände sind glatt verputzt. Fenster nach Süden und Osten. Im Raum befinden sich überall Votivtafeln, die Altarrückwand ist völlig davon bedeckt, viele Tafeln hängen auch an der Nordseite. Dreiseitig umlaufende Galerie. Die Brüstungsgitter sind geschnitzt und zeigen Bandwerkornament, das in die Umgestaltungszeit 1741 gehört. Im Fußboden ist eine große Öffnung, ein Schacht, der die obere mit der unteren Gruftkapelle verbindet. Zugang von Osten über eine kleine doppelläufige Treppenanlage vom Klosterhof.

Auftraggeber:

Ausmalung 1664/76: Abteiverwalterin Christina Radig (1661-77).

Ausmalung 1706: Äbtissin Anna Barbara Schmauss (1705–30) Ausmalung 1741: Maria Anna Adelgundis I. Pettenkofer (1730–56, s. S. 181f.), Äbtissin von St. Walburg. »Ihro Hochwürden und Gnaden Unser Hochliebwertiste gnedtige Frau Maria Anna Adelgundis hat die heilige Crufft also renovieren und mit Silber den Oberen (und) Underen Altar, zieren und machen lassen, auch mit Gemähl von St. Walburg Leben und Wunderwerkh und vüll anders darzue gehöriges, wie in der nachfolgenden Ausgab zu ersehen ist, mit grösten Fleiss bey Tag und Nacht darzue angewent« (Prioratschronik, Anno 1741, S. 166).

Autor und Entstehungszeit:

Ausmalung 1664/76 (nicht erhalten): Wie in der Abteikirche ist auch hier in der oberen Gruftkapelle eine Ausmalung des späteren 17. Jh. mit figürlich-dekorativen Ornamenten anzunehmen. Von dieser Ausmalung stammen rechts und links vom großen Ostfenster zwei überlebensgroße Figuren, die den Erzengel Raffael mit Fisch und Wanderstab sowie den Erzengel Gabriel mit der Lilie darstellen (Grund, S. 39). Der Maler ist unbekannt.

Ausmalung 1706 (nicht erhalten): Der Stuck der oberen Gruftkapelle und damit auch der Freskorahmen ist sicher in zeitlichem Zusammenhang mit der Stuckierung des Langhauses 1706 entstanden: Da ein so großes Freskofeld nicht leer gelassen wurde, ist eine erste Freskierung in dieser Zeit anzunehmen.

Ausmalung 1741: Vitus Joseph Greitmann (* 1712 Burgheim † Ort und Jahr unbekannt) 1741. Signatur im Fresko: Greitmann pinxit/1741.

Bei den Malerabrechungen des Jahres 1741 in der Prioratschronik (S. 168) ist vermerkt: »Den Purckheimer Mahler vo das Fresca Gemähl 70 fl.«. Vitus Joseph Greitmann war als Maler in Burgheim ansässig. Das Fresko der oberen Gruftkapelle ist Greitmanns bislang früheste gesicherte Arbeit. Die Vermittlung des Malers an die Abtei dürfte über Gempfing erfolgt sein, das bis 1806 Klosterhofmark von St. Walburg und ein Nachbarort von Burgheim war. Burgheim gehörte zum Fürstentum Pfalz-Neuburg und Greitmann war später hauptsächlich in diesem Gebiet tätig. Seine Arbeiten sind einfache Schöpfungen, zeigen jedoch Kenntnisse in der barocken Perspektivmalerei.

Als Autor der neun Brüstungsbilder von 1741 ist Johann Thaddäus Sauter (1705-59) überliefert. Auf diese Bilder bezieht sich die folgende Eintragung in der Prioratschronik 1741: »Dan vor 9 Gemahl ober der H: Crufft in Gang 100 fl.«

Befund

Träger der Deckenmalerei: Kreuzrippengewölbe, dessen Mittelbereich für ein rundes Bildfeld abgeflacht ist

Rahmen: Stuckierter Blütenkranz, mit einem Band umwunden; innerer Rahmen vergoldete, ornamentierte Stuckleiste

Maße: Höhe 14,30 m; Ø 3,50 m

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Das Deckenfresko zeigt ein ganz ähnliches Schadensbild wie die Fresken der Abteikirche und dürfte im Großen und Ganzen das gleiche Schicksal erlitten haben, wenn es auch in den Restaurierungsberichten kaum je ausdrücklich erwähnt ist.

Beschreibung und Ikonographie

E BENEDIKT ALS ORDENSVATER Großes rundes Bild im Chor, das an eine Himmelskuppel erinnert, aber einansichtig ist. Zuoberst kniet Benedikt in Wolken, das Haupt von einem Strahlenkranz umgeben. Über ihm erscheint in Wolken das Dreifaltigkeitssymbol. Ein Gnadenstrahl geht vor ihm aus und fällt auf Benedikt. Der Ordensvater der Benediktiner trägt die weitärmelige Flocke, hat das Abtskreuz auf der Brust und hält das Pedum mit dem Velum. Als persönliche Attribute sind ihm das Trinkgefäß, aus dem sich eine Schlange ringelt, und ein Rabe beigegeben. Beide Attribute erinnern an gescheiterte Giftmordversuche: Als ihm einst Mönche einen Becher mit vergiftetem Getränk reichten, segnete Benedikt

Blick in die Obere Gruftkapelle

Auch über dieser Gruppe schweben Putten. Ein Engel mit Famaposaune präsentiert ein Schriftband Kaisserin (Zahl nicht lesbar), ein Putto rechts von Benedikt trägt das Schriftband König 54 /Königin 48, und ganz oben sind zwei, von deren Schriftbändern nur das Wort Herzogen noch erkennbar ist. Päpste aus dem Benediktinerorden waren: Gregor der Große, Coelestin V., Leo IX., Gregor VII., Agatho und Zacharias. Kardinäle waren Amalarius Fortunatus von Trier und Petrus Damiani. Erzbischöfe waren Bonifatius, Anselm von Canterbury und Ildefons von Toledo. Fürstliche Oblaten waren Heinrich II., Judicael, Karlmann, Rachisius, Thassilo und Urseolus; Kaiserin Kunigunde und Königin Gisela.

EBa-i An den Brüstungen der dreiseitig umlaufenden Galerie befinden sich neun Bilder mit Darstellungen aus dem Leben der hl. Walburga. Der Zyklus beginnt im Westen der Nordseite und umläuft den Raum im Uhrzeigersinn bis zum Westen der Südseite (keine Abbildungen).

der statette (neme 1188maangen). EBa Die Darstellung gilt als Tod des hl. Richard. Sein Leichnam ruht auf einer Bahre. Seine Beine sind geharnischt, auf den Stufen liegt seine Krone. Aus seiner Brust wachsen drei Lilien. Die drei weißen Blüten bedeuten seine drei heiligen Kinder Willibald, Walburga und Wunibald. Diese stehen in ihren geistlichen Würdegewändern bei dem toten Vater, Willibald als Bischof, Walburga als Benediktinerin und Wunibald als ein Benediktiner mit Pedum, an dem ein Velum angebracht ist. NI. 1. 1 1" TT1 1" C 1 .

Nach den meisten legendären Überlieferungen waren beim Tod Richards des Angelsachsen als Pilger in Lucca im Jahr 721 seine Söhne als einfache Pilger anwesend, während Walburga zu dieser Zeit noch in England war (nach einer Legende hatte allerdings Walburga an der Pilgerfahrt teilgenommen). Ihre geistlichen Würden hatten die Kinder erst lang nach dem Tod des Vaters erlangt. Das Bild ist damit nicht eigentlich als historische Szene zu sehen, als Tod des Pilgers Richard, sondern als Erinnerung an die heilsgeschichtliche Rolle des Königs Richard, der der Kirche drei so wichtige Heilige geschenkt hat. EBb Abschied Walburgas von England. Ein junges Mädchen in weltlichen Kleidern sitzt am Meeresstrand

EBc Profess Walburgas beim Bischof Bonifatius.

EBd Walburga am Bett einer Kranken

EBe Lichtwunder der Heiligen. Ein Sakristan, dessen Pflicht es war, den Nonnen abends das Licht zu bringen, weigert sich, worauf das Kloster von himmlischem Licht erfüllt wird.

EBf Walburga geht furchtlos an den schrecklichen Hunden auf einem Gutshof vorbei, übernachtet betend im Zimmer der todkranken Tochter eines Gutsbesitzers, die am Morgen geheilt ist.

EBg Walburga hilft einer Pestkranken.

EBh Tod der hl. Walburga.

EBi Wunder bei der Übertragung der Gebeine: Die Pferde, die den Wagen mit dem Sarg ziehen, bleiben bei der Kirche außerhalb Eichstätts stehen, wo der Leichnam Walburgas schließlich bestattet wird.

den Becher und er zersprang; einen Anschlag auf den Heiligen mit vergiftetem Brot vereitelte ein Rabe, der es forttrug.

Die Wolke, auf der Benedikt kniet, ist von anderen, helleren Wolken umgeben, in denen viele Putten erscheinen. Sie tragen Schriftbänder bzw. Schilder, auf denen jeweils die Zahl der weltlichen und geistlichen Würdenräger stehen, die Angehörige des Benediktinerordens waren. Ganz oben links sieht man zwei Putten mit Schrifttafeln: Erzbischöf 1600, und Bischöf 460, daneben ein Putto mit einem Inschriftband Außleger der Schrift 15700 (= Kirchenlehrer). Etwas tiefer schwebt ein Putto mit einem Füllhorn, aus dem Rosen als Symbole der geistlichen Gnaden und Würden fallen. Auf Schriftbändern steht Päbst/40 sowie andere, nicht mehr lesbare Inschriften.

stent rubst/40 sowie andere, nicht mehr lesbare Inschriften. Darunter, am linken Bildrand ist eine Gruppe von höchsten geistlichen Würdenträgern dargestellt. Die einzelnen Heiligen sind individuell nicht gekennzeichnet, sondern erscheinen jeweils als Vertreter einer Gruppe. Ganz hinten, kaum erkennbar, sind zwei männliche Heilige zu sehen, jeweils mit einem einfachen Kreuzstab, einer hält ein Buch; diese Beiden vertreten wohl die Kirchenlehrer. Davor thront auf Wolken ein Kardinal in rotem Gewand mit dem Kardinalshut, einen doppelten Kreuzstab in der Hand; hinter ihm ein Erzbischof mit Mitra und Pedum sowie dem erzbischöflichen Pallium. Die beherrschende Figur dieser Gruppe ist ein Papst in goldenem Pluviale, mit Tiara und dreifachem Kreuzstab; er hat die Rechte segnend erhoben. Hinter ihm erscheint ein Bischof mit Mitra und Pedum.

Unten in der Bildmitte ist im Hintergrund die Willibaldsburg dargestellt. Darunter befindet sich eine Inschriftkartusche Asculta O: filii/ (praecepta) magistri S. Benedicti / selig gesprochene oder / canonisierte Heilige (mit den Worten »Ausculta o fili praecepta magistri« beginnt die Regel des hl. Benedikt). Rechts am Bildrand ist die Gruppe der höchsten weltlichen Würdenträger aus dem Benediktinerorden dargestellt. Auch hier sind die einzelnen Heiligen nicht individuell gekennzeichnet. Die Reihe beginnt mit einem Paar, die Frau trägt ein blaues Gewand, der Mann eine Rüstung. Beide halten ein Zepter, haben auf dem Kopf einen goldenen, turbanähnlichen Kopfbund und tragen weite Mäntel mit Hermelinkragen bzw. -futter. Ein Page bringt ihnen auf einem Kissen Zepter und Krone dar. Das wichtigste, mittlere Paar mit Kronen, Zepter und Hermelin dürfte wohl ein Kaiserpaar sein. Dahinter sind zwei Fürsten mit Hermelinkragen und Fürstenhüten zu sehen.