Achim, Herrenhaus und Amtssitz
Inventarnummer: cbdd10009
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Im Herrenhaus von 1704/06 hat sich ein allegorisches Deckengemälde vermutlich von Tobias Querfurt d. Ä. erhalten.

Bauwerk
„Domäne. Nach Brand 1791 insbesondere die Wirtschaftsgebäude erneuert. - Herrenhaus um 1700 als Amtshaus für den Oberhofmarschall Friedrich v. Steinberg errichtet, H. Korb zugeschrieben; verwandt der Anlage von Salzdahlum. Zweigeschossiger, flächig behandelter Fachwerkbau mit Walmdach, an der Gartenseite im Mezzanin des Mittelrisalits querovale Fenster. - Innen hervorragende Raumverhältnisse. Vom Vestibül aus führt eine großzügige zweiarmige Treppe über einen Absatz im Gegensinn zum Vorplatz des überhöhten Festsaals, der mit korinthischen Doppelpilastern und kräftigem Gesims gegliedert ist. Allegorisches ovales Deckengemälde, Öl auf Leinwand, vermutlich vom Hofmaler T. Querfurt.“[1]
Das Herrenhaus in Achim wurde für Friedrich von Steinberg als Fachwerkbau errichtet. Er war auch der Besitzer und Bauherr von Haus Brüggen. Der Bau in Achim ist annähernd zeitgleich mit dem in Brüggen errichtet worden. 1694 entstanden die Stallungen, der Bau des Herrenhauses begann wohl ca. 1704/05 und war 1706 abgeschlossen. Der Architekt ist gemäß Zuschreibung Hermann Korb. 1750 wurde die Anlage an die Landesherrschaft verkauft.[2]
Hauptsaal
Der Hauptsaal im ersten Obergeschoss befindet sich über dem Vestibül an der Eingangsseite. Der überhöhte Raum ragt in das Obergeschoss. Seine Wände von Pilastern — teilweise gekuppelt — gegliedert. Zwischen ihnen befinden sich in der oberen Wandhälfte Tondi. Deren Darstellungen sollen wegen ihres angeblich anstößigen Inhalts im 19. Jahrhundert durch so genannte Umrissmalereien ersetzt worden sein.
Deckengemälde
In die Decke ist ein Leinwandgemälde von Tobias Querfurt dem Älteren eingelassen. Es zeigt zwei auf gegenüberliegenden Scheinarchitekturen befindliche Personengruppen. Die eine Gruppe mit vier Personen stellt den Bauherren und sein politisches Umfeld dar, die andere Gruppe mit zwei Personen vermutlich die am Bau beteiligten Künstler. Bei der Vierergruppe erkennt man neben dem Bauherrn vermutlich Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, den Landesherrn, ferner einen Geistlichen sowie eine weitere, bislang nicht identifizierbare Person. Die Zweiergruppe zeigt eine Person, welche nach oben zeigt – das könnte Tobias Querfurt sein – und eine dunkel gekleidete im Kopfbedeckung im Profil – hier vermutet man den Architekten Hermann Korb. Zwischen den beiden Gruppen öffnet sich der Himmel. Auf Wolken sind zahlreiche allegorische weibliche Gestalten gelagert, die wohl die Künste darstellen: Die nackte Personifikation der Bildhauerei wendet dem Betrachter ihren Rücken zu und hält einen Schlägel in der Hand. Die Malerei ist mit Palette und Malstock kenntlich gemacht. Der Gesang hält eine Laute und die Musik eine lange Trompete. Sie werden von Genien mit entsprechenden Attributen umringt. Am unteren Rand – erstaunlicherweise auf der Seite der vermutlichen Künstler – ist ein Schild mit dem Namenszug des Auftraggebers gemalt.[3]
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Niedersachsen, 1992. – Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
- Meier, Kreis Wolfenbüttel, 1906. – Meier, Paul J. (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wolfenbüttel. Mit Ausschluss der Stadt Wolfenbüttel. Wolfenbüttel 1906.
- Möller, Achim, 1976. – Möller, Hans Herbert: Das Herrenhaus in Achim. In: Niedersächsische Denkmalpflege 8 (1976), S. 109-121.
- Paulus, Land-Wohnungen, 2006. – Paulus, Simon: Von Land-Wohnungen und Myereien, sonderlich vor die von Adel … In: Hermann Korb und seine Zeit: 1656 - 1735. Barockes Bauen im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Braunschweig 2006, S. 125-144.
- Schwarz, Rittersitze, 2008. – Schwarz, Gesine: Die Rittersitze des alten Landes Braunschweig. Göttingen 2008.