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Egling a. d. Paar, Kapelle St. Ulrich

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 62–63, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Kapelle St. Ulrich, Pfarrei und Gemeinde Egling, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung mit der Pfarrei Egling Kloster Ettal inkorporiert, Gericht Landsberg

Patrozinium: St. Ulrich

Zum Bauwerk: Der im Kern noch spätromanische Bau wurde im 18. Jh. barock umgestaltet. - Saalbau (7,40 × 5,30 m) mit eingezogenem AR, im W Empore

Autor und Entstehungszeit: Die starke Ähnlichkeit des Mittelfreskos A mit der Oberpartie von Fresko B in Hausen bei Geltendorf (1795 signiert) läßt auf den gleichen Maler schließen: Johann Baptist Anwander aus Augsburg (vgl. Müller-Hahl). Die beiden Bischöfe sind bis auf die Farben ihrer Kleidung fast identisch, auch bei den begleitenden Engeln finden sich Wiederholungen. Ähnliche Typen, wie auch die gleiche blauweiß-ocker abgestimmte Farbgebung und geringe Illusion finden sich ebenso in den anderen Johann Baptist Anwander zuzuschreibenden Fresken: Hechenwang (Fresko C), Adelshausen, Zell und Eresried (beide OB LKr. Fürstenfeldbruck). Die tafelbildmäßige Projektion, die kühle Farbigkeit und die verfestigte Modellierung, die zum Erstarren der Bewegung führt, lassen eine Datierung ins letzte Jahrzehnt des 18. Jh. zu, wofür auch die Trachten und Uniformen des linken Emporenbildes sprechen. Man kann wohl das Jahr des 1798 von J. G. Weyland signierten Hochaltarbildes als Entstehungszeit annehmen. Anwander können auch die Fresken an der Emporenbrüstung zugeschrieben werden. (Angaben zum Künstler s. Hausen bei Geltendorf)

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke mit Hohlkehle Rahmen: Stuckprofil Technik: Fresko; polychrom Maße: Höhe 4,40 m; 3,40 × 3,90

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1930 Renovierung der Kapelle durch N. Fischer. Der Zustand von Hauptfresko (A) und Emporenbildern (EB1-3) ist gut; die Evangelistenbilder (A1-4) zeigen Wasserschäden und Risse (A2).

Beschreibung und Ikonographie

A ST. ULRICH Das Fresko ist in geringer Untersicht gegeben. Auf Wolken sitzt der Heilige im Bischofsornat und weist mit der Rechten auf das im Strahlenkranz schwebende Siegeskreuz. Der Heilige ist von ihn verehrenden Putto-Engeln umgeben. Ein kniender Engel hält das Buch mit dem Fisch. Siegeskreuz (Schlacht auf dem Lechfeld und Fisch sind die spezifischen Attribute des Heiligen.

A St. Ulrich
A4 Markus

A1-4 EVANGELISTEN In den Kartuschen sind die vier Evangelisten wiedergegeben: A1 Matthäus, A2 Johannes, A3 Lukas und A4 Markus.

EB1-3 Das Mittelmedaillon (EB2) zeigt den hl. Joseph. Die beiden seitlichen breitgestreckten Darstellungen zeigen uns unbekannte Ulrich-Szenen: wie er beim Mahle einen fürstlich gekleideten Mann wegen eines Enthaupteten ermahnt (EB3) und wie er eine Dorfbevölkerung mitsamt dem Pfarrer vor einem feindlichen Heer errettet — möglicherweise eine Anspielung auf ein zeitgenössisches Ereignis, auf das Trachten und Uniformen (napoleonisch?) schließen lassen (EB1).

Quellen und Literatur

Steichele-Schröder, Bd 2, S. 458 VDRIOR (1) C 506

KDB I OB (1), S. 526

Müller-Hahl, Bernhard, (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 449.

EB1-3 St. Joseph und Ulrich-Szenen