Bremen, ehem sog Caesarsches Haus
Inventarnummer: cbdd20235
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Aus dem Caesarschen Haus haben sich zahlreiche Wandbespannungen erhalten. Die qualitätsvolle Malerei von ca. 1770 zeigt ideale mitteleuropäische und mediterrane Landschaften mit Schäfern und Hirten, Wäldern, Gewässern, Bergen, zeitgenössischen Bauten und Ruinen.

Das ehem. sog. Caesarsche Haus in Bremen
Kurzbeschreibung und Lage
Das sog. Caesarsche Haus[1] stand an der Nordseite des zentralen Bremer Platzes Domshof in unmittelbarer Nähe zu Dom und Rathaus. Das Grundstück dieses Bürger- und Kaufmannshauses reichte nach Norden bis zur Herdentorswallstraße. Dort standen ein Packhaus mit Stall und Remise. Zwischen dieser Gebäudegruppe und dem Haupthaus befand sich ein 28 Meter tiefer Garten.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Gebäude wurde 1768 für den Ältermann und Kaufmann Conrad Wilhelmi erbaut und ersetzte einen älteren Vorgängerbau. Wilhelmis Witwe verkaufte das Anwesen 1805. 1836 gelangte es an den Senator Gerhard Caesar, von dem es seinen Namen hat. 1900 kam das Haus mit seiner weitgehend wandfesten erhaltenen Ausstattung an die Stadt Bremen und wurde 1917 in die Denkmalliste aufgenommen. Damals war die Ausstattung bereits zu großen Teilen entfernt.Obwohl es als „das einzige repräsentative und völlig erhaltene Patrizierhaus in Bremen aus der Endzeit des bürgerlichen Rokokos (Zopfstil)“ [2] den Zweiten Weltkrieg überstanden hatte, wurde das Denkmal 1956 abgerissen.[3]
Beschreibung
Zum Domshof verfügte das Haus mit 8,97 Metern Breite nur über drei Achsen. Es hatte drei Geschosse und einen abschließenden Giebel. Das Erdgeschoss wurde von rustizierten Lisenen gegliedert, auf denen jonische Kolossalpilaster ruhten, die die oberen Etagen zusammenfassten. Die Eingangstür befand sich in der linken Achse. Die Fenster des höheren Hauptgeschosses bekrönten außen Dreiecksgiebel und innen Segmentgiebel. Die Gartenseite des 265 Meter tiefen Hauses war breiter und verfügte über fünf Fensterachsen. Die Fassade war dichter durchfenstert und bedeutend schlichter gestaltet als die Seite zum Platz. Von der Eingangstür ausgehend führte ein Flur durch das gesamte Erdgeschoss. In der Gebäudemitte erschloss ein offenes Treppenhaus neben einem Lichthof die Stockwerke. Das Hauptgeschoss im ersten Obergeschoss verfügte zum Garten hin über je zwei große helle Räume, die miteinander verbunden waren.[4]
Die translozierte Wandmalerei aus dem sog. Caesarschen Haus
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Wandmalerei ist um 1770 (also unmittelbar nach der Fertigstellung des Hauses) von einem unbekannten Maler in Öl auf Leinwand für Conrad Wilhelmi geschaffen worden. Ursprünglich war die Malerei – wie auch heute – mit vergoldeten Leisten gerahmt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie ausgebaut. Reste der Leinwandbespannungen mit Landschaftsmalerei sowie Abformungen des Rokokostucks befanden sich bereits 1927 im Focke Museum in der Großenstraße und kamen nach Auslagerungen im Zweiten Weltkrieg 1953 in das Haus Riensberg, dem neuen Standort des Focke-Museums, wo sie noch heute auf zwei Räume verteilt zu sehen sind.[5]
Beschreibung und Ikonographie
Die einzelnen Leinwände zeigen durchweg dramatisch bewegte ideale Landschaften aus dem mitteleuropäischen und mediterranen Raum. Trotz bukolischer und pastoraler Szenen sind die Darstellungen keine Idyllen, sondern weitgehend heroisch. Oft wird der Vordergrund betont, wo meist Menschen agieren. Dahinter erstreckt sich dann ein tiefer Landschaftsraum, der teilweise von antiken Ruinen, aber auch von Städten und Gewässern belebt ist. Überwiegend sind Laubbäume dargestellt. Die Supraporte hat eine andere Anmutung: Sie zeigt höfische Menschen des Rokoko in der Natur.[6]
Supraporte mit höfischer Gesellschaft

Beschreibung und Ikonographie
Am Rand eines Gehölzes halten sich Angehörige der höfischen in Gesellschaft in zwei voneinander getrennten Gruppen auf. Links lagern drei Damen und ein Cavalier auf dem Grün, von rechts nähert sich ein Paar.
Landschaft mit rastenden Wanderern, Fuhrwerken und Hirten

Beschreibung und Ikonographie
Das sehr breite Bild ist über die Raumecke gezogen. Hohe grüne Bäume teilen das Bild in zwei ungleiche Hälften, links ein Drittel und rechts zwei Drittel. Im linken Drittel erblickt man am Rande eines Flusses eine Rinderherde. Weitere Rinder und auch Schafe sind im rechts angrenzenden Wald auszumachen. Links lagern die Hirten. Im Mittelgrund quert eine Brücke den Fluss. Ein Rinderkarren fährt gerade auf sie zu. Hinter der Brücke steigen aus Laubbäumen die Bauten eines repräsentativen Anwesens empor. Noch weiter hinten geht der Blick zwischen Bergen hindurch in eine weite Ferne. Im rechten Bildteil, in der Mitte des Gesamtbildes, stehen zwei Wanderer am Rand eines Weges, der durch den tiefen Wald führt. Im Mittelgrund naht ein Ochsenkarren. Weiter rechts führt ein wildes Gewässer in die Bildtiefe zu einer Brücke, hinter der zwischen Bergen hindurch der Blick ebenfalls in die Ferne geht. Im Wald in der Bildmitte ist eine weitere Menschengruppe auszumachen. Überragt wird dieser Bildteil von einem steilen bewaldeten Berg, an dessen Plateaurand eine Burg steht.
Waldstück

Beschreibung und Ikonographie
Das schmale Bildfeld gewährt den Blick in einen menschenleeren Wald.
Landschaft mit Brücke und Rinderherde

Beschreibung und Ikonographie
Angler und Anglerinnen gehen an einem Fluss ihrer Arbeit nach. Weiter rechts am Waldrand steht eine oberschlächtige Wassermühle, zu der ein Mann einen Sack Korn trägt. Darüber steigt aus dem bewaldeten Berghang ein Kloster auf. Nach links führt eine Holzbrücke über den Fluss. Am anderen Ufer weiden ein paar Rinder. Ihr Hirte ist in ein Gespräch mit einer Frau vertieft. Dahinter geht der Blick zwischen Bergen hindurch in eine unbestimmte Ferne. Man kann Städte ausmachen und auf den kahlen Höhen Burgen.
Waldstück mit drei Männern vor einer Ruine

Beschreibung und Ikonographie
Vor einer Ruine im Wald treffen zwei Männer auf einen Mönch. In Hintergrund erkennt man weitere Männer, die den Schluss zulassen, dass die Ruine als Kloster oder zumindest als Unterkunft für Eremiten dient.
Weidende Rinder unter einem Baum im Wald

Beschreibung und Ikonographie
In einem lichten Wald an einem Wasserlauf grast unter Bäumen eine Rinderherde.
Landschaft mit See und Wasserfall

Beschreibung und Ikonographie
Die sehr breite Landschaft ist um die Raumecke gezogen. Sie wird von einem See dominiert, der sich im Bildvordergrund mit einem Wasserfall in einen Fluss ergießt. Rechts im Mittelgrund weidet ein Schäfer seine Herde. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees erhebt sich über einem Steilufer eine Burg. Weiter im Hintergrund erkennt man weitere Bauten. Im Vordergrund lagern mehrere Frauen am Fluss. Hinzu kommt rechts ein Paar. Während im Bildvordergrund ein dichter Wald steht, wird der Hintergrund durch kahle Anhöhen bestimmt. Diese rufen zusammen mit wenigen schlanken Zypressen einen italienischen Eindruck hervor.
Fluss mit Ruine im Hintergrund

Beschreibung und Ikonographie
An einem Fluss gehen Wäscherinnen und ein Fischer ihrer Arbeit nach. Weitere Personen halten sich an beiden Ufern auf. Jenseits des Flusses steht auf einer Anhöhe eine Ruine. Im Hintergrund ist ein Aquädukt zu erkennen. Der Blick in die Tiefe wird von eher kahlen Höhen gerahmt.
Wasserfall unterhalb einer Stadt im Gebirge

Beschreibung und Ikonographie
Die Bildmitte bestimmt ein hoher Wasserfall. Oben steht an seinem Rand eine Stadt mit Mauern und Rundtempel. Hinter ihr ragen steile Abhänge und kahle Berge auf. Die ganze Szenerie erinnert an die Wasserfälle von Tivoli, ohne dass Tivoli dargestellt wäre.
Landschaft, Schauspieler und Belvedere im Hintergrund

Beschreibung und Ikonographie
Fast unbekleidete antikisierte Gestalten agieren auf einer Wiese im Vordergrund gleich Schauspielern. Rechts und links betrachten andere Menschen in zeitgenössischer Tracht das Paar. Dahinter fließt ein Fluss, an dessen Ufer ein Schäfer seine Herde weidet. Hinter einem dichten Wald ragt eine Burg mit Belvedere empor. Im Mittelgrund sind die Reste eines Aquädukts auszumachen. Rechts im Wald steht die Ruine eines antiken Tempels.
Bibliographie
- Literatur:
- Bremen und seine Bauten, 1900. – Bremen und seine Bauten. Bearbeitet und herausgegeben vom Architekten- und Ingenieur-Verein. Bremen 1900.
- Christiansen, Focke-Museum, 1998. – Christiansen, Jörn: Focke-Museum. Ein Führer durch die Sammlungen (Veröffentlichungen des Bremer Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte, Focke-Museum, 98). Bremen 1998.
- Löhr, Landesmuseum, 1983. – Löhr, Alfred: Bremer Landesmuseum. Haus Riensberg (Schnell Kunstführer, 1220). München/Zürich 1983.
- Lührs, Domshof, 1979. – Lührs, Wilhelm: Der Domshof. Geschichte eines bremischen Platzes. Bremen 1979.
- Stein, Bürgerhaus, 1970. – Stein, Rudolf: Das Bürgerhaus in Bremen (Das deutsche Bürgerhaus, 13). Tübingen 1970.
Einzelnachweise
- ↑ Lührs, Domshof, 1979, S. 174-179.
- ↑ Lührs, Domshof, 1979, S. 176.
- ↑ Lührs, Domshof, 1979, S. 174-179; Stein, Bürgerhaus, 1970, S. 77.
- ↑ Lührs, Domshof, 1979, S. 174, 178; Stein, Bürgerhaus, 1970, S. 77.
- ↑ Christiansen, Focke-Museum, 1998, S. 188; Löhr, Landesmuseum, 1983, S. 10; Lührs, Domshof, 1979, S. 177.
- ↑ Christiansen, Focke-Museum, 1998, S. 188; Löhr, Landesmuseum, 1983, S. 10.