Altenerding, Pfarrkirche Mariä Verkündigung
Pfarrkirche, Stadt Erding, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die Pfarrei Altenerding dem Kollegiatstift St. Johann auf dem Domberg in Freising inkorporiert. Sie hatte zehn Filialen, darunter sämtliche Kirchen der Stadt Erding mit Heilig Blut (s. S. 134) und Itzling (s. S. 178). Die Pfarrkirche war verhältnismäßig vermögend. Seit 1460 stand an ihr eine Allerseelenbruderschaft. Gericht Erding
Patrozinium: Mariä Verkündigung
Zum Bauwerk: Weihe des mittelalterlichen Vorgängerbaus 1464. Beim Neubau des Turms ab 1720 zeigte sich, daß auch das Langhaus baufällig war. Pläne zum Neubau noch im Frühjahr 1720, Baubeginn im Juni 1721. Fertigstellung des Rohbaus bis zum Dezember gleichen Jahres, Einwölbung 1722. Der spätgotische Chor wurde erhöht und 1723 eingewölbt, seine Fenster wurden vergrößert (nach StAL, Kirchenrechnungen 1720, und AEM, Pfarrakten 107 3002 08). Weihe am 20.8.1724 durch Fürstbischof Johann Franz Eckher. Baumeister war Anton Kogler von Erding, der schon 1704 Heilig Blut überarbeitet, 1709 Indorf, 1710 Pretzen und 1716 Itzling erbaut hatte, alles Filialen von Altenerding. Innendekoration 1767, der sparsame Rokokostuck wird dem Dorfener Stuckator Johann Anton Bader zugeschrieben (Koschade). Altarausstattung und Schiffskanzel 1767/68 von Christian Jorhan und Matthias Fackler, Fassung durch Franz Xaver Zellner.
Langhaus zu fünf Jochen, Gliederung durch Pilaster vor Wandvorlagen. Eingänge im zweiten westlichen Joch von N und S, Doppelempore im W; gleichmäßige Belichtung durch je fünf Fenster von N und S. Stark eingezogener AR zu drei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Gliederung wie im Langhaus, nur schmaler; Belichtung durch Fenster in den beiden östlichen Jochen und in den Chorschrägen.
Auftraggeber: Pfarrer Jakob Wolf von Altenerding (1761–79), Mitglied der Bartholomäer (s. S. 136). Unter ihm entstand (bis auf die Orgel 1760) die gesamte Rokokoausstattung der Kirche Altenerding. Das Ansuchen um die Genehmigung der Ausmalung wurde damit begründet, daß die Kirche an der Hauptstraße nach München liege, »allwo ville Wahlfahrter den Besuch abstatten«, »und nach geschehener Ausmahlung ein herrliche Kürchen darstehlen würd« (StAL). Bezahlt wurde die Ausmalung aus den vorhandenen Kirchenmitteln.
Autor und Entstehungszeit: Johann Martin Heigl (* unbekannt † 1774) 1767. Signatur in A M Heigl pinxit (MH ligiert) Chronogramm in der Stuckkartusche am Chorbogen saLVs EX ANCILLa. / Matre. DeI. (= 1767).
Der Kostenvoranschlag Heigls lautet: »Überschlag. Was über Ausmahlung des Lobwürdigen Pfarrgottshaus Altenerting an Unkosten erlauffen mechte. Verfast 1766. Erstlich mues ins Chor ein Feld von 26 Schuh lang, und 13 Schuh breit gemahlen: und darein Maria Verkündung vorgestelt werden. Zweytens ist im Langhaus ein Feld, die Königin der Englen und aller Heyligen vorstehlend, auf 66 Schuh lang, und 20 Schuh breit zu mahlen. Drittens wird im Chor, und Langhaus um die 2 Hauptfelder herum ein auf Stockador-Art gemahlene Ram von gueten Farben, und schönsten Zierathen verfertiget. Vierttens komt das Loch zur Himelfahrt Christi, mit Englen, und einer Glori sauber auszumahlen. Fünftens« muß auf eben solche Art der Schild am Frohnbogen extra sauber gemahlen, und auf Stockador-Art hergestellt werden. Und sechstens kommen im Chor, und Langhaus 16 Schild: und darinnen sovill Symbola so sich auf die Muetter Gottes schicken thuen, zu verfertigen, auch um, und um mit schönsten Zürathen auf StockadorArt auszumahlen. Vor welche Arbeit inclus: der Kost: Farben: und andern Unkosten verlange neunhundert Gulden. Johan Martin Heigl, Churfrtl: privil: Mahler in München« (StAL, Regierung Landshut A 4061). Vertraglich vereinbart wurde die Zahlung von 800 fl. Mit den Freskierungen in Altenerding und Langengeisling 1767 endet die Reihe von Heigls Arbeiten im alten Gericht Erding.

Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A, A1-8) und AR (B, B1-4) Tonne mit Stichkappen, im AR nach O abgemuldet Rahmen: Gemalte Rahmung; A und B goldfarbener Rahme mit Rocaille-Ornamenten, A1-8 und B1-4 rosa Ornament-Kartuschen
Technik: Fresko; A und B polychrom, A1-8 und B1-4 monochrom grau mit Weißhöhungen
Maße: A Höhe 13,40 m; 21,00×10,00 m; B Höhe 12,20 m; 8,00×4,00 m
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Das Gewölbe zeigte schon im 18. Jh. Risse, die anläßlich der Ausmalung 1767 repariert wurden. Bei der Innenrestaurierung 1876 farbige Fassung der Raumschale und »Putzen« der Deckengemälde durch den Maler Joseph Humpl von Erding. Nächste Innenrestaurierung 1903 mit Baureparaturen am Chorbogen im LHs. Das Raumbild von 1876 mit relativ dunklen, farbig gefaßten Wand- und Deckenflächen wurde durch die Fa. Ludwig Ametsberger, München, wieder der ursprünglichen Farbigkeit angenähert, Risse und Sprünge im Gewölbe repariert, die Ornamentmalerei gereinigt und aufgefrischt, die Deckengemälde restauriert. 1935 zeigten sich wieder starke Risse im Gewölbe. Bei der nächsten Innenrenovierung 1955/56 Restaurierung der Fresken durch Sebastian Hausinger, München, der Raumschale durch die Fa. Karl Eixenberger, München. Vor der letzten Restaurierung 1986/87 (Fa. Ludwig und Elisabeth Keilhacker, Taufkirchen) waren die Gewölbe stark verschmutzt. Die Fresken wurden gereinigt, die Risse geschlossen, Übermalungen abgenommen, Fehlstellen retuschiert. Restaurierung der Dekorationsmalerei. Bis auf neu aufgetretene Risse ist der Zustand gut.
Beschreibung und Ikonographie
Die beiden großen Deckengewölbe in LHs und Chor sind von zwölf Bildkartuschen begleitet (laut Heigls Voranschlag waren ursprünglich sechzehn »Schilte« geplant). Alle Bildthemen beziehen sich auf Maria, die Kirchenpatronin. Zunächst war im Chor die Darstellung des Kirchenpatroziniums, der Verkündigung vorgesehen (s. Voranschlag), die aber nach der Genehmigung eines neuen Hochaltars dem Hochaltarbild vorbehalten wurde (angeblich von Heigl; das heutige ist von Joseph Hauber 1799). Als Thema des Chorfreskos wurde die Mariengeburt gewählt: Marias unbefleckte Empfängnis war Voraussetzung für ihre Rolle in der Heilsgeschichte. Deren Vollendung, die einzigartige Stellung der Gottesmutter im
Himmel und auf der Erde zeigt das Hauptfresko, ergänzt durch die Nebenbilder im LHs und im Chor, die sich auf Maria als Fürbitterin und machtvolle Schutzherrin beziehen.
A HULDIGUNG DER ERDTEILE AN MARIA Das große Hauptfresko hat seine Hauptansicht nach O, nur in der W-Hälfte der Glorie nach W. Über einer dunklen Repoussoir-Zone aus Felsgestein und Pflanzen bildet ein steinernes Stufenpodest die Handlungsbühne, über der sich links ein fensterloser Bau erhebt, während rechts neben Felsgestein hochragende dichte Bäume die Szenerie abschließen. Auf den Stufen und vor den Bäumen sind die Personifikationen der Vier Erdteile versammelt. Links kniet Asia in reichem Gewand, einen Turban auf dem Haupt, mit Zepter und einem Räuchergefäß. Ein Page aus ihrer Begleitung trägt das Weihrauchkästchen. In der Mitte auf den Stufen stehend ist Europa dargestellt. Ihr Gewand ist weiß und goldfarben, ihr roter Mantel hermelingefüttert, ihr Haupt mit Perlen geschmückt, in der Hand hält auch sie ein Zepter. Sie lehnt sich an einen kleinen Rundtempel, das Ecclesia-Symbol, über dessen Portal die Schlüssel Petri angebracht sind. Zu Europas Füßen kniet ein Page, der auf einem purpurfarbenen Kissen die Kaiserkrone und in der Hand den Reichsapfel hält: Europa ist über die Kirche und das Heilige Römische Reich definiert. Dieser Page ist im Gegensatz zu den übrigen Figuren nicht als Typ, sondern mit individuellen Zügen dargestellt. Einen Wittelsbacher Prinzen gab es in Altbaiern 1767 nicht – die Linie starb mit Max III. Joseph 1777 aus. Maria Theresias Sohn Josef, später Josef II. (* 1741) war damals sechzehnjährig und präsumtiver Erbe der Kaiserwürde - möglicherweise ist er mit dem Jüngling gemeint, der Maria die Reichsinsignien darbringt.
Die beiden Erdteil-Personifikationen America und Africa sind der wilden Natur auf der rechten Bildseite zugeordnet. Auf schroffem Felsen sitzt America, auf dem Haupt ein Federgesteck, um den Hals Perlen und Muscheln, als Kleidung einen hellen Schleier und einen roten Mantel. Zu ihren Füßen liegt ein Köcher mit Pfeilen. Die schwarzhäutige Gestalt der Africa tritt von rechts aus dem Schatten der hohen Bäume hervor; sie ist reich gekleidet und mit Perlen geschmückt. Ihr Turban hat ein Federgesteck, in der Hand hält sie einen großen Pfeil. Ein kleiner Mohrenknabe trägt ihre Schleppe.
Vergleicht man diese Darstellung mit der gleichen Themas, die Johann Baptist Zimmermann um 1754 in der Prälatenkapelle von Andechs malte (CBD, Bd 1, S. 307) und die Heigl 1757 in der Pfarrkirche von Aibling (Lkr. Rosenheim) wiederholte, so sind Qualitätsunterschiede nicht zu übersehen. Die Figuren in Altenerding sind gelungen, eine Interaktion zwischen ihnen findet ebensowenig statt wie eine überzeugende kompositorische Zuordnung aufeinander. So entsteht kaum Bildräumlichkeit und trotz der zahlreichen Landschaftsmotive nicht die idyllische Atmosphäre, die Heigls Lehrer Zimmermann mit wenig Mitteln zu schaffen wußte.
Über der irdischen Darstellung, in einer weitgespannten Wolkenszenerie, nimmt Maria mit dem Kind die Bildmitte ein, umgeben von ihrer Sippe. Die Gottesmutter, an die sich die Erdteile unten huldigend wenden, erscheint weit von ihnen entfernt und ohne Blickkontakt zu ihnen. Links von ihr kniet Anna und liebkost ein Füßchen des Jesusknaben, der zu Gott–[ERDING vater aufblickt; hinter Anna sitzt auf Wolken Joseph mit dem grünenden und blühenden Stab, neben ihm steht Joachim, in der Hand die Hirtenschippe. Rechts von Maria kniet Elisabeth mit dem Johannesknaben, der das Fähnchen »ECCE AGNUS DEI« hält; zu Elisabeths Füßen sieht man das Lamm, Attribut des Johannes. Mit dem Hohenpriester Zacharias, der ein Weihrauchfaß schwingt, endet die Gruppe der Sippe Mariens. Zu seiten und unter dieser Gruppe, fast in einem Halbkreis um sie angeordnet, sind in den Wolken viele Heilige zu sehen. Links oben beginnt die Reihe mit der fürstlich gekleideten Ursula von Köln mit der Fahne in der Hand. Ein Putto hält Köcher und Pfeil. Maria Magdalena im härenen Büßergewand lagert auf einer Wolke, Kreuz und Totenkopf sind ihre Attribute. Rechts von ihr erscheint im Hintergrund Johann Nepomuk in Kanonikertracht, das Birett und ein Kreuz in Händen haltend. Schräg davor folgt Bischof Korbinian von Freising mit dem Bären, der den Packsack trägt, und Bischof Benno von Meißen mit dem Fisch, der die Schlüssel im Maul hat. Zwei Engel halten Mitra und Stab. Der Benediktinerabt im Hintergrund zwischen ihnen zeigt die Physiognomie des hl. Nonnosus, dessen Verehrung in der Diözese Freising seit 1709 neu aufgeblüht war.


In der schräg hinter Benno ansetzenden Gruppe weiblicher Heiliger ist als erste die Äbtissin Walburga von Eichstätt dargestellt, die auf einem Buch ein kleines Fläschchen hält. Es folgen Barbara mit Krone, Kelch und Turm, Apollonia mit dem Zahn in der Zange und Katharina mit dem Rad. Ein Putto trägt Schwert und Martyrerpalme.
Auf der rechten Bildseite setzt sich die Heiligenreihe mit zwei jungen römischen Soldaten fort: Georg mit Schild und Lanze setzt den Fuß auf den getöteten Drachen, Vitus neben ihm ist durch den Ölkessel kenntlich gemacht. Ein Engel hält die Martyrerpalme.
In der letzten Gruppe rechts erscheinen drei Apostel. Jakobus der Ältere trägt die Pilgertracht mit der Jakobsmuschel; Petrus im goldgesäumten Rauchmantel, mit Schlüssel und Buch, tritt als Papst auf: ein Putto präsentiert die Tiara und den dreifachen Kreuzstab. Bartholomäus ist durch das Messer gekennzeichnet. Auf diese Gruppe sind drei Putten bezogen, die drei Martyrerkränze und Palmzweige halten und damit an das Martyrium der drei Apostel erinnern.
Über diesem Heiligenhimmel bilden die Wolken eine Lichtglorie um die strahlenumgebene Taube des Hl. Geistes (Decke der Öffnung). Darunter rechts tragen Engel die Weltkugel, auf die sich Gottvater stützt. Er schaut nach unten, den Blick des Jesusknaben erwidernd, weist aber gleichzeitig nach oben auf den Heiligen Geist. Diese Geste erinnert an das Geheimnis der Menschwerdung bei der Verkündigung und damit auf das Kirchenpatrozinium.

In der Gegenansicht erscheint der Erzengel Michael, dem ein Putto Waage und Schild hält. Rechts von ihm sieht man musizierende und anbetende Engel, links von ihm eine Gruppe von Gestalten des Alten Testaments, darunter Abraham mit einem Schwert und dem jungen Isaak. Es folgt ein bärtiger Mann mit einem Buch, wohl ein Prophet, der aber keine weiteren Kennzeichen hat. König David mit der Harfe leitet zum Engelskonzert über.
Bei der Auswahl der Heiligen im Fresko spielten Patrone eine große Rolle. Es treten zunächst mit Korbinian und Nonnosus die Patrone der Diözese Freising auf, mit Benno von Meißen der Patron Bayerns. Neben Maria, der Patronin Altenerdings - und als Patrona Bavariae auch ganz Bayerns - ist eine Nebenpatronin der Kirche von Altenerding zu sehen: die hl. Anna, der ein Seitenaltar geweiht ist. Auch der Erzengel Michael war Patron eines Seitenaltars. Der hl. Petrus tritt als Patron der uralten ehemaligen Pfarrkirche St. Peter auf (damals Petruskapelle auf dem Bergle in Altenerding). Auch Patrone der Filialen Altenerdings treten auf: Johannes der Täufer ist Patron der Stadtkirche von Erding, Georg der Patron von Pretzen, Vitus Patron von Itzling, Walburga war Patronin von Singlding.
Auf den Pfarrer und Auftraggeber Jakob Wolf weist neben seinem Namenspatron Jakobus dem Älteren auch Bartholomäus hin, Patron und Namensgeber der Bartholomäer, denen Pfarrer Wolf angehörte.
A1-8 ANTETYPISCHE VORBILDER MARIENS Die Darstellungen in den acht gemalten Rocaille-Kartuschen entsprechen sich jeweils paarweise in Motiv und Bedeutung. Die beiden äußeren Bildpaare (A1-2, A7-8) beziehen sich auf die Fürbitte Mariens für die Menschen bei Christus, die beiden inneren (A3-4, A5-6) bringen Vorbilder für Maria als mächtige Schützerin.
A1 ABIGAIL VERSÖHNT DAVID (1 Sam 25, 2-35) Links tritt David als Feldherr auf, von zwei Bewaffneten gefolgt. Abigail, begleitet von einem Soldaten und einem Knecht mit Esel, kniet vor David und weist auf die Geschenke zu ihren Füßen. - Abigails Ehemann Nabal hatte die Bitte der Leute Davids um Gastfreundschaft mißachtet. David machte sich mit Bewaffneten auf, um die Schmach zu rächen. Abigail zog ihm mit Geschenken entgegen und versöhnte ihn. Zum Abschied sprach David: »Siehe, ich habe deiner Stimme Gehör geschenkt«. Wie Abigail David versöhnte, so kann Maria bei Christus Verzeihung für den Sünder erlangen.
A2 ESTHER VOR AHASVER (Esth 5,1-8,17) Bei einem Gastmahl sitzt König Ahasver unter einer Baldachin-Draperie, ihm gegenüber Esther mit bittend erhobenen Händen; hinter dem Tisch Haman, der Widersacher der Juden. - Haman gewann den König für einen Plan zur Ausrottung der Juden. Esther, die Gemahlin des Königs, trat vor ihn, bat für ihr Volk und rettete es damit vor dem Verderben. Diese Szene gehört zu den am häufigsten dargestellten Antetypen für Maria als Fürbitterin bei Christus. Die Bereitschaft Christi, Mariens Bitten zu erhören, ist durch die zweimalige Versicherung Ahasvers: »Was ist Deine Bitte? Sie sei dir gewährt« vorgebildet.
A3 JUDITH UND HOLOFERNES (Iudith 13,6–10) In einem Zeltlager steht Judith, das Schwert in der Hand, vor dem enthaupteten Leib des Holofernes und reicht ihrer Magd den Kopf. – Judith, die das Volk Israel bei der Belagerung von Bethulia vor Holofernes errettete, ist wie Jael (A4) ein häufig gebrauchtes antetypisches Bild für Maria als mächtige Beschützerin der Christen.
A4 JAEL UND SISARA (Iud 4,17–21) In einem Zeltlager steht Jael, über den im Schlaf hingesunkenen Feldherr Sisara gebeugt. Sie schlägt mit einem großen Hammer einen Zeltpflock in seine Schläfe. – Das Volk der Israeliten wurde von Sisara, dem Feldherrn des Königs Jabin, bedrängt. Der Feldherr Barak, unterstützt von der Prophetin Debora, schlug sein Heer, Sisara floh. Jael gab ihm Unterkunft und tötete ihn im Schlaf. »Bei den Kirchenvätern und in der christlichen Kuns gilt Jael ähnlich wie Judit als Typus für Maria, insofern sie einen gefährlichen Feind des Gottesvolkes unschädlich gemacht hat« (Marienlexikon, Bd 3, S. 344 f., s. v. Jael [Genoveva Nitz]).
A5 DIE TOCHTER JEPHTAS (Iud 11, 29-39) Hinter einem knienden jungen Mädchen steht sein Vater Jephta und setzt das Messer an, um die Tochter zu opfern, während er mit der Linken zum Himmel weist. Im Hintergrund eine trauernde Frau (die Mutter) und ein Soldat. - Jephta, Richter und Heerführer, hatte einen Sieg über die Ammoniter errungen. Er hatte für den Fall des Sieges gelobt, das erste Lebewesen, das ihm bei der Heimkehr an der Tür seines Hauses begegnen werde, zu opfern. Als das seine Tochter war, sein einziges Kind, zerriß er vor Verzweiflung seine Kleider, erfüllte aber das Gelübde mit dem Einverständnis der Tochter. ______________________________________
Die Parallele Jephtas Tochter/Maria ist wohl in der Bereitschaft zum Opfer zu sehen, durch das das Volk von Gilead/die Menschheit errettet wurde.
A6 SAMSON UND DALILA (Iud 16,4-21) In einem Raum mit großer Draperie links sitzt Dalila; auf ihren Knien ist Samson eingeschlafen. Dalila schneidet eine Locke vom Haupt des Samson. - Auch Dalila rettete ihr Volk - das der Philister -, indem sie das Geheimnis der Stärke Samsons, der sie liebte, erkundete und ihm durch das Scheren des Haupthaars die Stärke nahm. Durch ihre Heldentat wird Dalila mit Jael, Esther und Judith in die Reihe der typologischen Vorbilder für Maria als Virgo potens gestellt.
A7 NEHEMIAS VOR KÖNIG UND KÖNIGIN DER PERSER (Nehem 2,4-6) Auf zwei nebeneinander stehenden Thronen sitzen der Perserkönig Artaxerxes und die Königin. Sie hören die Bitte des Nehemias an. – Nehemias lebte am Hof des Artaxerxes in Susa als dessen Mundschenk. Als er von der Zerstörung Jerusalems und des Tempels erfuhr, flehte er den

21
ALTENERDING








König und die Königin an, ihn nach Jerusalem ziehen zu lassen, damit er es aufbaue. »Da fragte mich der König: Worauf geht deine Bitte hinaus? Da flehte ich zum Gott des Himmels und antwortete dem König: Wenn es dem König gut scheint ..., so sende mich nach Judäa, zur Stadt der Gräber meiner Väter, daß ich sie wiederaufbaue. Da sagte der König zu mir im Beisein seiner Gemahlin an seiner Seite: Bis wann wird deine Reise dauern? Wann kommst du zurück? Ich gab ihm eine bestimmte Zeit an, die dem König gut dünkte; und er ermächtigte mich, hinzugehen«.
Das Tertium comparationis bei dieser sehr selten dargestellten Szene ist das Nebeneinander-auf-dem-Throne-Sitzen von König und Königin, die gemeinsam die Bitte des Nehemias gewähren. Damit wird auf die unvergleichliche Stellung Mariens im Himmel hingewiesen und auf die daraus folgende Möglichkeit, die Bitten derer zu erfüllen, die sich an sie wenden.
Die Goldfarbe des Rahmens wird im Bild aufgenommen durch die gelben Töne der Glorie und die Gewänder der Magd und des Engels mit der Lilie. Kühles Grün und Rosa in den übrigen Gewändern konzentrieren sich um die Hauptgruppe. Dieser Farbklang wird durch die bläulich-weiße Draperie unterstützt, mit der zusammen er ein Gegengewicht zu den gelb-goldenen Tönen bildet. Eine Eigenheit Heigls, die ihn von Zimmermann unterscheidet, wird in diesem Bild besonders deutlich: Aufhellungen bewirkt Heigl nicht wie Zimmermann durch Auszehrung der Farben, sondern durch Beimischung und Höhungen in deckendem Weiß, so daß der Farbauftrag fast opak scheint im Gegensatz zur lichten Transparenz in den Fresken seines Lehrers.
Quellen und Literatur
StAM, LRA 147460: Restaurierungen 1876 und 1903. StAL, Kirchenrechnungen des Gerichts Erding 1720.
, StAL, Regierung Landshut A 4056-61, besonders A 4061 Ausmalung 1766/67.
AEM, Pfarrakten Altenerding, 107 2001 04: Pfarrvikar Grimb; 107 3002 08: Kirchenbau 1716-22; 107 3002 02: Pfarrkirche 1868–1924; 107 4001 03: Hochaltar.
AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 23/Erding Pfarrei Altenerding, Pfarrkirche Mariä Verkündigung (Georg Brenninger).
Pfarrarchiv Altenerding: Felix Fischer, Geschichte von Altenerding, Typoskript 1915, S. 204–40; Akt Pfarrgotteshaus 1520–1817; Akt Baureparaturen und Renovationen unter Pfarrer Felix Fischer 1903; Kassentagebuch 1956/57.
Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 522–24. Zöpf, Bernhard, Historisch topographische Beschreibung des kgl. Landgerichts Erding, Erding 1856, S. 158–61. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 340f. KDB I OB (2), S. 1211 f.





Landkreis Erding 1963, S. 148, 219
Kemp, S. 151f.
Faltermeier, Alois, Altenerding (Kirchenführer), Ottobeuren 41084.
Landkreis Erding 1985, S. 205, 207, 292
Koschade, Gerhard, Kirchenausstattungen von Matthias Fackler (1721–1792) im Erdinger Raum (Magisterarbeit München 1987). S. 74-76, 78 f.
Kupferschmied, Thomas Johannes, Der Freskant J. Martin Heigl. Arbeiten für Johann Baptist Zimmermann und selbstständige Werke (= Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München Bd 41), München 1989, S. 83–86.
Schierl, Wolfgang, Chronik von Altenerding, Erding 1988. Dehio 1990, S. 14f
Brenninger, Georg, Die Kirchen der Pfarrei Altenerding (= KKF 1842), München und Zürich 1990.
Marienlexikon, Bd 3, S. 94f., s. v. Heigl (Gerhard Koschade). Historischer Atlas I, Bd 58, Erding (Susanne Margarethe Herleth-Krentz), 1997, S. 130–33. A. B