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Blumenthal, ehem Deutschordenskomturei

Aus Deckenmalerei-Lab
Dreyer, Angelika:Blumenthal, ehem. Deutschordenskomturei, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2020, URL: www.deckenmalerei.eu/ee23c2b4-502b-4d53-897e-019f9bcd7f44

Inventarnummer: cbdd10039

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Die Kirche der ehem. Deutschordenskomturei Blumenthal weist eine überaus qualitätsvolle Freskenausstattung auf, die Georg Paula der Hand von Melchior Steidl zuwies. Sie entstanden im Auftrag des Komtur Johann Franz von Weich.


Geschichte des Schlossgutes und der Schlosskapelle St. Maria

Geschichte des Bauwerks

Die Deutschordenskomturei Blumenthal entstand 1296 in der wittelsbachischen Einöde Peinried. Diese Niederlassung des Deutschen Ordens wurde 1384 gemeinsam mit dem Deutschordenshaus des nahe gelegenen Aichach zu einer Kommende der Ballei Franken vereinigt. Die Aufhebung erfolgte 1806, wobei das Schloßgut nach der Aufhebung an den Grafen Maria Joseph Fugger von Dietenheim vertauscht wurde, 1820 an die Linie Fugger-Glött überging und von 1871-1952 durch die Fuggersche Stiftung in ein von Deutschordensschwestern betreutes Altenheim umgewandelt wurde.[1] Heute befindet sich dort ein Schlosshotel mit Gasthaus.

Historische Veränderung der Gesamtanlage

Während das heutige Schloss im Wesentlichen 1861/62 bzw. 1949 errichtet wurde, haben sich von der ursprünglichen Schlossanlage noch der Südflügel mit der Kapelle, zwei Tortürme und die Wirtschaftsgebäude erhalten. [2]

Blumenthal, ehem. Deutschordenskomturei

Das ursprüngliche Aussehen der Anlage um 1560 überliefert ein Holzschnitt von Jost Amman (1539-91), der Umriss der gesamten Anlage ist in einem Stich von Michel Wening (1645-1718) um 1701 überliefert. Hierauf ist die quadratische Schlossanlage im Südwesten erkennbar, an die sich das unregelmäßig um einen Innenhof gruppierende Gebäudeensemble mit Wirtschaftsgebäuden, Tortürmen und der mit Fresken von Melchior Steidel (1657-1727) ausgestatteten Schlosskapelle St. Maria anschließt.

1719 gestaltete man das Schlossgebäude im Auftrag des Komtur Johann Franz Ernst von Weichs um. Der Abbruch von drei der ehemaligen vier Schlossflügeln erfolgte zwischen 1822 sowie 1836. Heute hat sich vom Schlossbau allein der ehemalige Südtrakt mit den zwei turmartigen Vorbauten an der Nordseite erhalten.[3]

Die heutige Filialkirche St. Maria weist „im Auszug der Portalädikula eine Inschrift mit dem Datum der Umgestaltung 1720 und dem Wappen des Auftraggebers Johann Franz von Weichs“[4] auf. Es handelt sich hierbei um einen langestreckten Saalbau mit flacher Stichkappentonne und eingezogenem Rechteckchor, der mit einer halbrunden Apsisabschließt.

Die Fresken von Melchior Steidl

Die Fresken von Melchior Steidl

Die Autorenschaft an Melchior Steidl beruht auf einer Zuschreibung durch Georg Paula.[5] Meinecke nahm die Fresken in Blumenthal nicht in ihren Bestandskatalog zu den Fresken von Melchior Steidl auf.[6] Zu den Umbauarbeiten der Kirche durch den Komtur Johann Franz von Weichs um 1720 haben sich keine Archivalien erhalten.[7]

Der Auftrag für die freskale Ausstattung von Blumenthal an Steidl erging durch den Komtur Johann Franz von Weichs, dessen Wappen im Chorscheitel zu finden ist. Steidl dürfte diese Aufgabe sehr willkommen gewesen sein, war er doch soeben bei der Auftragsvergabe des Benediktinerklosters Hl. Kreuz in Donauwörth, für das er sich zuvor beworben hatte, nicht berücksichtig worden.[8]

Aufgrund der hohen malerischen Qualität und kompositorisch elaborierten Ausarbeitung der Fresken in Blumenthal soll hier die These gewagt werden, Steidl habe hier möglicherweise seine ursprünglich für das Ehinger Kloster vorbreitete Inventionen zur Kreuzthematik verwendet. Ausgangspunkt dieser Überlegung ist die ikonographische Konzentration auf die typologischen Bezüge zur Erlösungsikonographie des Kreuzes, die in Blumenthal nicht mit dem Marienpatrozinium in Einklang zu bringen ist. Paula sieht in dem Freskenzyklus ein „komplexes, indirekt auf den Deutschorden abgestimmte[s] Programm“.[9]

Das Bildprogramm

Die Bildfelder sind durch profilierte Stuckrahmen von der übrigen Stuckdecke ausgeschieden. Für die Stuckatur aus „zartem Bandelwerk mit sparsamen Rocaillen, ergänzt durch musizierende Engel in flachem Relief“,[5] erfolgte bisher noch keine Zuschreibung.

Die Leserichtung der Fresken ist in den zentralen Bildern der flachen Stichkappentonne auf den eintretenden Betrachter hin ausgerichtet, die zugeordneten Bildfelder in den Stichkappen orientierten sich hingegen in ihrer Ausrichtung an der darunterliegenden Wand.

Das „kompositorisch furiose Hauptbild“[5] im Deckenzentrum zeigt in einer bewegten Komposition den Engelsturz, bei dem die bewegten nackten Leiber der Verdammten gemeinsam mit einer Personifikation der Superbia, des Hochmutes, in den Abgrund gestoßen werden.

Paula zeigt durch einen Vergleich mit der thematisch gleichlautenden Komposition Steidls in Ehingen anschaulich die herausragende malerische wie kompositorische Inventionskraft dieses Freskos. Die geschickten Verkürzungen der in komplizierten Verrenkungen herabstürzenden Leiber dienen zudem als Ausweis für die ungemeine Virtuosität und die zeichnerische Sicherheit Steidls.

Die vier seitlichen Fresken begleiten die Michaelikonographie und verbildlichen weitere Szenen aus dem Alten Testament, in denen der Erzengel entscheidend involviert ist. Im Nordosten greift er in die Opferung Isaaks ein (Genesis 22,11), im Westen ist er an der Heilung des blinden Tobias beteiligt (Tobias 3,17), südöstlich ist das Ringen mit Jakob gezeigt (Genesis 32,25) und südwestlich trägt er Habakuk an einem Haarschopf haltend im Fluge nach Babylon (Daniel 14,36).[10]

Über der Orgelempore platzierte Steidl das an dieser Stelle obligatorische Motiv des himmlischen Konzertes der hl. Cäcilie, die beiden Trabantenbilder, musizierende Engel mit Streichinstrumenten im Süden und mit Trompeten und Pauken im Norden, flankieren die Szene.

Zum Chor hin konzentriert sich die Thematik auf die Kreuzesikonographie und dem damit verbundenen Erlösungsgedanken. Im zentralen Deckengemälde wird das Kreuz von Engeln emporgetragen. Die seitlichen Kartuschen weisen typologische Bezüge auf. Im Süden ist dies durch die ehernen Schlange gegeben, im Norden hingegen vertreibt der Erzengel Adam und Eva aus dem Paradies, während Christus am Kreuz an den Baum der Erkenntnis genagelt vorgeführt wird, während die Schlange über ihm züngelt.

Paula verwies hier auf die ebenso seltene wie gelungene Gegenüberstellung des Beginns der Erbsünde am Anfang des Alten Bundes und deren Aufhebung durch den Kreuzestod Christi am Ende des Neuen Testamentes.[10] Weiterhin hebt Paula zu Recht die ungemein narrative Erzählfreude der Fresken Steidls hervor.[10]

Befund

Ausgangspunkt für eine nach 1966 durchgeführte Restaurierungsmaßnahme war ein Unfall, bei dem sich ein Stuckelement im Chorraum löste und eine Heiminsassin schwer verletzte. [11]

Im Gutachten der Kirche über den baulich-konstruktiven Zustand von Dipl. Ing. Handel , der die anschließende Restaurierung vorbreitete, heißt es hierzu:[12]

An der Decke im Hauptschiff konnten dabei keine konnten keine großen Risse fertgestellt werden. „Die Stuckteile haften fest auf dem Unterputz, und dieser auf dem durch angeraute und mit Zwischenraum verlegte Latten gebildeten Untergrund. Die Bindung mit dem Vergußmörtel über den Latten scheint ausreichend gut und innig. An einigen Stellen sind Wasserflecken feststellbar, ansonsten wird von dem Stukkateur nur weniges auszubessern und zu ergänzen sein.

Die Tragkonstruktion der Decke hingegen befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Die schweren, über den Raum freitragenden Holzbalken (bis zu 40/30 cm stark), an denen die Deckenschale mittels Brett-, Bohlen- und Riegellaschen aufgehängt wurde, sind total vermorscht und vom Wurm zerfressen. Wenn auch offensichtlich bereits im vorigen Jahrhundert diese Balken einzeln mittels Schrauben an die Dachbalkenlage gehängt wurden, ist es trotzdem ein großer Glücksfall, daß bisher nicht schon die ganze Decke, ausgelöst vom Versagen an einer einzelnen Stelle, eingestürzt ist.

Trockenfeule und Anobienbefall sind z. T. auch an den hölzernen Aufhängungen und Tragbohlen der Gewölbe feststellbar. Zum Glück fehlt bisher jeder Hinweis auf Hausschwamm.“[12]

Für die Decke über dem Altarraum lag folgende Empfehlung für die Instandsetzungsarbeiten vor:

“Der alte Putz sollte restlos entfernt werden (mit Ausnahme des vor einigen Jahren erneuerten). Die vorhanden Lattung ist nachzunageln und ein neuer Putz auf Ziegeldrahtgewebe anzubringen.

Sofern die bemalten Kreisflächen (auf Anraten z.B. des Bayr. Landesamtes für Denkmalpflege) erhalten bleiben soll, ist sie durch geeignete Maßnahmen an den Deckenbalken zu verhängen. Dies ist bei der guten Mörtelqualität durchaus möglich.“[13]

Bibliographie

  • BLfD Ordner (Kurztitel: Handel, Blumenthal 1966): Blumenthal, Blumenthal 1 Schlossgut, Doku Bd. 6 Schwaben
  • 1966 Gutachten der Kirche über den baulich-konstruktiven Zustand durch Dipl. Ing. Handel, (Statiker), 812 Weilheim Obb., Hangstrasse 2, damals an die Fürstl. u. Gräfl. Fuggersche Stiftungs-Administration, 89 Augsburg, Fuggerei 56 (8.12.66)
  • Hagen, Bernt von: Die frühere Deutschordenskommende Blumenthal, Landkreis Aichach-Friedberg. in Klosterland Bayerisch Schwaben; zur Erinnerung an die Säkularisation der Jahre 1802/1803; Klosterland Bayerisch-Schwaben, Lindenberg, 2003, S. 259.
  • Leinfelder, Karl: Auf den Spuren der Deutschen Ordensritter in Aichach und Umgebung; (1210 - 1806); Vortrag gehalten im Rahmen der Volksbildungsstätte Aichach am 7. und 14. April 1948, Aichach, 1948.
  • Liebhart, Blumenthal, 2006
  • Paula, Georg / Bollacher, Christian: Denkmäler in Bayern. Landkreis Aichach-Friedberg. Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Denkmäler, München, 2012, S. 72-77.
  • Paula, Georg: Die Fresken Melchior Steidls in Babenhausen und Blumenthal. in Jahrbuch der bayerischen Denkmalpflege; 41. 1987 (1991), S. 63 - 67.
  • Paula, Georg: Die Fresken Melchior Steidls in der Schloßkirche von Blumenthal. in Aichacher Heimatblatt, 39 (1991), S. 45 - 47.
  • Schmid, Hans: Die Wittelsbacher und der Deutsche Orden, Aichach, 1980.
  • Seiler, Franz J.: Die Deutschordenshofmark Weil in der Kommende Blumenthal ; Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens im Altreich, Augsburg, 1989.
  • Steichele, Anton von: Das Bistum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben. Bd. 2. Die Landkapitel: Agenwang, Aichach, Baisweil, Bayer-Mänching, Burgheim, 1864.
  • Weiss, Dieter J.: Die Geschichte der Deutschordens-Ballei Franken im Mittelalter, Neustadt a. d. Aisch, 1991.

Einzelnachweise

  1. Liebhart, Blumenthal, 2006, S. 125. Allgemein zur Geschichte: Leinfelder, Aichach, 1948; Schmid, Aichach, 1980; Seiler, Kommende Blumenthal, 1989; Weiss, Deutschordens-Ballei, 1991, S. 267-270, Hagen, Blumenthal 2003.
  2. Liebhart, Blumenthal, 2006, S. 125.
  3. Paula / Bollacher, Aichach Friedberg, 2012, S. 72-77.
  4. Paula / Bollacher, Aichach Friedberg, 2012, S. 74.
  5. 5,0 5,1 5,2 Paula, Babenhausen und Blumenthal, 1991, S. 64.
  6. Meinecke, Steidl, 1971.
  7. Auskunft von Bettina Conrady an Georg Paula. Bettina Conrady schloss 1986 an der Ludwig-Maximilians-Universität mit einer unveröffentlichten Magisterarbeit über die „Quellen und Materialien zur Kunstgeschichte von der Schlossanlage Blumenthal“ ab. Paula, Babenhausen und Blumenthal, 1991, S. 67, Anm. 24.
  8. Meineke, Steidl, 1971, S. 79, Paula, Blumenthal, 1991, S. 45.
  9. Paula, Blumenthal, 1991, S. 46 und Paula, Babenhausen und Blumenthal, S. 64.
  10. 10,0 10,1 10,2 Paula, Blumenthal, 1991, S. 46.
  11. Handel, Blumenthal, 1966, S. 1.
  12. 12,0 12,1 Handel, Blumenthal, 1966, S. 6.
  13. Handel, Blumenthal ,1966, S. 9.