Burghausen, ehem. Jesuitenkolleg, Große Aula
Große Aula z.Z. der Ausmalung Fest- und Theatersaal de Kollegs und Versammlungsraum der Marianischen Kongrega tion der Herren und Bürger. Der Saal wird heute als Aula de Gymnasiums sowie als Fest- und Konzertsaal genutzt.
Patrozinium: Mariä Verkündigung – in der Regel haben alle Marianischen Kongregationen das Patrozinium Mariä Verkündigung.
Zum Bauwerk: Die Aula entstand mit dem Neubau des Kollegiums 1662/64. Sie nahm die beiden obersten Stockwerke in seiner ganzen Lange ein.
Die Marianische Kongregation der Herren und Bürger von Burghausen wurde am 10.3.1630 in Burghausen gegründet und von Kurfürst Maximilian I. finanziell gefördert. Zunächst war ihr Versammlungsraum die Jesuitenkirche St. Joseph, 1667 erhielt die Kongregation die Erlaubnis, ihre Konvente in die Aula des Jesuitenkollegs zu verlegen, die von den Studierenden auch als Theatersaal benutzt wurde. Diesen Saal ließ die Kongregation in der Folge auf ihre Kosten besser ausstatten 1670 wurde mit einem Aufwand von 3200 fl. ein Altar und eine Bühne errichtet und eine Holzkassettendecke angebracht 1717 wurde die Kassettendecke blau und golden gefaßt und mit »eleganten Gemälden« geschmückt (300 fl.); 1718 wurder die Wände mit Stuck und Bildfeldern ausgestattet. 1720 wurden die Fenster vergrößert und zwischen den Fenstern sech-
zehn neue Gemälde angebracht. Das Gestühl, das in diesem Jahr in dem Saal eingebaut wurde, befindet sich heute in der Josephskirche.
1730 beschlossen der Magistrat der Kongregation und der Rektor des Kollegs, das baufällige drückend niedrige »Getäf fer« (Holzkassettendecke) zugleich mit der schadhaften Dachkonstruktion abzunehmen und den Saal zu erhöhen, um auch einen neuen, gut proportionierten Altar und ein neues Theater einbauen zu können. Vorbedingung für die Erhöhung des Raumes war ein Anbau im N des Gebäudes, der die Theaterrequisiten, die bis dahin auf dem Speicher über dem Kongregationssaal untergebracht waren, aufnehmen sollte. Umbau und Neugestaltung des Saals 1731 nach einem Plan von Melchior Osterl, Hofzimmermeister in Burghausen: Ersetzen der Kassettendecke durch ein hölzernes Gewölbe, Stuckierung und Ausmalung; die Dekoration der Wände von 1718 blieb erhalten. Beratende Maurermeister waren Martin Pöllner aus Trostberg, Thomas Vilzkotter aus Braunau und Michael Vierthaler aus Mauerkirchen, da der Burghauser Maurermeister Johann Baptist Canta erblindet war.
Joseph Hepp, 1718/31 Stuckatormeister in Burghausen und ab 1731 Gerichts- und Stadtmaurermeister in Neuötting, entwarf die Stuckdekoration der Decke und bekam für die Ausführung 450 fl. zugesagt. Bis zur Theateraufführung Ende des Jahres 1731, die alljährlich zur Verkündigung des neuen bzw. des in seinem Amt bestätigten Magistrats der Kongregation stattfand, sollte die Ausstattung fertig sein. Stuckator Hepp versprach den Termin einzuhalten, wenn er gleich nach Pfingsten anfangen könne. Gleichzeitig wurde ein neuer Altar mit einer Baldachinumrahmung eingebaut, der (um einen Meter erhöht) heute in der Josephskirche steht. 1738 wurde ein neues prächtiges Theater errichtet (»Litterae annuae« und Chronik der Marianischen Kongregation).
Der Stuck an Wänden und Fensterlaibungen mit seinen gleichmäßigen Blattranken ist früher entstanden. Er entspricht der Stilstufe von 1718. Der Stuckator ist nicht bekannt; doch könnte dieser Stuck ebenfalls von Joseph Hepp stammen, der im Januar 1718 in Burghausen ein Haus erwarb.
Was den Gewölbestuck betrifft, ist man trotz der Nachricht in den Quellen, Joseph Hepp habe stuckiert, nicht einer Meinung. Schmidt (S. 244) sieht die Ursache dafür in Wessobrunner Impulsen; Christine Vollmer schreibt die Stuckierung Jakob Appiani zu (Saur, Künstlerlexikon Bd 4, 1992, S. 561 J. Heinzelmann), gegen den aber die eindeutige Quellenlage spricht. Vorstellbar ist eine Einflußnahme durch den Maurermeister und Stuckator Michael Vierthaler (frdl. Hinweis Fritz Demmel), der ja mit dem Bau befaßt war. Seine Stuckarbeiter zeigen Verwandtschaft mit dem Stuck des Kongregationssaals, besonders in seinem letzten Werk in Burgkirchen/OÖ (1742). Vierthaler und Warathi bewarben sich 1732 um die Ausstattung der Kirche in Helpfau (Kunsttopographie Braunau S. 370; s. auch Herbert Brandstetter, Johann Michael Vierthaler, Der Mauerkirchner Stuckkünstler des 18. Jahrhunderts Mauerkirchen 1993).
Saalbau (35×12 m) zu 9 Achsen in der Länge und drei Achsen in der Breite. Belichtung von drei Seiten (O, S, W) durch gereihte Fenster in stichbogigen hohen Nischen und darüberliegende breite, seitlich gerundete Fenster. Durchgehendes Gesims mit darüberliegender Flachtonne. An der Südwand in der Rundung der Tonne ein drittes Fenstergeschoß mit 2 Fenstern, die Pendants an der N-Wand sind Blindfenster. An der Stelle des Altars, der in die 1631 erbaute, 1863 durch Brand zerstörte Studienkirche St. Joseph verbracht wurde, steht jetzt eine moderne Orgel (eine Abbildung des noch vollständigen Raumes um 1872 in: Kurfürst Maximilian-Gymnasium 1997, S. 95). Mit dem Altar und dem Stuckbaldachin hat man sich den Saal ähnlich vorzustellen wie den zerstörten Saal der Marianischen Kongregation in München (Abb. CBD Bd 3/1, S. 239) oder die Kongregationssäle in Amberg und Ingolstadt und den Bürgersaal in München.


Auftraggeber: Der Saal war zwar Eigentum des Kollegs, die Kosten für die Neuausstattung trug aber die Marianische Kongregation der Herren und Bürger als Entgegenkommen für die Nutzung des Raumes. Die Marianische Kongregation vereinigte Sodalen aus dem ganzen Rentamtsbezirk.
Rektor des Jesuitenkollegs war vom 8.2.1729 bis 15.6.1731 P. Paul Zettl (* 24.6. 1679 Schleißheim, 1699 SJ, Doktor der Theologie, †30.3.1740 Hall); seine Nachfolger waren P. Leo Lehner (1731–34) und P. Franz Molitor (1734).
Der geistliche Führer der Kongregation war der Präses, ein Jesuitenpater, der vom Rektor des Kollegs bestimmt wurde 1726/31 P. Joseph Staudhamer (* 17.6.1682, 1701 SJ, Studium der Philologie und Theologie, 1719 Professor, ab 1731/32 in Altötting). Weltlicher Leiter war der Präfekt, der von den Sodalen gewählt wurde, 1731–35 Carl Adam Freiherr von Freyberg gewählt am 14.1.1731. Die mit ihm verantwortlichen Assistenten waren Franz Freiherr von Rosenbusch (1729–42 Pfarrherr in St. Jakob) und Carl Freiherr von Ingenheim. Die Konsultoren waren Franz Wilhelm Anton von Leoprechting und Joseph Clemens von Zöpf (s. Porträts Fresko A)
Autor und Entstehungszeit:
Deckenbilder: Innozenz Anton Warathi (* 1694 Trens be Sterzing † 1758 Burghausen) 1731
Uberzeugende Zuschreibung durch Peter Becker (1994). Die Ausmalung des Kongregationssaals 1731 ist die erste erhaltene Deckenmalerei Warathis in Burghausen. Voran gingen 1725/26 die Freskierung in der Wallfahrtskirche Ettenberg (Lkr. Berchtesgadener Land, zusammen mit Joseph Hepp), 1727 in Maria Trens (Südtirol) und 1728/32 in der Klosterkirche Vornbach am Inn, NB. 1731 arbeitete Warathi auch in der Institutskirche in Burghausen mit Hepp zusammen. 1733 freskierte er in der Wallfahrtskirche Kunterweg (Lkr. Berchtesgadener Land). Er starb am 8.12.1758 in Burghausen (s. dazu Goerge 1998, S. 314–17).
Wandbilder: Autor unbekannt, 1720
Die Ölgemälde an den Wänden sind früher entstanden und gehören in die Zeit der Wanddekoration 1718/20. In den »Litterae annuae« wird 1720 berichtet, die Große Kongregation habe »neue Fenster, 16 neue Gemälde, neue Bänke und anderes zum marianischen Kult machen (lassen), um das Oratorium der Mutter der schönen Liebe aufs schönste auszuschmücken« (BHStA, Jesuitica Bd 122, 1720, S. 89; Übersetzung Dorner). Der Name des Malers ist nirgends genannt und die Bilder sind auch durch stilistische Vergleiche nicht einzuordnen. In Frage kommen die zwei damals in Burghausen ansässigen Maler, Lorenz Kriner (ansässig seit 1699 durch Heirat mit der Witwe des Malers Johann Gröz, † 1722) und Franz Joseph Camerloher (ansässig seit 1704 durch Heirat mit der Tochter des Malers Ignaz Franz Schinnagl, †1723). Von Camerloher existiert ein Hochaltarbild in St. Pantaleon in Haigermoos von 1717 (OO); Lorenz Kriner malte zwei Apostelserien, die nicht erhalten sind (Huber, S. 295, 299).
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachtonne Rahmen: A-C Stuckprofil, mit vergoldeter Innenleiste, a-c stuckierte Wolkenmedaillons; W1-8, O1-8 Leinwandbilder in Stuckrahmen Technik: A-C, a-c Fresko; polychrom; W1-8, O1-8 Öl auf Leinwand Maße: Raummaße 35,50×12,50m, Höhe 8,30m (Gesimshöhe 6,00) A Höhe 8,30m; 6,60×4,30 B Höhe 8,30m; 8,20×4,30 C Höhe 8,30m; 6,40×4,30 W1 1,92×0,88, W2-8, O1-8 1,92×1,40
Erhaltungszustand und Restaurierungen: ** 1758 beschädigte ein Sturm das Dach des Gymnasiums und gefährdete die Saaldecke mit ihren Fresken und Stuckaturen (Marianische Chronik fol. 56; Buchleitner 1979, S. 127). 1829, bei Wiedereinrichtung des Gymnasiums, fand eine Restaurierung des Saals statt, bei der der Stuck mit roter Farbe übertüncht und die Deckenbilder übermalt wurden. In die freien Flächen der Decke wurden Engel gemalt (Dr. Dambeck vom BLfD fand 1959 an der Decke noch das Datum 1829). 1851/54 fand eine gründliche Erneuerung des Saals statt: Dachreparatur, neue Kanzel und neue Orgel, Renovierung des Altars. Der Maler Karl Klemens della Croce renovierte die 16 Ölgemälde (Chronik fol. 162 und 189). 1859 häuften sich die Sprünge an der Saaldecke; eine Fehlstelle von ca. 30 cm Durchmesser mußte geschlossen werden (Chronik, fol. 198v.). 1874 wurde die Einrichtung des Kongregationssaals in der 1863 ausgebrannten und wiederaufgebauten Josephskirche aufgestellt und der Raum profaniert (Chronik, fol. 215). Er wurde in fünf Klassenzimmer unterteilt; in Gesimshöhe wurde eine Zwischendecke eingezogen und das Gewölbe zum Speicherraum degradiert. Mit den aufgestellten Öfen wurden fünf Ofenrohre durch die Decke getrieben. Das Kranzgesims wurde auf der N- und auf der S-Seite abgeschlagen samt dem darüberliegenden Gewölbestück in ca. 1 m Breite sowie 20 ca. ½ qm große Gewölbeflächen. Der Stuck in den Fensterlaibungen und in den Füllungen zwischen den Fenstern wurde im unteren Bereich abgeschlagen.
1959/64 wurde der Raum wieder als Aula hergestellt. Die Fresken waren relativ gut erhalten; sie mußten nur von der Übermalung von 1829 befreit und gereinigt werden. Fresko A war an der N-Seite durch einen Kamin beschädigt; von vier Personen waren nur noch Gewandteile zu sehen. In die etwa 2 qm große Fehlstelle wurde das Porträt des Gymnasialdirektors i.R. Ludwig Moosbauer eingefügt, der zusammen mit Prof. Otto Barbarino die Erneuerung des Saals betrieben hatte. Der Stuck wurde nach den erhaltenen Spiegelbildern im Gewölbebereich ergänzt und neu getönt: die Ornamente rosa, gelb, grau; die Blatt- und Blütenranken rot und grün. Die gemalten Engel mit Blumen im Gewölbe (von 1829) wurden übertüncht. Der Engelskopf in Fresko C wurde ergänzt (BLfD, Akten Kurfürst-Maximilian-Gymnasium). Signatur in Fresko C auf dem Schriftband: Renov. 1963. Die Gemälde an den Wänden waren bei den Englischen Fräulein untergebracht gewesen. Ausführende Restauratoren waren Gotthard Bauer, München-Solln, für die Fresken, Fa. Martin Zunhamer, Altötting, für die Malerarbeiten und Fa. Schnitzer, Buching, für die Stuckaturen.
1991 löste das Herabfallen von Stuckteilen eine neue Restaurierung aus. Die Ursache des Schadens war der unzulängliche Putzträger – ein Rohrgeflecht über einem grob gebretterten Spantengewölbe. Hohlstellen, zahlreiche Schwund- und Spannungsrisse waren die Folge. Die Tonne wurde im Scheitel gelenkartig aufgehängt. Gewindestangen mit Federn ermöglichen nun eine gewisse Beweglichkeit, um Bewegungen durch Wind etc. besser ausgleichen zu können. Es stand zur Debatte, die originale Tönung des Stucks freizulegen: Dies war eine zurückhaltendere Farbfassung aus Caput mortuum, Ocker, Grau vor hellgrauem Hintergrund, die in Kontrast stand zu den leuchtend bunten Deckenbildern und die vor allem durch reiche Mordantvergoldungen auf Blättern, Blüten, Gehängen und auf den stuckierten und gemalten Brokaten eine vornehme, höfische, glänzende Wirkung hervorbrachte (die reichen Vergoldungen am Gewölbe werden in den »Litterae annuae« ausdrücklich als Zeichen für die Freigebigkeit der Sodalen erwähnt, s. Jesuitica Bd 125, 1731, S. 136). Aus Kosten- und Zeitgründen entschied man sich aber, die Fassung von 1963 auf weißem Grund zu belassen. Die Stuckarbeiten führte die Fa. Lang-Mahler-Fischer, Buching, aus, die Malerarbeiten die Fa. Martin Zunhamer, Altötting. Der Grundputz wurde hinterspritzt, die Risse mit Pigment überbrückt, die Fresken wurden gereinigt. Fresken und Wandbilder sind bis auf die Ergänzung in Fresko A gut erhalten.
Beschreibung und Ikonographie
Wände und Decke – ursprünglich auch die Fensterlaibungen sind mit reichem Bandwerkstuck sowie durch kartuschenartige stuckierte Brokatfelder geschmückt. Die drei großen Deckenbilder sind mit feinem Laubwerk- und Blütenstuck umrankt und durch stuckierte Wolkengloriolen verbunden. Sie schließen Bildmedaillons ein, in denen Putten mit Schriftbändern das Thema der Deckenbilder benennen (von S nach N):
a für A Ein Jungfrau vor der Geburt
b für B Ein Jungfrau in der Geburt
c für C Ein Jungfrau nach der Geburt
Diese Titel Mariens sind einer Schrift Isidors von Sevilla entnommen (s. W3).
Die Bilder A und C zeigen ähnliche Kompositionen, sind jeweils geteilt in eine himmlische und eine irdische Szene. Die Farbigkeit ist stark und leuchtend, die Konturen sind kräftig; die Figuren zeigen den für Warathi typischen männlich-derben fleischigen Typus mit plastischen Gesichtern und großen Nasen.
A MARIA IMMACULATA – HULDIGUNG DER STÄNDE DES RENTAMTS BURHAUSEN In der Bildmitte ist Maria auf der Erdkugel dargestellt, auf der blau in blau der Sündenfall gemalt ist. Sie trägt ein weißes Gewand mit blauem Mantel, steht auf der Mondsichel und tritt mit dem Fuß auf die Schlange mit dem pfeilähnlichen Schwanz und dem Apfel im Maul. Marias Haupt ist umstrahlt von zwölf Sternen, eine Schar von Engeln und Putten begleitet sie. Die Geisttaube über ihr sendet einen Strahl auf sie. Neben ihr ist der Verkündigungsengel Gabriel mit der Lilie zu sehen.
Unter den geballten Wolken der himmlischen Szenerie sind seitlich blaugoldene Draperien wie vor einer Bühnenszene zurückgezogen. Auf den Stufen eines säulengeschmückten Gebäude ist eine Versammlung von geistlichen und weltlichen Würdenträgern dargestellt. Es sind die Vertreter der Stände. Einige von ihnen zeigen deutlich porträthafte Züge.
Auf der linken Seite kniet ein geistlicher Würdenträger, dem Putten Mitra und Pedum halten. Sein rundes, etwas feistes Gesicht, die kurze Nase und die runden Augen passen auf die Physiognomie des damaligen Abtes von Raitenhaslach, Emanuel I. Scholtz (1717–33; vgl. sein Porträt in den Burghauser Geschichtsblättern 43, 1987, S. 242). Es folgt ein Geistlicher mit Allongeperücke, im weißen Chorrock, in dem wohl der Burghauser Pfarrer Freiherr Franz von Rosenbusch dargestellt ist. Hinter den beiden erscheinen die Köpfe von vier Geistlichen in schwarzer Kleidung mit weißen Bäffchen, die nicht zu identifizieren sind.
Auf der rechten Seite kniet als Vornehmster unter den weltlichen Personen ein Herr in goldbestickter Weste und dunkelrotem Rock mit brokatenen Aufschlägen. Seinen langen prägnanten Charakterkopf umrahmt eine Allongeperücke. Wenn das Wappenschild mit Krone unterhalb dieser Figur zuzuordnen ist (es ist nicht bekannt, wer rechts des Schildes dargestellt war), dann handelt es sich um Carl Adam Freiherrn von Freyberg, Vicedom zu Burghausen (1726–35), d. h. den Vertreter des Kurfürsten im Rentamt Burghausen und Besitzer des Schlosses Piesing († 1735). Als Präfekt der marianischen Kongregation unterzeichnete er mit zwei Assistenten, unter ihnen Pfarrer Rosenbusch, und zwei Consultoren den Entscheid zur Umgestaltung des Saals am 30.4. 1731 (siehe S. 44). Diese fünf Personen sind unter den porträtierten Kongregationsmitgliedern zu vermuten. Carl Wilhelm Freiherr von Ingenheim, Forstmeister des Rentamts (1726–35), ist vielleicht in dem Herrn im grünen Frack in der Mitte dargestellt. Die Konsultoren Joseph Clemens von Zöpf, Regierungsrat von Burghausen (1715–42), und Franz Wilhelm Anton Freiherr von Leoprechting schlossen wahrscheinlich hier an. Die vier Personen am rechten Bildrand sind bei der Restaurierung 1963 neu gemalt worden. In dem rechten, der mit gefalteten Händen in den Raum lächelt, wurde der ehemalige Gymnasialdirektor Ludwig Moosbauer porträtiert.
B GEBURT JESU Das mittlere Fresko ist das größte des Zyklus. Vor dem Hintergrund eines sehr dunklen nächtlichen Himmels dringen in den aus Holz gezimmerten Stall irdische und himmlische Besucher ein, um das neugeborene Kind anzubeten. Sie sind in den gleichen starken bunten Farben und auch in der gleichen Figurenproportion dargestellt, so dass zwischen himmlischer und irdischer Szenerie nicht unterschieden wird. Das himmlische Licht geht vom Kind aus. Maria im hellem Schein richtet ihren Blick auf die Geisttaube, von der Strahlen ausgehen und auf das göttliche Kind fallen. Ein Engel hält ein Schriftband GLORIA IN EXCELSIS DEO, andere Engel musizieren auf verschiedenen Instrumenten. Ein Puttenpärchen scheint aus dem Bild herauszufliegen; Flügel, Füßchen und Gewandbausch sind in Stuck geformt. Unter den Hirten finden sich Männer, Frauen und Kinder, die ihre Gaben bringen. Joseph lehnt an einem Pfosten neben dem Esel, er hält eine Kerze. Eine bunte und lebhafte Versammlung bevölkert hier die Darstellung der Geburt Christi. Das Bild ist bewegter und lockerer als das Fresko mit der dichtgedrängten Anbetung der Könige in der Institutskirche der Englischen Fräulein, die Warathi etwa gleichzeitig schuf.
C AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL – HULDIGUNG DER STÄDTE UND MÄRKTE DES RENTAMTS BURGHAUSEN Blickrichtung nach N, entgegengesetzt zu den Fresken A und B. Auf Wolken thronen Gottvater und Christus an der Weltkugel, auf deren Spitze ein kleines, goldornamentiertes Kreuz steht. Christus zeigt seine Wundmale. Darüber erscheint die Geisttaube vor dem Dreifaltigkeitssymbol. Maria schwebt auf Wolken zur Dreifaltigkeit auf. Der helle Strahlenkranz um ihr Haupt und die zwölf Sterne erstrahlen vor der Weltkugel. Sie hat die Arme ausgebreitet, ihr Fuß steht auf der Mondsichel; Engel begleiten sie, von denen einer ihr Lilienzepter hält. Im Gegensatz zur Weltkugel in A, die die sündige und dem Tod verfallene Welt darstellt, bedeutet hier die Weltkugel im Strahlenglanz, vom Kreuz gekrönt, die erlöste Welt, erlöst durch die Menschwerdung Christi, an der Maria Anteil hat, und das Leiden Christi. Auf der bildparallel verlaufenden Treppenanlage der irdischen Szene sind zwölf Frauen versammelt, in vornehmen Gewändern, das aufgesteckte Haar mit Geschmeide und Perlen geschmückt. Sie sind durch Wappen und Inschriften auf weißen Bändern gekennzeichnet. Es sind die Personifikationen der Städte und Märkte des Rentamts Burghausen (vgl. die Wappen im 1721 erschienenen Werk von Wening über das Rentamt Burghausen) in einer ikonographisch seltenen und historisch interessanten Darstellung.
Die Reihe beginnt links mit dem Markt Kraiburg (Marckh Crainburg), der im Wappen eine goldene Krone auf blauem Grund hat (Markt und Gericht Kraiburg, heute LKr. Mühldorf; Wening S. 20, B. 18). Darunter hält die Personifikation des Marktes Ried (Marckh Rieth) das Wappen mit den drei Weinblättern über einem Stab und dem Stiefel auf rotem Grund (Kurfürstl. Schloß, Markt und Gericht Ried, heute OO; Wening S. 19, B. 40). Darunter, überschnitten vom Bildrand, ist das Wappen des Marktes Marktl zu sehen (Marckh Märcktl), der Flößerhaken auf blauem Grund (Markt und Gericht Marktl, heute LKr. AÖ; Wening, S. 18, B. 38). Davor kniet groß die Personifikation der Stadt Braunau (Statt Braunau), eine reichgeschmückte Figur mit gespaltenem Wappen, heraldisch rechts die Rauten, links der Löwe (Stadt und Gericht Braunau, heute OÖ; Wening S. 2, B. 3). Neben der Personifikation von Braunau kniet die fürstlich geschmückte Figur der Stadt Burghausen, über dem Gewand eine große weißblaue Rautendraperie (Churftl. Regirungs und Haubt Statt Burghaußen); ein geflügelter Genius, der mit der Fama- Posaune den Ruhm des Herrscherhauses verkündet, hält das Wappen, die Burg mit den drei Türmen (ehem. kurfürstliche Regierungsstadt und Rentamtssitz Burghausen; Wening S. I, B. I).
Zwischen den Köpfen der Personifikationen Braunaus und Burghausens ist im Hintergrund ein Kopf zu sehen und daneben das Wappen des Marktes Mauerkirchen (Marckh Maurkhirchen), mit der Kirche als Wappenbild (Markt und Gericht Mauerkirchen, heute OÖ; Wening S. 13, B. 25). Rechts neben Burghausen sind zwei Köpfe im Hintergrund dargestellt, aber nur ein Wappen, das des Marktes Uttendorf (Marckh Uttendorf) mit dem Turm (Markt und Gericht Uttendorf an der Mattig, 1751 mit Mattighofen vereinigt, heute OÖ; Wening S. 27, B. 60). Schräg davor kniet die Personifikation der Stadt Schärding (Statt Schärdingen) mit dem gespaltenen Wappenschild, heraldisch rechts die Schere, links die Rauten (Stadt und Gericht Schärding, heute OÖ; Wening S. 22, B. 49). Schräg rechts davor kniet – wieder am Bildrand, die Personifikation des Marktes Trostberg (Marckh Drosßberg) mit den drei Türmen im Wappen (Markt und Gericht Trostberg, heute Lkr. Traunstein; Wening S. 26, B. 57).
Darüber erscheint am Bildrand der Markt Altham (Marckh Altham) mit dem zweimal gespaltenen Wappen, heraldisch rechts die Rauten, Mitte die Schlange, links der Buchstabe A mit dem Stern darüber auf rotem Grund (Markt Altheim. Gericht Mauerkirchen, heute OÖ; Wening S. 13, B. 25). Rechts oben schließen drei weibliche Gestalten mit zwei Wappen die Reihe ab. Die Personifikation des Marktes Mattighofen (Marckh Mattighoffen) mit Mond und Stern im Wappen (Markt und Gericht Mattighofen, heute OÖ; Wening S. 18, B. 38) weist auf Maria; und die des Marktes Tann (Marckh Tann) hält das Wappen mit der Tanne vor dem gespaltenen Schild rot/gold (Markt Tann, Gericht Neuötting, heute NB, LKr. Rottal-Inn; Wening B. 77).
Die vorderen vier besonders prächtig gekleideten Frauen werden auch als Personifikationen der vier Erdteile gesehen (Schneider, S. 94): Braunau als America mit gestreiftem Kopfschleier und goldener Pinselbrosche, Burghausen als Europa mit der bayerischen Fahne als Umhang, Schärding als Africa mit gestreiftem Kopftuch und Trostberg als Asia mit Turban. Wenn auch Warathi offensichtlich bei der Konzipierung dieser Figurengruppe von Erdteildarstellungen ausging, so dürfte dieser Aspekt ikonologisch hier doch nicht relevant sein.
Die Personifikationen der Städte und Märkte stehen hier für das Rentamt Burghausen, aber auch für die Mitglieder der Marianischen Kongregation im Rentamt, das mit den drei Städten und neun Märkten fast vollständig vertreten war. Es fehlen drei Märkte, die nicht zur altbayrischen Landschaft gehörten, weil sie keine Gerichtsbarkeit hatten: Tüßling gehörte den Grafen von Wartenberg, Aurolzmünster und Friedburg im heutigen Oberösterreich gehörten den Freiherren von Tannberg bzw. dem Landesherrn (Sechshundert Jahr Rentamt Burghausen, 1992, S. 91). Außerdem fehlt die Stadt Neuötting, die nicht zum Einzugsbereich der Burghauser Marianischen Kongregation gehörte, weil sie zu der schon seit 1593 in Altötting bestehenden Kongregation zählte.
O1-8 und W1-8 HEILIGE MARIENVEREHRER Die Wandgemälde an den Längsseiten zwischen den Fenstern sind in leuchtenden Ölfarben auf Leinwand gemalt und in die bestehenden Stuckrahmen eingesetzt. Rot, Gold und Blau treten als beherrschende Farben aus dem fast schwarzen Bildgrund heraus. Aus dem Dunkel der Nacht erscheint in goldfarbenen nach unten abgedunkelten Wolken auf allen Darstellungen Maria als Vision. Der jeweilige Heilige, der die Vision hat, ist meist in einem farbenprächtigen Gewand, etwa in Rubinrot oder Türkisblau, wiedergegeben und vom himmlischen Licht der Erscheinung beleuchtet.
Nicht alle Bilder sind stilistisch gleich. Die Kompositionen mit den Heiligen Sebald, Stephan und Franz Borgia haben mehr Leben und mehr Bewegung als die übrigen, die steifer komponiert sind und den Himmelsraum mit geflügelten Puttenköpfchen füllen. Maria ist in diesen drei Bildern eine Dame in rosafarbenem Kleid. Diese Bilder zeigen stilistische Nähe zu Warathi.
Es gibt zwar achtzehn Felder mit Stuckrahmen, aber in den »Litterae annuae« von 1720 und im Restaurierungsbericht von 1851 ist ausdrücklich von sechzehn Gemälden die Rede (s. Autor, S. 45). Die schmalen Bildfelder an der Altarwand waren den Ordensgründern Ignatius von Loyola und Franz Xaver vorbehalten.
Die Bilder hängen heute in folgender Ordnung:
O-Seite von S nach N
W-Seite von S nach N Franz Xaver Theophilus Stanislaus Kostka Wilhelm von Maleval Alexius (als Sebald)
Kasimir von Polen
Ildefons von Toledo
Johannes von Damaskus
Sebald (als Alexius)
Diese Anordnung ist nicht die originale. In den Kartuschen über den Bildern standen ursprünglich die Namen der Heiligen.
gen (auf Abb. S. 148 bei Schmidt noch zu erkennen), so daß die ursprüngliche Hängung rekonstruiert werden kann.
Nach der ursprünglichen Hängung hatten die Heiligen paarweise ein tertium comparationis. In dieser Zuordnung werden sie hier behandelt (von S nach N):
Ordensgründer u. Patrone
O1 Ignatius (verschollen) Verbreiter des Christentums
Verbreiter des Christentums 2 C 1 11 D.: 1
Bischöfe
O, Bonitus (verschollen)
Verwalter
O4 Theophilus
O. Kasimir von Polen
ICSUILEIL O6 Franz von Borgia
Bußer-Eremiten O_ Wilhelm v. Maleval
O2 wilneim v. Jünglinge
Jungunge O. Hermann Joseph von Köln W. Alovsius von Gonzaga
O1-W1 IGNATIUS VON LOYOLA und FRANZ XAVER Die Bilder der Heiligen Ignatius von Loyola und Franz Xaver, Begründer der Gesellschaft Jesu, Patrone des Kollegund des Gymnasiums in Burghausen, nahmen ursprünglich die beiden schmäleren Felder an der O-Wand ein, den Altar flankierend (jetzt leer, alte Photographie in: Kurfürst-Maximilian-Gymnasium, S. 95).
O, IGNATIUS VON LOYOLA VERFASST DIE OR- DENSREGEL (verschollen). Auf einer Photographie des Gemäldes von 1872 (Hoedl, S. 94) ist Ignatius beim Schreiben zu erkennen, während Maria vor ihm steht und auf sein Schriftstück deutet. Engel halten ein Notenblatt und streuen Blumen.
Ignatius von Loyola SJ (Fest 31.7., * 1491 † 31.7.1556 Rom) stammte aus vornehmem spanischen Adel. Nach einer Karriere im Kriegs- und Hofdienst wurde er 1521 verwundet und während seiner Krankheit durch die Lektüre geistlicher Bücher bekehrt. 1534 legte er mit sechs Gefährten in Paris Ordensgelübde ab, 1540 wurde die Societas Jesu durch Paul III. bestätigt. 1622 wurde er zusammen mit Franz Xaver heiliggesprochen. Seelenführung, Erziehung und theologische Ausbildung waren Schwerpunkte seiner Ordensregel. Von Ignatius wird berichtet, daß er mehr als 30 Erscheinungen, sowohl von Christus als auch von Maria, gehabt habe. Die erste führte zu seiner Bekehrung: Als er sich nachts von seinem Krankenlager erhob, um vor dem Marienbild zu beten, neigte sich Maria ihm zärtlich zu und küßte ihn. »Sobald er sich zu Gott bekehret hat, hat er die Mutter Gottes für sein absonderliche Fürsprecherin erwöhlet« (Marianisches Tag-Buch, Bd 2, 31.7., S. 110). Vor dem Gnadenbild in Monserrat gelobte er Keuschheit.
Bei der verschollenen Darstellung handelte es sich um Marias Erscheinen beim Verfassen der Ordensregel. Auch auf einem Stich Klaubers schreibt Ignatius die »Constitutiones Societatis«, während Maria ihm mit Wohlgefallen zuschaut. Ignatius wird stets in dem überlieferten authentischen Typus dargestellt, mit kleinem, kurzgeschorenem Kopf und hoher Stirn scharfer Nase und kurzem Backen- und Oberlippenbart im schwarzen Ordenskleid mit schmalem weißen Kragen (Ribadeneira-Hornig Bd 2, 31.7., S. 132; Sausseret Bd 2, S. 41).
W1 MARIA HILFT FRANZ XAVER Franz Xaver kniet in einem Innenraum – angedeutet durch eine Säule rechts – an einem Tischchen mit roter Decke, auf dem eine brennende Kerze, ein aufgeschlagenes Buch und das schwarze Birett des Heiligen zu sehen sind. Franz Xaver ist im überlieferten Porträttyp gezeigt, jung, mit kurzen, gelockten schwarzen Haaren und Backenbart; er trägt über der schwarzen Soutane der Jesuiten ein weites Chorhemd mit Spitzenbesatz an Kragen und Saum, sowie eine Stola. Er hat die Rechte auf die Brust gelegt und vollführt mit der Linken eine Geste des ehrfurchtsvollen Schreckens. Schräg vor ihm erscheint Maria auf Wolken, von Puttenköpfchen begleitet. Sie hat das Kind auf dem Arm. Zwei Teufelsgestalten fliehen vor der Erscheinung hinter die Säule. Das Bild stellt die Hilfe der Gottesmutter bei Anfechtungen Franz Xavers in Paris dar. »Als der H. Xaverius einsmahls von den Teufflen grausamblich geschlagen worden, da er zu Nächtlicher Weil vor einem U.L. Frauen Altar dem Gebett oblage, hat man ihn hören aufschreven: O Fran komme mir zu Hülff. O Frau, wirst du mir nit zu Hülff kommen? Worauf er bald herrlichen Sieg durch ihre Beyhülf wider den höllischen Feind erobert hat« (Marianisches Tag- Buch, Bd 2, 2.12., S.617; Ribadeneira-Hornig Bd 2, 3.12. S. 904; Marienlexikon, Bd 2, S. 518f.). Als Bildvorlage für die Darstellung in der Aula von Burghausen diente ein flämische Stich von Gerard Seghers und Schelte van Bolswert aus der ersten Hälfte des 17. Jh. (Abb. in: Heiligenporträts, Kat. Gra phisches Kabinett Stift Göttweig, hg. P. Gregor Martin Lech ner, Göttweig 1988, S. 70).
Franz Xaver SJ (Fest 3.12., * 7.4.1506 Schloß Xavier in Navarra † 3.12.1552 Insel Santschao) war von vornehmer Herkunft und wurde zum Studium nach Paris geschickt, wobei er sich zunächst allen Vergnügungen hingab und sich jahrelang gegen die Bekehrungsversuche Ignatius von Loyolas wehrte, der sein Studiengefährte und Zimmergenosse war; endlich schloß er sich 1533 ihm an, assistierte ihm beim Verfassen der Ordensregel und legte mit ihm die Gelübde ab. Er reiste 1542 nach Goa, 1549 nach Japan und wirkte als Missionar. Auf der Reise nach China starb er auf der Insel Santschao. Zu den vier Gebeten, die er die Eingeborenen als Missionar lehrte, gehörten das Ave Maria und das Salve Regina; Maria zu Ehren verfaßte er ein persönliches Gebet.
O.-W. SEBALD VON DÄNEMARK und STEPHAN VON UNGARN Beide Heiligen waren aus königlichen Geschlecht und Verbreiter des Christentums in der Frühzeit.
O. SEBALD UND SEINE BRAUT GELOBEN KEUSCH- HEIT In einem Palastraum steht der jugendliche Sebald, die Krone auf dem Haupt, in prächtigem Hochzeitsgewand. Er beugt sich zu seiner Braut nieder, die neben ihm kniet und ebenfalls hochzeitlich geschmückt und gekrönt ist, und weist nach oben, wo in Wolken Maria mit dem Kind erscheint und daneben Joseph mit der Lilie (bei Hoedl, S. 91, und Schneider S. 100 fälschlich als Alexius).
Sebald (Fest 19.8., † 19.8. 740) war ein Prinz aus Dacien (Dänemark). Seine Jugend verbrachte er in Paris, danach wurde er von seinen Eltern ebenbürtig verheiratet. Am Abend seiner Hochzeit in Pracht und Glanz beschwor er seine Braut, ein Leben in Keuschheit zu führen, wie er es selbst willens war, und rief Maria und Joseph als Schutzpatrone an: »Unser gegenseitiges Gelöbnis unterstellen wir dem Schutze des jungfräulichen Bräutigams und Beschützers der unbefleckten Jungfrau Maria, des heiligen Joseph und seiner jungfräulicher Braut. Diese himmlischen Beschützer nehme ich zu Zeugen. Vor ihrem Angesichte erkläre ich dich frei und bitte dich
bewahre deine Unschuld und Jungfräulichkeit bis zu dem Tag, an dem du erscheinen wirst vor dem ewigen Richter«. Sebald verließ die Heimat und lebte drei Jahre in der Einsamkeit. Dann pilgerte er nach Rom und erhielt vom Papst den Auftrag, in Deutschland zu missionieren. Er wirkte in der Gegend von Nürnberg, zog sich aber dann zwischen Regnitz und Pegnitz wieder in die Einsamkeit zurück, wo er sein Leben beendete. Er ist in St. Sebald in Nürnberg begraben (Rader, Bavaria Sancta, Bd 1, S. 252).
W2 STEPHAN STELLT SICH UND SEIN LANI UNTER DEN SCHUTZ MARIENS Der König von Ungarn ist dargestellt in Harnisch, mit rotem Mantel und Hermelin, Zepter in der Hand und Krone auf dem Haupt. An einen Band trägt er ein eisernes Kreuz mit zwei Querbalken. In Hintergrund sieht man ein Kriegszelt, dessen Vorhang zwe Engel hochhalten: mächtig und fast bildfüllend erscheint neben Stephan in goldenen Wolken Maria, die Arme ausgebreitet, die rechte Hand schützend über Stephans Haupt haltend und auf ihn blickend.
Stephan I. von Ungarn (Fest 2.9. oder 19./20.8., *um 970 Esztergom, †15.8.1038) war der erste christliche König in Ungarn. 996 heiratete er (die später selige) Gisela, Schwester des heiligen Kaisers Heinrich II. An Weihnachten 1000 wurde Stephan zum König gekrönt. Die Krone schickte ihm Papst Silvester II. aus Rom zusammen mit dem apostolischen Kreuz, Symbol für das Patronat König Stephans über die Kirche seines Landes. Stephan »pflegt sich samt seinem Königreic durch Gelübde und Opffer in der allzeit Junckfrawen Maria Schutz und Schirm mit stetem Beten zu bevehlen«, er erhol Maria zur Patronin Ungarns, das er »das Haushaben Marias zu nennen pflegte. Viele der von ihm gegründeten Kirchen, Kathedralen und Klosterkirchen erhielten ein Marienpatrozinium. Er hat ihr Bildnis »nicht allein auf das Gelt, sonde auch auff seine Palläst und Tempel wie auch alle andere König liche Zierden setzen lassen, zwey Bistümer hat er unter den Schutz Mariae gestiftet«. Im Kampf gegen Konrad, den Nachfolger Heinrichs II., bat er Maria, ihre starke Hand von seinem Volke nicht abzuziehen. Der Kaiser schickte tags darauf einen Friedensboten. Stephan starb am Fest Mariä Himmelfahrt (Marianisches Tag-Buch, Bd 2, 19.8., S. 180; Ribadeneira- Hornig, Bd 2, 20.8., S. 284; Surius, S. 648-51; Marienlexikon Bd 6, S. 294 f.).
O3-W3 BONITUS VON CLERMONT und ILDEFONS VON TOLEDO Gemeinsam ist diesem Heiligenpaar die Bischofswürde und das Jahrhundert, in dem sie lebten. Beiden erschien Maria und verlieh ihnen ein himmlisches Meßgewand. Nur ein Gemälde von beiden ist erhalten, und dieses könnte sowohl Ildefons als auch Bonitus darstellen. Für Ildefons spricht die Erscheinung der königlichen Jungfrauen.
O3 KASELVERLEIHUNG AN BISCHOF BONITUS (verschollen) Bonitus, Bischof von Clermont/Auvergne (Fest 15. I., †701) war Statthalter von Marseille und wurde als Nachfolger seines Bruders Bischof von Clermont. Er legte um 700 das Bischofsamt nieder und wurde Mönch zu Manlieu. Er starb auf der Heimreise von einer Rompilgerfahrt in Lyon.
Die bekannteste Szene aus der Vita des Heiligen ist eine Marienerscheinung mit Kaselübergabe: Als Bonitus noch Bischof war, betete er eines Abends in der Kirche des hl. Michael und ließ sich, als die Kirche geschlossen wurde, einsperren, um die Nacht im Gebet zuzubringen. Maria zog mit einer großen Schar von Engeln bzw. Heiligen in die Kirche ein und bestimmte den hl. Bonitus, für die himmlische Gemeinschaft die hl. Messe zu zelebrieren. Danach schenkte sie ihm ein Meßgewand aus unbestimmbarem Gewebe, welches im 12. Jh. in Clermont-Ferrand noch als Reliquie gezeigt und auf das der Hymnus »Rhythmus de casula S. Boni« verfaßt wurde.
Nach dem marianischen Tag-Buch stellt sich die Erscheinung so dar: »Es gedunckte ihn, als käme die Glorwürdigste Mutter Gottes in die Kirchen herein, bekleidet mit einem schneeweißen Mantel, umgeben mit unzählbarer Schar der Englen, die mit lieblichster Zusamenstimmung ihr Lob sangen. Als sie hernach zum Altar kommen, fragten etliche von denselben Englen, wer alldorten die H. Meß lesen wurde? Al wortete Maria: Sehet, diser Priester ist ja wohl würdig, dem ewigen Vatter seinen eingebohrnen Sohn zu opferen in dem H. Meß-Opfer?... Derohalben hat er sich überreden lassen und mit Beystand viler himmlischen Geisteren un ein sehr köstliches Kleid zum Zeichen der Liebe, so sie zu ihm tragte, verehret hat« (Marianisches Tag-Buch, Bd 1, 15.1., S. 54; Ribadeneira-Hornig Bd 1,15.1., S. 198; Sausseret, S. 69; Marienlexikon Bd 1, S. 537).
W3 KASELVERLEIHUNG AN BISCHOF ILDEFONS Bischof Ildefons kniet auf einer Stufe, hinterfangen von einem dunklen Baldachin. Mitra und Pedum liegen zu seinen Füßen. Maria erscheint neben ihm auf Wolken und reicht ihm ein weißes, goldgesäumtes Meßgewand. Hinter Maria im Himmel sind in Wolken drei heilige Königinnen dargestellt.
Ildefons von Toledo (Fest 23. 1., * um 606 Toledo, † 23. 1. 667) Abt des Benediktinerklosters Cosmas und Damian und schließlich Erzbischof von Toledo, war ein bedeutender theologischer Schriftsteller. Sein Traktat »De virginitate perpetua S. Mariae« verteidigt die Jungfrauschaft Mariens vor, in und nach der Geburt (das Bildprogramm der Decke folgt dem Traktat, s. Inschriften a, b, c, S. 46, 48).
Auch bei ihm ist die bekannteste Szene der Vita die Kaselverleihung durch Maria. Am Abend vor dem Fest Mariä Himmelfahrt betrat Ildefons mit dem Klerus die Kirche, um die Messe zu feiern. Auf der Kanzel sah er Maria in strahlender Schönheit, das Schiff der Kirche war erfüllt von einer Schar Jungfrauen die Hymnen sangen. Maria reichte ihm »aus den Schätzer ihres Sohnes« ein Meßgewand, das ihn in Gnade hüllen und das er an Marien- und Christusfesten tragen sollte: »Er hörte beynebens, daß Maria ihn zu sich herbeyruffte mit folgenden Worten: Demnach du mir so getreulich gedienet und mit allen Eifer mein Ehr und Dienst bei anderen befürderet hast, siehe so kleide ich dich mit diesem köstlichen Mantel als ein Pfand des Kleides der Unsterblichkeit, mit welchem du nachmahls in dem Himmel von meinem Sohn wirst bekleidet werden- (Marianisches Tag-Buch, Bd 1, 23.1., S. 88; Sausseret, Bd 1 S. 68; Marienlexikon Bd 3, S. 293-95). Ribadeneira-Hornis (Bd 1, 23.1., S.255) erwähnt im Gegensatz zu den meister Autoren die Jungfrauen im Gefolge Mariens nicht.
O4-W4 THEOPHILUS VON KILIKIEN und JOHAN- NES VON DAMASKUS Den beiden Heiligen ist gemeinsam, daß sie Heilige der Ostkirche sind und beide hohe Beamte waren. Diese Gemeinsamkeit wird in den Bildern durch die gleiche Gewandung betont: ein blaues langes Kleid mit kleinem weißen Kragen, geschlungenem Stoffgürtel und Verschnürung der Knopfleisten, dazu einen kurzen schwarzen Mantel. Beide erfuhren ein Unrecht und wunderbare Hilfe durch Maria.
O1 THEOPHILUS WIRD DURCH MARIA VON EINEM TEUFELSPAKT ERLÖST
In einem Raum sitzt der Heilige auf einem Lehnstuhl. Maria, festlich gekleidet in ein rotes Brokatgewand und einen dunkelblauen Umhang, ein Krönchen auf dem Haupt, tritt auf einer Wolke auf ihn zu und reicht ihm ein Schriftstück mit der Inschrift Theophilus.
Die Legende des heiligen Theophilus von Kilikien (Fest 4.2.) gehört zu den bekanntesten Heiligenlegenden des Mittelalters und ist im 7. Jh. im ostkirchlichen Bereich entstanden. Danach verzichtete Theophilus, der Verwalter der bischöflichen Kirche von Adana in Kilikien war, aus Demut auf die ihm angetragene Bischofswürde, wurde dann aber zu seiner Enttäuschung von dem neuen Bischof entlassen. Darauf schloß er einen Bund mit dem Teufel, schwor schriftlich dem christlichen Glauben ab und kam wieder in Amt und Würden. Doch dann ergriff ihn Reue, und er flehte in seiner Not Maria an als Zuflucht der Sünder.
»Diser als er einer Verwaltung über eine fürnehme Statt in Cilicia entsetzet worden, ist dermaßen darüber bestürzt worden und in solche Verzweiflung gerathen, daß er zu einem jüdischen Schwartz-Künstler hingangen mit einer eigenhändigen Schrift und darin beygesetzten Eydschwur Christum und seine Mutter verlaugnet, sein Seel aber dem Satan verschrieben hat. Aber über ein Zeit reuet es ihn schmertzlich und wußte sich keines bessern Mittels zu bedienen, umb Verzeyhung so ärgerlichen Fehlers von Gott zu erhalten als der Fürbitt Maria. Derentwegen verfügt er sich in eine ihr zugeweihte Kirchen, allwo er 40 Tag und Nacht aneinander bitterlich geweinet und mit so schmertzlicher Reu umb Gnad gebetten hat, daß er das Glück gehabt, in seinen Tränen durch Hülff Mariae gleichsamb widerumb zum Leben der Gnad neugebohren und getaufft zu werden, demnach sie ihme die von ihm dem Teuffel übergebne Handschrifft wiederumb zugestellet, er aber hernach fromb und heiliglich in größter Andacht gegen der Mutter Gottes gelebt hat« (Marianisches Tag-Buch, Bd 1, 4.2., S. 135). Nach Ribadeneira bekannte er öffentlich seine Tat, um kurz darauf in ein Fieber zu verfallen und einen seligen Tod zu sterben (Ribadeneira-Hornig Bd 3, 4. 2., S. 70; Sausseret, S. 45; Marienlexikon Bd 6, S. 388 f.).
W4 MARIA SETZT JOHANNES VON DAMASKUS DIE ABGEHACKTE HAND WIEDER AN
In seiner Bücherstube sitzt der Heilige, gleich gekleidet wie Theophilus. Maria erscheint als vornehme Dame in rosenfarbenem Kleid, dunkelblauem Umhang und weißem Schal, die Haare modisch gebunden, und hält eine abgehackte Hand in der Rechten, während sie mit der Linken den Armstumpf des Heiligen ergreift.
Johannes von Damaskus (Fest 6.5., *um 675 †vor 749) entstammte einer vornehmen Familie in Damaskus und wurde Nachfolger seines Vaters als Statthalter beim sarazenischen Fürsten. Im Bilderstreit setzte er sich mit einer glänzenden Verteidigungsschrift für den Erhalt der Ikonen ein, wurde aber vom ikonoklastischen Kaiser Leon durch ein gefälschtes Schreiben an den Fürsten derart verleumdet, daß der Fürst seinem Verwalter die Hand abschlagen und auf dem Marktplatz aufhängen ließ. »Mit großer Standhaftigkeit überstunde er die Qual und Schand, da ihme sein rechte Hand abgehauen wor-
den umb die Beschützung der heiligen Bilderen; nahme doch aber sein Zuflucht bev einer Marianischen Bildnuß und batte mit sehr inständiger Anmüthigkeit, daß sie ihm die abgehauene Hand... widerum anheilen möchte. Die allergnädigste Himmelkönigin... setzte unverzüglich die Hand widerumb an seinen stumpen Armb an, ...indessen laßte sie folgende tröstliche Wort hören: Sihe, deiner Hand ist die Haylung widergefahren. Befleiße dich derselben löblich zu bedienen, wie du vorhero versprochen hast« (Marianisches Tag-Buch, Bd. 1, S. 458; Ribadeneira-Hornig, Bd 1, 10.5., S. 695; Surius, S. 370). Das Wunder bewog Johannes von Damaskus, ins Sabaskloster in Jerusalem einzutreten. In seinen besonders für die orthodoxe Kirche bedeutenden mariologischen Schriften betonte er die Jungfrauschaft Mariens in geistiger, seelischer und körperlicher Hinsicht (Marienlexikon Bd 3, S. 392). Er ist Patron der studierenden Jugend der Ostkirche.
O5-W5 KASIMIR VON POLEN und EMERICH VON UNGARN
Die Heiligen waren beide Prinzen, die schon in ihrer Jugend starben und große Marienverehrer waren; daneben ist ein tertium comparationis auch ihr Keuschheitsgelübde.
O5 KASIMIR WEIHT SICH MARIA
Vor einer Säule, die mit einem hellblauen Vorhang drapiert ist, steht der Jüngling an einem Tisch mit einer grünen Tischdecke. Auf dem Tisch liegen die Kaiserkrone und ein Fürstenhut. Kasimir hat kurze dunkle Locken, trägt rote Kniehosen und Strümpfe, eine goldbestickte Brokatweste und einen roten Umhang. In der Rechten hält er eine Lilie und hat die Linke auf die Brust gelegt. Er blickt Maria an, die oben in Wolken als kleine Figur erscheint und einen Gnadenstrahl auf ihn sendet; das Jesuskind hält eine blaue Kugel.
Kasimir von Polen (Fest 4.3., * 1458 Krakau † 4.3. 1484) war der dritte Sohn des polnischen Königs Kasimir IV. aus dem Geschlecht der Jagellonen und Elisabeths, Tochter Kaiser Albrechts. Kasimir wurde von den Gegnern des Matthias Corvinus zum König von Ungarn erwählt, gegen den er allerdings unterlag. Er starb mit 25 Jahren an der Schwindsucht. Hätte er seinen Vater überlebt, wäre er König von Polen geworden: So erbten seine jüngeren Brüder Johannes Andreas, Alexander und Sigismund nacheinander die polnische Krone. Sein Bruder Ladislaus wurde König von Böhmen. Seine Schwester war Hedwig, die Gattin Georgs des Reichen, die auf der Burg in Burghausen lebte.
Kasimirs Leben zeichnete sich durch Frömmigkeit und Sittenreinheit aus. Der heilige Prinz »war über die Maßen auf die Reinigkeit beflissen«. Zu Maria trug er eine besondere Verehrung. Er verfaßte auf sie einen Hymnus, den er täglich betete, den er mit ins Grab nahm und der weit verbreitet war »Omni die dic Mariae / mea laudes anima / eius festa, eius gesta / cole devotissima...« (Marianisches Tag-Buch, Bd. 1, S. 235 f.). Kasimir wurde 1602 heiliggesprochen, er ist Nationalheiliger von Polen und Litauen; sein Grab ist im Dom von Wilna. Die Marienerscheinung bezieht sich offensichtlich auf ein Keuschheitsgelübde des hl. Kasimir. Auf die beiden Kronen bezieht sich Ribadeneira schon mit dem Titel der Heiligenvita: »Das Leben des heiligen Fürstens Casimiri, des Königs in
Pohlen Sohn, erwählten Königs in Ungarn«. Auf dem Tisch rechts ein Fürstenhut, links eine Krone, die wie die Kaiserkrone aussieht. (Die authentische Stephanskrone, eine Kappe mit seitlichen Bügeln und schiefem Kreuz, eine Kopie der originalen Krone mit geradem Kreuz, die 1270 nach Böhmen entführt worden war, kommt allerdings auch nicht bei König Stephan oder Emerich vor, s. W2 und W5.)
W5 EMERICH GELOBT KEUSCHHEIT
Der junge, schöne, prächtig gekleidete Prinz in weißem Brokatunterkleid und blauem hermelingefütterten Mantel steht an einem Tisch und hält eine Lilie in der Hand. Krone und Zepter liegen auf der roten goldgestickten Decke; ein ovales Porträt einer vornehmen jungen Dame wirft er weg. Er blickt auf die Erscheinung Mariens als Himmelskönigin, die ihn mit einem Kranz aus weißen und roten Rosen schmückt. Der Kranz und die Lilie bezeichnen seine Reinheit.
Emerich (Imre), Prinz von Ungarn (Fest 4.11.), war der Sohn des hl. Königs Stephan und der sel. Königin Gisela. Von seinen Eltern wurde er in Frömmigkeit erzogen. Sein Erzieher war Bischof Wolfgang von Regensburg. Er gelobte schon als Knabe die ewige Jungfrauschaft: »Als er einstens zu Vesprin mit seinem Diener die Kirche des h. Georgii andächtig besuchend.
vor dem Altar in die Gedanckhen geriete, was für ein Opffer ei Gott thun könte, fiele in einem hellisten Strahl, der die ganze Kirche erleuchtete, diese Stimm aus der Höhe: Die Jungfrauschafft ist ein kostbahres Ding! Opffere Gott deine Reinigkeit Leibs und der Seelen und verharre darbey bis in der Tod!«. Imre tat das Gelübde, hielt es aber geheim. Als sein Vater ihn mit einer königlichen Braut verheiratete, bewegte Imre auch sie, keusch zu bleiben: »Es wolt der gottselig Jüngling lieber, daß sie der Tugenden, weder (=aber nicht) der Kinde fruchtbar seyn solt«. Sein Vater wollte ihn noch zu seinen Lebzeiten zum Mitkönig machen. Die Ermahnungen an seinen Sohn und Thronfolger sind bis heute überliefert: »Herrsche mild, demütig, friedfertig, ohne Zorn und Haß! Es ziemt sich daß der König mit Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sowie mit den anderen christlichen Tugenden geschmückt sei«. Kurz vor seiner Krönung im Jahr 1031 wurde Imre jedoch auf der Jagd durch einen wilden Eber getötet. Er verwechselte »durch ein heiliges End die zeitliche mit der ewigen Cron und empfin anstatt des zergänglichen ein immerwährendes Reich« (Surius S. 889; Ribadeneira-Hornig, Bd 2, 4.11., S. 678).
(Hoedl und Schneider sehen in diesem Prinzen den hl. Kasimir; die zwei Kronen in Bild O, sprechen aber dort eher für Kasimir und in W, spricht das Porträt der Braut für Imre, denn)
O6-W6 FRANZ BORGIA und STANISLAUS KOSTKA Beide sind Jesuitenheilige und waren besondere Marienverehrer. Im Leben waren sie eng verbunden: Franz Borgia nahm Stanislaus in Rom in den Jesuitenorden auf.
O6 FRANZ BORGIA SORGT FÜR SEINE SÖHNE Als Herzog von Gandia ist Franz Borgia auf dem Thron dargestellt. Er trägt einen roten Mantel und Hermelinumhang und auf dem Kopf die Herzogshut. An den Thron treten drei junge Männer. Der älteste empfängt aus der Hand seines Vaters eine Schrift mit dem Bildnis der hl. Katharina und dem Text 25 Nov. Wenn ich voller gold und geldt steckte, was wäre es. Als dan bin ich reich. / Für die (von der Hand verdeckt). Hinter ihm steht der zweite Bruder Johann, dessen Blick fromm nach oben gerichtet ist. Ein dritter Sohn ist noch als Knabe dargestellt. Über den Jünglingen schwebt die Gottesmutter. Bei dem Orden, den Franz Borgia an einer Kette um den Hals trägt und von dem nur ein Schwertknauf zu erkennen ist, dürfte es sich um den St.-Jakobs-Ritterorden handeln (rotes Kreuz in Form eines Schwerts), der ihm von Kaiser Karl V. verliehen wurde (Ribadeneira, S. 532).
Franz Borgia (Fest 10.10., * 28.10.1510 Gandia † 30.9. bzw 1. 10. 1572 Rom) war der Urenkel Papst Alexanders VI. und König Ferdinands des Katholischen. Nach einer frommer Erziehung durch seine Mutter und seine Großmutter kam er an den Hof Kaiser Karls V. und wurde Page bei Johanna und Katharina, der Mutter und der Schwester des Kaisers. Der Kaiser schenkte ihm seine Freundschaft und ehrenvolle Ämter 1539-43 war Franz Borgia Vizekönig von Katalonien, nach dem Tod seines Vaters trat er das Herzogtum Gandia (Valencia) an. Nach dem Tod seiner Gemahlin Eleonora von Castri (1546) trat er in den Jesuitenorden ein, hielt es aber geheim, bis er die Zukunft seiner acht Kinder gesichert und die Familienangelegenheiten geordnet hatte. Auf ein Schreiben an den Kaiser erhielt er am 5.2.1551 die Erlaubnis, sein Herzogtum an seinen ältesten Sohn Karl abzutreten; der Kaiser versprach, für die übrigen Kinder zu sorgen. Von den fünf Söhnen wurde der älteste, Karl, unter Philipp II. Obristfeldherr von Lusitania [Portugal]. Drei der jüngeren Söhne, Johann, Ferdinand und Alfons, wurden nacheinander Obristhofmeister bei der Kaiserin, der Schwester Philipps II. und Gemahlin Kaiser Maximilians II. Alvarus wurde Gesandter Philipps II. beim Papst. Die beiden älteren Töchter wurden standesgemäß verheiratet, die jüngste ging in Gandia in das vom Vater gegründete Kloster St. Clara.
1555 übertrug Ignatius von Loyola Franz Borgia die Ordensprovinzen in Spanien und Portugal, 1565 wurde er der dritte Ordensgeneral der Jesuiten in Rom. Er verbreitete den Jesuitenorden in Spanien, führte ihn in Polen, in Mexiko und in Südamerika ein. Heiligsprechung 1671.
Die Szene zeigt Franz Borgia mit seinen Söhnen. Es sieht so aus, als handle es sich um die Übergabe des Herzogtums Gandia an seinen ältesten Sohn Karl. Doch spricht dagegen, daß der Vater ihm Bild und Spruch der hl. Katharina von Alexandrien gibt. Bei Ribadeneira-Hornig ist der Vita des hl. Franz Borgia ein ähnlicher Kupferstich vorangestellt (S. 526) mit der Darstellung der Übergabe seines Herzogtums. Er reicht dem ältesten Sohn eine Urkunde, vielleicht die Einverständniserklärung Karls V. vom 13.2.1551, und auf dem Tisch liegt schon das Ordenskleid bereit. Ribadeneira berichtet: Nachdem Franz Borgia die Reise nach Rom und den Besuch beim Ordensgründer Ignatius vorbereitet hatte, »ruffe er Carolun den ältisten Printzen beyseith und sagt: Liber Sohn Carole Vielleicht ist diß das letztemahl, daß ich mit dir rede. Ich reise nach Rom, die heil. Stellen zu verehren, forderist mein Leber in der Societät Jesu zu schließen. Hiermit übergebe und befehle ich dir deine Brüder sambt dem Hertzogthumb, danr alles Zeitlichen habe ich mich allbereit verziehen. Herrsche also, auf daß es mich nit gereue, dir die Herrschung abgetretten zu haben«.
Das Bild Katharinas mit dem Spruch Wenn ich voller gold und geldt steckte, was wäre es. Als dan bin ich reich. kann nicht schlüssig gedeutet werden. Katharina von Alexandrien verzichtete auf allen irdischen Reichtum, in den sie hineingeboren war und der ihr von Kaiser Maxentius drei Mal angeboten wurde, zugunsten des himmlischen Reichtums. Über Franz Borgia wird nach dem Verzicht auf seinen Besitz von der »wunderbarlichen Veränderung« des Heiligen gesprochen: »Dann so groß war zuvor seine Reichthumb, so groß ware hernach seine freywillige Bedürfftigkeit. Nach abgelegtem Hertzogthum hat er nie ein Geld mehr berühren wollen«, zog nie mehr ein neues Kleid an und lebte äußerst asketisch (Ribadeneira-Hornig, S. 543). Als ihn ein »Schalksnarr« auf seine Armut ansprach, antwortete Franz Borgia: »Ich habe schon alberait jetzo mehr und größere Güter erlangt, als ich verlassen« (Ribadeneira, S. 257). Trotzdem findet sich bei Ribadeneira, der ein spanischer Zeitgenosse Franz Borgias und wie dieser Jesuit in Rom war und viele Aussprüche Franz Borgias wörtlich berichtet, nichts über eine Szene mit einem Bild der hl. Katharina. Das Datum 25 Nov weist auf das Fest der hl. Katharina hin. Das abgebildete Blatt dürfte deshalb aus einem Heiligenkalender sein, worauf auch der kleine Stoß von Blättern weist. Aus der Familie Borgia stammt die Gewohnheit der Familie, »jährlich aus der Heiligenzahl sich und jedem in dem Haus durch das Los einen Patron zu wählen, den alsdann jeder nicht allein nach bestem Vermögen das Jahr hindurch verehrete, sondern auch, wann dessen Fest einfiele, zu seiner Ehr zwei Bettler mit einer Mahlzeit verschen mußte«. In der Gesellschaft Jesu führte Franz Borgia diesen Familienbrauch für jeden Monat ein. Sehr wahrscheinlich wird daher mit der Kalenderblattinschrift auf den Verdienst des Heiligen um die sog. Monatsheiligen (s. S. 63) angespielt, aber auch auf die Sorgfalt, mit der Franz Borgia seine Rolle als Vater und Erzieher ausübte.
Franz Borgia war ein großer Marienverehrer. Er verbreitete den Marienkult auf der ganzen Welt und ließ das Madonnenbild des hl. Lukas in S. Maria Maggiore vielfach kopieren. »Widerumb ist er der erste gewesen, der die Gnad gehabt, das Hochheilige Bild der Mutter Gottes, so in der Hauptkirche S. Mariae Majoris zu Rom verehret wird, abmahlen zu lassen, davon er viel Copien hin und wider an unterschidliche Orth hingerschickt hat, um dardurch die Marianische Andacht stattlich fortzupflanzen« (Marianisches Tag-Buch Bd 2 1 10 S. 373). In Anlehnung an das Marienbild des hl. Lukas in S. Maria Maggiore ist die Madonna hier dargestellt mit gestreiftem Kopfschleier, der das runde Gesicht einrahmt. Das Aussehen Franz Borgias schildert Ribadeneira folgendermaßen: er sei von kräftiger Statur und rosiger Haut gewesen mit großen Augäpfeln und langer Adlernase. So erscheint er auch auf dem Titelkupfer der Vita Franz Borgias bei Ribadeneira. In der Burghauser Darstellung erkennt man die Anstrengung des Malers, den Heiligen porträtgetreu wiederzugeben. (P. Ribadeneira, Vita Francisci Borgiae, Moguntiae/Mainz 1603. Im Anhang Abdruck seiner Schriften; P. Ribadeneira, Leben Francisci Borgiae, dritten Generals der Societet Jesu, übersetzt von Conrad Vetter, Ingolstadt 1613; Ribadeneira-Hornig, Bd 2, 10. 10., S. 526 Porträt, S. 535 Rede an den Sohn, S. 543 Reichtum und Armut, S. 547 Leibsgestalt.)
W6 MARIA UND BARBARA ERSCHEINEN STANISLAUS KOSTKA AM KRANKENBETT Der Jüngling liegt in brokatbesticktem rotem Gewand auf dem Krankenbett unter einer reich ornamentierten Decke. Buch und Totenkopf liegen am Fußende auf einem grün bezogenen Schemel mit geschnitztem und vergoldeten Gestell. Stanislaus wendet sich mit über der Brust gekreuzten Armen der Erscheinung Mariens zu. Maria, dargestellt als Himmelskönigin mit Krone und Zepter, steht in Lebensgröße neben dem Bett, allerdings von Wolken hinterfangen und die Füße auf Puttenköpfchen gestellt. Das Kind auf ihren Armen wendet sich mit ausgebreiteten Armen dem kranken Knaben zu. Neben Maria schwebt die hl. Barbara mit Palmzweig und Hostienkelch in Händen, hinter ihr der Turm. Über ihnen erscheint in einer Lichtgloriole die Monstranz mit der Hostie.
Stanislaus Kostka (Fest 13.11., * 1550 † 14.8.1568 Rom) entstammte einer polnischen Adelsfamilie. Er studierte vier Jahre in Wien. Als er schwer erkrankte, ging er gegen den Willen des Vaters nach Dillingen zu Petrus Canisius, der ihn nach Rom schickte, wo er 1567 von Franz Borgia in den Jesuitenorden aufgenommen wurde. Er starb 18jährig am Vorabend des Fests Mariä Himmelfahrt, noch als Novize, in der Betrachtung seines Monatspatrons, des hl. Laurentius.
Stanislaus Kostka war ein besonderer Verehrer der Muttergottes und der hl. Barbara; in Wien gehörte er der Studentenkongregation der hl. Barbara an. Barbara war Patronin für einen guten Tod. Man rief sie an, um nicht ohne den Empfang der Sakramente sterben zu müssen. Während seiner schweren Krankheit erschien ihm die hl. Barbara und reichte ihm die hl. Hostie, da der protestantische Hausherr keinen Priester in sein Haus lassen wollte. Als die Krankheit noch heftiger wurde und er mit dem Tod kämpfte, erschien ihm die Muttergottes und setzte ihm das Jesuskind auf das Bett. Sie sagte seine Todesstunde sei noch nicht gekommen, er solle sich Gott in der Gesellschaft Jesu weihen (Ribadeneira-Hornig, Bd 2 14. 8., S. 207–215; Sausseret Bd 2, S. 47; Marienlexikon Bd 3 S. 652). Beide Erscheinungen sind hier in einer Szene vereinigt
O7-W7 WILHELM VON MALEVAL und ALEXIUS VON EDESSA Beide Heiligen waren Büsser und Eremiten. Für beider Leben ist eine Marienvision überliefert.
O7 WILHELM ALS BÜSSER IM TAL VON MALEVAL Vor einer angedeuteten Hütte sitzt am Boden ein alter bärtiger Mann in Kriegerrüstung und rotem Mantel. Hände und Füße sind durch Ketten am Boden befestigt. Maria schwebt in Begleitung einer heiligen Jungfrau und Märtyrin auf ihn zu. Wilhelm von Maleval (Fest 10.2., †1157), nach der Legende Herzog der Gascogne, wurde nach einer ausgelassenen Jugend und einer wilden Zeit als Krieger auf der Seite des Gegenpapstes durch Bernhard von Clairvaux bekehrt, ließ sich 1146 Panzer, Helm und Ketten anschmieden und zog als Büßer nach Rom. Dann lebte er als Eremit bei Pisa, ab 1155 bei Siena in einem öden Tal namens Livallia oder Malevalle. Er war der Begründer der Eremitenkongregation der Wilhelmiten. Wilhelm von Maleval wird dargestellt als Mann im hohen Alter mit langem weißen, öfter zweigeteilten Bart, angeschmiedetem Harnisch oder Kettenhemd und Helm auf dem Kopf. Über die Marienerscheinung Wilhelm von Malevals berichtet die Legende, daß dieser im Tal von Maleval von Dämonen verprügelt und mißhandelt worden sei. Gott schickte ihm drei schöne Jungfrauen, darunter die Himmelskönigin selbst, die ihn trösteten und pflegten, bis er wieder gesund war: »Einsmahls ist er von dem Teuffel für diese seine Zell hinausgeschleppet und dermaßen übel mit Schlägen und S nicht allein seine Wunden gehailet, sonder auch durch eine so ausbündige Wolthat sein Hertz mit unendlichem Jubel und Freud angefüllet, dahero er augenblicklich von allem vorgangenen Leyd und Schaden gantz befreyet, seiner Helfferin schuldigen Danck erstattet hat« (Marianisches Tag-Buch, Bd 1, 10. 2., S. 154; Ribadeneira-Hornig Bd 1, S. 3
Barock verschmolzen wurde). Als Begleiterin der Himmelskönigin ist nur eine Jungfrau dargestellt; durch die Palme in der Hand ist sie als Märtyrerin bezeichnet.
W_ ALEXIUS VERLÄSST SEIN VATERHAUS Alexius als junger Mann, in rotem Pilgermantel über dem dunkelblaugrauen Gewand, den Pilgerstab in einer Hand, in der andern eine Lilie, steht frontal auf Stufen vor einem gewölbten, säulenbesetzten Innenraum, der links unter einer dunkelgrünen und mit Gold bestickten Draperie angedeutet ist. Er blickt über die Schulter zurück zu Maria, die oben in den Wolken erscheint. Das Jesuskind hält eine Lilie.
Alexius von Edessa (Fest 17.7.) lebte im 5. Jh. und ist der älteste der ausgewählten Heiligen. Der lang ersehnte Sohn reicher römischer Eltern verließ am Abend seiner Hochzeit Braut und Vaterhaus und schiffte sich nach Edessa in Mesopotamien ein. Dort lebte er als Bettler vor der Kirche und hielt sich für unwürdig, den Tempel zu betreten. »Nachdem er 17 Jahr lang in dem Vorhof U.L. Frauen Kirchen zugebracht hatte und Gott sehr angenemb gewesen ware, hat die Bildnuß der Allerseeligsten Jungfrau den Kirchen-Verwalter angeredet« und ihm befohlen, »ihn hereinzuführen. Also ist Alexius mit großen Ehren in die Kirchen eingeführt worden, die seligste
Jungfrau in der Nähe zu verehren, weilen aber durch Offenbahrung der Ruf seiner Heiligkeit sich weit ausbreitete, ist er heimlich von Edessa hinweck geflohen« (Marianisches Tag- Buch, Bd 2, 17.7., S. 61 f.). Aus Angst vor dem Zulauf der Menge schiffte er sich nach Sizilien ein, wurde aber durch einen Sturm an die Küste bei Rom getrieben. Er lebte weitere 17 Jahre als Bettler unerkannt in seinem Vaterhaus unter der Treppe (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, 17, 7, S, 56).
Die Darstellung ist nicht auf Anhieb sicher deutbar (meist wird der hl. Alexius als alter Mann unter der Treppe dargestellt). Als Bildvorwurf kommt natürlich das Geschehnis in Edessa in Frage, wo Maria den Kirchenverwalter aufforderte Alexius aus der Vorhalle in die Kirche einzuführen. Andererseits war Alexius damals weit über dreißig Jahre alt, während das Bild einen Jugendlichen darstellt, der noch dazu sehr elegante Pilgerkleider trägt und aus dem Gebäude fortgeht, nicht hinein. Es ist deshalb wohl der Abschied des Alexius aus dem Vaterhaus und der Aufbruch zum asketischen Pilgerleben dargestellt, am Abend seiner Hochzeit, wobei die Lilie in seiner Hand den Verzicht auf eheliche Freuden bedeutet.
O8-W8 HERMANN JOSEPH VON KÖLN und ALOYSIUS VON GONZAGA Beiden ist gemeinsam, daß sie
schon in ihrer Kindheit Marienerscheinungen hatten und deshalb von den Jesuiten als besondere Vorbilder der Jugend propagiert wurden
O8 HERMANN JOSEPH BEI DER MADONNA VON ST. MARIA IM KAPITOL Als Knabe im roten Wams und grüner Pumphose kniet Hermann Joseph auf den Altarstufen einer von einer Chorschranke abgeschlossenen Kapelle. Maria erscheint auf Wolken vor ihm, eine reich gezierte Krone auf dem Haupt, einen Strahlenkranz mit zwölf Sternen an der Spitze der gewellten Strahlen um das Haupt, im Typus einer mittelalterlichen Plastik; sie drückt das Jesuskind an ihre Wange. Die Geisttaube sendet einen Strahl auf Hermann Joseph. Ein kleiner nackter Engel schwebt über ihm und drückt ihm die Lilie der Reinheit in die Hand.
Der sel. Hermann Joseph von Steinfeld (Fest 7.4., * 12. Jh. Köln, † 1241) trat schon im Alter von zwölf Jahren in das Prämonstratenserkloster Steinfeld in der Eifel ein. Seine Hymnen brachten ihm den Ehrennamen »Minnesänger Mariens« ein. Er war ein bedeutender Mystiker, bekannt vor allem wegen seiner innigen Marienverehrung und seiner mystischen Erlebnisse schon in der Kindheit. Die Überlieferung berichtet von seinem vertraulichen Umgang mit einer Statue der Gottesmutter in der Stiftskirche St. Maria im Kapitol zu Köln; dorthin ging er schon als Schulkind in jeder freien Minute. Einmal brachte er dem Jesusknaben einen Apfel mit, den dieser annahm; einmal spielte er am Boden der Marienkapelle mit dem Jesus- und dem Johannesknaben, wozu ihm Maria über die Chorschranke half. »Als er sieben Jahr alt war, und mit anderen Knaben bey einem Marien-Bild scherzte und spielte. schrauffte er sich bisweilen von diser Gesellschafft ab und botte dafür ein Stücklein Brodt oder einen Apfel der seeligsten Jungfrauen oder ihrem Kind an, welches sie auch offtermahls annahmen. Anderemahl ladete ihn die Glorwürdige Jungfrau selbsten ein, daß er sich mit ihren Göttlichen Sohn erlustigen solte auff der Kirchenkantzel, wo sie ihm erschinen ware, under welchen heiligen Kurzweilen der unschuldige Jüngling über die Maßen getröstet wurde« (Marianisches Tag-Buch, Bd 1, S. 354; vgl. Ribadeneira-Hornig, Bd 3, 7.4., S. 372–89; Sausseret, S. 261; Marienlexikon Bd 3, S. 148 f.). Später nannte ihn Maria selbst ihren Capellan und gab ihm den Namen ihres Bräutigams Joseph, als Zeichen seiner mystischen Vermählung mit ihr. Die im Bild wiedergegebene Madonnenfigur wird noch heute in St. Maria im Kapitol in Köln verehrt; die hohe Chorschranke, über die der Knabe geklettert sein soll, ist bis heute ein Schmuckstück der mittelalterlichen Kirche.
W8 KEUSCHHEITSGELÜBDE DES ALOYSIUS VON GONZAGA Der elegant gekleidete Jüngling in rotem Gewand und blauem Umhang mit goldenen Borten kniet vor Maria, die ihm mit dem Kind in Wolken erscheint. Er legt eine Hand zum Schwur an die Brust und hält in der anderen eine Lilie. Vor ihm liegt ein Buch, darauf ein Rosenkranz.
Aloysius von Gonzaga SJ (Fest 21.6., * 1568 Castiglione bei Mantua, † 21.6.1591 Rom) entstammte dem vornehmen Geschlecht der Gonzaga. Er verbrachte seine Schulzeit in Florenz und wurde 1581 Page am Hof Philipps II. in Spanien. 1585 verzichtete er auf sein Erbe und trat bei den Jesuiten in Rom ein. 23jährig starb er durch Ansteckung bei der Pflege Pestkranker.
Zwei Marienerscheinungen werden aus seinem Leben berichtet: Angeregt durch ein Buch des Kaspar Loarte SJ über den Rosenkranz legte er als Zehnjähriger vor einem Bild der Verkündigung Mariens in der Servitenkirche in Florenz das Keuschheitsgelübde ab. »Da er zehen Jahr alt zu Florentz sich auffhielte, hat er der Mutter Gottes vor ihrem wunderbarlichen Gnaden-Bild der Verkündigung ewige Jungfrauschafft verlobet« (Marianisches Tag-Buch, Bd 1, 21.6., S.638). Als Page in Madrid trug er sich mit dem Gedanken, ins Kloster zu gehen. Am Himmelfahrtsfest Mariens 1583 hörte er in der Marienkapelle des kaiserlichen Kollegs nach dem Empfang der hl. Kommunion den Ruf Mariens, er solle sich in der Gesellschaft Jesu aufnehmen lassen (Ribadeneira-Hornig, Bd 1, 20.6., S. 860, Bd 3, 20.6., S. 789-820; Marienlexikon Bd 1, S. 106). Buch, Rosenkranz und Lilie in unserer Darstellung beziehen sich auf das Ereignis in Florenz.
Aloysius ist der jüngste in dem Heiligenzyklus, sein Aussehen bezieht sich auf ein authentisches Porträt: weiches, schmales Gesicht, von leicht gelocktem Haar umrahmt; lange Nase und engstehende Augen (s. dazu Heiligenporträts, Kat. Graphisches Kabinett Stift Göttweig, 1988).
Es gibt zahlreiche Werke über Marienvisionen, und die Kataloge der Burghauser Jesuitenbibliothek (BSB Cbm, Cat. 302 303, 313) führen mehrere Titel an. Das »Marianische Tag Buch« von 1695, in dem für jeden Tag des Jahres heilige Marienverehrer vorgestellt werden, wurde beim Entwerfen des Programms sicher benutzt, denn bis auf Sebald von Dänemark und Emerich von Ungarn finden sich hier alle in der Aula dargestellten Heiligen. Bei der Auswahl ließ man sich zunächst von der Bestimmung des Saals leiten. Er war nicht nur Kongregationssaal, sondern auch Aula des Jesuitengymnasiums: In den vielen jugendlichen Heiligen sind Vorbilder für die Studierenden zu sehen, ebenfalls in den vielen Szenen von Keuschheitsgelübden. Sieben Heilige geloben Keuschheit (Alexius, Sebald, Emerich, Hermann Joseph, Kasimir, Stanislaus, Aloysius), fünf von ihnen halten als Attribut der Reinheit eine Lilie in der Hand. Die vornehme Herkunft und sorgfältige Erziehung scheint auch ein Kriterium bei der Auswahl gewesen zu sein (Alexius, Sebald, Johannes von Damaskus, Kasimir, Emerich, Stanislaus und Aloysius); als vorbildliche Erzieher gelten König Stephan und Franz Borgia.
Bei den Marienerscheinungen lassen sich drei Typen von Visionen unterscheiden; danach wird bei der Darstellung des Erscheinens die Gestalt Mariens variert.
Die Wunder: Bei den frühen Heiligen, z.B. Johannes von Damaskus, Theophilus, Wilhelm greift Maria helfend ein. Dem hl. Stephan hilft sie im Kampf. Den beiden Bischöfen Bonitus und Ildefons schenkt sie ein Meßgewand. Ihr Erscheinen ist mit einer Handlung verbunden. In all diesen Szenen tritt Maria in voller Gestalt und Lebensgröße zu dem Heiligen hin; nur die Wolke, vor und auf der sie erscheint, weist auf den himmlischen Charakter ihrer Gegenwart hin.
Die Visionen: Hermann Joseph, Stanislaus und Aloysius erlebten Maria in Visionen. In diesen Szenen ist Maria auch ganzfigurig dargestellt, aber ihre Füße treten auf Puttenköpfchen.
Die Gelübde: Wo es sich um Gelöbnisse handelt, wie bei Sebald und Alexius, Kasimir und Emerich, Ignatius und Franz Xaver, Maria erscheint nur in Halbfigur und erhöht in Wolken.
In zwei Fällen, bei Hermann Joseph und bei Franz Borgia, sind konkrete Marienbilder, das Marienbildnis des Evangelisten Lukas in S. Maria Maggiore in Rom bzw. die Madonna in St. Maria im Kapitol in Köln dargestellt.
Ein weiterer Gesichtspunkt bei der Auswahl könnten die von Franz Borgia im Orden eingeführten sog. Monatsheilige gewesen sein: unter den Jesuiten war es Brauch, sich einer Heiligen für jeden Monat auszulosen und sich ihm während dieser Zeit in besonderer Andacht zuzuwenden (Kurfürst-Maximilian-Gymnasium 1997, S. 85). Tatsächlich sind bei den Festen der dargestellten Heiligen alle 12 Monate vertreten: Januar mit Bonitus (15.1.) und Ildefons (23.1.), Februar mit Theophil (4.2.) und Wilhelm (10.2.), März mit Kasimir (4.3.), April mit Hermann Joseph (7.4.), Mai mit Johannes von Damaskus (6.5.), Juni mit Aloysius (21.6.), Juli mit Alexius (17.7.) und Ignatius (31.7.), August mit Sebald (19.8.), September mit Stephan (2.9.), Oktober mit Franz Borgia (10.10.), November mit Emerich (4.11.) und Stanislaus (13.11.) und Dezember mit Franz Xaver (3. 12.).
Die Marienverehrung war ein zentrales Anliegen des Jesuitenordens. Über die marianischen Kongregationen wurden alle geistlichen und bürgerlichen Stände erreicht und in der Andacht zu Maria vereint. Der Versammlungsraum hatte den Charakter einer Kapelle mit Bänken und an der Ostseite einen baldachingerahmten Altar mit einer Darstellung der Verkündigung Mariens (Abb. in: Kurfürst-Maximilian-Gymnasium 1997, S. 85 und 95; der Altar kam 1874 in die Josephskirche). Der Münchner Kongregationssaal, 1698/1750 ausgestattet (nicht erhalten), hatte einen ähnlichen Baldachinaltar. An den Wänden waren zwei Gemäldezyklen, Ordensgründer und Heilige in Marienvisionen (Abb. CBD, Bd 3, I, S. 239). Im Kongregationssaal in Ingolstadt schmücken die Wände ebenfalls Heilige in Marienvisionen.
Höhepunkte des Kongregationsjahres bildeten die Marienfeste: Unbefleckte Empfängnis, Mariä Reinigung, Mariä Geburt, Mariä Himmelfahrt und das Patrozinium Mariä Verkündigung. Zu diesen und anderen Anlässen waren Theateraufführungen wichtige Ereignisse. Wie bekannt damals noch für uns heute völlig fremd gewordene Heilige wie Theophilus oder Emerich waren, belegen zwei Theaterstücke: »Theophilus, Dreyfacher Krieg einer Gottliebenden Seel, wider das Fleisch, die Welt, den Teufel« von Wenzeslaus Stadler, 1675 aufgeführt, und »Emericus Hungariae« von Ferdinand Silbermann, 1707 aufgeführt (Kurfürst-Maximilian-Gymnasium 1997, S. 127).