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Berlin, Lusthaus Belvedere Charlottenburg

Aus Deckenmalerei-Lab
Hinterkeuser, Guido:Berlin, Lusthaus Belvedere (Charlottenburg), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/a4136bfb-ef4f-4dd3-9ead-5e6294f59696

Inventarnummer: cbdd10501

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Nach dem Entwurf von Carl Gotthard Langhans entstand 1788 im nordöstlichen Teil des Parks von Schloss Charlottenburg ein freistehendes Lustgebäude, das Belvedere.

Berlin, Belvedere (Charlottenburg)

Kurzbeschreibung und Lage

Das Belvedere ist ein freistehendes dreigeschossiges Lustgebäude mit kuppelartigem Mansarddach im nordöstlichen Teil des Parks von Schloss Charlottenburg. Seine Entstehung 1788 basierte auf Plänen von Carl Gotthard Langhans und ging einher mit der Anlage einer kleinen, landschaftlich gestalteten Insel, die nördlich an das große Bassin anschloss und von künstlich angelegten Wasserarmen sowie der Spree umflossen war. Schon ab 1799 allerdings, als die Wasserarme verengt oder gar zugeschüttet wurden, ging der abgeschnürte Inselcharakter wieder verloren.

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

Zur Zeit Friedrichs des Großen befand sich nördlich des großen Bassins (pièce d‘eau) eine regelmäßig geformte Insel.[1] Diese war über eine kleine Brücke erreichbar, an die sich eine als allée verte gestaltete Mittelachse anschloss, die bis zur Spitze der Insel führte und sich zugleich in einer Linie mit der Hauptallee des Schlossgartens befand. Beiderseits dieser Achse lagen je drei Boskettquartiere mit eingeschlossenen kleinen Heckenräumen (salles). Ab 1786, nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms II., wurde der Schlossgarten schrittweise zu einem Landschaftspark umgestaltet, woran u.a. der Hofgärtner Johann August Eyserbeck, der Gartendirektor Johann Friedrich Ritz, der Architekt Carl Gotthard Langhans und nicht zuletzt der König selbst beteiligt waren.[2] Dabei wurde auch die am nördlichen Ende des Parks befindliche Insel verlandschaftet. Die Brücke als Zugang verschwand, denn die Nordspitze des Bassins wurde zugunsten eines Zuflusses abgetragen, während die Mittelachse der Insel zugunsten eines von natürlich anmutenden Uferlinien gesäumten Kanals verschwand.[3] Aus den beiden Hälften einer Insel entstanden somit zwei eigenständige Inseln, nämlich östlich an der Spree die Belvedereinsel und westlich davon die Schneckenberginsel. Drei Fähren verbanden die Inseln jeweils mit dem Festland sowie untereinander. Die Belveredeinsel erhielt ihren Namen von dem dreigeschossigen Lustgebäude, das hier innerhalb kurzer Zeit im Verlauf des Jahres 1788 nach den Entwürfen von Carl Gotthard Langhans entstand. Bereits 1799, in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms III., wurde der romantisch-geheimnisvolle Eilandcharakter der Inseln vollständig beseitigt, indem sowohl der Mittelkanal als auch der Kanal westlich der Schneckenberginsel zugeschüttet wurden.[4] Das Belvedere wurde nunmehr in größere landschaftliche Zusammenhänge eingeordnet.

Friedrich Wilhelm II. nutzte das Belvedere für Zusammenkünfte in kleinem Kreis und zwanglosem Rahmen. Hier scheinen kammermusikalische Konzerte gegeben worden zu sein, zudem fanden spritualistische Sitzungen der Rosenkreuzer statt, denen der König angehörte. Im Erdgeschoss lagen u.a. ein Schlafzimmer und eine Küche, so dass er auch die Nacht hier verbringen konnte. Nach seinem Tode wurde das Gebäude nur noch sporadisch genutzt, und im Verlauf des 19. Jahrhunderts verwahrloste es zunehmend. 1913 fand dann schließlich eine grundlegende Sanierung statt.

Entweder beim alliierten Fliegerangriff auf Berlin am 22. November 1943 oder bei einem Tagesangriff im Mai 1944 wurde der Bau direkt getroffen. Im Inneren brannte er völlig aus, teilweise barsten sogar die Außenmauern. So wurde an der Westfassade die nördliche Hälfte des ovalen Kernbaus einschließlich des Altans komplett zerstört, so dass nunmehr eine breite Lücke die Umfassungsmauern unterbrach. In den seitlich anstoßenden Abschnitten blieben hingegen die bauplastischen Zierelemente einschließlich der Verputzung erhalten. Auf Nachkriegsfotos sieht man im Inneren nur noch die nackten Ziegelmauern, hingegen sind Böden und Decken ganz verloren.

Die Wiederherstellung des Belvederes erfolgte von 1956 bis 1960 und orientierte sich im Äußeren weitgehend am Vorkriegszustand, während die neuen Innenräume in neutralen, nüchternen Formen ausgestattet wurden. Seit 1971 ist hier ein Museum zur Geschichte des Berliner Porzellans eingerichtet.

Auftraggeber

Nachdem Friedrich Wilhelm II. 1786 an die Regierung gelangt war, ging er sogleich daran, sich ein ländliches Refugium zu erschaffen, das auf den Prinzipien und Idealen des Landschaftsgartens basierte, wie sie andernorts bereits viele Jahre zuvor verfolgt worden waren. Dass seine Wahl dabei auf das barocke Schloss in Charlottenburg fiel, dürfte nicht allein an dem großen Park, sondern wesentlich auch an dem Umstand gelegen haben, dass sich in unmittelbarer Nähe, etwas weiter spreeaufwärts und östlich des Schlosses, das Anwesen seiner Favoritin, der Gräfin Lichtenau, befand. Den Anfang seines Engagements machten die Umgestaltung des Gartens, die Errichtung des Belvederes sowie die Einrichtung einer neuen Sommerwohnung im Erdgeschoss des Neuen Flügels, die unmittelbar den Zutritt in den Park erlaubte. Gleichzeitig ließ er am westlichen Ende der barocken Orangerie ein großes Hoftheater errichten, das auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stand. Schon ab 1790 wandte er sich dann allerdings dem Neuen Garten in Potsdam und 1793 der Pfaueninsel zu. Gegen Ende seines Lebens kam er jedoch wieder auf Charlottenburg zurück, wo er nunmehr im Obergeschoss des Neuen Flügels, in der ehemaligen Wohnung Friedrichs des Großen, seine Winterkammern einrichten ließ.

Architekten, Künstler und Handwerker

1787 begannen die Bauarbeiten zu einem großen neuen Theater am westlichen Ende der Orangerie, die 1791 abgeschlossen wurden. 1788 entstanden mehrere freistehende Gebäude im Park, nämlich außer dem Belvedere das Gotische Angelhaus an der Spree und das Otaheitische Korbhaus im Fasanengarten. Die Entwürfe für all diese Bauten lieferte Carl Gotthard Langhans (1732–1808), der seit 1775 Leiter des Schlesischen Kriegs- und Oberbauamtes in Breslau war und nach seiner Berufung nach Berlin 1788 zum Direktor des Oberhofbauamtes ernannt wurde.

An der Errichtung und Ausgestaltung des Belvederes waren ferner beteiligt der Maler Bernhard Rode (1725–1797), der die Entwürfe für die Reliefs der Vier Erdteile schuf, die im ersten Obergeschoss in den Bogenfeldern über den jeweils mittig gelegenen Fenstern angebracht wurden (der ausführende Bildhauer ist nicht genannt); Johannes Eckstein (1735–1817), der als Modelleur der Skulpturengruppe erwähnt wird, die das Dach bekrönt und drei einen Blumenkorb emporwuchtende Knaben darstellt, und zudem als Maler im ovalen Saal im ersten Obergeschoss in Erscheinung trat; sowie der Hofebenist Johann Gottlob Fiedler (1735 – nach 1797), der für die Ausführung der Arbeiten in Holz, also die Fußböden und die intarsierten Wände in den Sälen und Kabinetten, verantwortlich war.

Baubeschreibung

Das dreigeschossige Belvedere, das von einer mansarddachartig gebrochenen Haube bekrönt wird, steht nahe am Ufer der Spree. Damit bildete es zum einen eine Landmarke für vorbeifahrende Schiffe und ermöglichte zum anderen dem König und seinen Gästen eine grandiose Ausschau über die weite Fluss- und Parklandschaft bis hin nach Berlin und Spandau. Nicht nur die beiden oberen Hauptgeschosse, sondern sogar noch das Dachgeschoss verfügen über je zwei Altane, die zusammen den Rundumblick in alle vier Himmelsrichtung erlauben. Der kreuzförmige Grundriss des Belvederes ist maßgeblich durch ein Queroval in seiner Mitte bestimmt, das in den beiden oberen Etage einen entsprechend geformten Saal aufweist. An seinen Schmalseiten sind zudem annähernd quadratische Anräume angefügt, die über alle drei Etagen reichen und kleine Kabinette bzw. das Treppenhaus aufnehmen, während den Langseiten risalitartige Altane vorgesetzt sind, die von einer Loggia überdacht werden. Von Norden und Süden wirkt der Bau eher wie ein schlanker Turm, nach Osten und Westen zu ist er hingegen mit fünf Achsen breiter gelagert.

Das helle rustizierte Erdgeschoss bildet den Sockel für die beiden oberen Etagen, die in einem zarten Blau gestrichen sind, vor dem sich sämtliche bauplastische Elemente wie Gesimse und Brüstungen, Giebel und Rahmen, Säulen und Pilaster, Reliefs und Hermen wiederum hell absetzen. Das erste Obergeschoss ist durch umlaufende Pilaster korinthischer Ordnung, denen in den vorgelagerten Loggien sogar gekuppelte Vollsäulen entsprechen, als Piano Nobile ausgezeichnet. Dreiecksgiebel zieren die Fenster in den Rücklagen, während diejenigen in den Mittelachsen jeweils durch ein halbrundes Relief bekrönt werden, die alle zusammen die Vier Erdteile darstellen. Das deutlich niedrigere zweite Obergeschoss wirkt fast wie ein Mezzaningeschoss. Hier erfahren an den Langseiten die drei mittleren Fenster eine besondere Betonung durch eingestellte Hermenpilaster, die den Fenstersturz tragen. Zudem ist die Mittelachse durch einen eleganten Dreiecksgiebel ausgezeichnet, der sich eine Etage höher, also bereits in der Dachzone und nunmehr über den Austritten an den Schmalseiten, wiederholt. Die mit Kupferblech überzogene mansarddachartige Haube bringt nicht nur eine weitere Farbnote in den Fassadenaufriss, der in der vergoldeten Skulpturengruppe auf der Spitze seinen krönenden Abschluss findet, sondern betont außerdem nochmals den Zentralbaucharakter des Lustgebäudes.

Saal (1. OG)

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

Das Belvedere und seine Innenräume entstanden 1788 nach den Entwürfen von Carl Gotthard Langhans.[5] Dies gilt auch für den großen Saal im ersten Obergeschoss. Einen wesentlichen Anteil an der Ausführung hatte dabei der Kunsttischler Johann Christoph Fiedler, der die Herstellung des Fußbodens übernahm. Die ursprüngliche Funktion des Saals unter Friedrich Wilhelm II. ergab sich im Rahmen der Nutzung des Belvederes als einsamer Rückzugsort, der, auf einer Insel im neugestalteten Schlosspark gelegen, nur über Fähren zu erreichen war. Zusammenkünfte in intimer Gesellschaft, sei es zum Tee oder zu größeren Essen, Sitzungen der Rosenkreuzer sowie kleine Kammerkonzerte könnten sowohl in diesem als auch in dem darüberliegenden Saal stattgefunden haben. Im Inventar von 1800 werden als Ausstattung „Vier Canapées und Sechszehn Stühle, die Gestelle von couleurtem Holze“ sowie „ein großer runder Mahagony Tisch“ genannt.[6] Nach dem Tode Friedrich Wilhelms II. wurde der Saal nur noch sporadisch genutzt und verwahrloste zunehmend. Im letzten Krieg wurde er vollständig vernichtet. Nachkriegsfotos halten fest, dass das Belvedere im Inneren gänzlich ausgebrannt und an seiner Westseite sogar eine tiefe Bresche in den Baukörper gesprengt worden war. Margarete Kühn schreibt daher zu Recht, der Bau sei „zur Ruine geworden.“[7] Im Zuge der äußeren Wiederherstellung des Belvederes zwischen 1956 und 1960 und im Zuge der Eröffnung des Porzellanmuseums im Jahr 1971 wurden die Innenräume und damit auch der Saal im ersten Obergeschoss lediglich in neutraler Form wiederhergestellt.

Beschreibung

In dem Saal auf ovalem Grundriss wechselten Türen und Fenster, je vier an der Zahl, untereinander ab. An den Längsseiten gewährten zwei Fenstertüren den Zutritt auf die vorgelagerten Altane, an den Schmalseiten hingegegen befanden sich niedrigere Türen, die zum einen in das Treppenhaus, zum anderen in ein anstoßendes Kabinett führten. Diese Türen waren aus dunklem Holz gehalten und wurden in geschlossenem Zustand Teil der Boiserie, mit der die Wand umlaufend verkleidet war. Einen besonderer Blickfang des Saals stellte der aufwendig gestaltete Fußboden dar, dessen komplexe Verzierungen durch die Verwendung verschiedener Hölzer erreicht wurden. Er ist außer im Foto sowohl in der Entwurfszeichnung von Langhans als auch in einer Bauaufnahme von 1935 überliefert.[8]

Die acht Supraporten im Saal (1. OG)

Sofern die umlaufende Wand nicht durch Fenster oder Türen unterbrochen war, wurde sie durch eine Boisierung verkleidet. Diese bestand aus einer Lambriszone, deren Höhe durch die Brüstungsfelder unterhalb der Fenster vorgegeben war. Darüber setzten Pilaster an, die die Türen und Fenster rahmten und zugleich breite Wandfelder einfassten, die mit Taxus und verschiedenen Holzarten ausgelegt waren. Angeblich waren die Felder von Arabesken geziert, was auf dem überlieferten Foto jedoch nicht klar zu erkennen ist. Die Leerräume über den Türen bzw. Fenstern wurden mit Supraportengemälden gefüllt, um so den Abstand zum umlaufenden Gebälk zu überbrücken.

Als Schöpfer der acht Supraporten[9] wird ein Maler namens Eckstein genannt.[10]Damit dürfte Johannes Eckstein gemeint sein, der auch das Modell zu der Knabengruppe oben auf dem Dach des Belvederes geschaffen hatte. Es ist nicht ersichtlich, ob die Grisaillen direkt auf den Putz oder zuvor auf Leinwand gemalt worden waren. Durch den Bombentreffer und den damit einhergehenden Brand ging die Ausmalung des Saals gänzlich zugrunde. Eine Wiederherstellung im Zuge der bis 1971 erfolgten Instandsetzung unterblieb.[11]

Herkules Abstieg in die Unterwelt

Das in Grisaille-Manier ausgeführte Gemälde stellt Herkules‘ Abstieg in die Unterwelt vor. Die Protagonisten sind nebeneinander aufgereiht und füllen das querrechteckige Bildformat weitgehend aus, hinzu kommt am rechten Bildrand der dreiköpfige Höllenhund Kerberos, der aus dem Eingang zur Unterwelt, angedeutet durch einen Bogen aus Felsgestein, hervorschaut. Drei männliche, gänzlich nackte Figuren stehen im Vordergrund: Links Herkules, mit Keule und Löwenfell auf dem Kopf, in der Mitte Orpheus, der auf seiner Leier spielt und so den Höllenhund durch Musik verzaubert, sowie rechts Merkur, der Herkules mit hinab ins Totenreich begleiten wird. Etwas zurückversetzt sind die drei weiblichen Gestalten, von denen diejenige am linken Bildrand Minerva sein könnte, die Herkules auf seinem Weg beschützt.

Komposition und Ansichtigkeit

Die Figuren der Supraporten sind eng nebeneinander gereiht und wirken, zumindest über den Fenstern und den Altantüren, eingezwängt in den niedrigen, doch dafür langgestreckten Bildraum. Auf den Betrachterstandpunkt nehmen sie keine Rücksicht, stattdessen wirken sie wie die Reliefs auf den Seitenwänden antiker Sarkophage, die üblicherweise ebenerdig aufgestellt waren. Im Kontrast zur dunklen Boiserie entwickelten die Bilder eine spezielle Leuchtkraft, die den Blick des Betrachters nach oben lenkte.

Gestalterische Mittel

Die in Grisaille-Manier gehaltenen Darstellungen konnten einem flüchtigen Betrachter zunächst suggerieren, er sehe antike Bildwerke in hochwertiger Ausführung in Marmor. Die Täuschung sollte dann allerdings nicht in Enttäuschung, sondern in Bewunderung für eine Kunstfertigkeit umschlagen, der es mit den einfachen Mitteln der Malerei gelang, eine derartige Illusion hervorzurufen.

Schrift- und Bildquellen

Inventar 1800 (SPSG), Belvedere, Db. 213:

„Die Wände mit Taxis und andere feinen Holz=arten boisirt. Auf die Füllungen Bildhauer=Arbeiten und über den Thüren und Fenstern gemahlte Basreliefs von Eckstein.“

Die Göttin Diana und ihre Begleiterinnen

Beschreibung und Ikonographie

Die beiden Türen in das anschließende Kabinett bzw. das Treppenhaus sind niedriger als die Fenster und die Türen auf die Altane, so dass umgekehrt das darüberliegende Bildfeld höher ausfällt und einen annähernd quadratischen Malgrund erzeugt. Darauf sind vor dem Hintergrund einer Waldlandschaft die Göttin Diana, drei ihrer Begleiterinnen und vier Windspiele dargestellt. Mächtige hohe Bäume mit dicken Stämmen schirmen bühnenartig den Bildraum ab, auf dem sich die Protagonisten eingefunden haben. Es scheint, als würden sie gerade zur Jagd aufbrechen, denn die am linken Rand sitzende Nymphe hält einen Jagdspieß bereit, während diejenige rechts von Diana mit Bogen und Köcher ausgestattet ist. Diana als zweite von links ist im Ausfallschritt dargestellt, mit ihrer rechten Hand streichelt sie zwei tollende Hunde. Rechts außen sitzt eine weitere Nymphe, die ebenfalls an den Vorbereitungen beteiligt ist.

Antike Unterwelt

Thematisch wie kompositorisch ist die hier dargestellte Szene eng mit derjenigen über dem linken Fenster verwandt, so dass man darüber hinaus vermuten darf, dass sämtliche Bildfelder über den Fenstern einen inhaltlich kohärenten Zyklus bildeten. Auch hier sind die Protagonisten nebeneinander aufgereiht und füllen den Bildraum gänzlich aus. In der linken Bildhälfte nähert sich ein Zug aus fünf Personen der Bildmitte, der von Orpheus, der seine im Arm hält, und von Herkules, der sich auf seine Keule stützt, angeführt wird. Sie sind ebenso nackt wie eine dritte männliche Figur, die Merkur darstellen dürfte. Schließlich folgen zwei weibliche Gestalten, die in lange antike Gewänder gehüllt sind. Die rechte Bildhälfte gehört der Unterwelt. Auf einem quaderförmigen Block hat sich, die Hände und den Kopf auf einen langen Stab gestützt, eine schlanke nackte männliche Gestalt niedergelassen, die versonnen den von Orpheus erzeugten Tönen lauscht. Links neben ihr hockt der dreiköpfige Höllenhund Kerberos, während sich auf ihren Schultern eine weitere männliche Figur abstützt, die rechts hinter ihr auf dem Felsblock kniet. Es könnte sich bei ihnen um Hades und Charon handeln. Ob die Darstellungen der antiken Unterwelt einen Bezug zum Ritus der Rosenkreuzer haben, denen dieser Saal womöglich als Sitzungszimmer diente, bliebe zu erforschen.

Weitere mythologische, nicht identifizierbare Szenen

Allein ein Foto ist bekannt, das den Saal im ersten Obergeschoss des Belvederes überliefert. Darauf sieht man eine Schmalseite des Raums mit drei Supraporten, so dass zu den übrigen Darstellungen keine Aussage getroffen werden kann. Hinzu kamen fünf weiteren Supraporten, denn zu den dreien der gegenüberliegenden Wand kommen noch zwei Supraporten über den Austritten auf die Altane hinzu, wie sie auch auf einer Entwurfszeichnung von Langhans enthalten[12] sowie – stark angeschnitten – auf dem Foto der Messbildanstalt zu sehen sind. Eventuell lassen sich noch Inventareinträge finden, die die Themen aller Supraporten benennen.

Die Decke im Saal (1. OG)

Eine niedrige Voute leitet von der Wand zur flachen Decke über. Im Inventar von 1800 ist überliefert, der Plafond sei „en arabesque und mit Figuren gemahlt.“ Ob dafür auch der Maler Johann Eckstein verantwortlich gewesen war, der für die Supraporten genannt wird, ist nicht erforscht. Allerdings traten schon 1810 massive Schäden an den Balken auf, in deren Folge die Decke erneuert werden musste und ihre ursprüngliche Ausmalung verlor. Das einzige überlieferte Raumfoto zeigt nur eine ornamentale Bemalung der Voute, während der eigentliche Plafond weiß gehalten ist. Im Krieg stürzte die Decke vollständig ein, und beim anschließenden Wiederaufbau wurde auf eine Rekonstruktion der Voutenbemalung verzichtet.[7]

Beschreibung und Ikonographie

Die gemalte Voute folgt dem Aufbau eines tektonischen Gebälks, das auf den Wandaufbau der Boiserie mit seinen schlanken Pilastern reagiert. Die Architravzone scheint dabei noch Teil der Wandvertäfelung gewesen zu sein. Gemalt ist hingegen der Fries, der durch eng aneinandergereihte, aufrechtstehende Akanthusblätter bestimmt wird. Dabei werden die hellen Blätter von schlanken Leisten gerahmt, die sich nach oben spitzbogenartig verbinden und jenseits der Spitze in Voluten auslaufen. Zwischen diesen Rahmen ragen zudem kleine Pinienzapfen auf, die sich mit den Volutenpaaren abwechseln. Über dem Fries folgt das Gesims, bestehend aus einem breiten dunklen Band, das von zwei schmalen hellen Streifen, die mit Blüten und geflügelten Drachen verziert sind, eingefasst ist. Auch das dunkle Band weist eine Binnengliederung auf, nämlich kreuzweise Verschnürungen, Blüten und Arabesken.

Schrift- und Bildquellen

Inventar 1800 (SPSG), Belvedere, Db. 213:

„Platfond en arabesque und mit Figuren gemahlt.“

Saal (2. OG)

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

Gleichzeitig mit dem Saal im ersten Obergeschoss wurde 1788 der darüberliegende Saal im zweiten Stock nach Langhans‘ Entwurf ausgestattet.[13] Die Ausführung des Fußbodens übernahm der Kunsttischler Johann Christoph Fiedler. Hinsichtlich ihrer Nutzung dürften sich die Säle kaum voneinander unterschieden haben. Auch erlitten beide in der Folgezeit bis heute ein ähnliches Schicksal.

Beschreibung

Der ovale Saal im zweiten Obergeschoss ist deutlich niedriger als sein Pendant eine Etage tiefer. Demzufolge wirkt er gedrückter. Beispielsweise war es nicht möglich, dem umlaufenden Sockel die Höhe der Fensterbrüstung zu geben, da dieser dann im Verhältnis zur eigentlichen Wand viel zu hoch ausgefallen wäre. Auch hier wechseln sich vier Türen, die an den Scheitelpunkten des Ovals angeordnet sind, und vier Fenster, die in den Diagonalen liegen, ab, während die dazwischen liegenden Wandflächen boisiert waren. Für Bildfelder über Fenstern und Türen war kein Platz mehr, da direkt über den Fenstern die Voute der Decke aufsteigt. Über den beiden Türen, die in das Kabinett bzw. Treppenhaus führen, befanden sich geschnitzte, teils mit Palmetten verzierte Türstürze. Große Aufmerksamkeit erfuhr ebenfalls der aus verschiedenen Hölzern zusammengesetzte Fußboden. Einen besonderen Akzent setzten die an den Wänden angebrachten geschnitzten Konsolen, auf denen Tonvasen standen.

Wandausstattung

Die Wandflächen zwischen Fenstern und Türen waren vor der Zerstörung des Baus boisiert und mit einer frühklassizistischen Ausmalung versehen.[14] Hinzu kamen acht große und 16 kleine vergoldete Konsolen, auf denen bronzierte Tonvasen in antikischer Gestalt standen.[15]

Die Entwürfe für die einfache Bemalung der boisierten Wände dürfte Langhans geliefert haben. Wer hingegen die praktische Ausführung leistete, ist nicht überliefert.[16] Beim Bombenangriff auf das Belvedere ging die Ausmalung zugrunde.[7] Im Zuge der bis 1971 erfolgten Instandsetzung des Saals verzichtete man auf deren Rekonstruktion.

Beschreibung und Ikonographie

Auf den Wandflächen sind hochrechteckige, helle Felder ausgespart, die umlaufend von einem breiten, in einem dunkleren Ton gehaltenen Rahmen gefasst sind. Die Leisten des Rahmens werden beidseits von hellen Streifen gesäumt, die sich in den Eckpunkten überschneiden und dort somit kleine Quadrate ausschneiden, die von dunklen Rhomben gefüllt sind. Eine entsprechende Raute sitzt zudem jeweils in der Mitte der Rahmenleisten. Die Wandbemalung bildet den Fonds für jeweils eine breite Konsole, die in der Mitte des hellen Wandfelds sitzt, und zwei kleinere Konsolen, die auf den Rahmenleisten oberhalb der mittig platzierten Rhomben angebracht sind. Dank des Inventareintrags wissen wir, dass „die Wände /: in couleurten Granit und grünen Porphyr / auf Holz in Marmor Art lackirt“ waren. Diesen Eindruck vermag die überlieferte Schwarzweißabbildung nicht zu überliefern.

Schrift- und Bildquellen

Inventar 1800 (SPSG), Belvedere, Db. 214:

„Die Wände /: in couleurten Granit und grünen Porphyr / auf Holz in Marmor Art lackirt, die Leisten und Superporten Bildhauer und Vergoldungs=Arbeiten.“

Die Decke des Saals

Eine sehr niedrige Voute leitet von der Wand zum flachen Deckenplafond über.

Im Inventar von 1800 ist überliefert, der Platfond sei „en arabesque mit einigen Figuren gemahlt.“ Davon ist im Foto freilich nur die ornamentale Bemalung der Voute überliefert, während der eigentliche Plafond weiß gehalten ist. Im Krieg stürzte die Decke vollständig ein, und beim anschließenden Wiederaufbau wurde auf eine Rekonstruktion der Voutenbemalung verzichtet.[7]

Beschreibung und Ikonographie

Die sehr niedrige Voute war mit einem einfachen umlaufenden Arabeskenfries geziert.

Schrift- und Bildquellen

Inventar 1800, Belvedere, Db. 214:

„Platfond en arabesque mit einigen Figuren gemahlt.“

Bibliographie

  • Baer, Berliner Porzellan, 1989. – Baer, Winfried: Berliner Porzellan aus dem Belvedere/Schloß Charlottenburg, Berlin 1989.
  • Eggeling/ Hanemann/ Julier, Ein Schloss in Trümmern, 1993. – Eggeling, Tilo/ Hanemann, Regina/ Julier, Jürgen: Ein Schloß in Trümmern. Charlottenburg im November 1943 (Aus Berliner Schlössern. Kleine Schriften 13), Berlin 1993.
  • Göres/ Vogtherr/ Evers, Friedrich Wilhelm II., 1997. – Göres, Burkhardt/ Vogtherr, Christoph Martin/ Evers, Susanne (Hg.): Friedrich Wilhelm II. und die Künste. Preußens Weg zum Klassizismus. Ausstellung vom 20. Juli bis zum 14. September 1997, Orangerie und Marmorpalais im Neuen Garten; Weißer Saal im Schloss Charlottenburg, Potsdam 1997.
  • Kühn, Schloss Charlottenburg, 1955. – Kühn, Margarete: Schloss Charlottenburg, Berlin 1955.
  • Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970. – Kühn, Margarete: Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1: Textband (Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin), Berlin 1970.
  • Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,2, 1970. – Kühn, Margarete: Schloss Charlottenburg, Bd. 1,2: Tafelband (Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin), Berlin 1970.
  • Schmidt, Carl Gotthard Langhans, 1987. – Schmidt, Hartwig: Carl Gotthard Langhans, in: Ribbe, Wolfgang/ Schäche, Wolfgang (Hg.): Baumeister, Architekten, Stadtplaner. Biographien zur baulichen Entwicklung Berlins, Berlin 1987, S. 107–124.
  • Schmitz, Berliner Baumeister, 1925. – Schmitz, Hermann: Berliner Baumeister vom Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts, 2. Ausgabe, Berlin 1925.
  • Völkel, Die Porzellansammlung, 2010. – Völkel, Michaela: Die Porzellansammlung des Landes Berlin im Belvedere Charlottenburg, Berlin/München 2010.
  • Wimmer, Die Gärten, 1985. – Wimmer, Clemens Alexander: Die Gärten des Charlottenburger Schlosses, Berlin 1985.

Einzelnachweise

  1. Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970, S. 189, Abb. 126; Wimmer, Die Gärten, 1985, S. 41.
  2. Zur Umgestaltung des Barockgartens in einen Landschaftspark unter Friedrich Wilhelm II.: Wimmer, Die Gärten, 1985, S. 43–54.
  3. Ebd., S. 47, 50, Abb. 49.
  4. Ebd., S. 55, 60, Abb. 65.
  5. Zum Belvedere und seinen Sälen: Rumpf, Beschreibung, 1794, S. 266; Kühn, Schloss Charlottenburg, 1955, S. 86–88, Abb. 56–58, Taf. 120; Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970, S. 211–215; Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,2, 1970, Abb. 837f.; Eggeling/Hanemann/Julier, Ein Schloss in Trümmern, 1993, S. 134.
  6. Inventar 1800, Belvedere, Db. 214.
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970, S. 210; Eggeling/Hanemann/Julier, Ein Schloss in Trümmern, 1993, S. 134–137, Kat. Nr. 82f.
  8. Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970, S. 213, Abb. 143, S. 215, Abb. 146.
  9. Abbildung der Supraporten in: Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,2, 1970, Abb. 837.
  10. Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970, S. 211.
  11. Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970, S. 210. Eggeling/Hanemann/Julier, Ein Schloss in Trümmern, 1993, S. 134–137, Kat. Nr. 82f.
  12. Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970, S. 214, Abb. 145.
  13. Zum Saal im 2. OG: Rumpf, Beschreibung, 1794, S. 266; Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,1, 1970, S. 214; Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,2, 1970, Abb. 839; Eggeling/Hanemann/Julier, Ein Schloss in Trümmern, 1993, S. 134; Göres/Vogtherr/Evers, Friedrich Wilhelm II., 1997, S. 287–290, Kat. Nr. III.78 (Markus Miller).
  14. Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,2, 1970, Abb. 839.
  15. Göres/Vogtherr/Evers, Friedrich Wilhelm II., 1997, S. 289f., Kat. Nr. III.79 (Susanne Evers).
  16. Abbildung der Wandbemalung in: Kühn, Schloss Charlottenburg, Bd. 1,2, 1970, Abb. 839.