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Dresden, Holländisches Palais

Aus Deckenmalerei-Lab
Hertzig, Stefan:Dresden, Holländisches Palais, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/52b7d1a2-422c-49da-a5e2-0fcea82dee47

Inventarnummer: cbdd10477

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

In dem Festsaal des 1716 fertiggestellten Palais befand sich ehemals reiche Deckenmalerei von Louis de Silvestere. 1729 wurde die Anlage zum Japanisches Palais umgebaut.

Dresden, Holländisches Palais
Dresden, Holländisches Palais

Bauwerk

Baugeschichte

Das im linkselbischen ehemaligen Altendresden, dem heutigen Dresden-Neustadt, gelegene Holländische Palais war in den Jahren 1715–1716 von Matthäus Daniel Pöppelmann für den Generalfeldmarschall Jakob Heinrich von Flemming (1667–1728), einem der engsten Vertrauten Augusts des Starken, erbaut worden. Im Jahre 1717 war es mit großem Aplomb von dem Kurfürsten-König erworben und danach für seine Zwecke um- und ausgebaut worden.

Beschreibung

Nach dem Vorbild des Versailler Trianon de Porelaine hatte man das Palais als Dreiflügelanlage mit abgesetzten, nur eingeschossigen Seitenflügeln konzipiert. Das zweigeschossige Hauptgebäude von vier zu 17 Achsen wies an den relativ schlichten Rücklagenachsen nur geohrte und profilierte Rechteckfenster auf. Die beiden fünfachsigen Mittelrisalite waren nach dem Umbau durch den Hof jedoch mit prachtvollem bildhauerischem Dekor – Säulen, Pilaster, Balustraden, Figuren und ein Wappengiebel – ausgestattet worden. Ein hohes Mansarddach mit weiteren Zierraten, etwa an den Schornsteinen, bedeckte den Palaisbau. Ein reich geschmücktes, geschwungenes Gitter schloss den Ehrenhof auf der Stadtseite ab. Eine im Laufe der Zeit immer prachtvoller ausgestattete Holländische Gartenanlage mit zuletzt bis zu 100 Marmorfiguren und zahlreichen Porzellangefäßen schloss sich rückwärtig an. Das Innere des Holländischen Palais war von August dem Starken sukzessive mit mehr als 20.000 Stücken seiner umfangreichen Sammlung an ostasiatischen Porzellanen ausgestattet worden. Kostbare Seidenstoffe, Lackmöbel sowie Ledertapeten ergänzten das opulente Interieur. Auf beiden Etagen des Palais erstreckten sich an jeder Seite je vier kleinere Zimmer, während sich im Mittelrisalit die Halle bzw. der Vorsaal mit dem Treppenhaus, ein Gartensaal, sowie im Obergeschoss ein großer Festsaal befanden. Spätestens im Jahre 1729 hatte man das Palais zum Zwecke des Umbaus zum Japanischen Palais aufgegeben und abgebrochen.[1]

Der Festsaal im ersten Obergeschoss

Die zu den Hochzeitfeierlichkeiten von 1719 angefertigte Zeichnung Raymond le Plats zeigt den Festsaal im Holländischen Palais recht deutlich: Zu sehen sind an den Wänden zahlreiche der berühmten, später teilweise ins Residenzschloss versetzten „colonnes torses“. Über dem Kranzgesims ist ein strenger architektonischer Rahmen des Deckengemäldes mit Eckkartuschen, an der Längsseite das Herrscherwappen, sowie an den Schmalseiten zwei mit Musikanten bemalte Bögen zu sehen. Eine rautierte Zone leitet zu dem wohl in einem Oval wiedergegebenen zentralen Gemälde. Durch eine recht genaue Beschreibung durch Johannes Krell, gen. ICCander ist auch über dieses von Louis de Silvestre geschaffene Deckengemälde Vieles bekannt. Die Mitte des Plafonds zeigte „den Herculem Musagetem, oder den Musen=Führer / weil er sich auf dem Parnasso mit der Kriegs= und Kunstgöttin Minerva embrassiret / und selbiger nebst denen um sie befindlichen Musen seine güldenen Aepffel darreichet / welche Musen / so den Hercules verehren / einen Concert de Musique zu halten scheinen / worunter die Vorsteherin der Helden-Gedichte Melpomene die Mensur führet (…)“. Darunter befanden sich in der Mitte der Längsseiten „mit einer ansehnlichen Stocatur Arbeit von Cartuchen / Kräntzen / Zweigen u s. f. ausgezieret grose Trophaen- und Wappenarrangements mit der königlichen Krone“. In den Ecken rahmten „unterschiedliche Tugenden“ Herkules‘ „Ehren=zeichen“ in geschwungenen Kartuschen. Wohl noch als Teil des Gemäldes befand sich zwischen diesen „(…) das Portrait S. R. Königl. Majt. in Pohlen in Lebens-Größe (…) / auf welche Ihro Majt. man mit diesem Hercules alludiret. Gegen über stehet gleichfalls das Bildnüß Ihrer Hoheit des Königl. Printzen auf solche Art rangiret“. Als eine Besonderheit des überhöhten Festsaals befand sich im Bereich der Deckenkehle „(a)n jedem Ende des Saals (…) ein großer mit Mahlereyen gezirter Bogen“. Die beiden Bögen waren „also auch ordiniret (…), daß sie können geöffnet werden /, umb die Musikanten darinnen zu logiren (…)“. „Die Figur mit der Guitarre / so in den einen Bogen vorkömmt“ war „Erato, die damit den Gesang des Cupidis scheinet zu begleiten. In dem andern gegen über siehet man die Thalia in Comoedien=Kleidern/ so mit Cymbeln und ausgestreuten Zetteln zu“.[2]

Bibliographie

  • Hertzig / Friedrichs / Karge, Das Japanische Palais, 2019. – Hertzig, Stefan / Friedrichs, Kristina / Karge, Henrik: Das Japanische Palais in Dresden. Porzellanschloss – Staatsmonument – Museum, Petersberg 2019.
  • ICCander, Von dem Japanischen Palais, 1720. – ICCander (= Johann Christian Crell): Von dem Japanischen Palais zu Alt-Dresden, in: Des Neu=Erscheinenden Postillons, mit sich bringende alte und neue Inn- und Auslandische rare Curiositaten, Felleisen 3, Dresden 1720.
  • Schwarm, Das Königlich Holländische Palais, 2002. – Schwarm, Elisabeth: „...wo hohe Potentaten ihr Plaisirs finden können...“. Das Königlich Holländische Palais in Altdresden bis zu seinem Umbau im Jahr 1727, in: Dresdner Kunstblatter, 46 (2002) 2, S. 56–66.
  • Schwarm, Vom Flemmingschen Haus, 2014. – Schwarm, Elisabeth: Vom Flemmingschen Haus zum Königlich Holländischen Palais zu Altdresden, in: Ulrich Pietsch / Cordula Bischoff (Hg.): Japanisches Palais zu Dresden. Die Königliche Porzellansammlung Augusts des Starken, München 2014, S. 83–88.

Einzelnachweise

  1. Schwarm, Vom Flemmingschen Haus, 2014, S. 83–88; Dies., Das Königlich Holländische Palais, S. 56–66; Hertzig / Friedrichs / Karge, Das Japanische Palais, 2019, S. 57–103.
  2. ICCander, Von dem Japanischen Palais , 1720, S. 36–38; Hertzig / Friedrichs / Karge, Das Japanische Palais, 2019, S. 77.