Aurich, ehem Haus Burgstraße 48
Inventarnummer: cbdd20373
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Aus dem um 1630 für Michael Walther errichteten Haus Burgstraße 48 in Aurich stammt eine translozierte Holzbalkendecke mit Leimfarbenmalerei. In Medaillons zeigt sie die vier Evangelisten nach Vorlagen von Crispijn de Passe und war reich mit Beschlagwerk, Ornamenten und Cherubimköpfen verziert.

Das ehem. Haus Burgstraße 48

Kurzbeschreibung und Lage
Das Haus stand an der zentralen Burgstraße in der ehemaligen Residenzstadt Aurich, nahe dem Residenzschloss.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Haus wurde um 1630 mit großer Wahrscheinlichkeit für den Generalsuperintendenten und Hofprediger Michael Walther erbaut, der von 1626 bis 1642 in Aurich wirkte. Nach seinem Fortgang ging es an Franz Ico von Frydag zu Gödens über. Spätestens 1752 war es ein „volles adelich freyes Haus“. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde im vorderen Teil des Hauses eine Zwischendecke eingezogen. Dies geschah möglicherweise erst 1837, als das bis dahin hohe Erdgeschoss zu einem Ladenlokal umgestaltet wurde. 1963 erfolgte der Abbruch des Hauses. Ein historisierender Giebel wurde dem Neubau unter Verwendung alter Bauteile vorgeblendet.[1]
Beschreibung
Es handelt sich um ein im vorderen Bereich ehemals eingeschossiges und ursprünglich unverputztes Giebelhaus. Das Innere sowie die Fassade waren weitgehend umgestaltet. Der heutige Bau ist wieder unverputzt und soll mit seinen schlanken, hohen Fenstern in beiden Geschossen daran erinnern, dass sich hier ehemals ein hoher, durchgehender Raum befand.
Die translozierte Decke und ihre Malerei
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Heiliger Markus
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Hl. Matthäus
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Hl. Lukas
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Hl. Johannes
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Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Holzbalkendecke ist zusammen mit dem Haus um 1630 entstanden und mit Leimfarbenmalerei geschmückt worden. Auftraggeber war Michael Walther. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde sie unter einer Stuckdecke verborgen, erst beim Abbruch des Hauses 1963 wieder entdeckt und anschließend ausgelagert. Ihr heutiger Verbleib ist unbekannt. 1991 wird berichtet, sie befinde sich verdeckt in einem Raum im ersten Obergeschoss des Hauses Burgstraße 10.[2]
Beschreibung und Ikonographie
Die Holzbalkendecke maß 5 auf 3,5 Meter. Die parallel zum Giebel verlaufenden Balken bildeten vier Fachen. Sie waren dunkel gefasst und an den Unterseiten mit Maureskenornamenten und prismenartig gemalten Nagelköpfen verziert. Die Fachen rahmte und gliederte ein gelbfarbenes Beschlagwerk, das an den Schmalseiten Halbkreise und in der Mitte je ein kreisrundes Medaillon ausbildete. In die Halbkreise waren auf rotem Grund Cherubimköpfe in dunkleblauen Strichen gemalt. Die Mittelmedaillons präsentierten in derselben Art die vier Evangelisten mit ihren Symbolen und jeweiligem Namen. Von der Straßenseite aus waren dies Markus, Matthäus, Lukas, Johannes. Die Malerei der letzten Fache war aufgrund eines darüber befindlichen Ofens durch Ruß stark geschädigt; die Darstellung des Johannes war nahezu gänzlich geschwärzt. Der Raum zwischen dem Beschlagwerk nahm auf hellem Fond überwiegend rot und blau gemalte Ranken, Blumen und Früchte sowie Kronen auf.[3]
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellungen der Evangelisten folgten Stichen von Crispijn de Passe nach Geldorp Gortzius.
Bibliographie
- Literatur:
- Gauger, Burgstraße, 2025. – Gauger, Gerd-D.: „Ein volles adelich freyes Haus“. Aus der wechselvollen Geschichte eines stadtbildprägenden Gebäudes in der Auricher Burgstraße. In: Heimatkunde und Heimatgeschichte. 10 (2025), S. 1.
- Grote/Königfeld, Katalog, 1991. – Katalog. In: Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter (Hrsg.): Raumkunst in Niedersachsen. Die Farbigkeit historischer Innenräume. Kunstgeschichte und Wohnkultur. München 1991, S. 219-266.
- Ramm, Burgstraße, 1963. – Ramm, Heinz: Eine bemalte Holzdecke um 1630 entdeckt. Das Bürgerhaus Burgstraße 14 in Aurich und seine Bewohner. In: Ostfriesland (1963), 2, S. 25-27.