Caputh, Lustschloss Caputh
Inventarnummer: cbdd10059
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Schloss Caputh war das eigene Lustschloss der Frau eines Landesherrn. Aus der Zeit um 1690 hat sich die Deckenmalerei mit einem betont weiblichen Programm fast komplett erhalten.

Schloss Caputh
Baugeschichte
Schloss Caputh[1] gehört zu jenen Schlossbauten, die im Besitz der Gemahlinnen von Brandenburger Kurfürsten waren – so wie Charlottenburg, Oranienburg oder Schönhausen. 1594 erwarb Kurfürstin Katharina den Rittersitz und das Dorf Caputh mit allem Zubehör und ließ sich dort einen Landsitz errichten. Unter ihrer Nachfolgerin Eleonore konnte der Bau 1603 vollendet werden, wurde aber bereits 1604 abgegeben und im Dreißigjährigen Krieg nach 1621 zerstört. Katharinas Urenkel Kurfürst Friedrich Wilhelm verschenkte das Gut 1662 an Philipp de Chieze, der unter Verwendung von Resten des Vorgängerbaus ein neues Haus aufführen ließ.
Bereits 1671 erwarb der Kurfürst das Gut mit dem neuen Gebäude zurück und schenkte es seiner zweiten Gemahlin Dorothea Sophie. Sie ließ das Schloss vor allem ab 1673 tiefgreifend umgestalten und erweitern. Die Architekten und Baumeister sind unbekannt. Um im Hauptgeschoss die Räume zu erhöhen, musste dem Gebäude eine Attika aufgesetzt werden. Um die notwendige Raumanzahl zu ermöglichen, wurde an den Seiten im Osten und Westen jeweils ein Pavillon angefügt. 1684 waren die Arbeiten vermutlich weitgehend abgeschlossen, die Ausstattung zog sich aber bis über den Tod der Kurfürstin 1689 hinaus.
Kurfürst Friedrich III./I. kaufte das Schloss von den Erben seiner Stiefmutter zurück und schenkte es 1690 wiederum seiner Frau – Sophie Charlotte. Diese gab es jedoch 1694 zurück und wandte sich Lietzenburg zu – der seit 1705 nach ihr benannten Charlottenburg. Das Schloss in Caputh wurde nun als beliebter Aufenthaltsort Friedrichs III./I. von ihm selbst genutzt. Er ließ es auch weiter ausstatten, völlig neu einrichten und nutzte die Anlage für Festlichkeiten und Jagdaufenthalte. Am berühmtesten ist das so genannte Dreikönigstreffen von 1709, bei dem sich Friedrich – inzwischen König Friedrich I. in Preußen – mit König Friedrich IV. von Dänemark und König August II. von Polen traf. 1765 wurde Schloss Caputh verpachtet und 1820 verkauft. 1995 gelangte das Schloss an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und ist seit 1998 restauriert der Öffentlichkeit zugänglich.
Baubeschreibung
Das Hauptgebäude ist eingeschossig über einem hohen, rustizierten Sockelschloss mit Attika gelegen und misst neun auf zwei Fensterachsen. Zwei annährend quadratische Pavillons sind an der Südseite den beiden äußeren Fensterachsen rechts und links vorgelegt und schaffen dadurch die Anmutung eines Ehrenhofs. Zum Garten hin ist die Mittelachse risalitartig vorgezogen und gewährt über eine Freitreppe aus dem Hauptgeschoss direkten Zugang zum Garten. Dies war der eigentliche Hauptzugang.
Das Erdgeschoss barg Wirtschaftsräume, aber auch den so genannten Fliesensaal von ca. 1720 und drei so genannte Kavalierzimmer, die dem Aufenthalt des kurfürstlichen Gefolges dienten. Der Fliesensaal stellt die Verbindung zwischen Entrée an der Hofseite und unterem Vestibül mit Zugang zum Treppenhaus her.
Im Obergeschoss befinden sich ein Hauptsaal sowie das Appartement der Kurfürstin und das des Kurfürsten. Sie werden über das zentrale Treppenhaus erschlossen, das zu einem gartenseitigen Vestibül im Hauptgeschoss führt. Auf der Westseite befand sich das Appartement der Kurfürstin, auf der Ostseite der Hauptsaal und das Appartement des Kurfürsten. Da es sich um das Schloss der Kurfürstin handelte, ist ihr Appartement bei weitem größer als das seine.
Schlossumfeld
Das Hauptgebäude wird von einigen Nebengebäuden ergänzt. Von den ehemals den Ehrenhof flankierenden Wirtschaftsgebäuden ist nur das rechte erhalten geblieben. Ferner gehören zur Gesamtanlage ein Park und eine Kirche. Schloss Caputh ist Bestandteil der Potsdamer Residenzlandschaft und mit dieser über Sichtachsen verbunden.
Forschungsstand
Zu Schloss Caputh oder seine Deckenmalerei liegen keine aktuellen publizierten Untersuchungen vor. Eine Veröffentlichung ist jedoch in Vorbereitung.[2] Zur älteren Literatur gehört ein erster Aufsatz von 1869, der sowohl an der Geschichte des Hauses als auch an einigen Deckenmalereien interessiert ist.[3] In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts hat Claudia Sommer zahlreiche Beiträge zu Schloss Caputh vorgelegt.[4] Dennoch ist bis heute oft unklar, wann genau die Deckenmalereien geschaffen wurde. Viele werden pauschal auf 1690/1700 datiert. Die Schlossherrin Dorothea Sophie starb bereits 1689, daher dürften Arbeiten aus dieser Zeit nicht für sie ausgeführt worden sein. Möglich ist aber, dass sie noch von ihr beauftragt wurden. Immerhin gibt es ein Nachlassinventar Dorothea Sophies, das eine prächtige und aufwendige Ausstattung belegt.[5] Gänzlich unklar bleib aber, ob Werke mit der Datierung 1690/1700 für Sophie Charlotte vor 1694 oder ihren Ehemann Friedrich III./I. nach 1694 geschaffen wurden. Offenbar befanden sich 1695 in allen Räumen Deckengemälde, denn Pitzler schreibt ausdrücklich zu den Zimmern: "mit Stucho gezieret, welcher meistenstheils vergüldet, so sind auch feine gemählde in den Decken".[6] Im Gegensatz zur Vergoldung des Stucks nennt er bezüglich der Malerei kein einschränkendes "meistentheils". Zu einer wirklich sicheren Datierung reicht diese Angabe aber nicht.
Das Treppenhaus
Das Treppenhaus[7] verbindet Erd- und Obergeschoss miteinander bzw. das Untere mit dem Oberen Vestibül. Die bemalten Unterseiten der Treppenläufe sind mit drei Kartuschen geschmückt, die jeweils zwei Putten bzw. drei Putten vor einem Wolkenhimmel aufnehmen. Sie präsentieren verschiedene Gegenstände, die in Bezug auf die Bauherrin Dorothea Sophie zu sehen sind. Dabei findet eine Steigerung vom unteren Treppenlauf über das Wendepodest hin zum oberen statt.
Zuerst präsentieren zwei Putten dem Besucher an der Unterseite des unteren Treppenlaufs ein Zepter und ein Füllhorn. Über dem Wendepodest folgen zwei weitere Putten, die dem Besucher einen Kurhut sowie Rosen zeigen. Eine dritte Putte hält einen Palmwedel und bläst in das Horn der Fama. An der Unterseite des oberen Treppenlaufs schließlich halten zwei Putten das Monogramm der Kurfürstin Dorothea Sophie sowie einen Palmwedel. Eine dritte Putte bläst auch hier die Trompete der Fama und verkündet den Ruhm der Schlossherrin.
Das Obere Vestibül
Das Obere Vestibül[8] wird vom Haupttreppenhaus aus betreten. Der eigentliche Eingang in das Schloss erfolgte aber über die Freitreppe, die ebenfalls in diesen Raum leitet. Von ihm aus gelangte man nach Osten in das Appartement der Schlossherrin und nach Westen in den Hauptsaal. Die Stuckdecke mit Akanthusranken stammt ca. aus dem Jahr 1690. In diese ist heute ein Leinwandgemälde von Artur Dänewald von 1908/09 eingelassen. Es wiederholt vermutlich das ursprüngliche Fresko und zeigt vor einem Wolkenhimmel zwei Putten, die einen Kurhut emportragen, während eine dritte über ihnen einen Palmwedel und Rosen in den Händen hält.
Der Hauptsaal
Der Hauptsaal[9] des Schlosses ist in dessen östlicher Hälfte gelegen und durchmisst den Baukörper in seiner ganzen Tiefe. An der Nord- und Südseite lassen insgesamt vier Fenster Licht in das Innere. An den Langseiten befinden sich jeweils zwei Türen. An der Ostseite ist zentral zwischen diese Türen ein Kamin gesetzt, gegenüber an der Westwand befindet sich eine Nische. Die Wände waren zur Zeit von Kurfürstin Dorothea Sophie mit holländischem Kattun, der rot, weiß und schwarz geblümt war, bespannt. Der Raum wird im Westen vom Oberen Vestibül aus erschlossen. Nach Osten gelangt man durch beide Türen in das Appartement des Gemahls der Schlossherrin. An der Südseite kann man nach Westen über das so genannte Kabinett am Saal auch das Gemach der Kurfürstin erreichen.
Der Hauptsaal wird von einem hohen Muldengewölbe mit reichen Stuckprofilen überfangen. Dieses ist wohl bald nach dem Umbau 1671 entstanden und nimmt fünf Deckengemälde auf, vier kleine längsovale Wolkenstücke und das Hauptbild mit Minerva als Beschützerin der Künste.
Das Deckengemälde des Hauptsaals

Das Hauptgemälde[10] wurde vom Hofmaler Jacques Vaillant in Öl auf Leinwand erstellt oder in seinem Umkreis geschaffen. Es zeigt Minerva als Beschützerin der Künste. Links sitzen oder stehen auf Wolken vier weibliche Allegorien, die anhand ihrer Attribute als Malerei und Geometrie bestimmt werden können. Die lorbeerbekränzte Allegorie der Malerei überragt alle und präsentiert ein Leinwandgemälde. Eine zweite Figur vor ihr hält eine Farbpalette mit Pinseln. Die Geometrie ist ebenfalls auf zwei Personen verteilt, die Zirkel und Dreieckslineal halten. In der Mitte des Gemäldes erblickt man die behelmte Minerva mit Schild und Speer. Sie vertreibt die Ignoranz bzw. Dummheit – eine Rückenfigur, die durch ihre Eselsohren und die Krone eindeutig zu identifizieren ist.
Die Allegorien von Malerei und Geometrie haben bislang manche Rätsel aufgegeben. Man vermeinte, auch die Bildhauerkunst oder die Baukunst zu erkennen oder ganz allgemein die Wissenschaften und Künste. Tatsächlich handelt es sich aber ausschließlich um die Künste. Die Geometrie steht dabei für die freien Künste, die Malerei für die praktischen Künste.
Das Appartement der Kurfürstin
Das Appartement der Kurfürstin[11] nimmt im Hauptgeschoss die ganze westliche Hälfte des Schlosses ein und umfasst fünf Räume: Ein Vorzimmer oder Audienzzimmer, ein Schlafgemach, zwei Kabinette und eine große (so genannte) Porzellankammer. Die ursprüngliche Deckengestaltung ist in fast allen Räumen erhalten, wie auch meist die Deckenmalerei. Lediglich im Vorzimmer und im vorderen Bereich des Schlafzimmers wurde die Decke 1908 erneuert. Die Wände der Räume waren mit Ledertapeten oder Brokat- und Atlasstoffen bespannt. Als Einrichtung dienten Lackmöbel, furnierte Schränke und Tische sowie große Spiegel. Sie haben sich nicht erhalten.
Das Schlafzimmer der Kurfürstin
Das Schlafgemach der Kurfürstin[12] liegt an der Nordwestecke des Gebäudes und ist zweigeteilt. Die vorderen zwei Drittel gegen Norden werden von dem eigentliche Raum eingenommen, während das hintere Drittel den Alkoven beherbergt. Die Malerei im Raum ist verloren, der Alkoven hat aber noch heute seine dekorative Rahmung mit stuckiertem Lorbeerlaub, Fruchtgirlanden und einer bekrönenden Kartusche im Scheitel. Hier halten zwei Putten das Monogramm der Kurfürstin. Ebenfalls erhalten hat sich die Deckenmalerei im Alkoven selbst.
Die Decke des Alkovens im Schlafzimmer der Kurfürstin
Die Stuckdecke[13] des Alkovens nimmt drei Fresken im Stuckrahmen auf. Es handelt sich um die frühesten Malereien im Schloss. Das mittlere Hauptfeld präsentiert in einem kreisrunden Gemälde zwei Putten mit Blumengirlande vor einem Wolkenhimmel. In den Seitenfeldern zeigen die Deckenmalereien Frauengestalten vor einem Wolkenhimmel, die Personifikationen des Tages und der Nacht sind. Der Tag steigt empor, blickt zum Himmel und trägt ein Füllhorn, die Nacht hingegen kommt hernieder und hält eine Fackel. Das Gemälde der Nacht an der West- und Fensterseite ist bedeutend schmaler als das des Tages und der Abstand zum Mittelbild ist bedeutend weiter. Es steht zudem auf dem Kopf. Die Abweichungen in Position und Maße haben ihre Ursache in dem Umstand, dass hier ehemals noch ein kleines Kabinett abgetrennt war, das erst nach 1710 entfernt wurde.
Das Kabinett am Saal
Das so genannte Kabinett am Saal[14] verbindet den Hauptsaal mit dem Kabinett der Kurfürstin und stellt damit einen weiteren Zugang zu ihrem Appartement bzw. zu den Schauräumen ihres Appartements an der Südseite des Schlosses dar. Die Stuckaturen an der Decke sind bereits vor 1671 entstanden. In den Eckkartuschen befanden sich Monogramme der Gemahlin des Vorbesitzers Philipp de Chièze: Catharina Louise von Rautern. Kurfürstin Dorothea Sophie ließ sie mit Palmwedeln übermalen. Eines der Monogramme ist heute wieder freigelegt.
Das Deckengemälde im Kabinett am Saal

Das Deckengemälde[14] im Kabinett am Saal zeigt zwei Tee servierende Putten am Wolkenhimmel. Eine trägt ein Tablett mit zwei Tassen sowie eine Kanne, die andere eine Flasche. Das Bild aus der Zeit Dorothea Sophies musste nach einem größeren Wasserschaden bereits im 18. Jahrhundert teilweise rekonstruiert werden.
Das Kabinett der Kurfürstin
Das Kabinett der Kurfürstin[15] wird vom Kabinett am Saal bzw. dem Vorzimmer der Kurfürstin betreten. Es ist nach Süden orientiert.
Das Deckengemälde im Kabinett der Kurfürstin

Das Deckenfresko[15] im Kabinett der Kurfürstin wurde nach 1995 wieder freigelegt. Es zeigt die Göttin Juno im Pfauenwagen auf Wolken zusammen mit zwei vorausfliegenden Genien. Die Ansicht ist auf die Fenster und nicht auf eine der Türen hin ausgerichtet. Juno fährt nach Westen und weist den Betrachter damit in die Richtung der folgenden so genannten Porzellankammer. Juno als Schützerin der Ehe ist sicher ein gutes Thema für das Lustschloss einer Frau. Einen direkten Bezug zur Funktion des Raumes gibt es jedoch ebenso wenig wie zur Auftraggeberin.
Die Porzellankammer der Kurfürstin
Die so genannte Porzellankammer[16] im westlichen Pavillon wurde im Zuge der Erweiterung des Schlosses nach 1671 angelegt. Der Caputher Raum ist, nach der Porzellankammer in Schloss Oranienburg, der zweite seiner Art in Brandenburg gewesen. Die Art der ursprünglichen Porzellane ist ebenso unbekannt wie die damalige Weise ihrer Präsentation. Lediglich die Stuckdecke aus der Zeit um 1690 mit einem Deckengemälde von Jaques Vaillant (oder seinem Umkreis) hat sich erhalten.
Die Decke der Porzellankammer
Die Decke
Die Stuckdecke[17] der so genannten Porzellankammer zeigt kräftiges Akanthusblattwerk aus der Zeit um 1690, in die neun Deckengemälde von Jaques Vaillant oder seinem Umkreis eingelassen sind. Das Mittelbild hat zum einen das Porzellan zum Thema und zum anderen die Huldigung an Borussia durch Afrika. In den vier Deckenecken sind Fayencevasen dargestellt, an den vier Langseiten Putten mit Attributen, die für die vier Jahreszeiten stehen. Die Ansicht des Mittebildes ist auf die beiden Fenster an der Ostseite bezogen und damit ein Stück weit auf den an der Nordostecke Eintretenden. Die anderen Darstellungen beziehen sich jeweils auf die Raummitte.
Das Hauptbild
Das Hauptbild zeigt auf Wolken die sitzende Borussia. Sie ist anhand der preußischen Königskrone klar zu identifizieren. Entweder wurde hier vor der Königskrönung 1701 bereits die Krone dargestellt, oder sie wurde nachträglich hinzugefügt. Rechts hinter Borussia steht eine schwarze Frau, die mit Blumen bekrönt und als Personifikation Afrikas zu identifizieren ist. Zu beiden Seiten der Frauen sind verschiedene Gegenstände auf den Wolken abgelegt. Rechts erblickt man Blumen und ein Füllhorn, aus dem Obst hervorquillt. Beide Motive stehen für den Reichtum Brandenburg-Preußens. Hinzu kommen Malerpalette, Pinsel, Zirkel und Winkelmaß, die auf Wissenschaften und Künste verweisen. Zwischen beiden Objektgruppen liegt ein Buch, auf dem Borussia Kurhut und Zepter abgelegt hat, um ein Porzellangefäß zu halten. Links hinter ihr ragen gleich Trophäen und Lanzen hervor. Auch Afrika trägt ein Porzellan – eine Urne. In ihrer anderen Hand hält sie einen Lorbeerzweig, der als Huldigung an Borussia verstanden werden kann. Die Gestalt ist wohl ein Verweis auf die damaligen afrikanischen Kolonien Brandenburgs und nicht auf die Porzellane zu beziehen. Eine Personifikation der Asia ist auszuschließen. Links der Frauengruppe lagern zahlreiche Porzellane und Fayencen. Sie nehmen Bezug auf die Bestimmung des Raumes als Ort der Präsentation von Prozellanen bzw. Fayencen. Im Vordergrund stehen eine schwarze und eine weiße Putte. Die schwarze schenkt der weißen aus einer Kanne Tee in eine Tasse ein.
Das Gemälde ist wohl erst von Friedrich III./I. beauftragt worden. So würde sich jedenfalls die Darstellung der preußischen Königskrone erklären lassen. Diese ist in keinem Fall von Sophie Dorothea beauftrag worden. Dass die Krone bereits vor 1701 dargestellt wurde, ist hingegen gut denkbar.
In jedem Fall handelt es sich bei dem Gemälde um eine Huldigung der Kolonien an das Königreich Preußen und stellt den Reichtum des Landes bzw. seinen erfolgreichen, überseeischen Handel dar.
Die Fayencevasen
Die vier Ecken zeigen große, illusionistisch gemalte Fayencevasen in Blau und Weiß in starker Untersicht. Die Vasen sind mit Blumen gefüllt sowie mit einzelnen Bäumen bemalt, unter denen sich Menschen aufhalten.
Die Jahreszeitenallegorien
Die Allegorien der Jahreszeiten werden jeweils durch Puttengruppen vor einem Wolkenhimmel dargestellt. Die Allegorie des Winters befindet sich über der Westwand. Zwei Putten hüllen sich wärmend in eine Decke. Eine von ihnen trägt zwei tote Rebhühner und verweist damit auf die im Winter stattfindende Jagd auf diese Vögel. Über der Nordwand ist der Frühling zu sehen: Zwei Putten tragen Blumen, die im Frühling blühen. Der Sommer wird über der Ostwand in Gestalt von zwei Putten, die Blumen und eine Korngarbe tragen, präsentiert – das Getreide wird im Sommer geerntet. Über der Südwand schließlich tragen zwei Putten Obst und Trauben in einem Korb – ein Verweis auf die herbstliche Weinlese.
Das Appartement des Kurfürsten
Das Appartement des Kurfürsten[18] im Ostteil des Schlosses war bedeutend kleiner als das seiner Frau. Es besteht lediglich aus drei Räumen: Einem Vorzimmer, einem Schlafgemach mit Garderobe sowie einem Kabinett. Auch im Gemach des Kurfürsten hat sich lediglich die Deckengestaltung erhalten. Die Räume waren ehemals, wie die seiner Frau, mit Ledertapeten, Brokat- und Atlasstoffen ausgekleidet.
Das Vorzimmer des Kurfürsten
Das Vorzimmer[19] des Kurfürsten wird vom Hauptsaal aus betreten. Es liegt an der Nordostecke des Schlosses und gewährt einen Blick auf den Garten. Die stuckierte Decke mit Füllhörnern, aus denen Blüten und Früchte quellen, nimmt fünf Deckengemälde auf. Vier zeigen lediglich einen Wolkenhimmel, das zentrale in der Mitte jedoch das von Putten präsentierte Doppelporträt der Schlossherrin Dorothea Sophie und ihres Gemahls Friedrich Wilhelm.
Die Deckenmalerei im Vorzimmer des Kurfürsten

Das Deckengemälde[19] im Vorzimmer des Kurfürsten stammt vom brandenburgischen Hofmaler Samuel Theodor Gericke und ist als einziges im Schloss signiert und datiert: „S T Gerike | fec. 1687“. Zwei Putten präsentieren eine blumenbekränzte Tafel mit Porträtmedaillons von Dorothea Sophie und Friedrich Wilhelm. Zwischen ihnen ist ein Zepter zu sehen; bekrönt werden beide gemeinsam von einem Kurhut, über dem geschrieben steht: „FAMA HORUM ETERNA“ (Ihr Ruhm ist ewig). Über der Gruppe befindet sich Fama, die mit voller Kraft in zwei Trompeten bläst, um den Ruhm des Paares zu verkünden. Ihre Anstrengung ist so groß, dass ihr Gesicht dabei rot anläuft. Eine Putte präsentiert ihr das Buch mit den Taten des Kurfürstenpaares. Saturn ist weit abgeschlagen im Hintergrund rechts zu erkennen – der Ruhm überwindet die Zeit.
Das Enstehungsjahr der Malerei ist interessant, da 1687 für das Kurfürstenpaar ein Annus Horribilis war. Am 4. April verstarb Dorothea Sophies jüngster Stiefsohn Ludwig. Nachdem bereits 1674 ihr ältester Stiefsohn Kurprinz Carl Emil verstorben war, vermutete man einen Mordanschlag, hinter dem Dorothea Sophie stehen sollte, um ihre eigenen Kinder aus zweiter Ehe auf den Thron zu bringen. Kurprinz Friedrich flüchtete mit seiner Frau an den Hof seiner Schwiegereltern in Hannover, was seinen Vater dazu veranlasste, ihm die Einkünfte zu sperren. Es war ein öffentlicher Skandal. In dieser Krisensituation also wurde das Gemälde geschaffen, dass die Eintracht und den ewigen Ruhm des kurfürstlichen Paares zum Inhalt hatte. Tatsächlich konnte das Verhältnis von Dorothea Sophie zu ihrem Stiefsohn aber nicht beschädigt werden.[20] So verwundert es nicht, dass Friedrich I./III. nach Übernahme des Schlosses alle Hinweise auf seine Stiefmutter bewahrte.
Das Schlafzimmer des Kurfürsten
Das Schlafgemach des Kurfürsten[21] befindet sich an der Südostecke des Schlosses. Man erreicht es vom Vorzimmer sowie vom Hauptsaal aus. Zum Raum gehört eine kleine Garderobe mit Nebentreppenhaus, die sich bereits im nach 1671 angefügten östlichen Pavillon befindet. Die Deckenstuckaturen sind erhalten geblieben. Das Deckengemälde selbst wurde 1908/09 stark überarbeitet.
Die Deckenmalerei im Schlafzimmer des Kurfürsten

Das Deckengemälde[22] im Schlafgemach des Kurfürsten ist eine stark überarbeitete Version des ursprünglichen. Vor einem Wolkenhimmel fliegen zwei Putten, die einen Blumenkranz tragen.
Das Kabinett des Kurfürsten
Das Kabinett[22] des Kurfürsten ist im östlichen Pavillon gelegen, der im Zuge der Erweiterung des Schlosses nach 1671 angelegt wurde.
Die Deckenmalerei im Kabinett des Kurfürsten

Das Deckengemälde[22] im Kabinett des Kurfürsten zeigt vor einem Himmelsausschnitt zwei Putten, die eine Blumengirlande tragen.
Die Bedeutung der Deckenmalerei von Schloss Caputh

Zusammenfassung und Synthese
Trotz späterer Umbauten präsentiert sich Schloss Caputh weitgehend im Zustand des späten 17. Jahrhunderts und kann einen Eindruck der Deckengestaltung zur Zeit Kurfürst Friedrich Wilhelms vermitteln. Bemerkenswert ist Schloss Caputh allerdings als Schloss einer Bauherrin. Schlösser von Frauen sind in der Frühen Neuzeit keine Seltenheit gewesen, nahezu jede Fürstin besaß mindestens eines.[23] Das Besondere an Caputh ist das annähernd unverändert erhaltene Deckenprogramm.
Caputh war Dorothea Sophies Besitz und wurde in ihrem Auftrag ausgestattet. Ihre Raumfolge ist größer und verfügt über mehr Zimmer als die ihres Gemahls. Die von ihr genutzten Räume sind ebenfalls größer, wie etwa das Schlafzimmer. Häufig finden sich in der Deckenmalerei Verweise auf die Auftraggeberin oder das weibliche Geschlecht. Zu nennen sind die zahlreichen Monogramme der Kurfürstin, etwa im Treppenhaus oder in ihrem Schlafzimmer. Das Deckengemälde des Hauptsaals ist Minerva gewidmet und nicht etwa Apoll oder Jupiter. Im Kabinett der Bauherrin wird Juno gezeigt. Die Allegorien im Schlafzimmer und in der so genannten Porzellankammer sind weiblich: Tag und Nacht, Borussia und Afrika. Alle anderen Figuren sind Putten – im Appartement des Kurfürsten nahezu ausschließlich. Ausnahme ist das Vorzimmer Friedrich Wilhelms, in dem an der Decke das Doppelporträt von Dorothea Sophie und Friedrich Wilhelm zu sehen ist – sodass die Kurfürstin bei ihrem Gemahl sogar im Bild präsent ist. Eine weitere männliche Allegorie befindet sich im Deckengemälde des Hauptsaals – es ist die Dummheit. Diese Figur wird von der weiblichen Minerva, die die weiblichen Künste beschützt, vertrieben und flüchtet in Richtung des Appartements des Kurfürsten.
Bibliographie
- Literatur:
- Elsner, Residenzlandschaft, 2012. - Elsner, Ines: Friedrich III./I. von Brandenburg-Preußen (1688–1713) und die Berliner Residenzlandschaft. Studien zu einem frühneuzeitlichen Hof auf Reisen. Ein Residenzhandbuch. Berlin 2012.
- Hassels, Schlösser, 1993. - Hassels, Michael (Red.): Potsdamer Schlösser und Gärten. Bau- und Gartenkunst vom 17. bis 20. Jahrhundert. Potsdam 1993.
- Hoffmeister, Caputh, 1991. – Hoffmeister, Titia: Caputh (Schlösser und Gärten der Mark). Berlin 1991.
- Laß, Lustschlösser, 2006. – Laß, Heiko: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben. Dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Petersberg 2006.
- Laß, Schlösser, 2013. – Laß, Heiko: Schlösser in Deutschland, Österreich und der Schweiz (IMHOF-Kulturgeschichte). Petersberg 2013.
- Lorenz, Baukunst, 1998. – Lorzenz, Hellmut (Hrsg.): Berliner Baukunst der Barockzeit. Die Zeichnungen und Notizen aus dem Reisetagebuch des Architekten Christoph Pitzler (1657–1707). Berlin 1998.
- Sommer, Caputh, 1990. - Sommer, Claudia: "Ein klein doch feines Lusthaus ...". Das kurfürstliche Sommerschloß in Caputh. In: Museums Journal 4 (1990), S. 65-68.
- Sommer, Caputh, 1998. – Sommer, Claudia: Ein Lusthaus unweit Potsdam. Zur Teileröffnung des Schlosses Caputh. In: Museums Journal 12 (1998), Nr. 3, S. 52-54.
- Sommer/Schurig, Caputh, 2002. – Sommer, Claudia/Schurig, Gerd: Schloss und Park Caputh (3. Auflage). Potsdam 2002.
- Sommer/Reichelt/Schurig, Caputh, 2009. – Sommer, Claudia/Reichelt, Petra/Schurig, Gerd: Schloss und Park Caputh (Königliche Schlösser und Gärten in Brandenburg). Berlin/München 2009.
- thom Suden, Schlösser, 2013. – thom Suden, Marina: Schlösser in Berlin und Brandenburg und ihre bildliche Ausstattung im 18. Jahrhundert. Petersberg 2013.
- Wagener, Caput, 1869. – Wagener, H.: Caput. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Potsdams 4 (1869), S. 249-263.
Einzelnachweise
- ↑ Wagener, Caput, 1869, S. 152-154; Hoffmeister, Caputh, 1991; Lorenz, Baukunst, 1998, S. 52-53, 211-212; Sommer, Caputh, 1998; Sommer/Schurig, Caputh, 2002; Sommer/Reichelt/Schurig, Caputh, 2009; Elsner, Residenzlandschaft, 2012, S. 123-126.
- ↑ Ich danke Claudia Sommer (SPSG) für zahlreiche Hinweise!
- ↑ Wagener, Caput, 1869.
- ↑ Etwa: Sommer, Caputh, 1990; Sommer, Caputh, 1998; ferner den Beitrag zu Caputh in Hassels, Schlösser, 1993, S. 54-55 sowie die Schlossführer zu Caputh.
- ↑ GStA PK , HA, Rep. 35 R II, Nr. 68.
- ↑ Lorenz, Baukunst, 1998, S. 52-53.
- ↑ Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 10.
- ↑ Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 11; Elsner, Residenzlandschaft, 2012, S. 124.
- ↑ Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 23-24.
- ↑ Wagener, Caput, 1869, S. 256; Hoffmeister, Caputh, 1991, S. 6; Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 23.
- ↑ Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 5, 11-23.
- ↑ Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 12-13.
- ↑ Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 13.
- ↑ 14,0 14,1 Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 22-23.
- ↑ 15,0 15,1 Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 20.
- ↑ Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 16.
- ↑ Wagener, Caput, 1869, S. 256-258; Hoffmeister, Caputh, 1991, S. 14; Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 16-17; thom Suden, Schlösser, 2013, S. 248.
- ↑ Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 5.
- ↑ 19,0 19,1 Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 26.
- ↑ Vgl. Wintzingerode, Amazone, 2012, S. 41-57.
- ↑ Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 28-29.
- ↑ 22,0 22,1 22,2 Sommer/Schurig, Caputh, 2002, S. 29.
- ↑ Vgl. Laß, Lustschlösser, 2006, S. 73-78; Laß, Schlösser, 2013, S. 112-117.