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Bamberg, Obere Sandstraße 7, ehemaliger Domherrenhof

Aus Deckenmalerei-Lab
Seeger, Ulrike:Bamberg, Obere Sandstraße 7, ehemaliger Domherrenhof, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/0e426003-2246-4e74-9144-3c0d1f2abbe2

Inventarnummer: cbdd20124

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im Domherrenhof der heutigen Haas-Säle malte wahrscheinlich Johann Jakob Gebhard um 1725 die Szene von König Lucius Tarquinius, der seinem Sohn Sextus durch Abschlagen von Blumen in seinem Garten die verschlüsselte Botschaft überbringen ließ, die Obersten der von ihm belagerten Stadt Gabii zu töten.

Ehemaliger Domherrenhof Obere Sandstraße 7

Bamberg, Obere Sandstraße 7, Eingang vom Domplatz

Besitz- und grobe Baugeschichte

Das Haus Obere Sandstraße 7 entstand direkt unterhalb des Dombergs um 1600 aus der Zusammenlegung zweier Gebäude. Das 1360 erstmals erwähnte Haus zum Kolben lieferte die östlichen drei Achsen, die acht westlichen Achsen gehen auf das weniger stattliche Haus zum Güldenen Ochsen zurück. [1] 1702 kam das Gebäude unter Lothar Franz von Schönborn an die fürstbischöfliche Kammer. 1706 gelangte es durch Tausch an das Domkapitel und diente seither als Domherrenhof. Der Funktion als Domherrenhof kam zugute, dass das Grundstück in seinem rückwärtigen Teil an die Residenzstraße grenzt.

1722/23 erfolgte eine in der Datierung dendrochronologisch ermittelte Modernisierung, [2] in deren Verlauf in der Tiefe der drei östlichen Achsen im zweiten Obergeschoss im Seitenflügel die Raumfolge mit dem zu besprechenden Deckengemälde entstanden sein dürfte. Der damalige Bewohner des Domherrenhofs ist namentlich nicht bekannt. [2]

Beschreibung

Die Zweiteilung des traufständigen Gebäudes in einen dreiachsigen östlichen und einen achtachsigen westlichen Teil lässt sich noch heute an der Fassade ablesen, obwohl diese mehrmals tiefgreifend umgestaltet wurde.[3] Hinter den drei östlichen Achsen liegt im zweiten Obergeschoss ein Saal, der sich in der Tiefe des Grundstücks im Anschluss an ein Treppenhaus in einer langgestreckten Raumfolge im Seitenflügel fortsetzt. Der dem Seitenflügel zugehörige Hof wurde 1957 zu einer Terrasse aufgestockt. [4]

Zur Residenzstraße entlang der Kante des Dombergs besitzt das Anwesen bis heute einen Treppenaufgang. [5] Er führt zu einem weiteren Eingang, der aus der Zeit der Nutzung als Domherrenhof stammen könnte, obwohl die Mauer zur Residenzstraße erst um 1800 erbaut wurde. [4]

Raumfolge im zweiten Obergeschoss des östlichen Seitenflügels

Der östliche Seitenflügel nimmt im zweiten Obergeschoss eine Raumfolge mit zwei zweiachsigen und einem vierachsigen Raum auf. Die Rechteckfenster mit segmentbogenförmigen Laibungen erhielten Licht vom Hof, der sich heute als Terrasse darbietet. Von den beiden zweiachsigen Räumen haben sich nur die Decken erhalten. Die Zwischenwände wurden entfernt. [6] Die Stuckdecken mit Bandelwerkdekor umschlossen in ihren zentralen Feldern vermutlich ursprünglich ebenfalls Deckengemälde wie sich eines im großen Raum erhalten hat.

Bei der Raumfolge könnte es sich um ein Empfangsappartement handeln. In diesen Fall würde der große vierachsige Raum mit dem zu besprechenden Deckengemälde als Audienzzimmer gedient haben.

Raum mit Deckengemälde

Der vierachsige, neun Meter lange Raum bildet das Ende einer Raumfolge, die im Anschluss an das Treppenhaus mit zwei zweiachsigen Räumen beginnt. Vermutlich handelt es sich um ein ehemaliges Audienz- beziehungsweise Empfangszimmer. Die Stuckdecke in der Art von Johann Jakob Vogel wurde mit reichem Bandelwerk dekoriert, das als einzige figürliche Motive Masken und acht Vögel zu beiden Seiten der Eckgespinste aufweist.

Deckengemälde mit König Lucius Tarquinius im Garten

König Lucius Tarquinius schlägt Blumenköpfe ab, um seinem Sohn Sextus eine Botschaft zu übermitteln

Das im Sujet bislang umgedeutete Deckengemälde[7] stellt König Lucius Tarquinius dar, der seinem Sohn Sextus Tarquinius über einen Boten eine verschlüsselte Botschaft zukommen lässt, indem er Blumenköpfe in seinem Garten abschlägt.[8] Lucius Tarquinius wurde wegen seiner Willkürherrschaft aus Rom vertrieben. Als er die Stadt Gabii etwa 20 km östlich von Rom belagerte, ging sein Sohn Sextus Tarquinius in die Stadt und gab vor, sich von seinem harten Vater losgesagt zu haben. Er genoss daraufhin das Vertrauen der Gabiner. Um dennoch Befehle von seinem Vater zu erhalten, schickte er einen Boten zu ihm. Der Vater sagte dem Boten nichts, doch spazierte er mit ihm durch den Garten und schlug mit einem Stab die höchsten Kapseln (oder auch Blüten) eines Mohnfeldes ab.

Als der Sohn von dieser Handlung Bericht erstattet bekam, wusste er, dass er die vornehmsten und einflussreichsten Männer von Gabi zu ermorden hatte. Nach dem Tod ihrer Obersten war die Stadt geschwächt und lieferte sich selbst den Römern aus. Die Szene hat man vermutlich als Warnung vor arglosem Vertrauen und Achtsamkeit gegenüber möglichem Verrat zu deuten.

In der Bildmitte steht im Bamberger Deckengemälde inmitten eines höfischen Gartens der gerüstete König, der mit seinem Zepter auf teilweise geköpfte Blumen in einem Beet deutet. Er wendet sich dem ebenfalls gerüsteten Boten am linken Bildrand zu, der mit Lanze neben seinem Pferd steht und ungläubig seine linke Hand an die Brust führt. Im Hintergrund bezeugen weitere Krieger aus dem Gefolge des Königs durch Gesten ihre Ratlosigkeit.

Die einzige der Autorin bislang bekannte Vorlage zu dieser Szene stammt von Tobias Stimmer von circa 1575.[9] Vermutlich stand jedoch dem Bamberger Maler, bei dem es sich wahrscheinlich um Johann Jakob Gebhard handelte,[10] eine modernere Vorlage zu Verfügung, die noch zu eruieren ist. Der Holzschnitt von Stimmer illustriert das Werk „Titus Livius und Lucius Florus, Von Ankunft und Ursprung des römischen Reichs, Straßburg (Th. Rihel) 1575“.[11]

Da die einstigen Deckengemälde der angrenzenden Räume nicht erhalten sind und zudem der Auftraggeber nicht bekannt ist, fällt es schwer die Szene in ihrer Bedeutung für den Domherrenhof zu benennen. Der Betrachterstandpunkt liegt mit dem Rücken zur Fensterwand.

Bibliographie

  • Hollstein’s German 1400–1700, 80, 2014 = Hollstein’s German Engravings, Etchings and Woodcuts 1400–1700, Bd. 80: Tobias Stimmer, hg. von Paul Tanner, Ouderkerk aan den Ijssel 2014.
  • KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997 - Die Kunstdenkmäler von Bayern, Regierungsbezirk Oberfranken, Stadt Bamberg, Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, bearbeitet von Tilmann Breuer und Reinhard Gutbier, Bamberg, München, Berlin 1997, S. 1198–1205.

Einzelnachweise

  1. KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1199 (Reinhard Gutbier).
  2. 2,0 2,1 KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1200 (Reinhard Gutbier).
  3. Die Umgestaltungen: KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1200–1202 (Reinhard Gutbier).
  4. 4,0 4,1 KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1205 (Reinhard Gutbier).
  5. Vgl. KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1205 (Reinhard Gutbier).
  6. Maße: Erstes Vorzimmer: 3.9 Meter hoch, 6.1 Meter tief, 5.4 Meter lang; zweites Vorzimmer: 3.9 Meter hoch, 6.1 Meter tief, 3.7 Meter lang.
  7. KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1203–1204 (Reinhard Gutbier), dort lediglich als mythologische Szene betitelt.
  8. Tarquinĭus - Zeno.org(http://www.zeno.org/nid/20011069872)
  9. Hollstein’s German 1400-1700, 80, 2014, Kat.-Nr. 344 mit Abb. S. 73. Siehe auch 'Livius, Titus: Titus Livius, vnd Lucius Florus, von Ankunfft vnnd Ursprung deß Römischen Reichs, der alten Römer Herkommen ...', Bild 1 von 948 | MDZ
  10. KDM Bamberg Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, 1997, S. 1204 (Reinhard Gutbier).
  11. Hollstein’s German 1400-1700, 80, 2014, Kat.-Nr. 344 mit Abb. S. 73.