Bad Sassendorf, Haus Sassendorf
Inventarnummer: cbdd10346
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In Haus Sassendorf hat sich im Vestibül eine Wandmalerei vom Ende des 18. Jahrhunderts mit idyllischen Landschaftsansichten an allen Wänden erhalten.
Haus Sassendorf
Kurzbeschreibung und Lage
Haus Sassendorf[1] ist eine nach Osten geöffnete Dreiflügelanlage. Sie wird über eine künstliche querrechteckige Insel erreicht.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Die gegenwärtige Anlage stammt von 1783-85 und ersetzt ein älteres Gutshaus, das im Siebenjährigen Krieg zerstört worden war. Bauherr war Franz von Bockum-Dolffs, der das Gut bereits 1765 erworben hatte und nun seinen Hauptsitz nach Sassendorf verlegte. Er starb bereits 1786 und die Innenausstattung wurde unter seinem Sohn Johann Franz von Bockum-Dolffs bis 1810 geschaffen. 2006 wurde das Gebäude saniert.
Beschreibung
Das zweigeschossige Herrenhaus über hohem Sockelgeschoss unter Mansarddach präsentiert sich mit elf Achsen, von denen die mittleren drei mit einem Dreiecksgiebel zusammengefasst sind. Der Fassadenschmuck stammt überwiegend aus dem späten 19. Jahrhundert. Das Haus wird über eine doppelläufige Freitreppe erreicht.
Die Eingangshalle
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Eingangshalle[1] war 1785 fertiggestellt und wurde bis Ende des Jahrhunderts ausgestattet. 1954 erfolgte eine umfassende Restaurierung.
Beschreibung
Der Raum erhält sein Licht durch zwei schmale Fenster im Osten beiderseits der Eingangstür. Drei Türen in der Süd-, West- und Nordwand erschließen die übrigen Räume des Hauses sowie das Treppenhaus.
Die Wandmalerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Wandmalerei[2] der Eingangshalle stammt aus dem späten 18. Jahrhundert. 1954, 1965/66 und 1974 wurde die Malerei restauriert. Sie bedeckt die gesamten Wandflächen oberhalb eines gemalten Sockelbereichs mit einer umlaufenden Landschaftsdarstellung. Sie wird nur von den Türen mit ebenfalls gemalten Supraporten sowie dem Oberlicht über der Eingangstür unterbrochen. Die südliche Supraporte zum Treppenhaus wurde 1954/55 übermalt und in die Landschaft integriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Malereien präsentieren vier Ausblicke in verschiedene Landschaften. Fenster- und Portalnischen sind in die Darstellung integriert. Im Bildvordergrund sind Staffagefiguren zu unterschiedlichen Genreszenen gruppiert. Die Betrachtenden sind auf Höhe der Figuren und gewinnen so den Eindruck, sich selbst im Freien zu befinden. Ihr Blick fällt an dichten Baumgruppen und Abhängen im Vordergrund auf eine hügelige bis bergige Landschaft mit Knicks, Seen und einigen Ortschaften. Der Farbklang ist kühl.
An der Ostwand rechts neben der Eingangstür erblickt man eine Gruppe von Frauen mit einem Kind. An der Südwand links der Tür sind eine stillende Mutter sowie ein Mann mit Hund, der auf seinen Stock gestützt in die Ferne schaut, dargestellt. In der Südwestecke geht der Blick auf einen See, hinter dem eine Ortschaft mit Kirche gelegen ist. Links davon an der Südwand gehen Frauen vor einer Baumgruppe ihrer Arbeit nach. Rechts davon an der Westwand ist ein steiler Weg zu einer Ortschaft zu sehen, den zwei Personen – unabhängig voneinander – emporgehen. In der Nordwestecke wird ein Schäfer vor einem See gezeigt, hinter dem sich eine Burg erhebt. Links davon, an der Westwand, hat sich eine Gruppe von einem Mann und zwei Frauen zum Picknick zusammengefunden. Rechts davon an der Nordwand tanzen Bauern an einem Waldrand. An der Nordwand rechts der Tür fällt der Blick in die Weite einer hügeligen Landschaft. Links hat sich eine Gruppe von Frauen versammelt. An der Ostwand links neben der Eingangstür sind zwei Wanderer zu sehen. Insgesamt handelt sich um idyllische Szenen.
Die drei Supraporten zeigten bzw. zeigen figürliche Darstellungen. Vermutlich handelte es sich um Allegorien auf die drei Lebensalter. Links des Eingangstür im Süden erblickt man eine leichtbekleidete Frau mittleren Alters mit Haube. Sie sitzt mit gespreizten Beinen auf einem Bett und blickt auf die Bilder in einem geöffneten Medaillon, das sie in ihrer linken Hand hält. Auf der Supraporte an der Nordwand werden zwei leichtbekleidete junge Frauen gezeigt, die einen übervollen Blumenkorb bei sich haben. Sie sitzen am Rand eines Teiches. Eine streckt ihren Fuß in das Wasser. Am Ufer befindet sich ein Schwan, mit dem zwei Eroten spielen. Auf der übermalten Supraporte erblickte man eine alte Frau auf dem Bett/Krankenlager.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
- Westfalen 40 (1962). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 40. Münster 1962.
- Westfalen 56 (1978). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 56. Münster 1978.
- Archivalien:
- Akte II, 1975-1992. – Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Bismarckstrasse 8. Schlossanlage „Haus Sassendorf“. (Schloss, Gräfte, Brücke, 2 Wirtschaftsgebäude, Park). Bad Sassendorf. Kreis Soest. Akte II 1975-1992.