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Damp, Gut Damp

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Damp, Gut Damp, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/8b5a2498-18ea-4e74-8fc4-a406c69175ce

Inventarnummer: cbdd10414

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Auf Gut Damp haben sich zwei Wandgemälde mit Hafenansichten von ca. 1700/10 erhalten, die Szenen aus dem Leben Peters d. Gr. darstellen. Ein Deckengemälde mit von Engeln gehaltenem Wappen ist heute unter Stuck verborgen.

Gut Damp

Kurzbeschreibung und Lage

Das Gut Damp[1] ist komplett von einem künstlichen Wassergraben umgeben und setzt sich aus einem Wirtschaftsbereich im Norden und einem Wohnbereich im Süden zusammen. Beide Bereiche sind durch einen weiteren Graben voneinander getrennt.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Gut stammt aus dem Mittelalter und gelangte 1519 an die Familie von der Wisch. Das heutige Herrenhaus wurde durch Melchior von der Wisch Ende des 16. Jahrhunderts erbaut. 1656 kam Damp an die Familie von Ahlefeldt, die es bis 1797 besaß. Bendix von Ahlefeldt und sein Bruder Johann Rudolph von Ahlefeldt gestalteten das Innere des Herrenhauses nach 1693 und um 1720 um. 1717 gelangte Damp an Jürgen von Ahlefeldt. Wohl unter ihm erhielt das Hauptgebäude um 1720 einen Anbau. Die Eingangsseite wurde im 19. Jahrhundert verputzt. Im 19. Jahrhundert war Damp im Besitz der von Qualen und gelangte im 20. Jahrhundert an die von Reventlow.

Beschreibung

Die Gutsanlage wird entlang einer Achse von Nord nach Süd erschlossen. Auf ein Torhaus folgt der Wirtschaftshof. Seine Gebäude stammen überwiegend aus der Mitte des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. An den Hof schließt sich eine nach Norden geöffnete offene Dreiflügelanlage mit Kavaliershaus, Remise und Herrenhaus an. Im Süden folgt ein Garten. Das zweigeschossige Herrenhaus selbst war in seiner ursprünglichen Gestalt ein Gebäude über H-förmigem Grundriss. An einen quergelagerten Flügel in der Mitte – den heutigen Saaltrakt – schlossen sich an den Ecken vier Pavillons an, die jeweils zwei Fensterachsen vortreten. Diese Pavillons wurden bereits früh an den Schmalseiten zu durchgehenden Flügeln ergänzt. Die hier gelegenen Wohnräume werden vom Saal aus betreten. Seit der Zeit um 1720 schließt sich an den ehemaligen nordwestlichen Pavillon ein zweigeschossiger Wohnflügel in Richtung Westen an.

Man betritt die zentrale Halle direkt durch die Eingangstür im Norden. Im Süden schließt sich eine Terrasse an. Die ehemaligen Pavillons nehmen bzw. nahmen je einen Raum auf, der direkt aus der Halle im Norden oder Süden betreten wird. Nach Osten und Westen werden die Räume in den Verbindungsbauten erschlossen. Durch den westlichen bzw. den nordwestlichen ehemaligen Pavillon erreicht man die Räume im Flügel des 18. Jahrhunderts.

Eingangshalle

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Eingangshalle[2] ist bereits Ende des 16. Jahrhunderts entstanden. Sie war ursprünglich durch eine Decke in einen Raum im Erd- und einen im Obergeschoss unterteilt. Der Raum wurde unter den Ahlefeldts in zwei Etappen seit 1693 und um 1700 umgebaut. Bendix von Ahlefeldt ließ nach 1693 eine bemalte Balkendecke einziehen. 1698/99 kam eine Orgel von Orgelbauer Hinrich Wiese in die Halle. Für sie musste eine Ausbuchtung in der Decke geschaffen werden. Spätestens damals wurden die Räume des Erd- und des Obergeschosses zu einer Halle vereint. Die Decke wurde um 1700 stuckiert und die Malerei verschwand wieder.

Beschreibung

Die querrechteckige Halle wird direkt durch die Eingangstür betreten. Sie reicht durch zwei Stockwerke. An der westlichen Schmalseite befindet sich eine sich gabelnde doppelläufige Treppe. Sie erschließt eine umlaufende Galerie. Auf dieser steht im Osten die Orgel. Die vollplastische Stuckdecke von vermutlich Domenico Carbonetti und Joseph Mogia zeigt den vollplastischen Stuck rund um ein zentrales Ziffernblatt, u.a. Musikantinnen mit teilweise realen Instrumenten.

Das ehemalige Deckengemälde in der Halle

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die ursprüngliche Deckenmalerei[3] vom Ende des 17. Jahrhunderts (wohl 1697 anlässlich der Hochzeit von Bendix von Ahlefeldt und Ida Margarete von Rumohr geschaffen) verschwand 1721 unter der heute noch erhaltenen Stuckdecke. 1962 wurde die Malerei wieder entdeckt und kurzfristig partiell freigelegt.

Beschreibung und Ikonographie

Die Deckenmitte zierte das Allianzwappen des Bendix von Ahlefeldt und der Ida Margarete von Rumohr vor einem Wolkenhimmel, das von Engeln gehalten wurde. Über den Wappen waren die Hunde der Helmzieren einander zugewandt, was auf die Verbundenheit des Paares anspielte.

Das so genannte Esszimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Esszimmer[4] wurde für Bendix oder Jürgen von Ahlefeldt um 1700 neu ausgestattet. Der Stuck im Raum stammt vermutlich von Domenico Carbonetti und Giuseppe Mogia.

Beschreibung

Der Raum ist im Nordosten gelegen und hat eine schwere Stuckdecke. Er wird direkt von der Halle aus betreten. An den beiden Innenwänden sind annährend wandfüllende Malereien im Rahmen zu sehen. Über der Tür zur Halle zeigt die Supraporte den mit Rosen umkränzten Hymen im identischen Rahmen.

Zar Peter als Zimmermann in Holland

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei[5] wurde in Öl auf Leinwand Anfang des 18. Jahrhunderts von einem unbekannten Künstler geschaffen und 1949 gereinigt.

Beschreibung und Ikonographie

Das Gemälde an der Südwand zeigt einen Hafen. Man erkennt einen Leuchtturm und Segelschiffe sowie rechts eine mit Säulen geschmückte repräsentative Architektur. Links werden Säcke und Tonnen verladen. In der Mitte im Bildvordergrund steht auf einer Erhöhung eine Personengruppe von drei Männern. Es handelt sich um eine Begebenheit aus dem Leben Zar Peters d. Gr. während seines Aufenthalts in Holland. Der Zar wird in gewöhnlicher Zimmermannstracht gezeigt. Er überreicht oder erhält von einem vornehmen Holländer in rotem Gewand sowie einem neben ihm stehenden Kalmücken ein Schreiben.

Der Hafen von Astrachan

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei[6] wurde in Öl auf Leinwand Anfang des 18. Jahrhunderts von einem unbekannten Künstler geschaffen und 1949 gereinigt.

Beschreibung und Ikonographie

Das Bild an der Ostwand ist durch eine städtische Häusergruppe in der Mitte zweigeteilt. Rechts erblickt man einen Seehafen mit Kähnen, Segelschiffen und Landsknechten. Auf einer Erhebung im Hintergrund erkennt man Turmzinnen. Im Vordergrund steht ein einfach gekleideter Schiffer mit seinen Händen in den Hosentaschen. Links der Häusergruppe wird ein asiatischer Binnenhafen präsentiert mit einer Hafenstadt im Hintergrund. Aus ihr ragt eine zweitürmige Kirche auf. Vor dem Horizont erhebt sich ein Gebirge. Im Vordergrund sieht man vornehm gekleidete Orientalen mit Turban und Zipfelmütze sowie Landsknechte. Es wurde vermutet, dass es sich um eine Ansicht der Stadt Astrachan in der Nähe des Kaspischen Meeres handelt. Doch gleicht die Darstellung in Damp keinen bekannten Veduten Astrachans aus der Zeit um 1700.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • Hirschfeld, Herrenhäuser, 1980. – Hirschfeld, Peter: Herrenhäuser und Schlösser in Schleswig-Holstein. München/Berlin 1980.
  • Lafrenz, Herrenhäuser, 2015. – Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg 2015.
  • Neuschäffer, Schlösser, 1989. – Neuschäffer, Hubertus: Schleswig-Holstein. Schlösser und Herrenhäuser. Husum 1989.
  • Oberdieck/Rohling/Seeger/Perseke/Holm, Eckernförde, 1950. – Oberdieck, Gustav/Rohling, Ludwig/Seeger, Joachim/Perseke, Helmut/Holm, Theodor (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Eckernförde. München/Berlin 1950.
  • Rinn, Stukkateure, 1999. – Rinn, Barbara: Italienische Stukkateure zwischen Elbe und Ostsee (Bau + Kunst. Schleswig-Holsteinische Schriften zur Kunstgeschichte, 1). Kiel 1999.
  • Rumohr, Schleswig, 1987. – Rumohr, Henning von: Schlösser und Herrenhäuser im Herzogtum Schleswig. Würzburg 1987.
  • Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983. – Rumohr, Henning von/Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Frankfurt 1983.
  • Schütz, Damp, 1984. – Schütz, Bernhard: Das Herrenhaus in Damp. In: Kunstsplitter. Beiträge zur nordeuropäischen Kunstgeschichte. Festschrift für Wolfgang J. Müller zum 70. Geburtstag. Husum 1984, S. 66-71.
  • Schütz/Stocks, Damp, 1976. – Schütz, Bernhard/Stocks, Christian: Adeliges Gut Damp (Schnell, Kunstführer, 1066). München/Zürich 1976.
  • Stilling, Herregårde, 2021. – Stilling, Niels Peter: Danmarks Herregårde. Slesvig og Holsten. Kopenhagen 2021.
  • Teuchert, Bericht, 1985. – Teuchert, Wolfgang: Bericht über neue Ergebnisse der Bauforschung des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein 1969-1984. In: Nordelbingen 54 (1985), S. 193-301.

Einzelnachweise

  1. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 122-125; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 224-226; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 136-141; Neuschäffer, Schlösser, 1989, S. 58-59; Rumohr, Schleswig, 1987, S. 216-232; Teuchert, Bericht, 1985, S. 259-264; Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983, S. 65-71; Schütz, Damp, 1984, S. 66-68; Hirschfeld, Herrenhäuser, 1980, S. 76; Schütz/Stocks, Damp, 1976, S. 3-6, 10, 14, 16; Oberdieck/Rohling/Seeger/Perseke/Holm, Eckernförde, 1950, S. 71-77.
  2. Stilling, Herregårde, 2021, S. 73; Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 123-124; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 224-225; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 136-140; Schütz, Damp, 1984, S. 69-71; Schütz/Stocks, Damp, 1976, S. 16, 18; Oberdieck/Rohling/Seeger/Perseke/Holm, Eckernförde, 1950, S. 71-73.
  3. Rinn, Stukkateure, 1999, S. 140; Rumohr, Schleswig, 1987, S. 222; Seebach, Herrenhäuser, 1985, S. 142, 159; Schütz/Stocks, Damp, 1976, S. 18-19.
  4. Stilling, Herregårde, 2021, S. 73; Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 124; Schütz/Stocks, Damp, 1976, S. 22; Rumohr, Schleswig, 1987, S. 225; Seebach, Herrenhäuser, 1985, S. 142; Oberdieck/Rohling/Seeger/Perseke/Holm, Eckernförde, 1950, S. 75-76.
  5. Stilling, Herregårde, 2021, S. 73; Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 124; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 12; Rumohr, Schleswig, 1987, S. 225; Schütz/Stocks, Damp, 1976, S. 22; Oberdieck/Rohling/Seeger/Perseke/Holm, Eckernförde, 1950, S. 75.
  6. Stilling, Herregårde, 2021, S. 73; Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 124; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 12; Rumohr, Schleswig, 1987, S. 225; Schütz/Stocks, Damp, 1976, S. 22; Oberdieck/Rohling/Seeger/Perseke/Holm, Eckernförde, 1950, S. 75-76.