Augsburg, Maximilianstraße 33, Haus des Goldschmiedes Johann Martin Biller

Dreyer, Angelika:Augsburg, Maximilianstraße 33, Haus des Goldschmiedes Johann Martin Biller, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/3c7483b7-f54b-4984-8884-fdf104c93395

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Das Wohn- und Geschäftshaus birgt heute nur noch geringe Reste einer ehemals umfangreichen Ausstattung der Wohnung des Silberschmieds und -händlers Biller, der damit zugleich seinen guten Ruf und sozialen Status innerhalb der Augsburger Silberschmiedezunft zum Ausdruck bringen wollte.

Augsburg, Maximilianstraße 33
Augsburg, Maximilianstraße 33

Lage, Bau-, Funktions- und Ausstattungsgeschichte

Lage

Das Bürgerhaus besaß und besitzt bis heute eine über viele Jahrhunderte hinweg urbanistisch bevorzugte Lage. Gegenüber dem Chor der Moritzkirche weitet(e) sich die Maximilianstraße, Augsburgs prominente Hauptstraße, zu einem Platz, den der Merkurbrunnen des Adriaen de Vries, 1596 bis 1599 modelliert, seitdem markiert und auszeichnet.

Der um 1790 ausgestattete Saal des Bürgerhauses ermöglichte einen aus dem 1. Obergeschoss herausgehobenen Blick auf diese städtebaulich besondere Situation und steigerte den Anschauungs- und Erlebniswert der dort empfangenen Besucher.

Bau-, Funktions- und Ausstattungsgeschichte

Das Gebäude Maximilianstraße 33 ist bis in das frühe 15. Jahrhundert als Grundeigentum archivalisch fassbar. In dem hier relevanten Zeitraum der Frühen Neuzeit sind besonders die Besitzverhältnisse des 18. Jahrhunderts von Interesse, da sie in direktem Zusammenhang mit der möglichen Funktion und Ausstattung der Innenräume im 1. Obergeschoss stehen.

Während des gesamten 18. Jahrhunderts war das Haus im Besitz der Familien Gutermann und Biller, die beide im Augsburger Gold- und Silbergewerbe tätig waren. Entweder als Artefakte produzierende Handwerker und/oder als Händler mit Silberwaren, worauf bei dem Wohnhaus Maximilianstraße 33 die Gestalt des Erdgeschosses auf eine Nutzung als Laden hinweist, in dem man die hergestellten Silberwaren einem interessierten Publikum zur Augen- und Kauflust offerierte.[1]

Ende des 18. Jahrhunderts, 1790, entschloss sich der damalige Besitzer Johann Martin Biller (um 1736 – 1802) die Räume der Wohnung im 1. Obergeschoss, vermutlich seine eigene, im Geschmack der Zeit neu ausstatten zu lassen. Davon hat sich bis heute lediglich ein kleiner Rest erhalten, der Bestandteil des ehemaligen repräsentativen Saales war und der zudem einen urbanistisch anregenden Ausblick ermöglichte.

Das Bauwerk

Das stattliche Bürgerhaus aus der Zeit vor 1500 behauptet sich als spätgotischer Solitär zwischen zwei Häusern, deren Giebel eine barocke, d.h. geschweifte und gekurvte Umrisslinie aufweisen.

Den viergeschossigen und fünfachsigen Baukörper überfängt ein gotisierender Treppengiebel, der das dahinter liegende Satteldach verdeckt. Dessen Aufbau und vorherrschende Motivik entstammen grundsätzlich dem Architekturvokabular der Spätgotik und selbst die über die Jahrhunderte hinzugekommenen verschiedenen Farbfassungen und Dekorelemente konnten das Erscheinungsbild der Fassade nicht gänzlich verunklären.

Erkennbar bleibt, trotz unterschiedlicher Detailveränderungen von Tür- und Fensterbildungen die Grundgestalt und –struktur der Spätgotik, deren Akzent weniger auf der achstrennenden Anwesenheit von Strebepfeilern liegt, sondern deren ordnende Gliederung sich in der symmetrischen Verteilung der Fenster äußert.

An dem Gesamtaufbau des Gebäudes ist auch die Benützung des Erdgeschosses als Geschäftsbereich mit Laden ablesbar, während die darüber liegenden Geschosse als Wohnungen genutzt wurden.

Auftraggeber der Raumausstattungen im 1. OG: Der Silberhändler Johann Martin Biller II (1736–1808)

 
Augsburg, Maximilianstraße 33

Den Auftrag zur Neuausstattung seiner Wohnung im 1. Obergeschoss gab Johann Martin Biller II (1736–1808), ein evangelischer Silberarbeiter, der ab 1757 seinen Meisterbrief besaß.[2] Er ist gleichzeitig als Handelsmann in Erscheinung getreten, worauf eine Archivalie verweist.[3] Das Herstellen, Handeln und Verkaufen der von ihm gefertigten Produkte scheint wohl so einträglich gewesen zu sein, um die Neudekorierung seiner Wohnung auf diese Weise finanzieren zu können.[4]

Maler: Johann Joseph Anton Huber oder Umkreis?

Für die in dem Anwesen ausgeführte Dekorationsmalerei ist, archivalisch gesehen, bisher kein Künstlername bekannt.

Eine gewisse stilistische Nähe zu der Ausstattung im Landschaftszimmer von Johann Joseph Anton Huber in Schloss Duttenstein ist unverkennbar, eine Zuschreibung an ihn oder in dessen Umkreis auch zeithistorisch wahrscheinlich.[5]

Nordwestlicher Raum im 1. OG: Beschreibung und Maße

 
Augsburg, Maximilianstraße 33

An der Nordwestseite der großzügig dimensionierten Wohnung befindet sich ein längsgerichteter Raum, deren vier Wände ehemals mit Malereien verziert waren.

Das Zimmer wird an der Westseite von zwei Fenster belichtet, die zudem einen städtebaulich priviligierten Ausblick auf den Platz vor der Moritzkirche, deren Choranlage und die Maximiliansstraße erlauben.

Den Zugang in diese Räumlichkeit ermöglicht an der Ostseite eine breite, stichbogige Arkadenöffnung, die als einladendes Eingangsmotiv gedacht ist und einen ersten Blick in den prachtvoll ausgestatteten Saal gewährte.

Die Nutzung dieses Raumes zu repräsentativen Zwecken unterstützen auch die räumlichen Dimensionen von 6,4m Länge, 4,7m Breite und einer Höhe von 2,7m, die für ein Bürgerhaus eine beachtliche Wirkung ergeben.

Von der ehemaligen Bemalung aller vier Wände ist heute nur noch ein schmaler Streifen an der Mitte der Nordwand sichtbar, während man die übrigen Malereien aus Sicherungsgründen kaschierte. Anhand von Rekonstruktionszeichnungen ist die Raumerscheinung dennoch optisch greif- und gedanklich begreifbar.

Eine kleine Türe in der Südwand führt in den Nachbarraum.

Nordwand
 
Augsburg, Maximilianstraße 33

Die Nordwand ist die einzige der vier Raumbegrenzungen, die keinerlei Öffnungen besitzt und deshalb die dem gesamten Raum zugrunde liegende Gestaltstruktur am deutlichsten zeigt, deren Aussagewert auf die anderen Wände übertragbar ist, da die ausformulierte Grundidee in sich schlüssig bleibt.

Die ganze Wand ist als ein mehrteiliges und in sich symmetrisches Dekorkontinuum mit sieben Abschnitten aufgefasst, das im regelmäßigen Wechsel aus breiteren und schmäleren Bildfeldern sich entfaltet.

Die gestalterische Unterscheidung erfolgt hierbei auf doppelte, metrische und motivische, Weise, wobei man eine Primär- und Sekundärgestaltung ausmachen kann.

Die Primärstruktur formiert sich aus plastischen Wulstleisten, die insgesamt ein hochrechteckiges Rahmenfeld bilden. Neben ihrer größeren Breite werden diese drei Wand-Abschnitte durch die Anwesenheit von drei in der Größe in sich differenzierten Medaillons zusätzlich hervorgehoben und setzen sich gestalterisch von den vier Schmaltravéen ab.

Diese nicht nur schmäleren, sondern auch niedrigeren Wandfelder besitzen eine Rahmung, die aus flachen Bandleisten besteht und Attribute beinhalten.

Der ausführende Künstler hat sich in diesem Objekt dafür entschieden, die gemalte dreidimensionale Plastizität der Rahmenbildung als Primärgestalt vorzuführen, von der die zweidimensionale Flachheit als Sekundärfigur abgesetzt und unterschieden wird. Dieser künstlerische Grundgedanke ist auch auf den anderen drei Wandseiten erkennbar. Dieser dekorative Wandzusammenhang ist heute nur noch auf einer Rekonstruktionszeichnung aus dem Jahre 1993 nachvollziehbar. Im Zuge der Renovierung hatte man sich entschlossen, aus konservatorischen Gründen die Fresken zu kaschieren und alleine das zentrale Mittelfeld sichtbar zu belassen.

Zentrales Mittelfeld: Landschaftsszenerie

In dem hochovalen Medaillon mit grüner Bänderung ist eine genrehafte Landschaftsszene zu erkennen: entlang einer Flussbiegung sieht man auf einer Uferseite ein von Bäumen umstandenes Haus mit Satteldach, gegenüber ein angetäutes Fischerboot mit einer darin befindlichen Reuse; ein schwimmender Wasservogel ergänzt das aquinäre Stillleben.

Im Bildhintergrund zwingt ein Felsmassiv den Fluss zu seiner kurvigen Richtungsänderung, darüber fliegen Vögel hoch in die Lüfte.

Westliches Wandfeld: Attribute für Bildhauerei und Architktur

Auf dem westlichen Schmalfeld sind mehrere Gerätschaften vereint, die zum einen auf den Beruf eines planenden Zeichners und/oder Architekten und zum anderen den eines Bildhauers verweisen.

Dieses kompakte Arrangement setzt sich aus einem Zeichendreieck, dem L-förmiger Anschlagwinkel, einer Papierrolle, einem Vollkreis-Winkelmesser und einem Bildhauer-Klüpfel zusammen. Unterhalb dieser Ansammlung sind zwei unterschiedliche Zirkel dargestellt, ein Verstellzirkel, den bevorzugt Architekten benutzten und ein Punktierzirkel, ein unentbehrliches Arbeitsgerät für Bildhauer.

Drittes Dekorfeld von Osten: aufflatternder Papagei
 
Augsburg, Maximilianstraße 33

Innerhalb des hochovalen Rahmens ist ein Graupapagei zu sehen, der mit ausgebreiteten Flügeln seinen Körper in die Höhe reckt und dabei gleichzeitig Hals und Kopf mit geöffnetem Schnabel in der Art eines sich erhebenden Phönix nach oben streckt.

Ostwand

Rechts und links der stichbogigen Eingangsarkade befinden sich auf den verbliebenen Wandresten jeweils zwei Dekorfelder gleichen Charakters: beide sind hochrechteckig und besitzen Wulstleisten als Rahmenmotiv. Mittig in den Felderungen befindet sich jeweils ein hochovales Medaillon, aufgehängt an einem Band, das an der oberen Rahmenleiste befestigt ist und deren gebundene Schlaufen nach unten fallen. Die rotbräunliche Rahmung umschlingt jeweils ein grüner mit kleinen Blättern versehener Zweig und bildet auf diese Weise einen anschaulich reizvollen, farbkomplementären Kontrast aus.

Südöstliches Medaillon: Landschaftsdarstellung
 
Augsburg, Maximilianstraße 33

In dem hochovalen Medaillon, das an einem grünen Band aufgehängt ist, sieht man die Darstellung einer nicht genau erkennbaren Landschaft, deren gestalterisches Einleitungsmotiv sich aus dem Gegensatz eines Laub- und eines Nadelbaumes zusammensetzt, um, so darf man annehmen, den perspektivischen Ausblick in eine heute nicht mehr sichtbare Landschaft zu kanalisieren.

Nordöstliches Medaillon: Landschaftsdarstellung?

Der Gesamtaufbau dieses Wandfeldes entspricht gestalterisch dem auf der südöstlichen Seite. Der einzige Unterschied besteht darin, den Inhalt des Medaillons nicht mehr exakt bildlich rekonstruieren zu können. Vermutet werden darf allerdings ein motivisches Pendant der Landschaftsdarstellung, welche der zeittypischen Vorliebe für Symmetrie nachkommt.

Südwand
 
Augsburg, Maximilianstraße 33

Die Gestaltung der Südwand erscheint auf den ersten Blick willkürlich und unsystematisch. Dies liegt zum einen an der Anwesenheit der Türe in das Nachbarzimmer und zum anderen an der westlichen Wandnische, woraus die unterschiedliche Breite der Dekorfelder resultierte.

Eine die Anschauung von scheinbarer Regellosigkeit korrigierende Ordnung ist indes in der gleichmäßig rhythmisierten Abfolge der breiten und schmalen Dekorfelder zu erkennen. Deren unterscheidende Grundmusterung besteht in der Bildung und regelmäßig wechselnden Abfolge von flacher Band- und plastischer Wulstleistenrahmung, wobei der dekorfreie Türabschnitt miteinbezogen ist.

Südöstlichstes Wandfeld: Malerpalette
 
Augsburg, Maximilianstraße 33

Das schmale, mit rahmenden Bandleisten versehene Wandfeld beinhaltet eine an Bändern aufgehängte Malerpalette mit darin integrierten Malutensilien.

2. Wandfeld von Südosten: Landschaft mit Haus

In dem Dekorfeld mit einer Rahmung aus plastischen Wulstleisten ist ein an Bändern befestigtes hochovales Medaillon zu sehen, dessen Bildinhalt nur noch rudimentär als Landschaftsansicht mit einem längsgestreckten Haus bestimmt werden kann.

Westwand
 
Augsburg, Maximilianstraße 33

Die Westwand wird von den beiden Fensteröffnungen in seiner Substanz dergestalt fragmentiert, dass alleine drei Wandstreifen unterschiedlicher Breite übrig bleiben. Aus diesem baulichen Umstand verstand es der Freskant, eine in sich symmetrische Wand zu gestalten. So bildet das etwas breitere Mittelfeld mit seiner Wulstleistenrahmung die zentrale Symmetrieachse, die zusätzlich durch das größere, an einem Band befestigte hochovale Medaillon betont ist. Diesem Dekorfeld sind die beiden Seitenkompartimente metrisch und motivisch untergeordnet. Diese Schmalfelder versah der Freskant mit der als sekundär zu verstehenden Bandleistenrahmung, die zudem kleinere hochovale Medaillons an Bändern aufweisen.

Programm und Synthese: Silberhandwerk und Akademiereform unter dem Banner der Gelehrsamkeit

In dem durch Ausblick und Ausstattung als Repräsentationssaal anzusprechenden Raum, muss man sich Zusammenkünfte unterschiedlicher Gesellschaftsschichten vorstellen, die, aufgrund der relativ hohen sozialen Stellung des Auftraggebers in der Reichsstadt Augsburg vornehmlich aus Künstlerkollegen und Mitgliedern des patrizischen Milieus bestanden haben dürften.[6]

Obwohl sich keine diesbezügliche Programmschrift erhalten hat, ist anhand der erforschten Bildmotivik dennoch eine solche anzunehmen. Die restauratorisch gesicherten Darstellungen lassen sich, mit aller historisch gebotenen Vorsicht formuliert/vorgetragen, mindestens zwei Erzählstränge ausmachen, die sogar eine Hierarchie innerhalb des symbolisch konnotierten Inhalts besitzen.

An anschaulich und ikonographisch erster Stelle sind die Landschafts-Darstellungen und Genre-Szenen zu nennen, deren Bildgröße und Positionierung im Wandkontinuum sie gegenüber den Attributsdarstellungen in den Schmaltravéen gleichzeitig unterscheidet und hervorhebt.

Im zeitgenössischen Diskurs der Aufklärung erfuhren die Darstellungen von Landschaft und Genre-Szenen ihren ganz spezifischen, neuen Aussagewert, der vom begrifflichen Verhältnis von Gefühl und Verstand geprägt war. „Einen tiefgreifenden Wandel [in Deutschland] führte [...] Alexander Gottlieb Baumgarten 1750/58 in seiner Aesthetica herbei, in der die sinnliche, durch das Gefühl vermittelte Erkenntnis der Verstandeserkenntnis an die Seite gestellt und das innere Gefühl des Künstlers als Zugang zu einer ganzheitlichen Erfassung des Vollkommenen und damit Schönen aufgefasst wird.“[7]

Mentalitätsgeschichtlich gesehen, erlebte diese Paarung aus Gefühl und Verstand eine äußerst spannende Wirksamkeit, die „im Bereich der Künste einen neuen Rang [erhielt] und zum [...] sechsten Sinn [mutierte]. [...] Dieser sechste Sinn ist es, der durch das Kunstwerk ausgesprochen ist, und er ist gleichzeitig der, der urteilt.“[8] Diesem jahrzehntelangen Begriffs-Marathon entsprang schlußendlich die Einsicht, „daß der ,sentiment‘ [Gefühl] die einzige Quelle der Wahrheit ist. [...] Die .raison‘ [Verstand] wird hier entthront.“[9]

Dieser Diskurs dürfte auch an der Augsburger Reichsstädtischen Akademie nicht nur wahrgenommen, sondern auch geführt worden sein. In unserem Kontext der Ausstattungszeit um 1790 ist interessant, dass die Gold- und Silberschmiede über die reine Ausbildungssituation hinaus bereits auf vielfältige Weise mit der Akademie verknüpft waren. So kam z.B. der Nachlass an Goldschmiedezeichnungen von Johann Ludwig Biller (1692–1746), dem Vater oder nahen Verwandten des Auftraggebers, „zumindest teilweise als Unterrichtsmaterial an die Reichsstädtische Kunstakademie.“[10] Diese zuerst sehr praktisch anmutende Zusammenführung von Graphik und ihrer Präsentation im akademischen Bereich, war wohl eine in Augsburg üblich gewordene Gepflogenheit.

Gleichzeitig zeigt sie aber auch die besondere Wertschätzung der Silberschmiede, die über eine rein arbeitstechnische Kooperation hinausging und dem arbeitsteiligen „handwerkliche[n] Können [...][und] die innovative Leistung der ,Erfindung‘“[11] mittels gezeichneter Vorlagen oder vorgefertigten Modelle ein akademisches Profil verlieh.

Dieser Umstand könnte in dem Repräsentationssaal mit den charakteristischen Attributen der Malerei, Architektur und Bildhauerei als versinnbildlichte Zeichen der klassischen Gattungen der Bildenden Künste angedeutet sein, in dem die Augsburger Silberschmiede sich integriert fühlen konnten. Auf diese Weise fanden der handwerkliche Entstehungsprozess und die theoretisch erlernbaren Regeln des Kunstbewusstseins unter dem akademischen Schirm zu einer renomméebildenden Einheit, die aus „dem Lehrling einer Werkstatt [...][den] Jüngling einer Akademie“[12] machte. Durch „das Zeichnen nach dem lebenden Modell, die Kenntnis der modernsten Vorlagenwerke und die Anleitung durch erfolgreiche, überregional anerkannte Meister [ergab sich] die Möglichkeit zur ständigen Überprüfung und Verbesserung [seines] Könnens und damit zur Aus- und Weiterbildung vom Handwerker zum Künstler.“[13]

Diesen letztgenannten Aspekt könnte der sich nach oben streckende Papagei ausdrücken. Dieser wäre in diesem Wandzusammenhang weniger als ein Symbol für Gefühl, Geschmack oder Gehör zu verstehen,[14] sondern eher als allgemeines Zeichen „der Gelehrsamkeit“[14]

Sanierungen und Restaurierungen

Sanierungen und Renovierungen nahm man am Objekt Maximiliansstraße 33 sowohl an der Fassade wie auch im Inneren vor.

Die dem spätgotischen Typus eines Bürgerhauses mit Staffelgiebel zugehörende Fassadenstruktur überformte man in der Zeit um 1900 und um 1960, indem man sie mit neuen Farbfassungen versah oder teilweise die alten Fenster durch neuere ersetzte, die höheren Schallschutz boten und bessere Isolierqualität besaßen.

Diese Ergebnisse dokumentieren die Befunduntersuchungen der Firma Engelhardt 1993 und die 2001 erstellte durch Nicole Müller-Groß.[15]

Die Firma Engelhardt nahm 1993 auch in den Innenräumen des Wohn- und Geschäftshauses restauratorische Analysen vor, wobei sie zum Teil auf die Kenntnisse der um 1970 freigelegten Wandmalereien zurückgreifen konnte.[16]

Die Fassade unterliegt derzeit (2024) einer weiteren Restaurierung.

Bibliographie

  • Bauer, Kunsthistorik, 1979 — Bauer, Hermann: Kunsthistorik. Eine kritische Einführung in das Studium der Kunstgeschichte, München 1979 (2. Auflage)
  • Bushart, Akademiebetrieb, 1995 — Bushart, Bruno: Über den Augsburger Akademiebetrieb, in: Barockberichte, Heft 11/12, Salzburg 1995, S. 399–401
  • Dittrich, Tiersymbole, 2005 — Dittrich, Sigrid und Lothar: Lexikon der Tiersymbole. Tiere als Sinnbilder in der Malerei des 14.–17. Jahrhunderts, Petersberg 2005 (2. Auflage)
  • Engelhardt, Dokumentation, 1993 — Firma Peter Engelhardt: Dokumentation zu Augsburg, Privathaus, Maximilianstraße 33, o.O. (Augsburg) 1993
  • Engelhardt, Befunddokumentation Fassade, 1993 — Firma Peter Engelhardt: Befunddokumentation der Historischen Fassade, o.O. (Augsburg), 1993
  • Kemper, Gefühl, 2001 — Kemper, Dirk: Gefühl, in: Schneiders, Werner (Hg.): Lexikon der Aufklärung. Deutschland und Europa, München 2001, S. 144–145
  • Knabe, Schlüsselbegriffe, 1972 — Knabe, Peter-Eckhard: Schlüsselbegriffe des kunsttheoretischen Denkens in Frankreich, Düsseldorf 1972
  • Mančal, Kunstakademie, 2010 — Mančal, Josef: Augsburger Kunstakademie in reichsstädtischer Zeit (=Ausstellung zum 300-jährigen Gründungsjubiläum der Reichstädtischen Kunstakademie 1710–2010 aus Beständen der Staats- und Stadtbibliothek in Augsburg vom 1. Oktober 2010 bis 7. Januar 2011), Augsburg 2010
  • Müller-Groß, Befunderfassung, 2001 — Müller-Groß, Nicole: Befunderfassung der Raumfassungen, o.O., 2001
  • Rathke-Köhl, Geschichte, 1964 — Rathke-Köhl, Sylvia: Geschichte des Augsburger Goldschmiedegewerbes vom Ende des 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts (= Schwäbische Geschichtsquellen und Forschungen. Schriftenreihe des Historischen Vereins für Schwaben, 6. Band), Augsburg 1964
  • Schürer, Silberschmied, 2008 — Schürer, Ralf: Gold- und Silberschmied, in: Reith, Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngießer, München 2008, S. 101–107
  • Seling, Kunst, 1980 — Seling, Helmut: Die Kunst der Augsburger Goldschmiede 1529–1868. Meister, Marken, Beschauzeichen, Band 3, München 1980
  • Stetten, Merkwürdigkeiten, 1772 — Stetten, Paul von (der Jüngere): Die vornehmsten Merkwürdigkeiten, der Reichs=Stadt Augsburg, Hamburg 1772

Einzelnachweise

  1. Stetten von, Merkwürdigkeiten, 1772, S. 23: „Die berühmten Silberhandlungen [...] wie auch die Biller [...] Laden, worinn verarbeitetes Silber in großer Menge zu sehen und zu haben ist.“
  2. Seling, Kunst, 1980, S. 463. Vielleicht ist dieser identisch mit Biller, Johann Martin I, wobei sich dessen Todesdatum davon unterscheidet (um 1736–1802!).
  3. Engelhardt, Dokumentation, 1993, o.S.
  4. Allgemein zu Status und Verdienst von Silberschmieden in Augsburg: Mančal, Kunstakademie, 2010; Rathke-Köhl, Geschichte, 1964; Schürer, Silberschmied, 2008.
  5. Dreyer, Angelika: Duttenstein, Jagdschloss (cbdd10552), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/35112157-bcb6-4055-aff2-dfbd7d2394a7 (letzter Zugriff: 02.12.2024)
  6. Mančal, Kunstakademie, 2010, S. 8–14.
  7. Kemper, Gefühl, 2001, S. 145; Knabe, Schlüsselbegriffe, 1972, S. 434.
  8. Knabe, Schlüsselbegriffe, 1972, S. 438.
  9. Knabe, Schlüsselbegriffe, 1972, S. 441.
  10. Mančal, Kunstakadeemie, 2010, S. 12.
  11. Mančal, Kunstakademie, 2010, S. 12.
  12. Bauer, Kunsthistorik, 1979, S. 27.
  13. Bushart, Akademiebetrieb, 1995, S. 400.
  14. 14,0 14,1 Dittrich, Tiersymbole, 2005, S. 323.
  15. Engelhardt, Befunddokumentation Fassade, 1993; Müller-Groß, Befunderfassung, 2001.
  16. Engelhardt, Dokumentation, 1993.