Absberg, Deutschordensamtsschloss

Albers, Laura:Absberg, Deutschordensamtsschloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/ad258c36-525d-4e91-85ec-b3422ec0f62e

Inventarnummer: cbdd10123

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Die zerstörte Decke im Rittersaal des Deutschordensschlosses Absberg (erb. 1725-1727) zeigte Venus, im Beisein ihres Sohnes Priapos, bei der Waffenübergabe an Aeneas. Sie versinnbildlicht den Deutschen Orden in seiner Rolle als Fürsorger seiner Ritter. Benedikt Gambs soll als Maler signiert haben.

Absberg, Schloss (BLfD)
Absberg, Schloss (BLfD)

Vogteischloss Absberg

Bauwerk

Das dreigeschossige, dem Architekten Franz Keller zugeschriebene Schloss Absberg diente als Repräsentativbau der Vogtei der Landkommende Ellingen. Die nach Norden geöffnete Dreiflügelanlage mit neun Fensterachsen an den Schmalseiten und 17 Fensterachsen an der Langseite wird durch Eckpavillons gegliedert, wobei Lisenen die einzelnen vertikalen Achsen einfassen. Die Pavillons werden durch Doppellisenen und Mansarddächer von den Flügeln abgehoben. Der Mittelrisalit der nach Süden ausgerichteten Schauseite wird ebenfalls durch doppelte Lisenen gerahmt. Ursprünglich befand sich ein heute nicht mehr erhaltener Zwerchgiebel[1]mittig an der Langseite. Das Erdgeschoss des Mittelrisalites und der Eckpavillons ist gebändert und schließt in der Horizontalen durch ein Gesims ab. Die oberen beiden Geschosse werden durch ein geschosstrennendes Band gegliedert. Die Fenster haben Bandumrahmung.

Im westlichen Schmalflügel befindet sich der Eingangsbereich. Das Portal nimmt das Erdgeschoss sowie das erste Geschoss ein und schließt mit einem geschweiften, ins zweite Obergeschoss spitz zulaufenden Gesims ab. Gerahmte horizontale und vertikale Felder bilden einen dreiteiligen Aufbau, wobei die Mittelachse mit dem Hochreckfenster als eine leicht vorgezogene Bahn betont wird und den Blick auf das Wappen des Hoch- und Deutschmeisters Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1664-1732) lenkt. Auf dem das Wappen bekrönenden Abschlusssims sitzen zwei Löwen.

Die Räume im ersten Obergeschoss sowie die Repräsentationsräume im zweiten Geschoss waren mit Stuck von Franz Joseph Roth und seinem Umkreis ausgestattet. Im sogenannten Rittersaal im zweiten Obergeschoss befanden sich Deckenmalereien, die jedoch, wie auch ein Großteil der Räume mit Stuckbestand, durch einen Brand im Jahr 1969 zerstört wurden. Im zweiten Obergeschoss soll es einen weiteren Saal mit einem „jetzt leeren Feld, das einen Spiegel oder ein Gemälde enthielt“[2], gegeben haben. Die Malereien in der ebenfalls im Hauptflügel gelegenen Schlosskapelle waren zum Zeitpunkt des Brands bereits „neu“[3]. Im Jahr 1909 erwarb die Regens-Wagner-Stiftung das Schloss, das heute als eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung dient.[4]

Rittersaal

Der zentrale Rittersaal im zweiten Obergeschoss nimmt mit drei mal drei Achsen die gesamte Tiefe des Südflügels ein. Band-und Rankenmotive, sowie Gitterfelder und kriegerische Embleme als „charakteristische Schöpfung Roths“[2]zierten die stuckierte Decke. Der Raum ist bei einem Brand 1969 stark in Mitleidenschaft gezogen worden; die Deckenmalereien sind dabei verloren gegangen.

Waffenübergabe an Aeneas durch Venus

 
Absberg, Schloss (BLfD)

Der Rittersaal war mit einem großen Mittelbild und vier kleinen Eckgemälden geschmückt. Auf einer historischen Aufnahme von vor dem Brand 1969 sind das Mittelbild sowie zwei der Eckmedaillons zu erkennen. Der Aufnahmewinkel ist gen Fensterfront gerichtet, wobei unklar ist, ob es sich hier um die hofseitige oder die südliche Fensterfront handelt.

In einem geschweiften, profilierten Rahmenwerk ist das kleeblattförmige große Mittelbild eingelassen, auf dem die Waffenübergabe an Aeneas durch seine Mutter Venus dargestellt ist. In ihrem Wagen sitzt ihr Sohn Priapos. In den zwei Eckmedaillons sind die Kardinaltugenden der Mäßigung und der Stärke dargestellt. Die Vorlage für diese Malerei entstammt Samuel Bottschilds Opera varia historia poetica, 1693 von Johann Christoph Weigel in Nürnberg verlegt.[5]

Die in wehendem, weißem Gewand gekleidete Venus schwebt von Wolken umgeben im oberen Zentrum des Bildes vor dem vor ihr knienden Sohn Aeneas. In blassem Teint und mit entblößter Brust hält sie in ihrer rechten Hand ein Schwert; mit ihrer linken deutet sie auf den von einem Putto gehaltenen Helm mit ausladendem Federnbusch und ein Schild. Unter dem Schwert schwebt ihr Attribut, die Muschel, auf Venus als die Schaumgeborene hinweisend. Ihr sanfter Blick ist auf Aeneas gerichtet, der in Rüstung auf einem Felsen kniet und mit geöffneten Armen die Waffen seiner Mutter entgegennimmt. Ein weiterer Putto zeigt seinem die Waffen tragenden Gefährten den Empfänger der Gaben.

Rechts von Venus ist ihr mit Girlanden geschmückter Wagen zu erkennen, dessen Deichsel mit Maskaron verziert in die Bildmitte hineinragt und durch seine Ausrichtung den Blick auf den Engel mit Helm und Schild lenkt. Bei der auf dem Wagen sitzenden Figur mit Widderhörnern handelt es sich um Priapos, ebenfalls Venus‘ Sohn.

Am linken Bildrand befinden sich zwei Tauben in Angriffs- und Abwehrhaltung. Sie scheinen mit ihrer Auseinandersetzung den Zweikampf zwischen Aeneas und seinem Kontrahenten Turnus vorwegzunehmen, aus der Aeneas als Sieger hervorgehen wird.

Auf dem Bild sei „B. Gambs Fecit Anno . 1725“[2] signiert gewesen, was auf dem historischen Foto nicht nachzuvollziehen ist. Das Allgemeine Künstlerlexikon nennt (im Eintrag zu Benedikt Gambs den Jüngern) Benedikt Gambs den Älteren (1681 geboren) als Maler im Rittersaal von Absberg.[6]

Die auf der Aufnahme zu erkennenden Eckbilder zeigen die Allegorie der Mäßigung, die aus zwei Behältnissen Wasser und Wein in einen Krug gießt, sowie die Allegorie der Stärke mit den Attributen der Säule und des Helmes. Sehr wahrscheinlich befanden sich in den beiden anderen Ecken die zwei weiteren Kardinaltugenden der Klugheit und der Gerechtigkeit.

Synthese zur Deckenmalerei im Rittersaal

Das Motiv der Waffenübergabe aus Vergils Aeneis, die vier Kardinaltugenden (Fortitudo, Temperantia, Prudentia und Justitia) sowie die stuckierten kriegerischen Trophäen lassen den Deutschen Ritterorden als Auftraggeber erkennen. Im nahe gelegenen Ellingen residierte der Landkomtur der Ballei Franken, Carl Heinrich von Hornstein, der auch Auftraggeber des Vogteischlosses Absberg war. Vergils Absicht mit der Aeneis eine Rückbesinnung der Römer auf die Tugenden zu erreichen, könnte im übertragenen Sinn auch die Intention des Auftraggebers in Absberg gewesen sein. Die Ordensritter sollen sich neben Kampfbereitschaft und Stärke auch Umsicht, Milde und Gottesfurcht als wichtige Eigenschaften ihres Standes vergegenwärtigen. Nur dann würden sie, wie Aeneas, als Held aus der Geschichte hervorgehen. Überdies ist in der Darstellung der Venus mit ihren Söhnen eine Anspielung auf das Motiv der Mutterliebe zu erkennen. In Bezug auf den Objektkontext kann der Deutsche Orden in der Rolle als Mutter für die Ritter gedeutet werden, der, stellvertretend für die Kirche und den rechten Glauben, für seine Angehörigen sorgt.

Ehem. Schlosskapelle

Im östlichen Erdgeschoss und ersten Obergeschoss beherbergt der Hauptflügel die ehemalige Schlosskapelle, die 1727 konsekriert wurde.[7] Der rechteckige Raum umfasst an der Längsseite sechs, an der Schmalseite zwei Fensterachsen. Im angrenzenden Nordflügel schließt sich die Sakristei an, über der ein sechseckiger Dachreiter hervortritt. Im Westen verfügt der Saal über eine Empore. Die Wandflächen werden durch korinthische Pilaster gegliedert. Die darauf aufsetzenden flachen Stichkappen überspannen die Fensterachsen und führen zur Spiegeldecke mit stuckiertem Bandelwerk, Blumengirlanden, Vasen und Engelsgruppen über.[8] Die zwei zentralen Bildfelder in geschweiften, profilierten Stuckrahmen waren mit Deckenmalereien ausgefüllt. Bemerkenswert sind die zu C-Bögen tendierenden Ornamentformen, die als Übergang zum etwas später einsetzenden, asymmetrischen Dekorationsstil des Spätbarock gedeutet werden können.

Im Jahr 1834 wurde die Schlosskapelle zur Pfarrkirche St. Ottilien umgestaltet.[9] Im Jahr 1925 äußerte der Generalkonservator Georg Hager im Namen des Denkmalamts der katholischen Kirchenverwaltung in Absberg, dass die „feine Ausstattung aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts […] in den Achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts sehr unglücklich“ restauriert worden sei. Er rät, die „ganz wertlosen jetzigen Deckenbilder“ durch neue zu ersetzen.[10] Die im Kunstdenkmalinventar von 1937 als „neu“ bezeichneten Gemälde wurden in einem Briefwechsel 1980 vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege an das Pfarramt Absberg als „nazarenische“[11]Deckenbilder angesprochen. Der genaue Entstehungszeitpunkt ließ sich aus den Denkmalakten nicht ermitteln. Trotz intensiver Durchsicht der Akten konnte zudem zu den Bildinhalten der ursprünglichen malerischen Ausstattung zu Beginn des 18. Jahrhunderts nichts in Erfahrung gebracht werden.

Bei dem Brand 1969 ist das östliche der beiden Bilder vollkommen zerstört worden. Dieses Deckengemälde mit einer Darstellung der Taufe der Ottilia ist auf der historischen Fotografie von vor 1969 erkennbar. Bei Restaurierungen in den Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der nun leere Bildrahmen mit Stuckwerkverzierungen gefüllt.[12] Das westliche, erhaltene Gemälde zeigt eine Darstellung, in der die sterbende Heilige Ottilia während der Messe von Ordensschwestern aufgefangen und von Engeln in den Himmel zu dem sie empfangenden Christus hinauf geleitet wird.

Bibliographie

  • Gröber/Mader, Gunzenhausen, 1937. - Mader, Felix und Gröber, Karl: Die Kunstdenkmäler von Bayern. Die Kunstdenkmäler von Mittelfranken, Bezirksamt Gunzenhausen Bd. VI. München 1937.
  • Kießling, Weißenburg, 2000. - Kießling, Gotthard: Denkmäler in Bayern. Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Bd. V.70/1, München 2000.

Einzelnachweise

  1. Ein Zwerchgiebel ist auf dem Wappenkalender des Deutschen Ordens von 1783 überliefert, welcher im Ellinger Schlossmuseum ausgestellt ist. Vgl. Mader/Gröber, Gunzenhausen, 1937, S. 18, Abb. 7.
  2. 2,0 2,1 2,2 Gröber/Mader, Gunzenhausen, 1937, S. 20.
  3. Gröber/Mader, Kunstdenkmäler Gunzenhausen, 1937, S. 20.
  4. Kießling, Weißenburg, 2000, S. 16ff.; Gröber/Mader, Gunzenhausen, 1937, S. 15ff.; Regens-Wagner-Stiftung https://regens-wagner-absberg.de/[zuletzt aufgerufen am: 23.10.2020].
  5. Aeneas erhält von Venus Waffen, Graphikportal: https://www.graphikportal.org/document/gpo00036628 [zuletzt aufgerufen am 23.07.2021]
  6. „Gambs, Benedikt (1703)“ in: AKL 48 (2006) S. 261; ThB 13 (1920) S. 143 (s.v. G. und G., J.).
  7. Gröber/Mader, Gunzenhausen, 1937, S. 15.
  8. Kießling, Weißenburg, 2000, S. 17.
  9. Kießling, Weißenburg, 2000, S. 16.
  10. BLfD, Ortsakt Absberg Ehem. Deutschordensschloss, D-5-77-111-2, (A) 1910-1992, Briefwechsel vom BLfD an die Kath. Kirchenverwaltung Absberg am 7.12.1925.
  11. BLfD, Ortsakt Absberg Ehem. Deutschordensschloss, D-5-77-111-2, (A) 1910-1992, Briefwechsel vom BLfD an Pfarramt Absberg am 23.11.1977.
  12. BLfD, Ortsakt Absberg Ehem. Deutschordensschloss, D-5-77-111-2, (A) 1910-1992, Briefwechsel vom Kath. Pfarramt Absberg an das LfD vom 31.07.1982.