Breese im Bruche, Gutskapelle
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Die Ausmalung der Gutskapelle von 1595 umfasst eine komplett mit Propheten und Aposteln bemalte Decke sowie zwei Emporenzyklen zum Leben Jesu sowie zum Gleichnis des Verlorenen Sohns. Das geschlossen reformatorische Programm ist auf die Rechtfertigung vor Gott ausgerichtet.
Das Rittergut
Breese im Bruche
Breese im Bruche ist ein Ortsteil der Gemeinde Jameln in der Samtgemeinde Elbtalaue im niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg.
Geschichte und Beschreibung
Das ehemalige Rittergut in Breese im Bruche gehörte von 1517 bis in die 1950er Jahre der Familie der Grafen Grote.[1] Dann wurde es an die Niedersächsische Landgesellschaft verkauft, aufgelöst und aufgeteilt. Die Kapelle verblieb jedoch im Besitz der Familie. 1958 wurden vom Gutsgebäude des 18. Jahrhunderts der Mitteltrakt sowie der Westflügel abgerissen. Lediglich der Ostflügel hat sich erhalten. Ebenfalls überkommen sind einige moderne Wirtschaftsgebäude und die ehemalige Gutskapelle vom Ende des 16. Jahrhunderts sowie ein Mausoleum.
Gutskapelle
Geschichte und Beschreibung
Die heute noch erhaltene Kapelle wurde ab 1592 für Otto Grote und seiner Frau Elisabeth von Holle erbaut.[2] Sie ersetze eine Kapelle, die Ottos Vater Jakob 1563 hatte errichten lassen.
Kurzbeschreibung und Lage
Die ehemalige Gutskapelle[3] steht am Nordrand von Breese im Bruche, östlich des ehemaligen Rittergutes in einem Friedhof.
Auftraggeber
Das Auftraggeberpaar stammte aus alten Familien.[4] Die Grote sind eine uradelige Familie, die in Mittelalter und Neuzeit wichtige Funktionen und bedeutende Ämter im Herzogtum Braunschweig und Lüneburg innehatte sowie herausragende Politiker hervorbrachte. Von Grote ließ ab 1610 auch in Stillhorn eine Kapelle erbauen, die trotz spätere Veränderungen an Breese erinnert.[5] Die Familie von Holle ist seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar und war in Niederdeutschland weit verzweigt. Eberhard von Holle war 1561-86 Bischof von Lüneburg. Elisabeths Schwester Anna heiratete Jürgen Klencke, mit dem sie Schloss Hämelschenburg erbauen ließ.[2]
Baubeschreibung
Die Kapelle[6] ist ein rechteckiger Backsteinbau, dessen untere Mauerbereiche aus Feldsteinen aufgeführt sind. Sie wird von einem Satteldach abgeschlossen. Ihre Giebel sind mit Lisenen und Gesimsen gegliedert. Über dem Westgiebel erhebt sich ein kleiner Dachreiter aus Fachwerk mit Glockenstuhl. Im Osten schließt sich eine Sakristei aus Fachwerk an. Zwei Eingänge liegen an der Südseite. Über dem westlichen – dem Haupteingang – nennt die Inschrift einer Sandsteinplatte die Bauherren und das Erbauungsjahr 1582: „ANNO DNI 1592 Hatt Otto Grote und Elisabet von Holle Diese Kirche zu bauwen angefangen vndt mit Gottes Hülffe uorfertigen Lassen“.[2]
Das Innere der Kapelle[2] nimmt einen rechteckigen Saal von ca. 16 x 8 Metern auf. In der östlichen Hälfte ist der Raum um eine Stufe erhöht. Während an der Südseite zu jeden Bereich je eine Eingangstür sowie je zwei Fenster gehören, nehmen die Wände im tiefer gelegenen Teil an der Westwand eine zwei- und an der Nordwand eine eingeschossige hölzerne Empore auf sechs steinernen Säulen auf. Die Emporen verdecken die drei westlichen Fenster der Nordwand sowie ein kleines weiteres Fenster im Westen der Südwand. Zwei weitere Fenster befinden sich in der Nordwand im erhöhten Teil beiderseits einer Tür. Im Osten steht der Altar, flankiert von zwei weiteren Fenstern in der Wand und bekrönt von einem Ochsenauge im Giebel. Der Raum ist mit einer hölzernen Tonne überwölbt.
Forschungsstand
Die Kapelle wurde bislang nicht eingehend untersucht. Lediglich Führer von Alfred Kelletat aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts geben über den Bau und seine Ausstattung Auskunft. Zur Deckenmalerei hat sich darüber hinaus äußerst knapp Rolf Gramatzki 1991 geäußert.
Innenraum
Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte
Die Kapelle ist 1592 erbaut worden. Ihre Ausmalung ist inschriftlich auf 1595 datiert.[7] Der Taufstein datiert um 1600, der Kanzelaltar stammt von 1717.[8] 1854 erfolgte eine Renovierung. 1887 schuf H. Langenschmidt aus Dannenberg eine vergröbernde Übermalung.[9] 1865 kam auf die Westempore eine neogotische Orgel, die heute wieder entfernt ist.[10] Umfangreihe Restaurierungen erfolgten 1976/77.[9] Eine weitere Restaurierung fand 1998-2001 statt.[11] Die Kapelle diente bis zur Errichtung des Mausoleums Anfang des 19. Jahrhunderts auch als Grablege für die Familie Grote.[12]
Beschreibung
Das Innere[2] der Gutskapelle nimmt ein rechteckiger Saal von rund 16 x 8 Metern ein. Er ist in der östlichen Hälfte um eine Stufe erhöht. Den gesamten Raum überwölbt eine Tonne, die komplett bemalt ist. Die Höhe der Wand beträgt 5,50 Meter, die Höhe der Wölbung 2,50 Meter. Im tiefer gelegenen Teil des Kirchschiffs stehen vor der Nord- und Westwand Emporen, deren Brüstungen mit Malerei geschmückt sind. „Mit ihrer einheitlichen Ausstattung und dem reformatorischen Programm der Ausmalung ist der Bau ein herausragendes Beispiel einer protestantischen Gutskapelle. Das hölzerne Tonnengewölbe ganz mit Malereien bedeckt, in Medaillons mit Beschlagwerkornamenten sind dargestellt: Szenen des Alten Testaments und Halbfiguren von Propheten und Aposteln, dat. und bez. ‚Hans Gödeke Walsrode pinxit 1595‘; zahlreiche Wappen der Vorfahren des Gründerpaares. […] Zahlreiche Epitaphien der Familie Grote, besonders zu beachten das für Otto Grote, dat. 1651, und die Grabplatte für einen anderen Otto Grote (+1616) mit ganzfiguriger Darstellung des Toten in Rüstung.“[8] In der Gesamtstruktur mit Emporen und Stufe zum Altarraum hat die Kapelle in Breese im Bruche architektonische Anregungen von der Schlosskapelle in Celle erhalten.[2]
Ausstattung
Die Gutskapelle von Breese im Bruche verfügt über eine bemerkenswerte Ausstattung überwiegend aus der Zeit um 1600. Zu ihr gehören eine zweigeschossige Empore an der Westwand, eine eingeschossige Empore an der Nordwand, ein Altarretabel, ein Taufstein sowie mehrere Grabsteine und Epitaphien.
Die Emporen
Die Emporenbrüstungen präsentieren Gemälde von Hans Gödecke aus dem Jahre 1595. Das erste Bild des Zyklus mit der Verkündigung trägt das Monogramm H. G. in einer Vertiefung im Boden links. Es dürfte sich auf Hans Gödecke beziehen, der auch die Decke der Kapelle bemalte.[13] Siebzehn Tafeln auf der unteren Empore zeigen auf der Westempore das Leben Jesu, beginnend mit der Verkündigung bis hin zum zwölfjährigen Jesus im Tempel. Auf Nordempore setzt sich die Geschichte fort. Sie beginnt mit der Taufe im Jordan und endet mit Himmelfahrt, Ausgießung der Heiligen Geistes sowie Aussendung der Jünger. Unter allen Bildern ist eine Texttafel angebracht, die meist entsprechende Bibelstelle zitiert und angibt. Zweimal ist allerdings ein Psalm genannt. Im Sinne der lutherischen Theologie jener Zeit handelt sich um die Erlösungsgeschichte der Menschheit. Es ist daher bemerkenswert, dass Abendmahl, Kreuzigung und Auferstehung fehlen. Am Ende der Empore an der Ostseite sind zwei Wappentafeln des Auftraggeberpaares angebracht. Auf der oberen Empore im Westen wird in sechs Bildern das Gleichnis vom verlorenen Sohn gezeigt.[13] Bis zum Ende des letzten Jahrhunderts befand sich hier eine Orgel von 1865.[14] Auch diese Bilder sind beschriftet, aber nicht mit einer eigenen Tafel, sondern auf dem Gemälde selbst am unteren Rand. Die Sprache ist auch nicht Deutsch, sondern Latein. Die Tafeln waren schwer beschädigt und präsentieren sich heute einem stark restaurierten Zustand mit vielen Retuschen. Das Thema des verlorenen Sohnes ist im Sinner Luthers die Rechtfertigung vor Gott. In diesem Gleichnis ist die unverdiente Gnade für den reuigen Sünder das Thema. Diese Bildserie wird von David und Paulus an der Wand flankiert, die beide große Beispiele für die Umkehr eines Sünders sind. Damit wird der Bezug zur Deckenmalerei wie auch zur unteren Empore hergestellt. Es geht um den sündigen Menschen und die Wiederaufnahme des reuigen Sünders durch die unverdiente Gnade Gottes.[15]
Der Altar
Vor der Ostwand der Kapelle erhebt sich ein Kanzelaltar von 1717. Er wurde Ernst Joachim Grote und seiner Frau Marianne du Faur de Pibrac gestiftet und trägt ihrer beider Wappen.[13] Vom ursprünglichen Altar und seinem Retabel haben sich keine Nachrichten erhalten. Es ist wahrscheinlich, dass es die an den Emporen fehlenden Darstellungen des Abendmahls, der Kreuzigung und Auferstehung zeigte.
Das Taufbecken
Die Taufe ist ein Geschenk der Verwandten der Erbauer der Kapelle, Lippolt von Bothmer und Marie Gese von Holle und mit ihrer beider Namen und Wappen geziert.[13]
Grabsteine und Epitaphien
Da die Gutskapelle auch Grablege der Familie Grote war, befinden sich noch heute zahlreiche Grabsteine und Epitaphien im Raum. Vor dem Altar liegt der Grabstein des Gründers Otto Grote.[19]
Das Wappen des Otto Grote
Das Wappen des Otto Grote ist an der kurzen Ostwand der unteren Emporen neben dem seiner Frau angebracht.
Das Wappen der Elisabeth von Holle
Das Wappen der Elisabeth von Holle ist an der kurzen Ostwand der unteren Empore neben dem ihres Mannes angebracht.
Die Heilsgeschichte
An der unteren Empore ist ein fünfzehnteiliger Zyklus mit Darstellungen der Heilsgeschichte bzw. aus dem Leben Jesu zu sehen.
Die Verkündigung an Maria
Die erste Szene zeigt die Verkündigung der Geburt Jesu an Maria. Maria kniet rechts am einem Pult, währen von links Gabriel auf sie zutritt. Über der Szene öffnet sich der Himmel und im göttlichen Licht erblickt man die Taube des Heiligen Geistes — umgeben von Engeln. Das Gemälde ist mit „H G“ signiert. Ihm ist deutschsprachiger Text beigegeben: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Krafft des Högsten wirt dich überschaffen. Lucæ. 1.“
Die Verkündigung an Joseph
Die zweite Szene zeigt die Verkündigung der Geburt Jesu an Joseph. Der Engel Gottes erscheint ihm im Schlaf, umgeben von weiteren Engeln. Unter dem Gemälde steht ein deutschsprachiger Text: „Sie wirt einen Sohn geberen des Namen soltu Iesus heisen da er wirt sein volck seig machen von ihren Sünden. Matth. 1.“
Die Anbetung der Hirten
Die dritte Szene zeigt die Anbetung der Hirten. Doch nicht nur Hirten, auch Engel beten das Kind an. Die Szenerie spielt in einer ruinösen Architektur, über sich der Himmel mit Engeln öffnet. Dem Gemälde ist ein deutschsprachiger Text beigegeben: „Ein Kindt ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, welches Herrschaft ist auf seiner Schulter. Ies. 9.“
Die Anbetung der Hl. Drei Könige
Die vierte Szene zeigt die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Maria und Joseph sind links, wobei die sitzenden Marie dem ältesten König, der bereits niedergekniet ist und sein Gold überreicht, das Kind präsentiert. Die anderen Könige sowie ihr Gefolge sind rechts hinter ihm zu sehen. Die Szenerie spielt in einer Ruinenarchitektur — durch eine zerborstene Kuppel erkennt man den Stern von Bethlehem. Zum Gemälde gehört deutschsprachiger Text: „Sie werden aus Saba alle kommen, Golt und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen. Esa. 60.“
Die Darbringung im Tempel
Die fünfte Szene zeigt die Darbringung Jesu im Tempel. Die betende Maria kniet vor dem Tisch, auf dem die beiden Opfertauben abgestellt sind. Jesus ist bereits von Simeon bzw. dem Hohepriester emporgehoben worden und wendet sich segnend zu seiner Mutter zurück. Bei der Frau hinter dem Altar dürfte es sich um Hanna handeln. Von oben kommt in einem Flammenfeld die Taube des Heiligen Geistes hernieder. Dem Gemälde ist deutschsprachiger Text beigegeben: „Da die Zeit erfüllet war, sante Gott seinen Sohn gebhoren von einem Weibe und unter das Gesetze gethan auf das er die so unter dem Gesetze wahren vom Gesetze erlösete. Gal. 4.“
Die Flucht nach Ägypten
Die sechse Szene stellt die Flucht nach Ägypten dar. Die heilige Familie hat sich im Bildvordergrund zur Rast niedergelassen. Joseph links pflückt Früchte, mit denen Jesus rechts gefüttert wird. Die Szenerie ist als hügelige mitteleuropäische Landschaft gestaltet. In ihr erblickt man die Familie ein zweites Mal: Joseph führt den Esel mit Maria und Jesus. Zum Gemälde gehört deutschsprachiger Text: „Aus Egypten habe ich meinen Sohn gerufen. Oseæ, 11, Iere. 31.“
Der zwölfjährige Jesus predigt im Tempel
Die siebte Szene zeigt den zwölfjährige Jesus, der im Tempel von einer Kanzel zu den anwesenden Gelehrten predigt. Von links treten gerade Maria und Joseph in den Raum. Dem Gemälde ist deutschsprachiger Text beigegeben: „Er ist uns von Gott gemacht zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung. 1. Cor. 1.“
Die Taufe im Jordan
Die achte Szene zeigt die Taufe Jesu im Jordan. Jesus steht im Wasser, während der links stehende Johannes ihn tauft. Aus dem Himmel kommt auf einem Lichtstrahl die Taube des Heiligen Geistes herab. Dem Gemälde ist deutschsprachiger Text beigegeben: „Dis ist mein Lieber Sohn an welchem ich Wolgefallen habe. Matth. 3.“
Die Versuchung Christi
Die neunte Szene stellt die Versuchung Christi dar. Der Heiland lehnt sich am linken Bildrand an einen Baumstamm und argumentiert mit dem in der Mitte stehenden Teufel. Dieser ist als Monstrum mit verschiedenen tierischen Körperteilen dargestellt. Im Bildhintergrund ragt in der Mitte ein steiler Berg auf. Dem Gemälde ist deutschsprachiger Text beigegeben: „Wir haben nicht einen Hohen Priester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unser Schwacheit, sondern der versucht ist allenthalben gleich wie wir „Hæbre. 5.“
Die Hochzeit zu Kana, darunter Psalm 37
Die zehnte Szene zeigt die Hochzeit von Kana. Wir sehen jenen Moment, in dem Jesus den Diener auf die Wasserkrüge verweist, die am vorderen Bildrand aufgereiht stehen. Unter dem Gemälde steht deutschsprachiger Text: „Ich bin jung gewesen, und alt worden, und habe noch nie gesehen den Gerechten verlassen oder seinen Samen nach Brod gehen. Psl. 37.“
Der Einzug in Jerusalem
Die elfte Szene präsentiert den Einzug Jesu Christi in Jerusalem. Der segnende Jesus reitet auf dem Esel von links nach rechts, während Menschen vor ihm ihre Kleider ausbreiten. Links ist ein Mann auf einem Baum gestiegen, um von dort einen besseren Blick auf das Geschehen zu haben. Er schneidet keine Zweige. Zum Gemälde gehört ein deutschsprachiger Text: „Hosianna dem Sohn David, gelobet sei der das kompt, im nahmen des Herren Hosianna in der Höhe. Iohan. 12.“
Die Fußwaschung
Die zwölfte Szene zeigt die Fußwaschung. Jesus kniet vor seinen sitzenden Jüngern am Boden und ist Begriff, Petrus linken Fuß zu waschen. Dem Gemälde ist deutschsprachiger Text beigegeben: „Ein new Gebot gebe ich euch. das ihr euch untereinander liebet. wie ich euch geliebet habte. Ioh: 13.“
Christi Himmelfahrt
Die 13. Szene zeigt Christi Himmelfahrt. Die Menschen sind um dem Berg versammelt, von dem Christus in den Himmel auffährt. Er ist bereits fast entschwunden — nur seine Füße sind noch in einer Wolkenöffnung zu sehen, durch die göttliches Licht auf die Erde herabscheint. Zu den Seiten der Öffnung sind zwei Engel zu sehen. Dem Gemälde ist deutschsprachiger Text zugeordnet: „Du bist in die Höhe gefahren und hast das Gefengnis gefangen geführt. du hast Gaben emfpangen für die Menschen: Psal: 68.“
Die Ausschüttung des Hl. Geistes
Die 14. Szene zeigt die Ausschüttung des Hl. Geistes. Die Jünger und Maria sitzen in einem geschlossenen Raum, der an der Rückwand durch eine Fensteröffnung Licht erhält. Der Heilige Geist ist bereits über die Anwesenden gekommen, was an den Flammen auf ihren Häuptern zu sehen ist. Man sieht ihn vor dem Fenster wieder in die Wolken auffahren. Zur Darstellung gehört ein deutschsprachiger Text: „Über das Haus David und über die Bürger Ierusalem will ich ausgiesen den Geist der Gand und des Gebets. Zach. i2“.
Die Aussendung der Jünger (mit Psalm)
Die letzte Szene zeigte die Aussendung der Jünger. Man sieht zwei Paare in die Welt hinausziehen. Dem Bild ist ein deutschsprachiger Text beigegeben: „Der Herre gibt das Wort mit grossen Scharen Evangelisten Psl. 68“.
Das Gleichnis vom Verlorenen Sohn
An der oberen Westempore wird ein sechsteiliger Gemäldezyklus mit Darstellungen aus dem Gleichnis vom Verlorenen Sohn präsentiert.
Der verlorene Sohn lässt sich seinen Erbteil auszahlen
Die erste zeigt, wie der Sohn sich sein Erbteil auszahlen lässt. Er steht aufrecht in der Bildmitte, während Diener sein Erbteil einpacken. Dem Bild ist ein lateinischer Text beigegeben: „Cuvncta Pater natis bona dividit ipse dvobvs“
Der Abschied des Verlorenen Sohnes
Die zweite zeigt, wie der Sohn seinen Vater verlässt. Es sitzt bereits auf seinem Pferd und verabschiedet sich. Dem Bild ist ein lateinischer Text beigegeben: Filivs acceptis opibus minor extræ qværit“.
Die Verschwendung des verlorenen Sohnes
Die dritte zeigt die Verschwendung des verlorenen Sohnes. Man sieht ihn in einer Gartenlaube an einem Tisch tafeln, während er seinen Arm um die Taille einer Frau legt. Es wird musiziert und getrunken. Der Abbildung ist ein lateinischer Text beigegeben: „Et venere et baccho bona decoqvit omia natvs.“
Der verarmte Verlorene Sohn wird aus dem Haus gejagt
Die vierte zeigt, wie der inzwischen mittellose Sohn gewaltsam aus dem Haus auf die Straße gejagt wird. Dem Bild ist ein lateinischer Text beigegeben: „omnibvs absvmptis serventi ex […] pellitvrira.“
Der Verlorene Sohn im Elend
Die fünfte zeigt den verlorenen Sohn im Elend. in Lumpen gekleidet hütet er Schweine. Dem Bild ist ein lateinischer Text beigegeben: „Pasceret viti iliqvis ventremv[…] pascere porcos“.
Die Heimkehr des Verlorenen Sohnes
Die letzte zeigt die Heimkehr des Verlorenen Sohnes. Sein Vater beugt sich nieder und hebt den vor ihm knienden in Lumpen gekleideten Sohn empor. Dem Bild ist ein lateinsicher Text beigegeben: „Filio habet genitor convivial æta reverso.“
Deckenmalerei
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Brettertonne der Gutskapelle von Breese im Bruche wurde 1595 von Hans Gödecke aus Walsrode in Temperamalerei ausgemalt.[16] Vermutlich wurden bei einer Restaurierung 1857 die Rahmen der Medaillons erneuert. 1887 erfolgte eine vergröbernde Übermalung von H. Langschmidt aus Dannenberg. 1976/77 wurden die Malereien durch die Firma Ochsenfahrt restauriert, die großflächigen Retuschen vor allem der Übermalung des 19. Jahrhunderts vornahm. Die erhaltenen Originalreste waren zu gering, um die ursprüngliche Malerei wiederherzustellen. Eine weitere Restaurierung erfolgte 1998-2001 mit Punkt- und Strichretuschen. Unter der heutigen vergröbernden Fassung des 19. Jahrhunderts liegen eine und teilweise auch zwei ältere Fassungen. Das Ultramarinblau der Gewänder ist eine Zutat des 19. Jahrhunderts; ehemals waren sie graugrün und rötlich. Lediglich beim Propheten Jeremias ist seit 1977 ein Feld mit der ursprünglichen Malerei nach Abnahme der Überfassungen zu sehen.
Beschreibung und Ikonographie
Die gänzlich ausgemalte hölzerne Tonnendecke[17] wird durch aufgesetzte Gurte in vier Abschnitte unterteilt. Diese werden wiederum von Rippen in je ein Mittelquadrat und sechs Dreiecke untergliedert. An den Schnittpunkten sind Hängezapfen, Engelsköpfe u. ä. angebracht. So entstehen insgesamt vier Mittelfelder und 24 seitliche Dreiecke.
In den vier Mittelfeldern werden in vier gemalten großen Medaillons in Roll- und Beschlagwerk alttestamentliche Szenen gezeigt: von Osten nach Westen sind es der Sündenfall, die Sündflut, die Opferung Isaaks sowie die Erhöhung der ehernen Schlange. Zu jeder Darstellung gehört eine Texttafel über der Medaillons, in der eine Bibelstelle genannt wird, eine Texttafel und dem Medaillon, die den Vers wiedergibt sowie rechts und links je eine Kartusche, in der jeweils ein Wappenpaar präsentiert wird.[18] Die Ansichtigkeit der Bilder und Texte ist vom Altar im Osten aus gegeben. Leere Flächen sind mit Akanthusranken gefüllt. Alle Kartuschen und Tafeln sind hier wie auch sonst an der Decke scheinbar mit Weißen Nägeln an der Decke befestigt.
In den zwölf dreieckigen Seitenfeldern an der Nordseite der Decke werden zwölf Propheten des Alten Testamentes gezeigt – vier sogenannten Große und acht so genannte Kleine Propheten. Es sind Jesaja, Jeremias, Ezechiel, Daniel, Hose, Joel, Amos, Obadja, Jonas, Micha, Nahum und Habakuk (für vier weitere Kleine Propheten fehlte der Platz, da man sie den zwölf Aposteln gegenüberstellen wollte). Die Halbfiguren werden zusammen mit ihrem Namen in gemalten Medaillons mit reichem Roll- und Beschlagwerk präsentiert. Zur jeder Darstellung gehört unter dem Medaillon ein Bibelvers aus ihren Schriften sowie neben oder über ihm eine Wappenkartusche.[19] Das Feld des Jeremias in der Nordostecke ist bis auf die erste Malschicht freigelegt. Dort kann man die für solch eine farbige Fassung ursprünglich relativ hohe Qualität der Deckenmalerei vor allem im Figürlichen noch erahnen.[20]
In den zwölf Seitenfeldern der Südseite der Decke werden die zwölf Apostel in Medaillons präsentiert. Die Halbfiguren sind mit Namen beschriftet und werden Roll- und Beschlagwerkkartuschen präsentiert. Es sind von Ost nach West: Petrus, Andreas, Johannes. Jakobus d. Ä., Tohmas, Jacobus d. J., Phililppus, Bartholomäuns, Judas Taddäus, Simon, Matthäus, Mathias. Unter den Dargestellten ist von Ost nach West das Glaubensbekenntnis geschrieben. Zu jeder Kartusche gehört ein Medaillon mit einem Wappenpaar – entweder neben oder über dem jeweiligen Apostel.[21]
Die Wappenpaare — es sind beschriftete und nummerierte Allianzwappen — stehen für die Vorfahren von Bauherr und Baufrau. Es werden jeweils fünf Generationen mit 32 Wappenschilden belegt. An der Nordseite sind die Vorfahren Otto Grotes zu sehen, an der Südseite die Elisabeth von Holles.[22] (Ihre eigenen Wappen befinden sich an der Ostseite der Nordempore gegen den Altar hin).
Ergänzend zum Bildprogramm der Tonne kommen in den Bogenfeldern an der Wand ganzfigurige beschriftete Darstellungen hinzu. Im Westen erblickt man beiderseits der oberen Empore links Paulus – auf der Seite der Apostel – und rechts König David – auf der Seite der Propheten. Im Osten sind Moses mit den Gesetzestafeln und einen entsprechenden Schriftzug links des Altars – auf der Seite der Propheten – und Johannes der Täufer mit einem entsprechenden Schriftzug rechts des Altars – der Seite der Apostel – zu sehen.[21] Über dem östliche Rundfenster zwischen Moses und Johannes dem Täufer benennt eine Inschrift Hans Gödecke aus Walsrode als Maler.[22] „Hans Gödecke Walsrode PINXIT 1595“. Hinzu kommen Hinweise auf spätere Restaurierungen: „H. Langschmidt Dannenberg renoviert 1854, in Wachs gemalt 1887“.
Das Bildprogramm der Decke
Die Decke der Gutskapelle zeigt ein sehr geschlossenes reformatorisches Programm.[22] Zugleich wird neben dem theologischen mit den Wappen auch ein genealogisches vorgestellt.[5]
Die vier alttestamentlichen Szenen in den großen Mittelfeldern stehen bei Lutheranern gemäß ihrem Typologieverständnis in jener Zeit für Gesetzt und Gnade. Christus wird als neuer Adam verstanden, die Sintflut als Taufe, Opferung des Isaak als der Kreuzestod Christ und die Erhöhung der Schlange als Ewiges Leben.[5] Es sind die Antitypen zu Jesus Christus zu sehen und zugleich die Erlösungsgeschichte der Menschheit. Der Sündenfall kann als Anfang der Trennung des Menschen von Gott verstanden werden und ist ursächlich für den Tod des Gottessohnes am Kreuz. Dieser ist der neue Adam. Die Sintflut ist das erste große Strafgericht, aber auch der Typus für die Taufe, in der der alte Adam ersäuft wird und der neue Mensch aus ihr hervorgeht. Die Opferung Isaaks und die Eherne Schlange des Moses sind Typen für die Kreuzigung, wobei der Glaube an das Kreuz bzw. an das von Mose auf Gottes Geheiß errichtete Symbol die Errettung vom Tode bringt. So wird die Menschheit zuletzt vom Tode erlöst und erhält das Ewige Leben.[23]
Bei Propheten und Aposteln sind Typen und Antitypen ins Bild gesetzt. Die Apostel stehen für das christliche Glaubensbekenntnis, das im Sinne Luthers die Essenz des Christlichen Glaubens ist. Es ist in Schriftzügen komplett abgebildet. Dabei ist die Reihenfolge der Apostel nicht genau festgelegt, wenn auch überall Petrus als erster und als letzter Matthias steht, der an Stelle des Verräters Judas durch Los hinzugewählt wurde. Es folgt an der Wand mit Paulus ein Sünder, der die Gnade Gottes erlangt hat und damit ein Hinweis auf die Rechtfertigung. Am Anfang steht Johannes der Täufer, der Christus und damit den Erlöser ankündigt.
Den Aposteln stehen die Propheten des Alten Testamentes gegenüber. Es sind dies in der Reihenfolge ihrer Bücher im Alten Testament die vier sogenannten großen Propheten, beginnend mit Jesaja und die kleinen Propheten bis Habakuk. Die ihnen beigegebenen Verse aus ihren Büchern entsprechen typologisch den Teilen des Glaubensbekenntnisses der ihnen gegenüber dargestellten Apostel. Offensichtlich erscheint das bei Thomas gegenüber von Hosea, Philippus gegenüber von Amos und Matthias gegenüber von Habakuk. Zusammenhänge, die nicht so offensichtlich sind, gibt es etwa bei Judas Thaddäus und Jonas, bei Jakobus Minor und Joel, wo sich die Weissagungen, Träume, Erscheinungen und die Offenbarung auf den Sohn, der zur Rechten des Vaters sitzt, beziehen. Darüber hinaus können die Aussagen des Glaubensbekenntnisses, wie auch der alttestamentlichen Texte, auf die Bilder in der Mitte der Tonne bezogen werden. Die eherne Schlange und damit die Erlösung des Menschen gehören zu den Worten „Vergebung der Sünden, Auferstehung des Vleisches und ein ewige Leben. Amen“ sowie „Die Weissagung wird ja auch erfüllet werden zu seiner zeit, und wird endlich frey antag kommen, und nicht aussen bleiben hab. 2,3“, „Sihe, auf den bergen kommen füsse einens guten Botten, der da Frieden predigt. Halt deine Feiertage, Juda, und bezahle deine Gelübte. Nahum 1,15.“ und „Komm, lasset uns hinauf zum berge des Herrn gehen, und zum hause des Gottes Jacob, daß er uns lehre seine wege, und wir auf seiner strassen wandeln. Micha 4,2.“ Die durchgehenden Gurtbögen stellen auch optisch diesen Zusammenhang her.
Das Hauptthema protestantischer Kunst, die Gegenüberstellung von Gesetz und Gnade, wird in Breese im Bruche in der Gegenüberstellung von Propheten und Aposteln erfahrbar. Auch die Personen an den Wänden in der Deckenzone gehören mit dazu. Mose mit den Gesetzestafeln und Johannes d. Täufer, der auf Christus hinweist. Mose galt als der erste große Führer und Prophet des Volkes Israel und steht dem letzten Propheten gegenüber, der Alte und Neues Testamten miteinander verbindet. So sind auch David und Paulus zu verstehen, die Moses und Johannes gegenüber präsentiert werden. David ist zwar keiner der Propheten, er ist aber aufgrund seiner Psalmen und seines Königtums eine der zentralen Figuren des Alten Testaments sowie ein Sünder, dem Gott vergeben hat. Ähnliches gilt für Paulus aus dem Neuen Testament. Er ist keiner als zwölf Apostel und doch ist ohne seinen Beitrag, etwa den Briefen, wäre das Neue Testament unvollständig. Mit dem Schwert verweist Paulus auf sein Martyrium und damit das Überwinden es alten Gesetztes durch die neue Gnade Gottes. Und auch Paulaus war ein Sünder, dem Gott vergeben hatte.[24]
Bezug der Deckenmalerei zur Malerei an den Emporen
Das Programm der Decke wird durch die Darstellungen an den Emporen vervollständigt.[23] Zum einen finden sich hier die Wappen des Erbauerpaares, während an der Decke die ihrer Vorfahren gezeigt werden. Zum anderen präsentieren die Emporenbrüstungen wichtige Darstellungen aus dem Leben Christi von der Verkündigung bis hin zur Aussendung der Jünger. Es fehlen allerdings Abendmahl, Kreuzigung und Auferstehung.
Den Zusammenhang mit Christus verdeutlichen die Bilder an den Emporen der West- und Nordseite, die das Leben Jesu bis zur Aussendung der Jünger zeigen, allerdings ohne Abendmahl, Kreuzigung und Auferstehung. Auf die Vergebung der Sünden beziehen sich die Gemälde auf der oberen Empore zwischen Paulus und David: Sechs Szenen schildern das Gleichnis vom verlorenen Sohn.
Programm und Vorbild
Verbindendes Element des ganzen Raumes ist die Rechtfertigung vor Gott. Das Glaubensbekenntnis, Alter und Neuer Bund, der Erlösertod Jesu Christi und die Gnade Gottes werden dabei aus Engste mit der Stifterfamilie verbunden. Das rückt die Kapelle und ihre Ausstattung in die Nähe der Celler Schlosskapelle. Formal erinnern die Emporen an West- und Nordwand an Celle. Inhaltlich ist das Programm der Decke in Breese im Bruche der Empore der Celler Schlosskapelle entlehnt. Dort werden Apostel und Propheten ebenfalls einander gegenübergestellt. Sowohl in Celle als auch in Breese werden die Bauherren und ihre Vorfahren im Wappen vorgestellt, wenn auch an unterschiedlichen Stellen. Kernaussage beider Kapellen ist die Gnade Gottes.
Da der originale Hauptaltar in Breese im Bruche verloren und sein Programm nicht bekannt ist, kann nur vermutet werden, dass wie in Celle eine Kreuzigung auf dem Retabel dargestellt wurde. Diese Vermutung wird zur Wahrscheinlichkeit, da sich am Emporenzyklus die entscheidenden Sezen von Abendmahl, Kreuzigung und Wiederauferstehung nicht finden.
Paulus
An der Westwand ist links neben der oberen Empore — also südlich — auf die Wand die beschriftete Figur von „ST. PAULUS“ gemalt. Der grün-blaugekleidete Paulus sitzt und hält in seiner rechten Hand ein Schwert seines Martyriums. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirkt die Darstellung heute roh und grob. Die Darstellung ist bereits auf der Höhe der Tonnendecke und damit in Zusammenhang mit den Aposteldarstellungen zu sehen, die auf der Südseite der Decke präsentiert werden. Das Gegenstück an der Ostwand ist Johann der Täufer. Das Gegenstück an der Nordseite der Wand ist König David. Da Paulus und David beide als Sünder bekannt wurden, denen Gott verzieh, nachdem sie bereuten, ist hier an eine Darstellung von Gesetzt und Gnade zu denken, wie sie auch die Decke zum Inhalt hat.
König David
An der Westwand ist rechts der Orgelempore — also nördlich — der beschriftete „KÖNIG DAVID“ dargestellt. Es sitzt auf einem einfachen Thron, ist bekrönt und hält mit seiner linken Hand eine Harfe. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirkt die Darstellung heute roh und grob. Die Darstellung ist bereits auf der Höhe der Tonnendecke und damit in Zusammenhang mit den Prophetendarstellungen zu sehen, die auf der Nordseite der Decke zu präsentiert werden. Das Gegenstück an der Ostwand ist Johann Moses. Das Gegenstück an der Nordseite der Wand ist Paulus. Da Paulus und David beide als Sünder bekannt wurden, denen Gott verzieh, nachdem sie bereuten, ist hier an eine Darstellung von Gesetzt und Gnade zu denken, wie sie auch die Decke zum Inhalt hat.
Moses
An der Ostwand, bereits im Bereich der Tonnendecke, ist die beschrifte Gestalt des „MOSES.“ gemalt. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirkt die Darstellung heute roh und grob. Moses steht aufrecht und hält mit seinen beiden Händen die beschrifteten Gesetztafeln. Auf ihnen steht geschrieben: „EXODUS XX. NON HABEBIS DEOS ALIENOS CORAM ME. NON ASSUMES NOMEN DOMINI DEI TUI IN VANUM. MEMENTO, UT DIEM SABBNATI SANCTIFICES. HOINORA PATREM TUUM ES MATREM TUAM, UT SIS LONGÆVUS SUPER TERRAM. NON OCCIDES. NON MŒCHABERIS. NON FURTUM FACIES. NON LOQUERIS CONTRA PROXINUM“ Es handelt sich damit um das, teilweise nicht vollständig wiedergegebene, 1. bis 8. Gebot nach dem Text der Vulgata. Neben Moses steht links ein weiterer Text auf die Wand geschrieben: Höre Israel die gebott und rechte / die ich heute für euern ohren rede / und lernet sie / und behaltet sie 7 daß ihr darnach thut. Mos. 5,1“
Die Darstellung ist bereits im Bereich des Tonnengewölbes und damit auf die an der Nordseite an der Decke präsentierten Propheten zu beziehen. Sein Gegenstück an der Ostwand ist an der Südseite Johannes der Täufer. Ihm gegenüber ist eine Darstellung König Davis an der Westwand zu sehen. Im lutherischen Sinne von Gesetzt und Gnade, das sich an der Decke in der Gegenüberstellung von Propheten und Aposteln darstellt, ist auch an der Ostwand dieses Thema zu vermuten. Während Moses mit den 10 Geboten auf das Gesetz verweist, verweist Johannes auf das Lamm Gottes und damit die Gnade. Beide haben jedoch gemein, dass sie Künder Gottes sind.
Johannes der Täufer
An der Ostwand ist recht — also südlich — der beschriftete „JOHANNIS BAPTISTE.“ dargestellt. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirkt die Darstellung heute roh und grob. Johannes ist aufrecht dargestellt und schreitet nach links, schauut aber nach rechts zurück., In seiner linken Hand hält er ein Buch, mit seiner recht weist er auf den Altar. Rechts von ihm steht auf die Wand geschrieben: „Und von seiner fülle haben wir alle genommen / gnade und gnade. Denn das gesetz ist durch Mosen gegeben / die gnade und warheit ist durch Jesum Christum worden. Joh. 1. 16. 17.“ Das Gegenstück zu Johannes ist an der Ostwand Moses an der Nordseite. Johannes gegenüber ist an der Westwand Paulus dargestellt. Zwischen beiden sind an die Decke die 12 Apostel gemalt. Ihr Gegenstück sind an der Nordseite der Decke 12 Propheten des Alten Testamtens. Im lutherischen Sinne von Gesetzt und Gnade, das sich an der Decke in der Gegenüberstellung von Propheten und Aposteln darstellt, ist auch die Ostwand zu sehen. Der Text bestätigt diese Interpretation. Während Moses mit den 10 Geboten auf das Gesetz verweist, verweist Johannes auf das Lamm Gottes und damit die Gnade. Beide haben jedoch gemein, dass sie Künder Gottes sind.
Unter der Darstellung von Johannes steht ferner geschrieben: „RENOVATI; 1976/77 A. OCHSENFARTH.“
Aufrichtung der Ehernen Schlange
Im westlichen von vier Deckensegmenten präsentiert das große Medaillon im Gewölbescheitel die Aufrichtung der Ehernen Schlange. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirkt die Darstellung heute roh und grob. Moses deutet mit seinem Stab auf die Schlange, während die kranken Israeliten zur ihren Füßen liegen. Im Hintergrund erkennt man ihre Zelte. Über dem Medaillon steht in einer eigenen Tafel geschrieben: „IV. NUMERI XXI,9.“ und unter dem Medaillon in einer weiteren Kartusche „FECIT ERGO MOYSES SERPENTEM AENEUM ET POSUIT EUM PRO SIGNO: QUEM CUM PERCUSSI ASPICERENT SANA BANTUR.“, womit für das Bild der Nachweise in der Schrift gegeben wird. Die Malerei und Schrift sind auf einen Betrachter im Westen ausgerichtet. Im Kontext des Deckenprogramms sowie dem lutherischen Typologieverständnis steht die Darstellung für die Kreuzigung Christi. Die Schlange errettet den Gläubigem vom Tode wie auch der Erlösertod von Gottes Sohn.
Habakuk, Nahum und Micha
Im westlichen von vier Deckensegmenten sind an der Nordseite drei Propheten mit zugehören Texten dargestellt. Es handelt sich um Habakuk, Nahum und Micha. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirken die Darstellungen heute roh und grob.
Mathias, Matthäus und Simon
Im westlichen von vier Deckensegmenten sind an der Südseite drei Apostel mit zugehörigen Texten dargestellt. Es handelt sich um Mathias, Matthäus und Simon. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirken die Darstellungen heute roh und grob.
Die Opferung Isaaks
Im zweiten Deckensegment (von insgesamt vier) von Westen wird im großen Mittelmedaillon im Gewölbescheitel die Opferung Isaaks dargestellt. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirkt die Darstellung heute roh und grob. Abraham hat sein Schwert erhoben und ist im Begriff, den rechts von ihm knienden Isaak zu töten. Doch der Engel Gottes hält das Schwert mit beiden Händen fest. Links ist bereits das Lamm zu sehen, das anstelle Isaaks geopfert werden wird. Über dem Medaillon steht in einer eigenen Tafel geschrieben: „I. Genes. XXII,2.“ und unter dem Medaillon in einer weiteren Kartusche „DIXITQUE EI: NON EX TLNDAS MANUM TUAM SUPER PUERUM NEQUE FACIAS ILLI QUICQUAM: NUNC COGNOVI QUOD TIMEAS DEUM, ET NON PEPERCISTI UNIGENITO FILIO TUO PROPTER ME.“, womit für das Bild der Nachweise in der Schrift gegeben wird. Die Malerei und Schrift sind auf einen Betrachter im Westen ausgerichtet. Im Kontext des Deckenprogramms sowie dem lutherischen Typologieverständnis steht die Darstellung für die Opferung von Gottes Sohn. So wie Abraham seinen Sohn Gott opfern wollte, hat Gott seinen Sohn den Menschen geopfert und sie so erlöst.
Amos, Obadja und Jona
Im zweiten Deckensegment (von insgesamt vier) von Westen sind an der Nordseite drei Propheten des Alten Testaments mit zugehörigen Texten dargestellt. Es handelt sich um Amos, Obadja und Jona. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirken die Darstellungen heute roh und grob.
Philippus, Bartholomäus und Judas Thaddäus
Im zweiten Deckensegment (von insgesamt vier) von Westen sind an der Südseite drei Apostel mit zugehörigen Texten dargestellt. Es handelt sich um Philippus, Bartholomäus und Judas Thaddäus. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirken die Darstellungen heute roh und grob.
Die Sintflut
Im zweiten Deckensegment (von insgesamt vier) von Osten ist im großen Mittelmedaillon im Gewölbescheitel die Sintflut dargestellt. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirkt die Darstellung heute roh und grob. Im Bildvordergrund erkennt man verzweifelte Menschen, die sich vor den Fluten in Sicherheit zu bringen suchen — im Hintergrund ist die entschwindende Arche zu sehen. Über dem Medaillon steht in einer eigenen Tafel geschrieben: „I. Genes. VII,21.“ und unter dem Medaillon in einer weiteren Kartusche „CONSUMTAQUE EST OMNIS CARO QUÆ MOVEBATUR SUPER TERRAM, VOLUCURM. ANIMANTIUM, BESTIARUM, OMNIUMQUE REPTILIUM, QUÆ REPTANT SUPER TERRAM UNIVERSI HOMINES.“, womit für das Bild der Nachweise in der Schrift gegeben wird. Die Malerei und Schrift sind auf einen Betrachter im Westen ausgerichtet. Im Kontext des Deckenprogramms sowie dem lutherischen Typologieverständnis steht die Darstellung für die Taufe und damit für die Erlösung des Menschen von der Erbsünde.
Daniel, Hosea und Joel
Im zweiten Deckensegment (von insgesamt vier) von Osten sind an der Nordseite drei Propheten mit zugehörigen Texten dargestellt. Zu sehen sind Daniel, Hosea und Joel. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirken die Darstellungen heute roh und grob.
Jakobus der Ältere, Thomas und Jakobus der Jüngere
Im zweiten Deckensegment (von insgesamt vier) von Osten sind an der Südseite drei Apostel mit zugehörigem Text dargestellt. Es handelt sich um Jakobus den Älteren, Thomas und Jakobus den Jüngeren. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirken die Darstellungen heute roh und grob.
Der Sündenfall
Im ersten Deckensegment (von insgesamt vier) von Osten ist im Mittelmedaillon im Gewölbescheitel der Sündenfall zu sehen. Nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts wirkt die Darstellung heute roh und grob. Vor dem Baum der Erkenntnis stehen die nackten Adam und Eva — umgeben von den Tieren des Paradieses. Um den Baumstamm windet sich die Schlange und Eva nimmt aus ihrem Maul einen Apfel. Einen weiteren Apfel reicht ihr Adam. Sein überlänger Arm deutet jedoch darauf hin, dass dieser Fehler auf eine Übermalung des 19. Jahrhunderts zurückzuführen ist und er ursprünglich nur seinen Arm nach Eva ausstreckte. Über dem Medaillon steht in einer eigenen Tafel geschrieben: „I. Genes. III,6.“ und unter dem Medaillon in einer weiteren Kartusche „VIDIT IGITU MULIER OVUD BONUM ESSET LIGNUM AD VESCENDUM ET PULCHURM OCULIS ASPECTUQUE DELECTABILE, ET TULI DES FRUCTU ILLIUS ET COMEDIT, DEDITQUE VIRO SUO, QUI COM.“, womit für das Bild der Nachweise in der Schrift gegeben wird. Die Malerei und Schrift sind auf einen Betrachter im Westen ausgerichtet.
Jesaja, Jeremias und Ezechiel
Im ersten Deckensegment (von insgesamt vier) von Osten sind an der Nordseite zusammen mit den zugehörigen Texten drei Propheten des Alten Testamtens zu sehen: Jesaja, Jeremias und Ezechiel. Das Feld des Jeremias hat man 1977 von den entstellenden Überfassungen des 19. Jahrhunderts befreit. An den Resten der kann man die relativ hohe Qualität vor allem im Figürlichen noch erahnen, die sonst verloren ist.[25] Die anderen wirken nach den Übermalungen des 19. Jahrhunderts heute roh und grob.
Petrus, Andreas und Johannes
Im ersten Deckensegment (von insgesamt vier) von Osten sind an der Südseite zusammen dem zugehörigen Texten drei Apostel zu sehen: Petrus, Andreas und Johannes.
Bibliographie
- Literatur:
- Brosius/Hindersmann, Rittergüter, 2015. — Brosius, Dieter/Hindersmann, Ulrike (Bearb.): Rittergüter der Lüneburger Landschaft (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 282). Göttingen 2015.
- Dehio, Niedersachsen, 1992. — Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
- Gramatzki, Kirchendecken, 1991. — Gramatzki, Rolf: Bemalte Kirchendecken. Wandel in Ornament und Sinngebung. In: Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter (Hrsg.): Raumkunst in Niedersachsen. Die Farbigkeit historischer Innenräume. Kunstgeschichte und Wohnkultur. München 1991, S. 157-218.
- Kelletat, Kirchen, 1981. — Kelletat, Alfred: Kirchen und Kapellen im Wendland (Breeser Blätter, 3). Breese im Bruche 1981.
- Kelletat, Breese, 1988. — Kelletat, Alfred: Die Grotesche Kapelle in Breese im Bruche. 2. Aufl. Lüchow 1988.
- Archivalien:
- NLD Lüneburg. Registratur. Ortstakten 406: 57721/0 L-D / Jameln Bd. I.
- NLD, Restaurierungsakten: — Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Sammlung der Restaurierung; 033-2857-001-01 (2): Restaurierungswerkstatt des Museumsverbundes Lüchow-Dannenberg e.V. Bearbeiter: Carmen Witt-Schnäcker. Arbeitsbericht zu Konservierung und Restaurierung der Deckenbemalung in der Gutskapelle in Breese im Bruche. 2002.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 293; Kelletat, Breese, 1988, S. 3; NLD Lüneburg. Registratur. Ortstakten 406: 57721/0 L-D / Jameln Bd. I; https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Breese_im_Bruche&oldid=182048151
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Kelletat, Breese, 1988, S. 3.
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 293-294; Kelletat, Breese, 1988, S. 3.
- ↑ Brosius/Hindersmann, Rittergüter, 2015, S. 433-436; Kelletat, Breese, 1988, S. 3.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Kelletat, Breese, 1988, S. 4.
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 293; Kelletat, Breese, 1988, S. 3.
- ↑ Gramatzki, Kirchendecken, 1991, S. 169; Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Foto-, Schrift- bzw. Plansammlung und Sammlung der Restaurierung, 033-2857-001-01 (2): Restaurierungswerkstatt des Museumsverbundes Lüchow-Dannenberg e.V. Bearbeiter: Carmen Witt-Schnäcker. Arbeitsbericht zu Konservierung und Restaurierung der Deckenbemalung in der Gutskapelle in Breese im Bruche. 2002.
- ↑ 8,0 8,1 Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 293-294.
- ↑ 9,0 9,1 Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Foto-, Schrift- bzw. Plansammlung und Sammlung der Restaurierung, 033-2857-001-01 (2): Restaurierungswerkstatt des Museumsverbundes Lüchow-Dannenberg e.V. Bearbeiter: Carmen Witt-Schnäcker. Arbeitsbericht zu Konservierung und Restaurierung der Deckenbemalung in der Gutskapelle in Breese im Bruche. 2002.
- ↑ Kelletat, Breese, 1988, S. 3; Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 293-294.
- ↑ Ebd.
- ↑ Kelletat, Breese, 1988, S. 8.
- ↑ 13,0 13,1 13,2 13,3 Kelletat, Breese, 1988, S. 7.
- ↑ Kelletat, Breese, 1988, S. 3, 10. Die Orgel war ein Geschenk des Grafen Adolph Grote anlässlich des Besuchs von Georg V. im Sommer 1865 im Wendland und in Breese.
- ↑ Gramatzki, Kirchendecken, 1991, S. 185..
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 293-294; Kelletat, Breese, 1988, S. 5; Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Foto-, Schrift- bzw. Plansammlung und Sammlung der Restaurierung, 033-2857-001-01 (2): Restaurierungswerkstatt des Museumsverbundes Lüchow-Dannenberg e.V. Bearbeiter: Carmen Witt-Schnäcker: Arbeitsbericht zu Konservierung und Restaurierung der Deckenbemalung in der Gutskapelle in Breese im Bruche. 2002, vor allem S. 6-7, 9-12.
- ↑ Vgl. zur Decke und ihrer Malerei: Gramatzki, Kirchendecken, 1991, S. 169, 183-185..Kelletat, Breese, 1988, S. 4.
- ↑ Gramatzki, Kirchendecken, 1991, S. 170.
- ↑ Gramatzki, Kirchendecken, 1991, S. 185.; Kelletat, Breese, 1988, S. 5.
- ↑ Gramatzki, Kirchendecken, 1991, S. 183..
- ↑ 21,0 21,1 Gramatzki, Kirchendecken, 1991, S. 185; Kelletat, Breese, 1988, S. 5.
- ↑ 22,0 22,1 22,2 Kelletat, Breese, 1988, S. 5.
- ↑ 23,0 23,1 Gramatzki, Kirchendecken, 1991, S. 183.
- ↑ Gramatzki, Kirchendecken, 1991, S. 183, 185; Kelletat, Breese, 1988, S. 5.
- ↑ Kelletat, Breese, 1988, S. 5; Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Foto-, Schrift- bzw. Plansammlung und Sammlung der Restaurierung, 033-2857-001-01 (2). Restaurierungswerkstatt des Museumsverbundes Lüchow-Dannenberg e.V. Bearbeiter: Carmen Witt-Schnäcker. Arbeitsbericht zu Konservierung und Restaurierung der Deckenbemalung in der Gutskapelle in Breese im Bruche. 2002, S. 10-11.