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Düsseldorf, Hofbauten des Alten Lustschlosses Benrath, sog Orangerie

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Düsseldorf, Hofbauten des Alten Lustschlosses Benrath, sog. Orangerie, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/7f07f6e7-5626-4677-bfc0-468ffa92b572

Inventarnummer: cbdd10128

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im Nordflügel der ehemaligen Hofbauten des Alten Schlosses Benrath hat sich Deckenmalerei von ca, 1665 und ca. 1685-1700 erhalten. Sie stammt vermutlich von Johann Spilberg sowie Luca Bonaveri und zeigt u.a. verschiedene Formen der unglücklichen Liebe, eine Apotheose des Herkules und Aurora.


Die Hofbauten des Alten Schlosses Benrath

Kurzbeschreibung und Lage

Die so genannte Orangerie von Schloss Benrath ist der Nordflügel der ehemaligen Hofgebäude, die sich östlich des Alten Schlosses Benrath befanden. Durch eine offene Toranlage im Osten betrat man den Hof, der im Süden und Osten sowie im Norden und Osten von L-förmigen Bauten umstanden war, die im Westen gegen das Schloss mit einer offenen Galerie verbunden waren. Durch diese erreichte man über eine weitere offene Galerie das Hauptgebäude. Im Westen erstreckte sich ein kleiner Jagdwald. Auch hier überbrückte eine offene Galerie das Wasser hin zum Wald.

Geschichte des Alten Schlosses Benrath

Schloss Benrath[1] geht auf eine Anlage des Mittelalters der Grafen und späteren Herzöge von Berg zurück. Im 16. Jahrhundert wurde sie mehrfach verpfändet.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg erfolgte der Abbruch der Baureste, und bereits 1650 lassen sich Baumaßnahmen für einen Neubau nachweisen. Der Wildpark wurde 1557 angelegt. Ab 1662 entstand für Elisabeth Amalia Magdalena von Hessen-Darmstadt – Frau von Herzog Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg – ein neues Wasserschloss, das 1674 fertiggestellt war. Die Liegenschaft war ihr 1660 überschrieben worden und Benrath diente hinfort Sommer- und Jagdaufenthalten.

Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, der älteste Sohn von Elisabeth Amalia Magdalena und Philipp Wilhelm, nutzte das Schloss gemeinsam mit seiner zweiten Frau Anna Maria Luisa von Toskana (Medici). 1751 beschloss man den Abriss des Alten Schlosses, der 1755 erfolgte. In den kommenden Jahren entstand wenige Meter weiter nördlich das Neue Schloss.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte der Hofgebäude

Die Hofgebäude[2] sind zusammen mit dem Alten Schloss erbaut worden. Ein so genannter Prinzenbau entstand bereits in den 1650er Jahren und wurde in den späteren Nordflügel der Hofgebäude miteinbezogen. Anfang der 1660er Jahre wurde ein großes Küchengebäude am Schloss angelegt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich bei ihm um den ehemaligen Südflügel. Das nördliche Pendant dürfte annähernd zeitgleich vollendet worden sein. Vermutlich diente es der schwangeren Schlossherrin 1666 während der Pest in Düsseldorf als Wohnung. Seine ursprüngliche Nutzung ist unbekannt, doch lassen die erhaltenen Ausstattungsreste die Vermutung zu, dass eine repräsentative Funktion, etwa als Gast- oder Gesellschaftsräume, vorgesehen war.

Seit dem 18. Jahrhundert bis kurz vor dem zweiten Weltkrieg diente der Nordflügel als Orangerie. Die übrigen Hofgebäude erfuhren seit den 1830er Jahren als Teil der Schlosskaserne zu Benrath eine militärische Nutzung. Um 1900 wurden Süd- und Westflügel weitgehend abgebrochen. Heute sind nur noch der Nordflügel und ein kleiner Teil des Südflügels erhalten. Der Nordflügel wurde vor allem nach 1945 mehrfach umgebaut. Eine Kernsanierung 1962-66 führte zur grundlegenden Umgestaltung des Obergeschosses. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurde in den zentralen zweigeschossigen Saal eine Decke eingezogen. Ein neueingebautes Treppenhaus verkleinert den Saal zusätzlich. Die in vier Räumen erhaltenen Gemälde und Stuckdecken wurden mehrfach restauriert, vor allem zwischen 1989 und 1991.

Auftraggeber

Der 1650 begonnene Bau wurde für Herzog Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg begonnen. Da Benrath 1660 an seine zweite Frau Elisabeth Amalia Magdalena von Hessen-Darmstadt gelangte,[3] ist sie die Bauherrin des zweiten Schlosses. Sie starb 1709. Die später erfolgten Maßnahmen veranlasste Johann Wilhelm, der 1719 starb, und später dessen Bruder Karl III. Philipp.

Architekten und Künstler

Dem Alten Schloss[4] in Benrath lag kein einheitlicher Plan zugrunde. Der Architekt des 1650 begonnenen Gebäudes ist unbekannt. Nach 1660 war der Ingenieur Johann Lollio gen. Sadeler der entwerfende Architekt. Nach seinem Tod 1679 führte der Neuburger Ingenieur Dominicus Doctor die Arbeiten weiter. Die Anteile der beiden sind nicht voneinander zu scheiden.

Die Decken- und Wandmalerei wurde wohl um 1665 von Johann Spilberg[5] geschaffen. Er war von 1643 bis zu seinem Tod 1690 Hofmaler in Düsseldorf. Nach Spilbergs Tod geschaffene Malereien könnten von Luca Bonaveri[5] stammen.

Beschreibung des erhaltenen Nordflügels

Der L-förmige Nordflügel[6] der ehemaligen Hofgebäude ist zweigeschossig und erstreckt sich mit seinem langen Flügel 17 Achsen weit von Ost nach West sowie mit seinen kurzen 12 Achsen von Nord nach Süd. Beide Flügel sind unter einem gemeinsamen Walmdach vereint und regelmäßig durchfenstert. Die Fenster des Westflügels stehen jedoch bei weitem dichter als die des doppelt so langen Nordflügels. Gegen die Nordseite sind zwischen die fünf äußeren Fensterachsen Kolossalpilaster gestellt. Zwischen diesen befindet sich der - ehemals zweigeschossige – 14 Meter lange Saal. Westlich des Saals sind zwei die ganze Tiefe des Flügel durchmessende, annährend quadratische Räume von jeweils zwei Achsen Breite gelegen. Die letzten beiden Achsen nimmt ein Treppenhaus ein. Östlich des Saals folgen auf das neue Treppenhaus zwei vergleichbare Räume. An der Gebäudeecke ist hinter der Fensterachse ein kleines Kabinett gelegen.

Decken- und Wandmalerei haben sich im Westteil in den beiden Räumen zwischen Saal und Treppenhaus erhalten sowie im Ostteil im Eckkabinett und dem Raum neben dem neuen Treppenhaus. Obwohl von weiteren Malereien auszugehen ist, gibt es keine Anhaltspunkte zur weiteren malerischen Ausstattung der Flügel und Räume.[7]

Das so genannten Artemiszimmer

Beschreibung

Der westliche Raum,[8] neben dem Treppenhaus, geht in seiner Grundstruktur auf die Baumaßnahmen ab 1662 zurück. Er öffnete sich mit je zwei Fenstern nach dem Garten und zum Hof. Erschlossen wird er durch eine Tür an der Hofseite aus dem im Westen gelegenen Treppenhaus. Eine weitere Tür führt in den anschließenden Raum vor dem Saal.

Das so genannte Artemiszimmer misst ungefähr acht auf acht Meter. Erhalten haben sich der Stuckkamin und die Stuckdecke von ca. 1665 sowie die Malereien in mehreren Stuckrahmen.

Die Malerei über dem Kamin im Artemiszimmer

Beschreibung

Der Stuckkamin an der Westwand präsentiert ein Gemälde, das zeigt, wie Orpheus seine verstorbene Frau Eurydike aus der Unterwelt retten will.[3] Orpheus ist mit Lorbeerkranz und am Boden liegender Geige eindeutig zu identifizieren. Seine Frau Eurydike blickt zurück in die Öffnung zur Unterwelt hinter sich.

Nachdem Eurydike durch einen Schlangenbiss tödlich verwundet wurde, steigt ihr Gemahl Orpheus in der Unterwelt hinab und betört deren Herrscher Pluto mit seinen Gesang. Er darf daraufhin Eurydike wieder in die Welt der Lebenden emporführen, aber nur, wenn er sich nicht nach ihr umdreht. Voll Sorge gelingt ihm dies aber nicht und damit ist Eurydike endgültig für ihn verloren.

Die Decke des Artemiszimmers

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke[9] des Artemissaals wird auf ca. 1665 datiert. Sie wurde zwischen 1989 und 1991 restauriert und gesichert.

Beschreibung und Ikonographie

Um ein großes achteckiges Hauptfeld ordnen sich in den Diagonalen gegen die Ecken vier herzförmige Kartuschen an. Sie nehmen farbige Malereien auf, die verschiedene mythologische Liebesgeschichten mit unglücklichem Verlauf darstellen. An den Langseiten sind querovale Kartuschen mit monochromen Malereien zu sehen, die das Landleben mit zwei Jagd- und zwei Festdarstellungen feiern. Die Zierstäbe oder Blattwerke um die Malereien sind wie wenige andere Elemente des ansonsten weißen Stucks vergoldet. Am Rand erblickt man vollplastische Faune, Adler und Löwen.

Venus und Adonis

Beschreibung und Ikonographie

Das Hauptbild[10] zeigt Venus, die sich in Adonis verliebt. Venus sitzt in ihrem von Tauben gezogenen Wagen und blickt auf den schlafenden Adonis. Sie wird von drei Frauen begleitet, die ihr das Haar flechten und sie bekränzen. Venus trägt einen blauen Umhang und ist sonst nackt. Links von ihr ist Amor im Begriff, einen Liebespfeil auf Venus zu schießen. Der schlafende Adonis liegt am Boden des Waldes. Putten heben seinen Mantel an, sodass Venus den ausgesprochen schönen Jüngling besser betrachten kann. Er hält seinen Jagdbogen fest in der Hand. Rechts neben ihm erblickt man seine Jagdhunde.

Die Geschichte von Venus und Adonis endet tragisch. Wohl werden die beiden ein Paar, der eifersüchtige Partner von Venus – Mars – verwandelt sich jedoch in einen Eber und tötetet ihn auf einer Wildschweinjagd.

Diana und Aktäon

Beschreibung und Ikonographie

Das Nebenbild in der Nordwestecke[11] zeigt, wie der Jäger Aktäon die jungfräuliche Jagdgöttin Diana mit ihren Nymphen beim Baden überrascht. Diana verwandelte ihn daraufhin in einen Hirsch, und in dieser Gestalt wurde er von seinen eigenen Jagdhunden zerfleischt. Gezeigt wird der Moment, in dem die Verwandlung beginnt. Diana hat sich, ihre Blöße bedeckend, verärgert von Aktäon abgewendet. Ihm wachsen bereits Hirschhörner auf dem Kopf.

Phädra und Hippolytos

Beschreibung und Ikonographie

In der Südwestecke[12] erblickt man einen Mann, der sich nur schwer der körperlichen Avancen einer Frau erwehren kann. Den Schlüssel zum Verständnis der Darstellungen bilden die beiden Pferde im Hintergrund: Es handelt sich um Phädra und Hippolythos.

Phädra war von Venus verzaubert worden, sich in ihren Stiefsohn Hippolytos zu verlieben. Er hatte geschworen, sein Leben lang keusch zu bleiben und wies ihre Liebe zurück. Phädra beging daraufhin Selbstmord, hinterließ jedoch eine Nachricht, in der sie Hippolytos beschuldigte, ihr nachgestellt zu haben. Als Phädras Gatte die Nachricht erhielt, verfluchte er daraufhin seinen unschuldigen Sohn Hippolytos. Dieser floh mit einem Pferdewagen. Als die Pferde scheuten, stürzte Hippolytos vom Wagen und verfing sich so unglücklich in den Zügeln, dass er zu Tode geschleift wurde.

Herkules und Omphale

Beschreibung und Ikonographie

In der Südostecke[7] sieht man Herkules bei Omphale. Der Heros Herkules musste ihr zur Sühne als Sklave dienen. Omphale und Herkules verliebten sich und Herkules verweichlichte derart, dass er alles tat, was Ompahle verlangte. Während sie seine Keule hielt und sein Löwenfell trug, zog Herkules Frauenkleider an und verrichtete Frauenarbeit. Als Herkules seine Sühne geleistet hatte, erkannte er seine Verblendung und verließ Omphale umgehend. So endet auch diese Liebesgeschichte unglücklich.

Diana und Endymion

Beschreibung und Ikonographie

In der Nordostecke[13] erblickt man Diana und Endymion. Endymion war ein schöner Hirte, in den sich die jungfräuliche Diana verliebte. Sie ließ ihn in eine Höhle versetzen und in ewigen Schlaf sinken. Jede Nacht kam sie, um ihn zu betrachten. In Benrath liebkostet sie den Endymion sogar, der noch im Schlaf seinen Hirtenstab umfasst. Diese Liebe endet zwar nicht im Unglück oder tödlich, bleibt aber doch einseitig und damit unerwidert.

Hirschjagd

Beschreibung und Ikonographie

An der Ostseite der Decke ist eine Hirschjagd dargestellt. Sie befindet sich gegenüber eine Wildschweinjagd an der Westseite. Zum Schloss gehörte ein Hirsch- und Wildschweinpark, auf den diese Malerei Bezug nimmt.

Eberjagd

Beschreibung und Ikonographie

An der Westseite der Decke ist eine Wildschweinjagd dargestellt. Sie befindet sich gegenüber eine Hirschjagd an der Ostseite. Zum Schloss gehörte ein Hirsch- und Wildschweinpark, auf den diese Malerei Bezug nimmt.

Bukolisches Fest

Beschreibung und Ikonographie

An der Nordseite der Decke ist ein bukolisches Fest dargestellt. Im Vordergrund tanzen zwei kleine Satyrkinder miteinander. Rechts musizieren ältere Satyrn beiderlei Geschlechts. Links sitzt ein Paar und kehrt dem Betrachter den Rücken zu.

Ländliches Fest

Beschreibung und Ikonographie

An der Südseite erblickt man ein ländliches Fest. In der Mitte tanzen drei Mädchen miteinander. Rechts lagert ein Liebespaar und links ein Knabe mit zwei Frauen, die alle den Tanzenden zuschauen.

Das Bildprogramm des Artemiszimmers

Das Thema der unglücklichen Liebe

Die farbigen Malereien im Raum an der Decke und über dem Kamin zeigen alle Liebesaffären, die unglücklich enden, einseitig sind oder unter falschen Voraussetzungen erfolgen. Das Hauptbild zeigt eine Affäre, die mit dem Tod eines der Liebenden endet – dem Tod des Andonis. Die jungfräuliche Diana betrachtet ganz einseitig den schlafenden Endymion. Der Jäger Aktäon, dem es gelingt, Diana zu erblicken, muss für diesen Frevel sterben. Phädra und Hippolythos sterben beide, die eine schuldig von eigener Hand, der andere unschuldig. Einen anderen Aspekt greift die Darstellung am Kamin auf. Doch auch dieser Liebe ist kein glückliches Ende beschieden, denn es gelingt Perseus nicht, Eurydike tatsächlich zu retten. Er selbst ist schuld an ihrem Verbleiben in der Unterwelt. So mahnt das Bildprogramm den Betrachter, die rechte Liebe zu suchen und keine Grenzen zu überschreiten.

Eventuell stand das Bildprogramm des Raumes in Gegensatz zu dem des folgenden. Dort hat sich zwar nur das Bild am Kamin erhalten – dieses zeigt aber mit Amor und Psyche eine Liebesgeschichte, die zuletzt glücklich endet. So könnte auf den Raum der unglücklichen Liebe ein Raum der glücklichen gefolgt sein.

Der Raum westlich des Saals

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum gehört zu jenen Räumen, die zwischen 1662 und 1666 entstanden sind.

Beschreibung

Der quadratische Raum[14] ist zwischen zentralem Saal und erstem Raum im Westabschnitt des Nordflügels gelegen. Erhalten hat sich ein Kamin mit reichem Stuckrahmen an der Westseite.

Der Kamin im Raum westlich des Saals

Beschreibung und Ikonographie

Das Gemälde[14] am Kamin stammt vermutlich vom Hofmaler Johann Spilberg und zeigt Amor und Psyche. Amor ist Psyches Geliebter, gesellt sich jedoch nur des nachts zu ihr, ohne sich von ihr erkennen zu lassen. Er verbietet ihr zudem, herauszufinden, wer er sei. Als sie dieses Verbot übertritt und ihn mittels einer Öllampe betrachtet, fällt ein Tropfen des heißen Öls auf Amors Schulter. Dieser Moment wird auf dem Gemälde gezeigt. Die Folge dieser Verbotsübertretung ist die vorläufige Trennung von Amor und Psyche. Erst nach einem langen Leidens- und Sühneweg Psyches kommt das Paar wieder zusammen und wird letztendlich glücklich.

Der Raum östlich des Saals

Beschreibung

Im Raum östlich des Saals hat sich lediglich das Deckengemälde erhalten und der Kamin. Sämtlicher Stuck ist verloren.

Die Apotheose des Herkules

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Übermalungen und Fehlstellen verunklären die Ikonografie und lassen die ursprüngliche Qualität des Gemäldes nicht erkennen.

Beschreibung und Ikonographie

An der Decke des Raumes ist ein kreisrundes Gemälde erhalten, dass die Apotheose des Herkules zeigt. Der Heros schreitet von rechts auf Wolken empor und trägt das für ihn charakteristische Löwenfell sowie seine Keule. Vor ihm erblickt man zwei Kardinaltugenden. Die Klugheit (Prudentia) hält ihm den Spiegel der Selbsterkenntnis vor Augen. Links von ihr erkennt man die Stärke (Fortitudo) mit der Säule im Arm. Im Rücken von Herkules scheint eine Person rückwärts von den Wolken zu stürzen. Er hält einen Gegenstand in Händen der eine Turnierlanze sein könnte. Noch weiter rechts betrachtete ein Löwe mit einer Fahne den Aufstieg des Herkules. Ihre Bedeutung bleibt unklar. Vermutlich stehen beide zusammen für die Tugend der Milde (Clementia) oder die Staatsräson (Ragione di Stato).

Über dieser Gruppe haben sich verschiedene olympische Götter versammelt, die der Apotheose des Herkules beiwohnen. Man erkennt den Wein trinkenden Bacchus, Minerva mit Schild und Lanze, Saturn mit Sense und Diana mit dem Jagdbogen. Links von Prudentia sind weitere Götter versammelt. Klar zu erkennen ist der gewappnete Mars mit dem blanken Schwert, auch wenn er dem Betrachter den Rücken zukehrt. Über ihm erblickt man Neptun mit dem Dreizack. Die anderen Götter dieser Gruppe sind heute nicht mehr zu bestimmen. Im Vordergrund fliegt Merkur heran. Die Figur ist gekonnt verkürzt, aber kaum mehr zu erkennen. Links von ihm betrachten im Hintergrund sieben oder acht gekrönte Häupter die Apotheose.

Über allem thronen Jupiter und Juno, begleitet von Jupiters Adler. Fama verkündet den Ruhm des Herkules mit zwei Trompeten in alle Himmelsrichtungen. Weitere Figuren im Hintergrund sind zu schemenhaft angedeutet.

Programm

Die Apotheose des Herkules spielt auf das Erbe der pfälzischen Kurwürde 1685 durch Philipp Wilhelm an. Dies erklärt sich durch den Löwen am rechten Bildrand, der nicht nur ein Attribut der Staatsräson, sondern auch das Wappentier der Kurpfalz bzw. der Wittelsbacher Dynastie ist. Die Malerei ist daher nach 1685 zu datieren, entstand vielleicht aber auch erst in eine Umbauphase um 1700. Bei den gekrönten Häuptern links könnte es sich um die anderen acht Kurfürsten sowie den Kaisern handeln. Die Übermalungen sind aber so massiv, dass nur die böhmische Königskrone und eine Zackenkrone (Erzherzogshut) bestimmt werden können.

Das Eckkabinett im Osten

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum[15] ist vermutlich 1662-65 entstanden. Seine Decke wurde jedoch erst nach 1685 stuckiert. Sie wird auf eine Umbauphase um 1700 datiert.

Beschreibung

Bis auf die Stuckdecke hat sich keine historische Ausstattung im Raum erhalten.

Die Decke des Eckkabinetts

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Während sich die Stuckdecke annähernd unversehrt erhalten hat, ist das Gemälde[16] leicht beschädigt. Es wird in eine Umbauzeit um 1700 datiert. Es wurde zwischen 1989 und 1991 restauriert.

Beschreibung und Ikonographie

Der Deckenstuck in diesem Raum ist weniger plastisch als in den westlichen Räumen. Bemerkenswert sind die vier Kurhüte, die das zentrale Deckenbild tragen. Der Stuck und das Fresko stammen vielleicht von Luca oder Carlo Bonaveri aus der Zeit um 1700. Jedenfalls soll Bonaveri um 1700 ein ganzes Appartement freskiert haben.

Die Gemälde zeigt, wie der Morgen die Nacht vertreibt. Von links oben kommt die Morgenröte (Aurora) und schiebt die dunklen Wolken der Nacht (Nox), die sich in ihren blauen Sternenmantel hüllt, mit ihrer rechten Hand beiseite. Mit ihrer linken verweist sie auf das nahende Licht. Zahlreiche Putten streuen Blumen, die Gestalten der Nacht versinken nach unten.

Es gibt in den vier Ecken der Decke leere Kartuschen. Ob sie zur Aufnahme von Malerei bestimmt waren, ist unbekannt.

Programm

Eventuell spielt die Darstellung der Aurora auf die Übernahme der Pfälzer Kurwürde durch Philipp Wilhelm 1685 an. Diese Vermutung findet ihre Grundlage in den stuckierten Kurhüten. Dann würde das neue – katholische – Kurhaus das Licht bringen. Das alte – calvinistische – Kurhaus würde für die Zeit der Dunkelheit stehen, die nun überwunden ist.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Hermanns, Benrath, 1909. – Hermanns, Aloys: Die Geschichte von Benrath. 2. Aufl. Benrath 1909.
  • Klein, Benrath, 1952. – Klein, Adalbert: Schloß Benrath. Die alten Schlösser und das neue Jagdschloss. Ratingen 1952.
  • Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015. – Schweizer, Stefan/Bartsch, Andrea: „Dieser seltsame Sonderling in der Geschichte der Baukunst am Niederrhein“. Das alte Benrather Schloss Pfalzgraf Philipp Wilhelms und Pfalzgräfin Elisabeth Amalia Magdalenas. In: Schweizer, Stefan/Gruben, Eva-Maria (Hrsg.): „Sehens Wert“. Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlösser. Katalog zur Ausstellung der Stiftung Schloss und Park Benrath 6. September bis 22. November 2015. Düsseldorf 2015, S. 19-38.
  • Schweizer/Gruben, Benrath, 2015. – Schweizer, Stefan/Gruben, Eva-Maria (Hrsg.): „Sehens Wert“. Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlösser. Katalog zur Ausstellung der Stiftung Schloss und Park Benrath 6. September bis 22. November 2015. Düsseldorf 2015.
  • Uerscheln, Benrath, 2007. – Uerscheln, Gabriele: Schloß und Park Benrath – ein Garten- und Lustschloß des Kurfürsten Carl Theodor vor den Toren Düsseldorfs. In: Uerscheln, Gabriele/Gruben, Eva-Maria/Stekovics, János (Hrsg.): Schloss und Park Benrath. Dössel 2007, S. 3-41.

Einzelnachweise

  1. Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 19-20, 30-36; Klein, Benrath, 1952, S. 15-16, 24-28; Hermanns, Benrath, 1909, S. 19-22, 24-25.
  2. Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 21-23, 36; Klein, Benrath, 1952, S. 26-27.
  3. 3,0 3,1 Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 30.
  4. Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 19, 30, 34.
  5. 5,0 5,1 Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 28; Klein, Benrath, 1952, S. 23.
  6. Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 21, 23; Klein, Benrath, 1952, S. 15.
  7. 7,0 7,1 Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 31.
  8. Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 23, 31.
  9. Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 23, 31; Klein, Benrath, 1952, S. 15, 19.
  10. Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 27-28.
  11. Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 29; Schweizer/Gruben, Benrath, 2015, S. 162-163.
  12. Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 29-30.
  13. Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 29.
  14. 14,0 14,1 Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 23, 30.
  15. Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 23, 31; Klein, Benrath, 1952, S. 23.
  16. Schweizer/Bartsch, alte Benrather Schloss, 2015, S. 23, 27, 31; Klein, Benrath, 1952, S. 16.