Eichstätt, Ehem. Fürstbischöfliche Sommerresidenz, Sommerstube
Hintere oder Ordentliche Kapitelstube, sog. Sommerstube
Zum Bauwerk: Kleiner Raum in Form eines Parallelogramms (6 m breit), an der abgeschrägten S-Wand ein Blendbogen (Funktion unklar, hängt wohl mit der Verzahnung an dieser Stelle des Geschosses mit dem benachbarten sog. Syndikatshaus am Residenzplatz 3 zusammen), Raumschale, Ausstattung und Eingang im N aus der Zeit der Modernisierung der Jahre 1977-82, z. Z. der Ausmalung zwei Fenster (eines wohl im O) und Verbindungstür zur Vorderen Kapitelstube in der O-Wand.
Auftraggeber: Das Eichstätter Domkapitel in seiner Zusammensetzung der Zeit 1743/44. Die Domkapitulare sind wie in der Vorderen Kapitelstube durch die gemalten Wappen und die Inschriften vergegenwärtigt.
Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, 1743/44. Als Schöpfer des Deckenbildes kommt ein Eichstätter Maler in Frage, z. Z. der Ausmalung lebten und wirkten in Eichstätt der seit Anfang der 1730er Jahre im hochstiftischen Gebiet tätige Joseph Dietrich und Johann Michael Franz, seit 1739 in Stadt und Hochstift arbeitend. Doch auch die Zuordnung an zwei weitere, bislang unbeachtete Maler ist zu diskutieren. Da der Eichstätter Maler Joseph Ernst Mohr (* 1713 Eichstätt †1751 ebd.) 1744 den Hofschutz erhielt – im 1746 erschienenen »Millenarium Eystettense« (DAEI, L10) ist er als »Hofmaler« aufgelistet – ist nicht auszuschließen, dass er bereits 1743 gute Kontakte zum Eichstätter Domkapitel unterhielt und mit der Ausmalung der Kapitelstube betraut wurde. Als dessen Nachfolger im Amt des Hofmalers gestaltete Johann Michael Franz den nebenliegenden Raum, die Vordere Kapitelstube, 1762 aus. Von Joseph Anton Rieger (* 1697 Augsburg † 1754 ebd.), einem Maler von Augsburg, der 1742–49 in Eichstätt lebte, ist überliefert, dass er für Mitglieder des Eichstätter Domkapitels gearbeitet hat. Da die Wappendarstellung jedoch wenig Ansatzpunkte für einen stilistischen Vergleich bietet und zudem derzeit keine erhaltenen Werke von Joseph Ernst Mohr und Joseph Anton Rieger nachweisbar sind, bleibt die Frage des Autors offen.
Die Entstehungszeit 1743/44, genau zwischen dem 25. 6. 1743 und dem 3. 4. 1744, ergibt sich aus den Daten der Amtszeiten der Domkapitulare 3 und 9: Da bei Ferdinand Melchior Alexander Freiherr und Edler von Ulm zu Erbach sein Titel Jubilaeus genannt ist, bildet der Tag dieser Titelvergabe, der 25. 6. 1743, den Terminus post quem, der Todestag von Lothar Philipp Joseph Freiherr von Hoheneck, der 3. 4. 1744, stellt den Terminus ante quem dar.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachdecke Rahmen: keine Rahmung Technik: Secco; polychrom Maße: A Höhe 3,40 m; 4,20 × 3,80
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Ausmalung wurde zu unbekanntem Zeitpunkt übermalt, im KDB von 1924 blieb die Decke mit den Wappen des Domkapitels und seiner Mitglieder unerwähnt. Im Zuge der Einrichtung des Domschatz- und Diözesanmuseums Eichstätt 1977–82 Freilegung der Deckenbemalung. Schriftliche Nachrichten über die Restaurierung fehlen. Die Darstellung ist in ihrer Malsubstanz als nicht mehr original, größtenteils wohl als rekonstruiert anzusehen.
Beschreibung und Ikonographie
A, 1–15 WAPPEN DES DOMKAPITELS VON EICH- STÄTT UND SEINER MITGLIEDER Hauptansicht nach West, die Achse der ehem. Verbindungstür zur Vorderen Kapitelstube aufnehmend. In der Mitte findet sich das Wappen des Eichstätter Domkapitels, bestehend aus drei schreitenden Löwen in Gold auf rotem Grund (vgl. S. 235), darunter eine Krone und eine Muschel, umrahmt von den 15 Wappen der Mitglieder des Eichstätter Domkapitels. Auch hier berücksichtigt die Platzierung der Wappen die Rangfolge der Domherrn. Der Dompropst steht an der Spitze, genau gegenüber dem Wappen des Domkapitels, zu seiner Rechten findet sich der Domdechant. Dann springt die Rangfolge nach links und nach rechts und so fort; sie orientiert sich an den Daten der Aufschwörung. Die Nummern in eckigen Klammern der Beschreibung beziehen sich auf die Biographien der Domherren bei Hugo A. Braun, berücksichtigt sind neben Geburts- und Todesjahr die Daten der Aufschwörung und der Ernennung zum Kapitular sowie die Jahreszahlen der in den Inschriften genannten Ämtern z. Z. der Ausmalung.

Quellen und Literatur
StAN, Eichstätter Archivalien I181, 37v-38r. BLfD, Akt Eichstätt, Diözesanmuseum.
Bundschuh, Johann Kaspar, Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Ulm 1799, Bd 1, Sp. 775 (Nutzung der Räume).
KDB VMF (1), S. 184.
Bauch, Andreas, Diözesanmuseum Eichstätt (= KKF Nr. 1331). München-Zürich 1982, S. 33f., 36f.
Biller, Josef H., Die Hochstiftskalender des Fürstbistums Eichstätt 1562-1803, in: SHVE 75, 1982, S. 29-76 und 76, 1983, S. 35-93, hier: Abb. 17.
Pehnt, Wolfgang, Karljosef Schattner. Ein Architekt aus Eichstätt, Stuttgart 1988, S. 96-107 (Umbau zum Museum mit Abb. Vordere Kapitelstube S. 106).
Denkmaltopographie Eichstätt, S. 48.
Braun, Hugo A., Das Domkapitel zu Eichstätt. Von der Reformationszeit bis zur Säkularisation (1535-1806). Verfassung und Personalgeschichte (= Beiträge zur Geschichte der Reichskirche in der Neuzeit Bd 13), Stuttgart 1991.
Schmidt, Michael, Das Mortuarium am Eichstätter Dom, Eichstätt 1996, S. 63, 104.
Zürcher, Peter, Bischofswahlen und Koadjutorbemühungen im Hochstift Eichstätt von 1636 bis 1790. Wahlgeschehen im Spiegel domkapitelscher, dynamischer und kaiserlicher Landes- und Reichskirchenpolitik (= Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 155), München 2008: beschreibt den Wahlhergang in Vorderer und Hinterer Kapitelstube ausführlich im Kapitel über die Koadjutorwahl 1636.
CG
Bischöfliches Palais
ehem. Domherrnhof Schönborn Pater-Philipp-Jeningen-Platz 5