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Augsburg, Haus Dominikanergasse 20

Aus Deckenmalerei-Lab
Hafner, Verena:Augsburg, Haus Dominikanergasse 20, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/0e48c6c9-3358-4e1f-bfb8-1ebb76c78cf2

Inventarnummer: cbdd20012

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Auftraggeber des heute zerstörten Deckenfreskos war der katholische Verleger Johann Bartl. 1763 gemalt, greift es den Topos vom Leben als (Pilger-)Reise zum ewigen Heil auf.

Augsburg, Gouachen, Karl Nicolai
Augsburg, Gouachen, Karl Nicolai

Das Anwesen in der Dominikanergasse 20, A 50

Augsburg, Gouachen, Karl Nicolai

Geschichte und Lage

Das Anwesen Dominikanergasse 20, Lit. A 50, gehörte von 1762–1783 dem Verleger Christoph Bartl.[1] Später vereinigte sich das Anwesen mit dem Vorderhaus in der Maximlianstraße 65, Lit. A 26. Das Deckenfresko entstand 1763.

Folgende Besitzer lassen sich festmachen: 1595 ist das Haus von den Erben des Georg Kratzer an dessen Söhne Bernhard und David übergegangen. Jakobina Berhartin war im Jahre 1613 die Besitzerin des Hauses und verkaufte es im Jahre 1622 an Daniel Stephan. Dieser veräußerte es Ende der 1620er Jahre an Kaspar Heiß, der Gastgeber war. Diesem folgt im Jahre 1678 der Kleinuhrenmacher Christoph Schoener und ab 1725 war Joseph Anton Schoener der Besitzer des Anwesens. Seine Erben verwalteten dieses in den Jahren 1761 bis 1762 und verkauften die Lit. A es schließlich im Jahr 1762 an den Bücherverleger Christoph Bartl. Dieser vererbte 1782 das Haus an Theresia Gloeggin, geb. Bartl. 1785 war der Papierhändler Matthäus Tageisen Besitzer des Hauses, 1801 folgte ihm Alois Handel, 1802 Christoph de Crignis, die beide Handelsmänner waren. Johann Baptist Ilnetti wurde 1815 Besitzer und 1839 Jakob Geuher, von dem der Besitz im selben Jahr an Ferdinand von Schaetzler überging.[2]

Christoph Bartl gab bei dem Künstler Joseph Hartmann eine Fassadenmalerei für die Ostfassade in Auftrag, der ein Bildfeld, die Jahreszahl 1762 und Fensterumrahmungen umfasste.[3]

Das Anwesen Maximilianstraße 65, Lit A26 hat der Handelsmann Johann Baptist Sohger im Jahr 1735 gekauft und ließ die Fassade des Hauses von Johann Georg Bergmüller bemalen. Im Jahr 1766 hat der Bankier Jos. Anton Obwexer das Haus erworben.[4]

Baubeschreibung

Dem Kilianplan von 1626 zufolge handelte es sich hier um ein giebelständiges Haus, welches dreigeschossig ist und auf der zweiten Achse einen zweigeschossigen Erker aufweist.[3] Der zweistöckige Erker wurde im Jahr 1762 abgebrochen.[5] Wie oben bereits erwähnt, schmückte die Ostfassade eine Fassadenmalerei.

Forschungsstand

Das Anwesen Dominikanergasse 20 wurde bislang nur in der Augsburger Häusergeschichte von Anton Werner sowie die Fassadenmalerei in Haschers Studie über Fassadenmalerei in Augsburg vom 16. bis zum 18. Jahrhundert untersucht.[6]

Deckenfresko: Sieg der Religion

Augsburg, Gouachen, Karl Nicolai

Beschreibung und Ikonographie

Von der Deckenmalerei wurde eine Gouache angefertigt, die von Karl Nicolai stammt, den Titel „Der Sieg der Religion“ trägt und um ca. 1936 entstand.[1] Die Maße betragen 53x52 cm. Angefertigt wurde die Gouache im Auftrag der Stadtverwaltung. Das Deckenfresko mit den Maßen 260x266 cm befand sich im Treppenhaus des Anwesens in der Dominikanergasse 20 und wurde im Jahr 1763 erstellt.

Zu sehen ist in der Bildmitte ein Pilger, der vor der allegorischen Figur der Religion kniet, die ihn vor Versuchungen schützt. Die allegorische Figur der Religion, die zentral in der Bildmitte auf einer gelbgoldenen Wolke sitzt, wird dargestellt durch eine junge geflügelte Person mit weiblichen Zügen und braunem Haar. Mittig auf ihrem Kopf trägt sie, wie ein Diadem, ein kleines Kreuz. Der Oberkörper ist entblößt und um ihre Hüften liegt ein hellrotes Tuch, während ein hellgrünes Tuch darunter hervorscheint. Sie hält in der linken Hand eine weiße Lilie und der rechte Zeigefinger deutet nach oben auf das goldgelbe Dreieck, das Auge Gottes mit dem Namen Jehovas. Dabei ist der Blick nach unten in Richtung des Pilgers gerichtet.

Die Lilie ist ein Attribut der Speranza (Hoffnung), die ebenfalls grün gekleidet ist und eine Lilie in der Hand hält. Diese Blume ist ein Symbol der Hoffnung, ein Aspekt des Guten, wenn die Furcht die Seele einnimmt und das Böse erwartet. Die Lilie gilt als Zeichen der Hoffnung, die eine Erwartung des Guten ist. Obgleich alle Blüten Hoffnung erwecken, tut die Lilie dies in besonderem Maße. Gekleidet ist die Speranza in grünem Gewand wegen der Ähnlichkeit mit den Gräsern, welche die Hoffnung auf eine gute Ernte bedeuten.[2]

Die wahrhafte Christliche Religion wird dargestellt durch eine schöne Frau mit Flügeln auf dem Rücken, deren Brust unbedeckt ist. Ebenfalls bei sich hat sie ein Kreuz und sie wird darüber hinaus auch von leuchtenden Strahlen umgeben.[3]

Links auf Höhe des Kopfes der allegorischen Figur der Religion schweben nach oben zwei Putti, von denen der eine nur mit schwachen Konturen dargestellt wird und teilweise von dem anderen Putto verdeckt wird, sodass nur der Oberkörper zu sehen ist. Von dem linken Putto, der ausgeprägte Konturen aufweist, bekommt der Betrachter nur den Rücken mit dem verdeckten Gesäß und das Gesicht im Profil zu sehen. Den rechten Arm hat er ausgestreckt in Richtung des Auge Gottes, fast so als wolle er danach greifen.

Der Pilger kniet mit dem rechten Bein und trägt ein hellblaues Gewand mit einem hellbraunen Umhang sowie einen weißen langen Umhang, der über die rechte Schulter gelegt und leicht in seinen Gürtel gesteckt ist. Am Gürtel hängt ein runder brauner Beutel, und an seiner rechten Körperhälfte hat er einen braunen Wanderstab, der oben mit zwei Kugeln verziert ist. Dabei handelt es sich um die typischen Attribute eines Pilgers. Dieser trägt braunes Haar und hat mädchenhafte Gesichtszüge sowie einen leicht nach unten gesenkten Blick.

Der Untergrund, auf dem der Pilger kniet, ist eine hellblaue Kugel, welche außen eine bräunliche Farbe aufweist und in der Mitte nahezu weiß ist. Vom gelbgoldenen Dreieck, dem Symbol der Trinität in der Mitte der oberen Bildhälfte, welches von hellgrauen Wolken umgeben ist, gehen zwei Strahlen in Richtung des Pilgers aus. Neben dem linken, leicht angewinkelten Bein des Pilgers steht eine Gesetzestafel, auf dem die ersten zwei der Zehn Gebote angebracht sind. Üblicherweise werden die ersten drei Gebote dargestellt, da diese das Verhältnis zwischen Mensch und Gott betreffen. Die Tatsache, dass hier nur die ersten zwei Gebote dargestellt werden, hebt die Relevanz der ersten beiden Gebote hervor.

Rechts hinter der Kugel ist im Schatten und in dunkleren Farben gehalten der Teufel zu sehen, der in der rechten Hand eine erloschene Fackel hält und seinen Blick aufwärts in Richtung des Pilgers und des Erzengels gerichtet hat. Mit der linken Hand fasst er den langen Umhang des Pilgers und zieht leicht an diesem.

Über die linke Hälfte der Kugel schmiegt sich, auf dem Rücken liegend mit dem Kopf in Richtung des Betrachters, ein Jüngling, der in der linken Hand einen Bogen hält und unter der rechten Körperhälfte einen Köcher mit Pfeilen hat. Unter seinem Körper liegt ein hellrotes Tuch. Den Attributen zufolge handelt es sich hier wohl um Amor, der für die weltliche Liebe steht.

Komposition und Ansichtigkeit

Die Deckenmalerei bzw. die Gouache ist einansichtig. Die Figuren, ausgenommen der Putto, sind nach dem Prinzip der Dreieckskomposition angeordnet, mit der Trinità als Spitze des Dreiecks. Diese Art der Anordnung stellt zum einen selbst die göttliche Dreifaltigkeit dar und unterstreicht darüber hinaus das Thema dieses Werkes. Gleichzeitig sorgt es für Harmonie und Ruhe. Die allegorische Figur der Religion ist, wie oben bereits erwähnt, zentral in der Bildmitte angeordnet und durch den ausgestreckten linken Arm mit der Lilie in der Hand und den Flügeln nimmt die Figur den meisten Raum ein und füllt somit die Bildmitte entsprechend aus. Das Licht fällt auf die Bildmitte, was durch die gelbgoldenen Wolken und Wolkenschleier als Hintergrund noch verstärkt und hervorgehoben wird. Die Ränder sind in grau und im oberen Bildfeld in graubeige gehalten, was diesen Effekt noch verstärkt und den Blick auf die Personengruppe lenkt, ebenso wie die gelbgoldenen Streifen, die halbkreisförmig über der zentralen Personengruppe geschwungen sind. Der Fokus des Betrachters wird so auf die Personengruppe und speziell auf die allegorische Figur der Religion als zentrale Figur gelenkt.

Gestalterische Mittel

Durch das nahezu quadratische Format wird die harmonische Gesamtwirkung unterstützt. Dazu trägt ebenfalls der Verzicht auf Farbkontraste bei.

[1] Huber, Akt, 2022, S. 74f., Spalte 13.

[2] Ripa, Iconologia, 2012, S. 469.

[3] Ripa, Iconologia, 2012, S. 429.

Bibliographie

  • Angelika Dreyer, Pax & Pecunia. Merkur und Minerva im Dienste des Augsburger Geldadels, in: Pax & Pecunia. Kunst, Kommerz und Kaufmannstugend in der Augsburger Deckenmalerei, Petersberg 2022, S. 33–47.
  • Doris Hascher, Fassadenmalerei in Augsburg vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Augsburg 1996.
  • Andreas Huber, Karl Nicolais Beauftragung als Kopist. Zur Auftragslage der Gouachen nach einem Akt im Augsburger Stadtarchiv, in: Pax & Pecunia. Kunst, Kommerz und Kaufmannstugend in der Augsburger Deckenmalerei, Petersberg 2022, S. 69–75.
  • Cesare Ripa, Iconologia, Torino 2012.
  • Anton Werner, Augsburger Häusergeschichte, Augsburg 1977.

Einzelnachweise

  1. Dreyer, Pax, 2022, S. 38, 46, Anm. 20–26; Werner, Augsburger Häusergeschichte, 1977, S. 133.
  2. Grundbuchauszüge zu A 50, Stadtarchiv Augsburg.
  3. 3,0 3,1 Hascher, Fassadenmalerei, 1996, S. 273.
  4. Werner, Augsburger Häusergeschichte, 1977, S. 134.
  5. Bauamtsprotokolle 1760-1766. Bd. 101, fol. 176, Stadtarchiv Augsburg.
  6. Werner, Augsburger Häusergeschichte, 1977, S. 133f.; Hascher, Fassadenmalerei, 1996, S. 273.