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Benediktbeuern, ehem. Benediktinerabtei, Ökonomiehof

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 132–133, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Okonomiehof. Hofeinfahrt

Zum Bauwerk: Das Ökonomiegebäude östlich des Klosterkomplexes wurde 1708–16 durch Michael Otschmann erbaut (Mindera, GKF 19703, S. 29) und 1721 in Betrieb genommen (Meichelbeck, Chronicon, S. 390).

Umfangreiche Rechteckanlage mit Mittelrisalit an der S- Front (Dienstbotenstock), in dessen Toreinfahrt (3,40 × 2,50 m) sich das Deckenbild befindet (Übersichtsplan S. 38)

Auftraggeber: Abt Magnus Pachinger von Benediktbeuern (1707–42).

Autor und Entstehungszeit: Das Deckenbild gilt als Werk des Benediktbeurer Laienbruders Lucas Zais (* um 1673 † 1739; vgl. St. Jakob am Walchensee, S. 241). Es zeigt weitreichende stilistische Verwandtschaft mit den Deckenbildern im ehem. Schlafraum im Alten Konventbau (S. 94 f.), in Klösterl und Walchensee (S. 195 und S. 241). Entstehungszeit 1715/20

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke Rahmen: Stuckprofil Technik: Fresko mit Secco; polychrom Maße. Höhe 3,85 m; 1,70 × 1,30

Erhaltungszustand: Das Deckenbild scheint nicht restauriert zu sein; die Farben sind relativ gut erhalten. Schimmelbildung an den Rändern, weiße Farbspritzer (von einer Tünchung herrührend) und Schadstellen im unteren Bildteil, verursacht durch einen spitzen Gegenstand

Beschreibung und Ikonographie

SCHUTZENGEL Einansichtige Darstellung; Aufnahmestandpunkt unter der Bildmitte; Blickrichtung nach N. – Die großfigurige Schutzengelgruppe nimmt das ganze Bildfeld ein. Der Engel sitzt auf Wolken und umfaßt mit der Linken ein weißgekleidetes Kind, das sich dem Kreuz zuwendet, das der Engel mit der Rechten emporhält. Das Kreuz ist von einem Ölzweig umwunden, Symbol für die Versöhnung und das Erbarmen Gottes (vgl. Ps 51, 10) in

Schutzengel

Christus, dem der Mensch nachfolgen soll. Durch das Diadem auf seinem Haupt ist der Engel als Erzengel (Raphael) bezeichnet. Luzifer und Amor carnalis versuchen, das weißgekleidete Kind, das Bild der menschlichen Seele ist (anima; vgl. S. 594, 596), in die Tiefe zu reißen. Die Teufelsgestalt ist von einer feuerspeienden Schlange umwunden. Amor carnalis, ein geflügelter Amorknabe mit Köcher und Pfeilen, hat Bocksfüße, die ihn eindeutig als negative Gestalt bezeichnen. Am unteren Bildrand wird die Weltkugel sichtbar.

Literatur siehe S. 133

Quellen und Literatur

Hund, Wiguleus, Metropolis Salisburgensis, Bd 2, München 1620, S. 143 f. (Gründungsgeschichte).

Meichelbeck, P. Carolus, Tagebuch, BSB Meichelbeckiana 18, Bd c.

- Archivum Benedictoburanum, 4 Bde, BSB Meichelbeckiana 21.

- Chronicon Benedictoburanum, München 1751.

Ortschronik der Benediktiner-Abtei Benediktbeuern (o. V.), in: Allgemeine Bayerische Chronik oder Geschichts-Jahrbuch 2, 1843, Bd 2, S. 64 f.

Das ehemalige Benediktinerkloster Benediktbeuern (o. V.), in: Kalender für katholische Christen, 1847, S. 43–51. Daffner, Franz, Geschichte des Klosters Benediktbeuern.

München 1893.

KDB I OB (1), S. 655–64. Scheglmann, Alfons Maria, Geschichte der Säkularisation im rechtsrheinischen Bayern, Regensburg 1906, Bd 3, S. 297–328.

Lindner, Pirmin, Fünf Profeßbücher süddeutscher Benediktiner-Abteien, IV. Benediktbeuern, Kempten und München 1910 (dort ältere Literatur).

Becker, Walter, Die Schicksale des Klosters Benediktbeuern, in: Bayerland 27, 1915/16, S. 361–63, S. 379–82; Bayerland 28, 1916/17, S. 5–6.

Schmid, Anton, Die Nachblüte der Abtei Benediktbeuern nach dem dreißigjährigen Kriege, Salzburg 1924. Schnell, Hugo, Benediktbeuern (= KKF, Nr. 34), München 1934.

Hoffmann, Richard, Das Kloster Benediktbeuern, München 1934.

- Das alte Stift Benediktbeuern, in: Heimgarten 12, 1934, S. 15 f., 23 f., 31 f.

- Führer durch Kloster Benediktbeuern, München 1935.

Hartig, Michael, Die oberbayrischen Stifte, München 1935, Bd 1, S. 12–18.

Mindera, Karl, Benediktbeuern. Das Handwerk im Dienst der Kunst auf dem Boden der Grundherrschaft Benediktbeuern, München 1939.

Albrecht, Dieter, Das Klostergericht Benediktbeuern (= Historischer Atlas von Bayern I, Heft 6), München 1953. Mindera, Karl, Johann Baptist Zimmermanns Arbeiten für die ehemalige Benediktinerabtei Benediktbeuern, in: Das Münster 8, München 1955, S. 16.

- Michael Otschmann, Ein Handwerker des bayerischen Oberlandes in der Barockzeit, in: Festschrift für Josef Demleitner, München 1956, S. 64ff.

Dachs, Karl, Die Meichelbeckiana in der bayrischen Staatsbibliothek, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens, Bd 80, 1969, Heft 1/2. Mindera, Karl, Benediktbeuern (= GKF, Nr. 23), München ³1970.

Hemmerle, Josef, Die Benediktinerklöster in Bayern, Germania Benedictina, Bd 2, Augsburg 1970, S. 61–67.

Wagner, Helga, Barocke Festsäle, München 1974, S. 44–48, S. 131–33.

Weber, Leo, St. Benedikt zu Benediktbeuern, Benediktbeuern 1980.