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Altenburg, Haus Moritzstraße 6

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Altenburg, Haus Moritzstraße 6, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/be8fdaba-37d6-487e-817e-b1d53f2c206f

Inventarnummer: cbdd20238

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

In einem Raum hat sich Deckenmalerei erhalten, die entweder aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt oder aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Um ein Hauptbild mit verschiedenen Gottheiten auf Wolken sind vier Kartuschen mit Jahreszeitenallegorien angeordnet.

Das Haus Moritzstraße 6 in Altenburg

Kurzbeschreibung und Lage

Das Palais[1] steht an der Westseite der Moritzstraße, zentral in der Altstadt von Altenburg.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Gebäude stammt in seinen Ursprüngen von 1712-15. 1743 erwarb Juliane Wilhelmine Gotter das Haus, kaufte 1745 ein Nachbargrundstück hinzu und ließ 1748/49 durch den Altenburger Ratsbaumeister Johann Gregor Hellbrunn die Anlage für den Bankier Reichenbach umgestalten und erweitern. Weitere Umbauten erfolgten 1869 unter Carl Julius Zetzsche, 1895 und 1927. 1990 gelangte das Palais an die Treuhand und stand seit 1992 leer. 2006 begannen Sicherungsmaßnahmen. Seit 2010 wurde das Haus saniert und ist inzwischen wieder bewohnt.[2]

Beschreibung

Das dreigeschossige traufständige Palais ist sieben Fensterachsen breit und wird von rustizierten Ecklisenen begrenzt. Die zentralen drei Achsen treten als Mittelrisalit leicht hervor und sind in den Obergeschossen von korinthischen Kolossalpilastern gegliedert, die einen Dreiecksgiebel tragen. Fensterverdachungen, Festons und Kartuschen im Giebel schmücken die Fassade zusätzlich. Während sie in den Obergeschossen bis auf einen Balkon des 19. Jahrhunderts vor den mittleren drei Fenstern weitgehend dem Zustand aus der Mitte des 18. Jahrhunderts entspricht, ist das Erdgeschoss durch Ladeneinbauten des 19. und 20. Jahrhunderts stark verändert. Dem Hauptgebäude sind rückwärtige Seitenflügel angefügt. Ehemals nahm das erste Obergeschoss des Hauptgebäudes die Repräsentationsetage auf. Sie wird noch heute durch ein rückwärtiges Treppenhaus erreicht. Zum Hof hin befindet sich eine Diele, zur Straße hin liegen in Enfilade drei Räume, von denen der mittlere im Risalit einen etwas größeren Saal aufnimmt.[3]

Raum

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum stammt von einem Umbau 1748/49. Eventuell wurde er 1869 für Carl Julius Zetzsche umgestaltet.[4]

Beschreibung

Der Raum ist im Mittelrisalit gelegen und hat drei Fenster zur Straße nach Osten. Betreten wird er von Westen. Nach Norden und Süden schließen sich in Enfilade je ein nur zwei Achsen breiter Raum an. Die Wände sind heute schmucklos. Die Stuckdecke des 18. Jahrhunderts hat sich jedoch erhalten.

Decke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Stuckdecke wurde sehr wahrscheinlich 1749 geschaffen. Die 2006 wieder entdeckte Malerei wird teilweise ebenfalls in das 18. Jahrhundert datiert, teilweise aber auch in das 19. Jahrhundert.[5]

Beschreibung und Ikonographie

Die Voute steigt über einem profilierten Gesims auf. Sie ist mit einem Palmettenfries und Herzchenbordüre bemalt. Der Deckenspiegel wird durch ein umlaufendes Profil abgegrenzt. Seine Mitte nimmt ein querrechteckiges Feld ein, dessen Ecken konkav eingezogen und dessen Längsseiten in der Mitte konvex ausgewölbt sind. In den vier Ecken befinden sich kreisrunde Kartuschen. Die Zwischenräume werden von Akanthusschlingen eingenommen. Sowohl das Hauptfeld als auch die Eckkartuschen nehmen Malerei auf. Der übrige Bereich des Deckenspiegels ist im 19. Jahrhundert bronziert worden, sofern er nicht überhaupt aus dieser Zeit stammt. Das Hauptbild zeigt polychrom verschiedene Götter auf Wolken. Die Kartuschen nehmen in monochromer Rotmalerei Puttendarstellungen auf.[6]

Hauptbild

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Hauptbild stammt aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. Die Technik seiner Ölmalerei spricht für das 19. Jahrhundert. Es könnte sich um die Überfassung oder Neuinterpretation einer älteren Malerei handeln.[4]

Beschreibung und Ikonographie

Vor einem blauen Himmel haben sich auf Wolken verschiedene Götter niedergelassen. Sie stehen nur bedingt miteinander in Kontakt. Ganz links sitzt Neptun mit seinem Dreizack in der Hand. Eine Putte mit Blattzweig vermittelt zu dem weiter rechts sitzenden Vulkan, der durch seinen Hammer kenntlich gemacht ist. In der Mitte steht die nur mit einem grünen Umhang bekleidete Venus und deutet mit einem Pfeil auf eine abgelegte Rüstung. Ihr Sohn Amor hält das Schwert empor. Weiter rechts ist eine weitere Göttergruppe angeordnet, die aus Apoll mit Lyra, Diana mit Bogen und dem gerüsteten Mars besteht. Über allem schwebt ein Putto mit Lorbeerkranz.[7]

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Die Ansichtigkeit ist nicht auf die Eintretenden, sondern die Fenster ausgerichtet.

Nebenbilder

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Nebenbilder stammen aus dem 18. oder 19. Jahrhundert.[4]

Beschreibung und Ikonographie

In den vier Eckkartuschen befinden sich Putten auf oder über Wolken. Sie sollen wohl die vier Jahreszeiten darstellen. Zwei Putten, die für den Frühling stehen, tragen einen Blumenkorb empor. Die Putte des Sommers hält eine Korngarbe sowie eine Sichel in ihren Händen. Der Herbst wird durch zwei Putten mit Weinreben visualisiert. Für den Winter steht eine Putte, die sich mit einem Tuch vor dem kalten Wind zu schützen sucht. Der Malereiduktus entstammt eher dem 19. Jahrhundert, sodass man eventuell von einer partiellen Überfassung, wenn nicht gar Neuschöpfung ausgehen kann. Das würde auch die ungewöhnliche Winterallegorie erklären.[6]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. 2. Aufl. München/Berlin 2003.
  • Gehlauf, Moritzstraße, 2006. – Gehlauf, Karl-Heinz: Die Moritzstraße. Eine Straße in Altenburg - nur eine Straße? (Kulturhistorisches Porträt Altenburgs). Altenburg 2006.
  • Steudemann, Moritzstraße, 2002. – Steudemann, Günter: Altenburger Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert im Wandel der Zeit: Moritzstr. 6 (Historische Beiträge zu Altenburg und dem Altenburger Land), in: Altenburger Geschichts- und Hauskalender 11 (2002), S. 99-101.
  • Wolf, Moritzstraße, 2016. – Wolf, Jörg: Das Geheimnis der Moritzstraße 6. Versteckte Götter unter weißer Farbe & auch Hellbrunn legte hier Hand an, in: Osterländer Volkszeitung (01.08.2016), S. 13.
  • Archivalien:
  • Hausakten. – Hausakten, Untere Denkmalschutzbehörde Stadt Altenburg. Moritzstraße 6, Allgemein.
  • Wagner, Moritzstraße, 2008. – Wagner, Henry: Befunduntersuchungsbericht über Farbfassungen der straßenseitigen Ostfassade und Stuckdecke des 1. OG der Moritzstr. 6, 04600 Altenburg. Leipzig 2008.

Einzelnachweise

  1. Wolf, Moritzstraße, 2016. Wagner, Moritzstraße, 2008, S. 5; Dehio, Thüringen, 2003, S. 12; Steudemann, Moritzstraße, 2002, S. 99.
  2. Wolf, Moritzstraße, 2016; Gehlauf, Moritzstraße, 2006, S. 56, 94, 239; Steudemann, Moritzstraße, 2002, S. 99-101. Hausakten; Wagner, Moritzstraße, 2008, S. 5-6.
  3. Gehlauf, Moritzstraße, 2006, S. 94-95, 239; Dehio, Thüringen, 2003, S. 12; Steudemann, Moritzstraße, 2002, S. 99-101. Hausakten.
  4. 4,0 4,1 4,2 Hausakten.
  5. Wolf, Moritzstraße, 2016; Dehio, Thüringen, 2003, S. 12; Wagner, Moritzstraße, 2008, S. 8, 11; Gehlauf, Moritzstraße, 2006, S. 239. Hausakten.
  6. 6,0 6,1 Wagner, Moritzstraße, 2008, S. 11-12. Hausakten.
  7. Dehio, Thüringen, 2003, S. 12. Hausakten.