Dörndorf, Pfarrkirche St. Sixtus


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 69–75, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, von Denkendorf vikariert, Gemeinde Denkendorf, Diözese Eichstätt; z. Z. der Ausmalung Hochstift Eichstätt. Bis 1972 Reg.Bez. Mittelfranken.

Patrozinium: St. Sixtus

Zum Bauwerk: Der Chor geht auf eine spätmittelalterliche Anlage zurück. 1670 Renovierung der Kirche. 1720 Neubau des barocken Langhauses, Weihe am 12.7. 1722.

Flachgedeckter Saalbau (12,50×9,50 m) zu drei Jochen, Empore im Westen. Belichtung durch drei Fensterpaare im Langhaus. Kleiner quadratischer, kreuzgewölbter Altarraum (4,60 × 4,60 m). Altäre um 1720; Hochaltar hl. Sixtus, hll. Laurentius und Johannes der Täufer, links Marienaltar, Auszug hl. Katharina, rechts hl. Martin, Auszug hl. Leonhard.

Auftraggeber: Die gesamte Ausmalung wurde von Pfarrmitgliedern gestiftet und auf eine originelle und sehr persönliche Art dokumentiert. Jedes Fresko ist von einem Stifter gezeichnet. Nach der Inschrift in B hat die Pfarrgemeinde das Hauptfresko gestiftet. Die Nebenfresken haben verschiedene Bauern und der Schmied der Gemeinde mit ihren Ehefrauen »mahlen lassen«. Der amtierende Pfarrer Johann Christoph Hink (1754–†21.2.1773) zeichnet verschlüsselt in Fresko b bei der Darstellung des Guten Hirten mit seinen Initialen I. C. H./P. T. P (= Johann Christoph Hinkl pro tempore Parochus), gegenüber in Fresko c bei der Darstellung der hl. Barbara eine Verwandte, vermutlich seine Schwester Maria Barbara Hinkl († 1770) mit den Initialen M. B. H. 1762.

Im Zusammenhang mit der Bitte um einen Zuschuss zur Neumarmorierung der altmodischen, schwarzgebeizten Seitenaltäre 1765 wird auf die Finanzierung der Deckenbilder und die Hochaltarfassung durch die Gemeinde hingewiesen: »die Heilling (Heilingpfleger) alda (haben) heuriges Jahr die Kirch weißen, aber dieselbe von Gemaindts wegen oben in der Deckhe in fresco mahlen, und den Hochaltar auf Marbelarth fassen, vergolden und das Altarblatt renovieren lassen« (DAEI, Pfarrakten Dörndorf II, 1).

Unter den Stiftern treten zwei Heilingpfleger auf. Der Heilingpfleger verwaltete die Stiftungsgelder im Hochstift Eichstätt vor Ort, vergleichbar mit dem heutigen Kirchenstiftungsvorsitzenden.

Der Kirchenraum

Autor und Entstehungszeit: Anton Köll 1762

Signatur in Fresko B an einem Stein: Antonj Koehl Pinxit. Datum 1762 auf der Widmungstafel im gleichen Fresko und in b. Kölls Malerei zeichnet sich durch eine schlichte Erzähltechnik und durch kindliche Gestalten aus. Liebevoll sind die kleinteiligen Landschaftsszenerien gemalt.

In Kipfenberg waren zwei Maler namens Anton Köll ansässig. Anton Conrad Köll (* 1688 † 1771) war der Vater des Anton Köll (* um 1732 Geburtsort nicht bekannt † 1767 Kipfenberg). Signaturen an Gemälden in Emsing von 1764, in Zandt von 1767 und an Deckenfresken in Pfahldorf und in Unteremmendorf von 1760 verweisen auf den Namen Anton Köll, jedoch kann das Werk von Vater und Sohn nicht unterschieden werden. Zeitlich gesehen kommen beide in Frage, altersmäßig ist der jüngere Köll wahrscheinlicher. Dem Werk dieses Anton Köll sind zudem die Fresken in Ochsenfeld zuzuschreiben.

Befund

Träger der Deckenmalerei: A-C, 1-10 Flachdecke über einem durchlaufenden Gesims, a-c Chorbogenlaibung Rahmen: alle Fresken haben verkröpfte, weiße Stuckprofilrahmen auf sonst rein weißer Decke

Maße: A Höhe 6,90 m; 1,60 × 3,70 B Höhe 6,90 m; 5,00 × 3,15 C Höhe 6,90 m; 1,60 × 3,70 1, 5, 6, 10 Höhe 6,90 m; 0,85 × 0,85 2, 4, 7, 9 Höhe 6,90 m; 1,20 × 1,35 3, 8 Höhe 6,90 m; 1,20 × 2,25

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1871 Innenrestaurierung, 1910 Kostenanschlag zur Renovierung der Deckenbilder durch Hans Vogt, Beilngries. 1934 war das »Luciabild« durch einen Wasserschaden in der Nordwestecke beim Turmansatz heruntergefallen, die Bruchstücke wurden wieder an der Decke befestigt, »die volkstümlich flott gemalten Deckenbilder« restauriert (Kostenanschläge Kunstmaler Hans Vogt, Beilngries, und Boeckl, Regensburg). Nach dem Gutachten von Richard Hoffmann 1934 sollten Wand- und Gewölbeflächen mit einem leicht mit grüner Erde und etwas Zusatz von Morellensalz gebrochenen Kalkweiß, das stuckierte Rahmen- und Leistenwerk in reinem Kalkweiß gestrichen werden. Erneuerung des Innenraums 1962-64 durch Kirchenmaler Konrad Schmer, Eichstätt. Dabei wurde der Hochaltar verkleinert, das Gestühl erneuert. 1982 wurde durch Rudolf Pfaller, Ingolstadt, die Raumschale nach barockem Befund getüncht, die Decke in lichtem Ocker mit grauem Stuck, die Wände weiß. Die 16 Deckenbilder wurden gereinigt und restauriert. Letzte Restaurierung 1997 durch Herbert Eichner, Eichstätt. Die durch Wassereinwirkung entstandenen Salzausblühungen wurden mit Mehrfachfluat neutralisiert und mit reinem Kalkputz ausgebessert. Die Fehlstelle in Medaillon 5, die bereits nicht mehr den Originalzustand aufwies, wurde geschlossen und ergänzt. Die Beschriftung konnte nicht mehr rekonstruiert werden. Durch Oberflächenwassereinbruch vom Dach her waren die Stuckrahmen am westlichen Rand und im Nordosten der Langhausdecke beschädigt. Bis auf den Schaden in Medaillon 5 wirken die Fresken original und gut erhalten. Zwei verkittete Längsrisse in B, viele kleine Risse. In 6 Inschrift teilweise erneuert.

Beschreibung und Ikonographie

Die zwölf um das Mittelbild angeordneten Felder der Flachdecke des Langhauses mit drei unterschiedlichen geometrischen segmentbogigen Umrissen fügen sich, zusammen geschoben, wieder zu einem Längsrechteck, das den Proportionen der Decke entspricht. Die Bildgegenstände sind auf gleichartige und in naiver Weise in die Bildfelder komponiert; vor einem rosagrauen Wolkenhimmel jeweils ein von schneebedeckten Bergen gesäumter schmaler Erd- oder Wiesengrund, auf dem eine oder mehrere Figuren stehen. Neben dem Kirchenpatron, den Neben- und Nebenkirchenpatronen und den Bistumspatronen handelt es sich bei den Heiligen ausdrücklich um die Namenspatrone der jeweiligen Stifter, die in Stifterinschriften genannt sind (Barbara, Antonius, Joseph, Jakobus, Michael). Die Namenspatrone Sixtus und Barbara, Philipp und Lucia der beiden Heilingpfleger und ihrer Frauen, die ihre Widmung in den Fresken C und 4 angebracht haben, sowie die der übrigen erwähnten Stifter (zwei Mal Anna Maria, Michael, Johannes und Johanna) erscheinen in anderen Darstellungen (B, C, 2, 4, 5, 8, 10). Katharina (Stifterinschrift 9) ist als Heilige im Auszugsbild des linken, der hl. Leonhard (6) des rechten Seitenaltars dargestellt. Die hll. Leonhard und Johann von Nepomuk sind Patrone der Seitenaltäre in der Filialkirche St. Georg in Bitz, der hl. Joseph ist Patron der Schlosskapelle in Schönbrunn. Franz, Johanna, Eva, Georg (Stifternamen von 2, 3, 8 und 9) kommen als Heilige nicht vor, der hl. Sebastian (9) dagegen nicht als Stiftervorname.

Der Pfarrer selbst stiftete die Darstellung des Guten Hirten. Leonhard und Joseph sind auch die Vornamen seiner Vorgänger im Amt, Leonhard Brein († 1744), Joseph Friedrich Ignaz Merckel († 1749) und Joseph Hugo Eberle († 1753).

A HEILIGER WANDEL (Inschrift? Bild teilweise von der Orgel verdeckt) Die Hl. Familie hat die Stadt, kenntlich durch einen Turmbau und ein Stadttor am rechten Bildrand, verlassen und schreitet nun durch eine weitläufige Landschaft, begrenzt rückwärts durch eine Bergkette und links durch ein Gehöft. Maria legt die Linke auf die Brust und blickt auf das Kind an ihrer Hand, Joseph trägt an einem Stock über der Schulter einen Sack mit Zimmermannswerkzeug, in der Linken hält er den Stab, dem drei Blüten entsprießen, die auf seine wunderbare Erwählung in den Tempel anspielen. Die Verehrung der Hl. Familie, auch Trinitas terrestris im Gegensatz zur Trinitas coelestis genannt, wurde in nachreformatorischer Zeit von den Jesuiten verbreitet.

 
Die Langhausdecke
 
 
A Heiliger Wandel

B HL. SIXTUS ALS PATRON VON DORNDORF Zweigeteilte Szenerie: Auf Wolken thront Papst Sixtus in vollem Ornat, begleitet von Engeln und Putten. Zwei in Stoffbäusche gehüllte Putten halten Schwert und Palme, die Attribute seines Martyriums. Zu seiner Rechten kniet der hl. Laurentius, der als sein Diakon das Martyrium zusammen mit Sixtus erlitten hat. Beide weisen auf eine Schale mit einer Ampel, liturgischem Gerät, einem Geldsack und Münzen – das ist der Kirchenschatz, den die beiden vor ihrem Martyrium an die Armen verteilt haben. Am vorderen Bildrand die topographische Ansicht des Ortes Dörndorf, die Dorfstraße mit einem Dutzend Häuser – das rechte nach der »Dorflinde« mit bemalten Fenstern – mündet in den ummauerten Kirchhof. Links das Pfarrhaus, rechts die Kirche, grau gestrichen mit weißen Umrahmungen, der Turm ist ein anderer als das heutige Walmdach. Links groß und auffallend eine goldfarbene Widmungskartusche der Pfarrgemeinde dises bild hat/ein Löbliche Ge/maindt alhie/Mahlen lassen/Anno 1762, rechts die Malersignatur auf einem Stein Antonj Koehl/Pinxit.

C KRÖNUNG MARIENS Wolkenszenerie. Maria ist im Typus der Immaculata dargestellte, eine Lilie in der Hand, den Fuß auf der Mondsichel, zwei Putten hüllen sich verspielt in ihren hellblauen Mantel. Die Heiligste Dreifaltigkeit hält ihr die Krone bereit. Die himmlische Trinität ist hier der irdischen Trinität in Fresko A gegenübergestellt. Widmungsinschrift Herr Sixtus Drescher Heillingpfleger Ehhaffst=richter und Wirth alhie, Barbara sein hausfrau haben dises Bildt Mahlen lassen. (Sixtus und Barbara Drescher starben 1792 und 1789.)

1-10 HEILIGE Fresken an der Nord- und Südseite der Langhausdecke

 
Fresken am Chorbogen: a IHS-Monogramm, b Jesus als Guter Hirte, c Barbara

I HL. ANTONIUS VON PADUA im Franziskanerhabit, mit der Lilie der Keuschheit als Attribut und dem Jesuskind auf dem Arm. Widmungsinschrift Antoni Weckerle, schmied alhie. An. Maria sein Hausfr.

2 HL. JOHANN VON NEPOMUK im Fünf-Sterne-Nimbus mit dem Kruzifixus in der Hand. Ein Engel zeigt mit dem Schweigegestus auf seinen Mund und hält Palmzweig und Zunge in der Hand. Im Hintergrund die Szene des Brückensturzes. Von der Karlsbrücke in Prag schauen König Wenzel von Böhmen und Soldaten zu, wie der Heilige in die Moldau geworfen wird. Franz Schreiner baur alhie, Catharina sein hausfrau haben dises bild Mahlen lassen. Der hl. Johann Nepomuk ist Patron des südlichen Seitenaltars in der Filialkirche St. Georg in Bitz.

3 S. WILIBALDUS S. WALBURGA Die Bistumspatrone von Eichstätt stehen nebeneinander. Willibald ist als Bischof dargestellt, Walburga als Benediktineräbtissin mit Buch und Ölfläschchen. Das Krönchen auf ihrem Haupt erinnert an die königliche angelsächsische Herkunft der Geschwister. Johannes Schreiner baur alhie. Johanna sein hausfrau, haben dises bild Mahlen lassen.

4 HL. ANNA SELBDRITT Auf grüner Wiese, im Hintergrund schneebedeckte Berge, steht Mutter Anna als Matrone, das nackte Jesuskind auf dem Arm, an der Hand das Mädchen Maria im Alter von etwa 8 Jahren, das als einzige der drei Personen einen Strahlenkranz um den Kopf hat. Das Jesuskind hat einen blauen Stein in der Hand, die Weltkugel? Philipp Schmidtner des grichts und Heillingpfleger alhie/ Lucia sein hausfrau haben dises bild Mahlen lassen. (Philipp Schmidtner starb 1797, seine Frau Lucia erscheint in den Pfarrmatrikeln nicht.)

 
6 Leonhard
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Sebastian

a-c Fresken an der Innenseite des Chorbogens

Barbara Hinkl († 1770, 69jährig), die vermutlich seine Hausälterin war und die hier das Bild ihrer Namenspatronin gestiftet hat.

Quellen und Literatur

DAEI, Pfarrakten Dörndorf II,1; Pfarrmatrikeln Dörndorf; Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche. BLfD, Akt Dörndorf, Pfarrkirche St. Sixtus. Kunstinventar Diözese Eichstätt, Dörndorf, bearbeitet von Emanuel Braun, 1990. KDB V MF (2), S. 89–92. Buchner Bistum Eichstätt 1937, S. 187–91. Dehio OB 1990, S. 193; 2006, S. 209. C. B.